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Musik als Schmerzmittel?

Musik kann Begleiterscheinungen in der Krebsbehandlung lindern

Kopfhörer auf im Krankenbett? Viele Patienten hören während kleinerer Eingriffe mit lokaler Betäubung, während längerer Infusionen oder ganz allgemein im Krankenhauszimmer gern Musik. In erster Linie geht es ihnen darum, sich abzulenken oder unangenehme Geräusche nicht zu hören.
Nicht nur die Musiktherapie, sondern auch das passive Musikhören kann häufige körperliche und emotionale Belastungen lindern. Das hat jetzt eine Auswertung von 52 Studien ergeben. Musik wirkt angstmindernd, kann Schmerzen verringern und bei krebsbedingter Erschöpfung helfen.
Die aktuelle Übersichtsarbeit ergänzt Ergebnisse, die Wissenschaftler bereits vor fünf Jahren zum gleichen Thema veröffentlicht hatten. Durchgeführt wurde die nachträgliche Analyse im Auftrag der Cochrane Collaboration, einem weltweiten Netz von Wissenschaftlern und Ärzten, das sich auf die Überprüfung wissenschaftlicher Daten und die Bewertung deren Aussagekraft spezialisiert hat.

Musik hören, selbst Musik machen oder Musiktherapie?

Frau mit Kopfhörer, © Marco Baass, Thinkstock
Musik hören ist mehr als nur Ablenkung. © Marco Baass, Thinkstock

Die beteiligten Autoren der Übersichtsarbeit werteten einerseits Studien aus, die die Bedeutung einer gezielten Musiktherapie untersuchten. Sie nahmen aber auch Studien auf, bei denen es um das einfache, passive Musikhören ging. Ihr Fazit: Beides kann helfen.
In der Musiktherapie geht ein ausgebildeter Musiktherapeut mit speziellen Übungen auf Patienten ein. Dabei werden Betroffene meist aktiv einbezogen. Musiktherapeutische Ansätze haben in der Behandlung Krebskranker bereits einen Stellenwert. Eine entsprechende Expertenempfehlung findet sich beispielsweise in der deutschen Leitlinie zur psychoonkologischen Beratung und Behandlung.
Aber auch das passive Musikhören scheint sich positiv auf Körper und Psyche auszuwirken: Es spielt offenbar keine Rolle, ob man Musik aktiv spielt oder singt oder einfach hört, aufgenommen oder live, ob komponierte Musikstücke oder spontan improvisierte. Es sind verschiedene Elemente wie Rhythmus, Tempo, Klang, Melodie und Harmonie, die beim Menschen sowohl körperliche als auch emotionale Effekte auslösen können.

Welche Symptome kann Musik beeinflussen?

Viele Symptome und Nebenwirkungen der Krebsbehandlung können die Lebensqualität von Krebspatienten erheblich beeinträchtigen. Dazu gehören beispielsweise Schmerzen, Übelkeit, Fatigue, Schlafprobleme, Verdauungsstörungen, Muskelschwäche und Taubheitsgefühle. Angst, Unruhe und Depressionen sind weitere Probleme, die bei vielen Patienten mit der Krebsdiagnose an sich und der Behandlung einhergehen.
Welche Wirkung Musik auf verschiedene Symptome bei Krebspatienten haben kann, wurde in den letzten Jahren in einer ganzen Reihe von Studien untersucht. Scheinbar kann Musik Schmerzen lindern. Bei Eingriffen müssen weniger Schmerz- und Betäubungsmittel eingesetzt werden.

Die Ergebnisse sprechen außerdem dafür, dass passives Musikhören wie auch Musiktherapie Symptome wie Angst und Fatigue lindern und beruhigend wirken können. Messbar wird dieser Effekt auch am Herzschlag, der Zahl der Atemzüge pro Minute und am Blutdruck. Ein Einfluss auf Depressionen ist zwar vorhanden, lässt sich jedoch zurzeit noch nicht ausreichend beurteilen. Musik kann aber insgesamt die Lebensqualität von Krebspatienten verbessern.

Musik ist jedoch kein Allheilmittel, das andere Therapiestrategien ersetzen würde: Die körperliche Verfassung insgesamt lässt sich durch Musik scheinbar nicht verbessern. Ob Musik eine Wirkung auf das Immunsystem, Krisenbewältigung, Stress oder Kommunikationsfähigkeit hat, ist noch unklar. Insgesamt konnten die Ergebnisse nicht mit ausreichender Evidenz belegt werden, um sichere Aussagen oder Empfehlungen zu treffen.