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Chemotherapie © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Chemotherapie und Forschung: Gibt es Weiterentwicklungen?

Einige Zytostatika der ersten Generation haben bis heute einen hohen Stellenwert in der Krebstherapie. Diese Medikamente sind inzwischen so gut erforscht, dass kaum noch Fragen über ihre Wirkungen und Nebenwirkungen offen bleiben. In den letzten Jahren ist allerdings das Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten für Chemotherapeutika stetig erweitert worden. Zum einen gibt es immer neue Weiterentwicklungen bereits bekannter Medikamente. Zum anderen sind auch ganz neue Substanzen hinzugekommen, deren Wirkungsmechanismen die Behandlungsmöglichkeiten erweitern. Doch die Chemotherapie lässt sich nicht nur durch neue Arzneimittel verbessern: Auch an der Anwendungsform, dem zeitlichen Rhythmus der Verabreichung und der Verträglichkeit wird intensiv gearbeitet. Einen Überblick über wichtige Forschungsziele hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt.

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Als Quellen wurden deutsche und internationale Studiendatenbanken genutzt, außerdem Informationen von Fachgesellschaften und Forschungseinrichtungen. Links führen zu ergänzenden Informationen, weitere Links und Quellenhinweise sind im Kapitel "Mehr wissen: Links, Adressen, Broschüren" aufgeführt.

Neue Substanzen: Wonach wird gesucht?

Je genauer Forscher die Wirkungsweise eines Zytostatikums kennen, desto eher können sie es auch verbessern. So werden viele neue Zellgifte aus bereits bekannten Substanzen entwickelt: Manchmal lassen sich eine leicht veränderte Wirkung oder eine bessere Verträglichkeit durch kleinste chemische Abwandlungen eines Moleküls erzielen. Dem Zufall überlassen die Krebsforscher solche Weiterentwicklungen schon länger nicht mehr: Chemische Verbindungen werden heute oft gezielt am Computer "entworfen", bevor man versucht, sie im Labor auch tatsächlich herzustellen.

Eine große Rolle spielt auch die Suche nach neuen Verbindungen. Dabei setzen große Forschungseinrichtungen ebenso wie Pharmakonzerne immer häufiger auf Naturstoffe: Pflanzliche oder tierische Gifte haben in reiner Form oft Eigenschaften, die sie für die Krebsforschung interessant machen.

Lässt sich aus einer Pflanze tatsächlich ein Zytostatikum isolieren, hat dies mit "natürlicher" oder "sanfter" Medizin allerdings in der Regel nicht mehr viel zu tun. Als Beispiele wären etwa die Taxane zu nennen - Zytostatika, die aus der Rinde der pazifischen Eibe synthetisiert wurden, oder das Vincristin aus dem Immergrün (mehr dazu im Kapitel "Substanzen"): Als "pflanzliche Naturheilmittel" oder gar "sanfte Kräutermedizin" würde diese wirksamen Arzneimittel wohl niemand bezeichnen. Welchen Prüfungen neue Substanzen unterzogen werden müssen, bevor sie als Medikament zugelassen werden, hat der Krebsinformationsdienst im Text "Krebsforschung: Neue Verfahren, neue Medikamente, klinische Studien" zusammengestellt.

Therapieoptimierung: Wie findet man die besten Kombinationen?

Das wachsende Wissen über die Biologie von Tumoren führt aber auch zu einem weiteren Ansatz: Bereits lange bekannte und bewährte Zytostatika werden neu kombiniert oder in anderen Dosierungen und Zeitabständen getestet. So soll ausgelotet werden, ob die optimale Wirkung bei Krebspatienten bereits erreicht wurde oder ob sich nicht doch noch eine Verbesserung erzielen lässt oder Nebenwirkungen reduziert werden können. Auch die Verringerung von Langzeitfolgen ist ein wichtiges Forschungsziel. Solche Untersuchungen zur bezeichnet man als "Therapieoptimierungsstudien".

Targeted Therapies: Gibt es gezieltere Behandlungsformen als eine Chemotherapie?

Schon länger gibt es Medikamente, die gezielt gegen Krebszellen eingesetzt werden, aber nicht zu den Zytostatika im engeren Sinn zählen. Dazu gehören beispielsweise die Antihormone, die Brustkrebspatientinnen vor Rückfällen schützen sollen oder bei Patienten mit Prostatatumoren wirken: Sie blockieren die natürlichen Geschlechtshormone, die bei diesen Tumorarten oft als Wachstumssignal fungieren.
Eine neuere Entwicklung sind Antikörper, die sich gegen Merkmale richten, die nur oder überwiegend auf Tumorzellen zu finden sind. Andere neue Medikamente greifen in Signalwege ein, die für das Wachstum von Tumorzellen wichtig sind und in gesundem Gewebe nur eine untergeordnete oder gar keine Rolle spielen.
Weil solche Medikamente direkter auf Tumorzellen wirken und normale Zellen kaum oder gar nicht treffen, werden sie englisch als "targeted therapies" oder als zielgerichtete Therapien bezeichnet. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von verschiedenen Substanzen mit jeweils unterschiedlichen Wirkungsmechanismen. Heute weiß man aber auch: Ganz ohne Nebenwirkungen sind auch diese Mittel nicht, und die klassische Chemotherapie ersetzen sie bisher nur bei sehr wenigen Tumorarten.