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Chemotherapie © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Chemotherapie

Kann man sie vermeiden?

Die allermeisten Zytostatika sind nicht wirklich krebsspezifisch wirksam. Sie richten ihre Aktivität gegen alle besonders schnell wachsenden Gewebe. Folgeerscheinungen können -  je nach Substanz und Dosis - kurzfristige Beeinträchtigungen der Schleimhäute in Mund, Rachen und Verdauungstrakt sein, oder auch der von vielen Patienten besonders mit der Chemotherapie in Verbindung gebrachte Haarausfall. Auch Blutbildung im Knochenmark kann durch Zytostatika beeinträchtigt werden.
Wie ausgeprägt diese oder andere Nebenwirkungen sind, hängt allerdings von der Substanz und von der Dosis ab, auch die individuelle Situation spielt eine Rolle: Längst nicht alle Patienten sind tatsächlich von schwerwiegenden Problemen betroffen. Daher bietet der Krebsinformationsdienst hier nur einen allgemeinen Überblick. Was auf einen Krebspatienten zukommt, und wie auftretende Nebenwirkungen behandelt werden, können behandelnde Ärzte vor Ort am besten beurteilen.

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Quellen und Links

Als Quellen wurden aktuelle Lehrbücher der Krebsmedizin und der Arzneimitteltherapie genutzt, außerdem Datenbanken mit Fachinformationen zu in Deutschland zugelassenen Arzneimitteln zur Chemotherapie. Links führen zu ergänzenden Informationen, weitere Links und Quellenhinweise sind im Kapitel "Mehr wissen: Links, Adressen, Broschüren" aufgeführt.

Nebenwirkungen: Welche Folgen kann eine Chemotherapie haben?

Haarausfall, Nagelschäden, Schleimhautprobleme

Patientinnen, bei denen Haarausfall wahrscheinlich ist, erhalten schon vor Beginn der Therapie ein Rezept für eine Perücke. Diese sollte vom Friseur noch individuell nachgeschnitten oder gefärbt werden. Ob Männer ebenfalls eine Perücke auf Rezept erhalten, muss mit der Krankenkasse vorab geklärt werden: Nicht alle Versicherungen übernehmen die Kosten. Sie argumentieren damit, dass Kahlköpfigkeit auch für viele gesunde Männer nichts Ungewöhnliches sei.
Seltener sind Nagelveränderungen durch manche Zytostatika, doch auch dievergleichsweise schnell nachwachsenden Zellen an der Nagelwurzel können betroffen sein. So erscheinen einige Zeit nach Behandlungsbeginn bei manchen Betroffenen beispielsweise weiße Streifen oder Quer- und Längsrillen auf den Nägeln. Sie sind ein Zeichen dafür, dass das Wachstum zeitweilig verlangsamt war. Schwere Veränderungen, die die Stabilität des Nagels deutlich beeinträchtigen oder gar zur Ablösung führen, sind möglich. Sie sind aber vergleichsweise selten, und sie treten auch nicht bei allen Zytostatika auf.

Besonders bei höher dosierten Chemotherapien werden auch die Schleimhäute im Mund, im Verdauungstrakt und im Genitalbereich in Mitleidenschaft gezogen. Dies kann zum Beispiel bei der Therapie hochmaligner Lymphome oder akuter Leukämien der Fall sein. Patientinnen, die beispielsweise eine adjuvante Chemotherapie nach einer Brustkrebsoperation, erhalten, sind dagegen von ausgeprägten Schleimhautproblemen seltener betroffen. Wie häufig mit solchen Entzündungen und Wunden zu rechnen ist, hängt von den verwendeten Zytostatika ab.
Von Ärzten und Pflegefachleuten erhalten Betroffene Tipps, wie sich durch eine sorgfältige Pflege die Schleimhäute schützen lassen, und was man gegen Infektionen tun kann.
Die Haut selbst ist weniger empfindlich, die meisten Betroffenen haben keine generellen oder anhaltenden Probleme. Ganz ausgeschlossen sind Nebenwirkungen einer Chemotherapie jedoch nicht: Es gibt je nach Substanz und persönlicher Empfindlichkeit Patienten, die allergisch reagieren. Andere bemerken, dass sie vorübergehend UV-Strahlung und auch manche Kosmetika oder auch den Kontakt zum Beispiel mit Haushaltsreinigern oder Waschpulver nicht gut vertragen.

Bereits relativ bald nach dem Ende einer Chemotherapie bilden sich diese Nebenwirkungen aber zurück: Haare und Nägel wachsen wieder nach, und wunde Schleimhäute heilen ab. Von dauerhaften Schäden durch Zytostatika an den Haaren oder der Haut berichten nur sehr wenige Patienten.

Mehr zum Thema Haarausfall, Haut- oder Nagelveränderungen sowie zur Mundpflege und Intimhygiene bei Schleimhautproblemen hat der Krebsinformationsdienst in der Rubrik "Belastende Symptome" zusammengestellt.

Blutbild

Wie sich die Behandlung auf  weiße Blutkörperchen auswirkt, die für die Immunfunktion verantwortlich sind (Leukozyten), wird während einer Chemotherapie engmaschig überwacht. Ist die Immunfunktion stark eingeschränkt, müssen die Ärzte unter Umständen die Chemotherapie unterbrechen oder die zeitlichen Abstände zwischen einzelnen Chemotherapie-Zyklen verlängern: Die Infektionsgefahr steigt, wenn zu wenige Leukozyten im Blut sind. Fieber ist hier ein erstes, aber nicht das einzige Warnsignal für eine Infektion.

Ist von vornherein zu erwarten, dass eine Chemotherapie das Immunsystem sehr stark in Mitleidenschaft ziehen wird, können Ärzte vorab Antibiotika einsetzen. Damit sich schneller Immunzellen nachbilden, erhalten besonders beeinträchtige Patienten sogenannte Wachstumsfaktoren.
Zur Chemotherapie ins Krankenhaus müssen heute trotzdem nur wenige Patienten. Dazu gehören beispielsweise Patienten mit akuten Leukämien, oder Betroffene, die eine Hochdosis-Behandlung erhalten. Auch wenn sich der Allgemeinzustand stark verschlechtert oder von vorherein nicht gut ist, bietet eine stationäre Therapie mehr Sicherheit. Dagegen abgewogen werden muss immer das Risiko, gerade im Krankenhaus mit Keimen in Kontakt zu kommen. Die Stationen für Patienten mit einer Hochdosis-Behandlung sind daher besonders ausgestattet, um größtmögliche Hygiene zu gewährleisten.

Zu den Blutzellen, deren Nachschub aus dem Knochenmark gestört seien kann, gehören auch die roten Blutkörperchen. Sie sind für den Sauerstofftransport verantwortlich. Geht die Zahl dieser sogenannten Erythrozyten messbar zurück und entwickelt sich eine Anämie oder Blutarmut, spüren dies Krebspatienten an wachsender Müdigkeit und eingeschränkter Leistungsfähigkeit. Die Symptome sind umso stärker ausgeprägt, je rascher sich die Anämie entwickelt.
Auch diese Nebenwirkung bildet sich in der Regel aber von allein wieder zurück. Wie stark ein Mensch durch eine solche Blutarmut eingeschränkt ist, hängt zudem auch von der persönlichen Konstitution ab. Ist die Leistungsminderung sehr stark ausgeprägt, können Bluttransfusionen helfen, oder Betroffene erhalten einen Wachstumsfaktor, der die Bildung der Erythrozyten anregt.

Das Knochenmark erholt sich wie andere Zellen normalerweise innerhalb weniger Wochen nach dem Ende einer Chemotherapie. Dauerhafte Einschränkungen sind selten.

Übelkeit

Zwar lösen nicht alle Zytostatika Erbrechen aus. Diese Nebenwirkung wird von Betroffenen aber besonders gefürchtet. Die Stärke der Reaktion und der Zeitpunkt des Auftretens hängen  von der jeweiligen Substanz ab: Fachleute sprechen von der sogenannten emetogenen Potenz eines Zytostatikums.
Heute erhalten Patienten - falls erforderlich - gleichzeitig mit der Chemotherapie Mittel zur Unterdrückung der Reaktion. Diese dürfen nicht nur bei Bedarf eingesetzt werden: Vorbeugend wirken sie am besten. Da bei der Entstehung von Übelkeit auch die Psyche eine Rolle spielt, verhindert die prophylaktische Gabe zudem unbewusste Lernreaktionen des Körpers nach dem Muster "Chemotherapie, Krankenhausgeruch, Infusion = Erbrechen".

Tipps zur Abhilfe bei Übelkeit und zur Ernährung während einer Krebstherapie hat der Krebsinformationsdienst in eigenen Texten zusammengestellt.

Entgiften oder Abwarten: Wie lange halten akute Nebenwirkungen an?

Die Reaktion auf Zytostatika ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Das Spektrum der Nebenwirkungen unterscheidet sich von Therapieschema zu Therapieschema. Eine Auskunft, ob überhaupt Probleme auftreten und wenn ja, wie belastend die zu erwartenden Nebenwirkungen sein werden, ist, wenn überhaupt, nur individuell möglich. Ein Gespräch mit den behandelnden Ärzten bringt Aufklärung. Sie sollten auch gefragt werden, wie lange insgesamt mit Nebenwirkungen zu rechnen ist.

Die allermeisten Zytostatika verbleiben nur wenige Stunden oder höchstens Tage im Körper, sie werden über die Nieren oder in geringem Umfang auch über den Darm wieder ausgeschieden.
Ein regelrechtes "Entgiften" ist jedoch nicht notwendig: Weder sammeln sich "Schlacken" oder sonstige Abbauprodukte der Zytostatika im Körper an. Noch kann man die Ausscheidung durch Medikamente oder andere Maßnahmen wesentlich beschleunigen – der Körper weiß sich hier selbst zu helfen. Fachleute warnen insbesondere vor sogenannten ausleitenden Verfahren, etwa Diäten oder angeblich "entgiftendem" Saftfasten, oder vor Medikamenten mit entwässernder Wirkung, den sogenannten Diuretika. Es hilft den meisten Patienten aber,  viel zu trinken und so die natürliche Ausscheidung zu unterstützen. Zudem schützt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr bis zu einem gewissen Grad auch Niere und Blase vor unerwünschten Folgen der Chemotherapie.

Für die meisten Krebspatienten ist relativ bald nach dem Ende der Behandlung auch die Belastung durch Nebenwirkungen vorbei: Übelkeit vergeht, die Haare wachsen wieder nach und der Körper erholt sich innerhalb weniger Wochen.

Spätfolgen: Womit müssen Krebspatienten rechnen?

Die allermeisten Folgen einer Chemotherapie klingen nach kurzer Zeit ab. Trotzdem gibt es eine wachsende Diskussion um Spätschäden durch Zytostatika. Sie wurde vor allem durch die großen Erfolge der Chemotherapie bei Kindern und Jugendlichen mit Krebs angestoßen:
Während die Mehrzahl aller Krebspatienten aufgrund eines meist schon höheren Alters wenig Angst vor Spätschäden haben muss, fallen bei jungen Patienten mit hoher Lebenserwartung langfristige Folgen deutlich ins Gewicht.

In der Forschung spielt die Diskussion um Spätfolgen einer Chemotherapie inzwischen aber für alle Patienten eine größere Rolle. 

  • Wie hoch die Wahrscheinlichkeit der hier aufgeführten oder weiterer Nebenwirkungen ist, kann nur der behandelnde Arzt sagen: Das sogenannte Risikoprofil ist von Substanz zu Substanz verschieden, die Dosis und die Behandlungsdauer spielen ebenso eine Rolle wie die individuelle Situation eines Patienten.
  • Wie für alle anderen Medikamente gilt auch für Zytostatika: Der Nutzen der Behandlung muss das Risiko von Nebenwirkungen oder Langzeitschäden aufwiegen.

Zweittumoren

Als Spätfolge wird unter anderem die Gefahr eines sogenannten Zweittumors diskutiert. Viele Zytostatika können selbst Krebs fördern, wenn auch meist mit großem zeitlichem Abstand, also Jahre oder gar Jahrzehnte später. Hinzu kommt bei nicht wenigen Patienten noch das Risiko durch eine Bestrahlung, die ebenfalls langfristige Folgen haben kann.

Das Risiko für eine Zweiterkrankung an einer anderen Krebsart ist insgesamt betrachtet eher gering, jedoch unter Krebspatienten  unterschiedlich. Welche Erkrankung womit behandelt wurde, spielt eine entscheidende Rolle, daher sind pauschale Aussagen kaum möglich. Auch angeborene individuelle Stoffwechseleigenschaften beeinflussen das Risiko für einen Zweittumor nach einer Chemotherapie. Hier kann daher nur der behandelnde Arzt vorab darüber aufklären, was bisher aus Studien und Nachbeobachtungen Langzeitüberlebender bekannt ist.

Was langfristig geheilte Krebspatienten auch nicht vergessen dürfen: Eine einmal durchlebte Krebserkrankung schützt nicht davor, später im Leben noch an einem anderen, unabhängigen Tumor zu erkranken. Das allgemeine Risiko sieht bei Geheilten in der Regel nicht anders aus als bei Gesunden. Krebsfrüherkennungsuntersuchungen sind daher auch für sie ein Angebot.

Neurotoxizität, Kardiotoxizität, andere Spätfolgen an Organen

Einige Zytostatika können länger anhaltende oder dauerhafte Gewebeschäden hervorrufen.
Bekannt ist beispielweise von einigen Substanzen ein gewisses Risiko von Nervenschäden. Sie führen zu Problemen mit dem Tast- und Berührungssinn, und auch zu Störungen der Feinmotorik, wenn die Hände betroffen sind, oderGangunsicherheit, wenn Nervenschäden die Fußsohlen betreffen. Ebenfalls möglich sind unangenehmes Kribbeln und Empfindlichkeit gegenüber Kälte, Hitze und Berührung. Fachsprachlich sind solche Zytostatika neurotoxisch, giftig für die Nerven, die entstehenden Folgen werden als Neuropathie bezeichnet.

Derzeit noch unklar ist aus wissenschaftlicher Sicht, ob Zytostatika auch  neurotoxisch  auf das Zentralnervensystem wirken, also auch auf das Gehirn. Ob es das von amerikanischen Patienten erstmals so bezeichnete "Chemo-Brain" tatsächlich gibt, ob Zytostatika also auch die Hirnleistung direkt beeinflussen, ist noch nicht abschließend geklärt. Grundsätzlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige Zytostatika die Leistungsfähigkeit des Gehirns beeinträchtigen. Die Mischung aus Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörungen, leichter Ablenkbarkeit und Wortfindungsstörungen, die zuerst von Frauen aus den USA im Rahmen der Chemotherapie einer Brustkrebsbehandlung beschrieben wurden, ist bisher aber nur wenig untersucht. Dieser "Nebel im Kopf" (englisch: "brain fog"), wie er von einigen Betroffenen genannt wurde, beginnt demnach meist am zweiten Tag nach einer chemotherapeutischen Behandlung und bessert sich innerhalb der nächsten drei Tage wieder. Längerfristige Einschränkungen gehen dagegen eher mit Symptomen einer Fatigue (chronische Erschöpfung) einher, mehr dazu im Text "Fatigue bei Krebspatienten".

Als kardiotoxisch werden Substanzen bezeichnet, die Herzmuskelzellen schädigen. Bisher ist nicht gesichert, ob sich diese Nebenwirkung verhindern oder mindern lässt: In Studien wird geprüft, ob Patienten von Arzneimitteln profitieren, die normalerweise zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu hohen Blutfettwerten oder Bluthochdruck eingesetzt werden.  Diese Mittel haben allerdings ihrerseits Nebenwirkungen und können bei ansonsten Herzgesunden nicht ohne weiteres verwendet werden.
Während einer Chemotherapie mit möglicherweise herzschädigenden Mitteln werden Patienten auf jeden Fall streng überwacht. Die Behandlung wird gestoppt, falls sich die Herzleistung verändert.

Seltener wirkt eine Chemotherapie nephrotoxisch. Damit ist eine Einschränkung der Nierenfunktion gemeint. Um solchen Nierenschäden vorzubeugen, gibt es heute eine Reihe schützender Medikamente, die Patienten von vornherein zur Chemotherapie hinzu erhalten. Während der Behandlung viel zu trinken, hilft ebenfalls, weil so Zytostatika und ihre Abbauprodukte schneller aus dem Körper ausgeschwemmt werden.

Die Leber wird durch viele Zytostatika zwar ebenfalls geschädigt ("hepatotoxische" Stoffe). Allerdings ist dieses Organ bei den meisten Menschen so regenerationsfähig, dass Langzeitfolgen kaum beobachtet werden.

Vorzeitige Wechseljahre bei Frauen,
eingeschränkte Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen

Eine Chemotherapie kann bei Frauen die Hormonproduktion in den Eierstöcken bremsen. Betroffen sind zum einen Kinder, Jugendliche und junge Frauen, die sehr hohe Dosen bestimmter Zytostatika erhalten. Eine Vorverlagerung des Klimakteriums um einige Jahre betrifft zum anderen nicht wenige Frauen, die zum Zeitpunkt der Chemotherapie bereits kurz vor den Wechseljahren standen, ohne dies schon wahrzunehmen.
Bei Männern steigt durch hohe Dosen einiger Zytostatika das Risiko, keine Kinder mehr zeugen zu können.

Für männliche wie für weibliche Patienten gilt: Das Risiko einer Störung der Fruchtbarkeit oder des Hormonstoffwechsels durch eine Chemotherapie ist zwar vorhanden. Nur die behandelnden Ärzte können jedoch genauere Angaben zur Wahrscheinlichkeit von Problemen und zu vorbeugenden Maßnahmen machen.

Müdigkeit, Erschöpfung, Depression

Noch vor wenigen Jahren gingen Experten davon aus, dass die typische Müdigkeit vieler Krebspatienten vor allem auf eine Störung der Blutbildung durch Zytostatika zurückzuführen sei: Die  Chemotherapie beeinträchtigt auch die Bildung der Sauerstoff transportierenden roten Blutkörperchen. Dies kann sich am Absinken des Hämoglobin-Wertes (Hb) im Blut zeigen und wird als Anämie oder Blutarmut bezeichnet. Erholt sich das Blutbild nicht von alleine, können die Ärzte unter Umständen Wachstumsfaktoren verordnen, um die Nachbildung gesunder Blutzellen anzuregen.

Heute weiß man, dass das Phänomen der sogenannten Fatigue (Erschöpfung) bei Krebserkrankungen weit komplexer ist. Nicht nur körperliche Faktoren, auch die Art, wie ein Patient mit der Erkrankung und ihren Folgen umgeht, scheinen eine Rolle zu spielen. Vor allem bei lang anhaltender Erschöpfung haben die meisten Patienten gar keine nachweisbare Anämie, weil sich das Knochenmark und damit die Blutbildung längst erholt haben. Dann hilft auch eine Behandlung mit Wachstumsfaktoren der Blutbildung nicht gegen Fatigue.
Schonen und Ruhe haben sich allerdings ebenfalls als falsche Strategie erwiesen - heute wird Krebspatienten wenn irgend möglich zu Sport und Bewegung geraten.

  • Betroffene steigern ihre Ausdauer und Leistungsfähigkeit und bilden wieder Muskelmasse, die sie während der Behandlung durch das Fehlen der gewohnten und alltäglichen Belastung verloren haben.
  • Auch der Psyche tut Aktivität gut, so dass insgesamt die Lebensqualität steigt.