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Chemotherapie © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Stellenwert: Was bringt die Zytostatika-Behandlung bei Krebs?

Nutzen und Risiken einer Chemotherapie, Kriterien zur Therapieentscheidung

Die moderne Chemotherapie hat schon bei vielen Patienten zur Heilung beigetragen, und bei anderen zumindest belastende Symptome einer Krebserkrankung gelindert. Trotzdem wird ihr Stellenwert in der Öffentlichkeit immer wieder diskutiert.
Experten betonen den nachgewiesenen Nutzen für viele Krebspatienten. Werden Zytostatika jedoch als vermeintlich letztes Mittel eingesetzt, ohne Abwägung von Wirkung, Nebenwirkung, Nutzen und Schaden, muss eine "Chemotherapie um jeden Preis" vor allem bei Schwerstkranken durchaus hinterfragt werden.
Wie Krebsmediziner heute gemeinsam mit Patienten eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung treffen können, hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt. Eine Übersicht zum Stellenwert der Chemotherapie bei den einzelnen Tumorformen finden Betroffene und Interessierte in der Rubrik "Krebsarten".

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Quellen und Links

Als Quellen wurden aktuelle Lehrbücher der Krebsmedizin und der Arzneimitteltherapie genutzt. Links führen zu ergänzenden Informationen, weitere Linkhinweise sind im Kapitel "Mehr wissen über Chemotherapie: Links, Adressen, Broschüren, Fachinformationen" aufgeführt.

Möglichkeiten abschätzen: Wo und wie soll eine Behandlung wirken?

Auch wenn für viele Menschen die Chemotherapie als Inbegriff der Krebstherapie schlechthin gilt: Sie ist längst nicht bei allen Krebspatienten notwendig. Auch ist sie nur für die wenigsten Betroffenen das erste Behandlungsverfahren gleich nach der Diagnose. Bei vielen Krebspatienten steht die Operation am Beginn ihrer Behandlung.
Eine Chemotherapie kommt eher ergänzend hinzu, wenn überhaupt.
Als wichtigste Behandlungsform gelten Zytostatika aber zum Beispiel bei den akuten Leukämien und vielen malignen Lymphomen: Hier richtet sich die Therapie gegen die im gesamten Blut- und Lymphsystem verstreute Zellen. Jede Form der Chemotherapie, die wie in diesem Beispiel auf den ganzen Körper zielt, wird als "systemisch" bezeichnet.

Systemische und regionale Chemotherapie

Eine solche systemische Behandlung kann aber auch bei Tumoren notwendig werden, die zunächst durch eine Operation gut behandelbar erscheinen: wenn die Gefahr besteht, dass die Krebszellen über die eigentliche Tumorregion hinaus bereits gestreut haben. Eine solche Chemotherapie kann "neoadjuvant" erfolgen, also vor einer Operation, oder "adjuvant", nämlich begleitend oder ergänzend nach einem chirurgischen Eingriff.

Hat ein solider Tumor schon gestreut und sind Krebszellen im Körper verbreitet, würden lokale Maßnahmen wie eine Operation oft zu kurz greifen. Auch hier hat die systemische Chemotherapie ihre Berechtigung: Sie kann das Wachstum der verstreuten Tumorzellen und Metastasen bremsen und Beschwerden lindern.

Es gibt wenige Ausnahmen: Im Gegensatz zur systemischen Chemotherapie ist eine "regionale" oder "lokale" Chemotherapie (RCT) eine Behandlung, die auf ein Organ oder eine Körperregion beschränkt bleibt.
Voraussetzung ist allerdings oft eine kleinere oder größere Operation, in der die betroffene Körperregion oder das betroffene Organ zeitweilig vom Blutkreislauf getrennt wird. Dann  gelangt das Zytostatikum über ein Blutgefäß gezielt nur in die Tumorregion und wird, wenn möglich, gezielt auch wieder am sonstigen Körper vorbei abgeleitet.
Eine andere Möglichkeit ist es, Zytostatika gezielt in eine Arterie zu geben, die unmittelbar das betroffene Organ oder gar nur den Tumor versorgt.
Eine solche Behandlung kommt allerdings nur für sehr wenige Krebsarten und nur in ganz bestimmten Situationen infrage. Die meisten Erfahrungen liegen bei Lebertumoren vor, und auch hier ist die regionale Chemotherapie nicht für jeden Patienten die geeignete Behandlung.

Therapiewahl: Wissen entscheidet

Nicht jedes Zytostatikum wirkt bei jeder Krebsart gleich gut: Hinter dem Begriff "Krebs" verbergen sich in Wirklichkeit mehr als hundert durchaus verschiedene Krankheitsbilder.
In Studien muss daher nachgewiesen sein, dass die jeweilige Tumorart voraussichtlich auf die Medikamente ansprechen wird. Geprüft wird, bei wie vielen Patienten in der gleichen Situation die Chemotherapie zu einem messbaren Tumorrückgang führt und bei wie vielen nicht.
Neue Zytostatika müssen sich zudem im Vergleich zu anderen, bereits etablierten Therapieformen als besser erweisen: Nur wenn sie Patienten mehr Vorteile als die bisher übliche Behandlung bieten, ist ihre Verwendung sinnvoll.

Was als Nutzen einer Chemotherapie angesehen wird, definiert sich auf keinen Fall aber nur daran, wie sich der Tumor verhält. Bei der Prüfung des Nutzens spielen auch Nebenwirkungen eine Rolle: Trägt eine Chemotherapie zur langfristigen Heilung bei, werden viele Patienten kurzfristig auch belastende Nebenwirkungen akzeptieren. Anders sieht die Bewertung aus, wenn eine Chemotherapie das Leben zwar für einige Zeit verlängern kann, aber auf Dauer keine Heilung herbeiführt. Dann darf durch die Behandlung die Lebensqualität nicht einschneidend verschlechtert werden.

Nicht nur solche wissenschaftliche Daten, auch persönliche Faktoren der einzelnen Patienten werden in die Therapieplanung einbezogen: Der allgemeine Gesundheitszustand eines Patienten spielt bei der Behandlungsplanung eine wichtige Rolle. Vorerkrankungen zum Beispiel des Herzens, Nierenschäden oder andere Leiden werden von den Ärzten berücksichtigt, um eventuelle Risiken der Behandlung besser abschätzen zu können.

Ziele festlegen: Heilen oder lindern?

Liegen nach der Diagnosestellung die wichtigsten Informationen vor? Dann stellt sich bei der Behandlungswahl die Frage, welche Ziele mit einer Chemotherapie realistisch zu erreichen sind.
Für Patienten wie Ärzte bedeutet dies, die Vorteile gegenüber den zu erwartenden Nebenwirkungen und möglichen Langzeitfolgen sorgfältig abzuwägen. Statistische Daten aus der Krebsforschung, Ergebnisse klinischer Studien und ärztliche Fachempfehlungen, sogenannte Leitlinien zur Tumortherapie, bieten einen Rahmen für mögliche Entscheidungen.
Auch persönliche Aspekte und Kriterien spielen eine Rolle – letztlich muss jeder Patient gemeinsam mit dem Arzt die Behandlungsziele festlegen und entscheiden, welche Risiken er hierfür in Kauf zu nehmen bereit ist.

Folgende Begriffe werden im Zusammenhang mit einer Chemotherapie (wie auch mit anderen Therapieverfahren) verwendet:

  • Kurativ: Die Behandlung hat die Heilung zum Ziel. Sind die Chancen für eine Heilung vergleichsweise hoch, raten Krebsmediziner ihren Patienten unter Umständen auch zu aggressiven Therapien, selbst wenn diese kurzfristig viele Nebenwirkungen haben oder Langzeitfolgen zu erwarten sind - sie gehen davon aus, dass die Vorteile die Belastung überwiegen und der Nutzen größer ist als der Schaden.
  • Palliativ: Die Behandlung kann das Fortschreiten der Krankheit aufhalten oder zumindest verlangsamen, aber nicht alle Tumorzellen abtöten. Eine palliative Chemotherapie sollte so gewählt werden, dass ihre Nebenwirkungen längerfristig nicht belastender sind, als es die der unbehandelten Erkrankung wären. Der Zugewinn an Lebenszeit muss so deutlich ausfallen, dass er für den einzelnen Patienten vorübergehende Nebenwirkungen rechtfertigt.
    Selbst wenn sich eine Heilung nicht erzielen lässt, ist eine palliative Chemotherapie sinnvoll, wenn dadurch Beschwerden wie etwa Schmerzen eingedämmt werden können.
  • Adjuvant: Die Therapie begleitet eine eigentlich kurative Behandlung (siehe oben), oder schließt sich an sie an. Eine Chemotherapie nach einer Operation, bei der alles sichtbare Tumorgewebe entfernt wurde, kann beispielsweise das Risiko eines Rückfalls senken. Sie wirkt gegen einzelne Krebszellen, die, unsichtbar für den Chirurgen und selbst aufwändige Diagnoseverfahren, bereits ins Gewebe gewandert oder über Blut- oder Lymphbahnen verschleppt waren.
    Hier geht es bei der Risiko-Nutzen-Abwägung also um die Absicherung des Behandlungserfolgs oder auch, einfach ausgedrückt, zwischen "sicher" und "sehr sicher".
    Wie hoch der zu erwartende Vorteil durch die Chemotherapie jeweils ist, muss anhand von Studiendaten abgeschätzt werden, kann aber für jeden einzelnen Patienten nicht sicher vorhergesagt werden. 
  • Neoadjuvant: Die Therapie geht einer kurativen Behandlung (siehe oben) voraus. Bei einigen Tumorformen kann statt einer adjuvanten Behandlung nach der Operation auch eine neoadjuvante Chemotherapie vor dem Eingriff erfolgen. Mit einer neoadjuvanten Chemotherapie versuchen Krebsmediziner außerdem oft auch, einen großen Tumor vor einer Operation zu verkleinern. Manche Patienten können überhaupt nur dank einer vorgeschalteten "Chemo"  erfolgreich operiert werden.

Ältere Patienten: Wem kann eine Chemotherapie zugemutet werden?

Ältere Patienten und vor allem ihre Angehörigen sprechen bei der Therapieplanung häufig ihre Angst an, dass ein Mensch in fortgeschrittenem Alter durch eine Chemotherapie über Gebühr belastet würde.

Tatsächlich leiden viele ältere Menschen unter Erkrankungen, die eine Behandlung mit Zytostatika deutlich erschweren. Das können zum Beispiel Nierenprobleme sein, was die Ausschwemmung der Medikamente erschwert. Oder sie sind bereits vor der Diagnose einer Krebserkrankung in einem schlechten gesundheitlichen Allgemeinzustand, so dass sie Nebenwirkungen und Belastungen schlechter verkraften würden. Dann muss die Behandlung gegebenenfalls an die individuelle Situation angepasst werden. Ausgeschlossen ist eine Chemotherapie aber vergleichsweise selten.

Insgesamt gelten bei der Therapiewahl grundsätzlich dieselben Kriterien wie bei jüngeren Menschen auch – entscheidend ist, ob der Patient oder die Patientin von der Chemotherapie einen Nutzen erwarten kann, der ihre Nebenwirkungen überwiegt, oder nicht.

  • Eine obere Altersgrenze, ab der Menschen gar nicht mehr mit Chemotherapie behandelbar wären, gibt es nicht.
  • Mit der wachsenden Lebenserwartung wird das Thema Krebsbehandlung von älteren Patienten eine immer größere Bedeutung bekommen.
    Weiterführende Informationen hat der Krebsinformationsdienst daher in einem eigenen Text zusammengestellt: "Krebs im Alter".

Fragen an den Arzt: Welche Informationen sind wichtig?

Um über eine Behandlung mit Zytostatika aktiv mitentscheiden zu können, brauchen Patienten eine Vielzahl von Auskünften von ihren Ärzten – Informationen aus dem Internet können ein persönliches Gespräch nicht ersetzen, da sie ein Thema zwangsläufig immer nur im Überblick darstellen. Der Krebsinformationsdienst hat deshalb ein Informationsblatt "Behandlungswahl – was muss ich wissen" (PDF) erstellt. Es soll helfen, wichtige Fragen zu formulieren und sich so auf ein Arztgespräch vorzubereiten.