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Alternative und komplementäre Krebstherapie: Umstrittene Unterstützung?

Alternative Medizin: Für viele Menschen gehört sie einfach dazu, auch bei einer Krebserkrankung. Das Immunsystem stärken, die Selbstheilungskräfte anregen, den aus dem Takt geratenen Stoffwechsel wieder ins Gleichgewicht bringen – dazu setzen sie auf Homöopathie, auf Vitamine, pflanzliche Arzneimittel oder Produkte zur Nahrungsergänzung, auf Diäten, Entgiften oder Entsäuern. Viele Experten sehen dies eher kritisch: Für die Mehrzahl der gängigen alternativen Heilmittel und Verfahren ist aus ihrer Sicht nicht ausreichend belegt, dass sie Krebspatienten tatsächlich helfen und nicht schaden.

Kein Wunder, dass diese Diskussion auch in vielen Familien und Freundeskreisen geführt wird, wenn eine Krebserkrankung auftritt. Obwohl alle Beteiligten nur das Beste wollen, können Gespräche über das Für und Wider der alternativen Krebstherapie das Miteinander sehr belasten.
Was tun, wenn man sich nicht einigen kann? Der Krebsinformationsdienst zeigt auf, wie Patienten, Angehörige und Freunde einen gemeinsamen Weg finden können.

Quellen

Dieser Text beruht auf der Auswertung anonymisierter Telefonate und E-Mails, die den Krebsinformationsdienst zum Thema erreichen. Alle Angaben wurden jedoch so verfremdet, dass keine Rückschlüsse auf individuelle Krankengeschichten möglich sind.
Hinweise auf weitere genutzte Quellen und Fachliteratur finden sich am Textende.

Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. So wie Ihnen geht es nicht wenigen Angehörigen und Freunden von Krebspatienten: Eigentlich möchte man nur helfen. Aber selbst gut gemeinte Ratschläge können auf Vorbehalte stoßen. Manche Tipps verunsichern, weil sie nicht dem entsprechen, was Patienten von ihren Ärzten gehört haben. Nicht selten erreicht man genau das Gegenteil dessen, was man eigentlich wollte: Der oder die Betroffene zieht sich aus dem Gespräch zurück oder reagiert sogar mit offener Ablehnung. 

Was ist in solchen Situationen passiert? Es gibt zwei Ebenen, auf denen man dies näher betrachten kann: 

  • Zum einen spielt eine Rolle, wie man in Familie oder Freundeskreis bisher miteinander umgegangen ist: Wie bringt man Anteilnahme zum Ausdruck? Wie offen spricht man über Sorgen? Wie hat man sich in früheren belastenden Situationen gegenseitig unterstützt?
  • Zum anderen stellt sich die Frage, wie Patient und Angehörige jeweils persönlich zur Alternativmedizin stehen - insbesondere dann, wenn es um eine so ernste Erkrankung wie Krebs geht.

In den folgenden Abschnitten haben wir für Sie einige Hintergrundinformationen zusammengestellt. Sie können es Ihnen vielleicht leichter machen, wieder mit Ihrer Schwester ins Gespräch zu kommen. Sie finden dort außerdem Hinweise auf weitere Texte und Ansprechpartner.

Gerne steht Ihnen der Krebsinformationsdienst aber auch am Telefon für ein vertrauliches Gespräch zur Verfügung, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter 0800 – 420 30 40. Auch wenn Sie uns per E-Mail über krebsinformationsdienst@dkfz.de bei weiteren Fragen kontaktieren, bleibt Ihr Anliegen bei uns auf jeden Fall vertraulich, und Ihre Angaben werden nicht an Dritte weitergeleitet.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr Krebsinformationsdienst

Reden über Krebs: Eine schwierige Aufgabe?

Krebs verändert nicht nur das Leben von Patienten. Auch für die Familie und für enge Freunde bedeutet die Krebserkrankung einen Einschnitt.
Wie sehr man mit betroffen ist, hängt natürlich von der individuellen Situation ab, und auch davon, wie nahe man sich steht. Doch ganz unberührt lässt die Diagnose Krebs nur die wenigsten. Damit umzugehen, ist nicht einfach. Man will helfen und ist doch auch mit den eigenen Ängsten konfrontiert.

Für Angehörige und Freunde, die nicht am gleichen Ort wohnen, kommt ein weiteres Problem hinzu: Ihnen fehlen oft Informationen.
Damit ist nicht nur das Wissen über die konkrete Situation gemeint, also zum Beispiel die genaue Diagnose und die Gründe, die für oder gegen eine bestimmte Behandlung sprechen. Sie erleben auch nicht unmittelbar mit, wie der Betroffene selbst im Alltag mit der Situation umgeht:  wie er sich mit der Krebsdiagnose auseinandersetzt, wo und wann er sich Hilfe holt  - und auch nicht, wann er Unterstützung möchte und wann er sich zurückzieht und lieber in Ruhe gelassen werden möchte.

Missverständnissen können belasten

Das kann zu Missverständnissen führen. Man bietet mit bester Absicht Hilfe an, und schlägt vielleicht etwas vor, womit man selbst gute Erfahrungen gemacht hat: etwa ergänzende oder alternative Behandlungsverfahren. Doch die Hilfe stößt auf Ablehnung, manchmal versteckt, manchmal auch ganz offen.

Die Gründe können vielfältig sein: Der Vorschlag passt nicht zu dem, was der Patient selbst möchte. Oder der Betroffene hat gar nicht das Gefühl, noch etwas Zusätzliches zu benötigen, weil er sich mit der "schulmedizinischen" Behandlung gut aufgehoben fühlt. Und schließlich kann es auch sein, dass der Vorschlag einfach zum falschen Zeitpunkt kommt: etwa wenn der Betroffene gerade mit so vielen Entscheidungen und Herausforderungen konfrontiert ist, dass seine Kraft einfach nicht für weitere Maßnahmen ausreicht.

Klären sich solche Missverständnisse im weiteren Gespräch nicht auf, kann dies das persönliche Verhältnis belasten.

Offene Fragen erleichtern das Gespräch

Was raten Fachleute in dieser Situation? Sie empfehlen vor allem offene Fragen, also "Was brauchst Du?" oder "Was kann ich für Dich tun?". Diese Form der Anteilnahme kann manchmal mehr helfen als eine ganze Reihe von gut gemeinten Vorschlägen.
Offene Fragen machen es zudem leichter, auf das einzugehen, was Patienten wirklich gerade brauchen – dies kann heute etwas anderes sein als gestern, und jeder Betroffene geht anders mit den wechselnden Belastungen einer Krebserkrankung um.

Natürlich kann man Menschen, die einem am Herzen liegen, trotzdem unterstützen: durch die Suche nach Information, nach möglichst guten Behandlungsmethoden und guten Ärzten, nach Büchern oder Broschüren. Dies sollte man Betroffenen jedoch nicht ungefragt aufdrängen. Besser ist es auch hier, sich vorher abzusprechen und auf die aktuellen Bedürfnisse des Patienten zu achten.

Was fördert das Gespräch außerdem?
Für Angehörige ist es wichtig, sich über die eigenen Gefühle klar zu werden: wie sehr sie die Sorge um den Patienten und seine Zukunft belastet, aber auch, wie groß ihre eigene Angst ist, wenn es um das Thema Krebs geht. Manchen Menschen fällt es in dieser Situation leichter, ihre Anteilnahme durch praktische Hilfe oder Aktivitäten zum Ausdruck zu bringen: Sie hoffen, dass der Betroffene dadurch irgendwie schon von alleine erkennen wird, wie sehr er ihnen am Herzen liegt.
Ist dies nicht der Fall, kann es sinnvoll sein, auch einmal klar auszusprechen: "Du bist mir wichtig, mir liegt etwas an Dir. Deshalb möchte ich Dir helfen".

Über Krebs zu sprechen, bleibt trotzdem nicht einfach.

  • Für Angehörige und Freunde von Patienten hat der Krebsinformationsdienst daher einen eigenen Text zum Thema zusammengestellt: "Helfen und helfen lassen". Darin sind weitere Strategien und Hintergründe aufgeführt, wie man Krebsbetroffene unterstützen und selbst mit der eigenen Belastung und Sorge umgehen kann.

Alternative Krebsmedizin: Nur eine Ansichtssache?

Für viele Menschen gehört sie einfach dazu, die alternative Medizin. Das belegen auch die Verkaufszahlen von Medikamenten, die häufig als "alternativ" oder "komplementär" bezeichnet werden. Beim Thema Krebs gibt es jedoch eine ganze Reihe von Vorbehalten. Woran liegt das?

In der Krebsmedizin gilt heute: Jedes Therapieverfahren muss in Studien geprüft werden, ob es Patienten auch wirklich hilft und nicht schadet. Zumindest muss belegt sein, dass der Nutzen die Nebenwirkungen und Risiken aufwiegt. Diese Forschung ist aufwändig, bei Krebs und in allen anderen Bereichen der Medizin aber heute Standard, mehr dazu im Text "Krebsforschung". Für erstaunlich viele alternative Verfahren ist diese Prüfung jedoch nie geschehen.

Reicht es nicht aus, sich auf die Erfahrungen zu verlassen, die viele Patienten und auch Ärzte gemacht haben?
Dies ist gar nicht so einfach, wie es sich auf den ersten Blick anhört: Viele alternativen und komplementären Verfahren werden zusätzlich zu "schulmedizinischen" Verfahren eingesetzt. Was genau gewirkt hat, ist im Nachhinein weder für Patient noch Arzt erkennbar – dies würde nur im Vergleich mit Patienten deutlich, die keine zusätzliche Therapie erhalten hatten.

Auch an Nebenwirkungen denken

Immergrün © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Pflanzlich = sanft und nebenwirkungsfrei: Das stimmt so nicht! Aus Verwandten des Immergrüns werden sogar hochwirksame Zellgifte zur Chemotherapie hergestellt. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Was viele Menschen unterschätzen: Auch natürliche oder in anderer Form "sanfte" Behandlungsformen können schaden. Gerade pflanzliche Arzneimittel enthalten oft hochwirksame Substanzen, die auch zu entsprechenden Nebenwirkungen führen. Ein Beispiel sind viele Zytostatika, die ursprünglich aus Pflanzen extrahiert wurden.
Hinzu kommen unerwünschte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Ein typisches Beispiel für ein solches Risiko: Viele Krebspatienten setzen auf Johanniskrautpräparate oder Tees aus dieser Pflanze, um besser mit Niedergeschlagenheit oder mit Schlafstörungen nach ihrer Diagnose umgehen zu können. Die arzneilich wichtigste Substanz  aus Johanniskraut stört jedoch die Verstoffwechselung mancher Krebsmedikamente - sie lässt sie weniger wirksam werden.
Dass bisher zu vielen alternativen Mitteln so wenige wissenschaftliche Daten gesammelt wurden, verschärft auch dieses Problem. Auch wer selbst gute Erfahrungen mit Alternativmedizin gemacht hat, sollte deshalb mit entsprechenden Tipps für Krebspatienten vorsichtig sein.

Wo kann man sich weiter informieren?

Informationen aus dem Internet können jedoch zwangsläufig nicht die große Vielfalt von Angeboten abdecken, die es im Bereich der komplementären Krebsmedizin gibt. Der Krebsinformationsdienst bietet daher am Telefon unter 0800 – 420 30 40 oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de auch individuelle Auskünfte an und recherchiert nach wissenschaftlichen Grundlagen sowie belastbaren Fakten zu neuen oder besonders speziellen Verfahren.

Helfen und selbst aktiv werden: Welche Möglichkeiten gibt es?

Für viele Angehörige und Freunde von Krebspatienten gibt es noch ein weiteres Motiv dafür, den Betroffenen zu einer alternativen Therapie oder ähnlichen Verfahren zu raten: Diese Methoden bieten eine scheinbar einfache Möglichkeit, selbst aktiv zu werden.
Natürlich ist es wichtig, im Kampf gegen Krebs nichts unversucht zu lassen. Wer so seine Sorge und Anteilnahme zum Ausdruck bringen möchte, sollte jedoch bedenken: Die Angst ist ein schlechter Ratgeber. Sie kann Betroffene auch zum Opfer mehr oder weniger skrupelloser Geschäftemacher werden lassen.

Auf die Angst vor Krebs setzen vor allem Anbieter, die ihre Produkte über das Internet vermarkten. Viele arbeiten gezielt mit der Unterstellung, die "Schulmedizin" würde nicht alles Notwendige tun, um Krebspatienten zu helfen. Vorsicht ist auch dann geboten, wenn ein Verfahren selbst bezahlt werden muss oder der Anbieter gar Vorauskasse fordert. Und nicht hinter jedem Doktor- oder Professorentitel steht tatsächlich auch ein Arzt, der entsprechend der rechtlichen Vorgaben in Deutschland Patienten behandeln darf.
Wer Krebsmedikamente im Versandhandel oder online bestellt, sollte auch wissen: Viele dieser Produkte stammen aus dem Ausland, auch wenn die Internetseite auf Deutsch informiert. In anderen Ländern wird die arzneiliche Qualität von Heilmitteln jedoch meist nicht so streng kontrolliert wie in Deutschland – oder auch gar nicht.

Linktipps und Anlaufstellen

Welche Möglichkeiten haben Patienten und Angehörige, wenn sie trotzdem selbst aktiv werden möchten? Fachleute zählen eine ganze Reihe von Möglichkeiten auf. Hier eine Auswahl:

Sich mit den behandelnden Ärzten beraten: Womit können sich Patienten etwas Gutes tun? Welche Verfahren können eher schaden? Welche weiteren Ansprechpartner empfehlen die Ärzte?

  • Wichtige Themen sind beispielsweise Rehabilitationsangebote nach Krebs, früher auch als "Nachsorgekur" bezeichnet, mehr dazu hier im Text "Rehabilitation: Was hilft beim Gesundwerden?". 
  • Heute weiß man auch, dass körperliche Aktivität die Lebensqualität steigern kann: Der behandelnde Arzt kann sogar ein Rezept für "Reha"-Sport ausstellen, wenn aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht, mehr dazu im Text "Sport und Bewegung".
    Um mit der Belastung im Alltag besser umgehen zu können, helfen vielen Betroffenen neben Sport zum Beispiel auch Entspannungsverfahren. Auch hier können die behandelnden Ärzte Ratschläge geben, Kurse oder Beratung vermitteln. Eine Übersicht über gängige Verfahren bietet derAbschnitt "Entspannungstechniken" im Text "Psychologische Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung". 
  • Auch zum Thema Ernährung sind Ärzte die ersten Ansprechpartner. Sie können einschätzen, ob eine Ernährungsumstellung notwendig ist, und bei Bedarf  auf eine gezielte Ernährungsberatung verweisen.

Bei der Informationssuche auf Qualität achten: Der Krebsinformationsdienst steht nicht nur am Telefon und per E-Mail zur Verfügung. 

Sich mit anderen Betroffenen austauschen: In Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen gibt es sowohl für Patienten wie für Angehörige die Möglichkeit, sich zu informieren, über die eigene Belastung zu sprechen, aber sich auch zu Fragen des Alltags mit Krebs auszutauschen. 

  • Hier geht es zu einer Liste bundesweiter Dachorganisationen, die Gruppen vor Ort nennen können oder auf ihren Internetseiten informieren und zum Teil auch Online-Foren anbieten. Viele Angebote richten sich ausdrücklich auch an Angehörige. 

Sich Unterstützung suchen: Krebspatienten und die ihnen nahe stehenden Menschen müssen mit ihren Belastungen nicht alleine fertig werden. 

  • In großen Krebszentren gibt es heute nicht nur die Kliniksozialdienste, sondern auch geschulte Psychoonkologen. Diese Anlaufstellen stehen nicht nur den in diesen Zentren behandelten Patienten offen, sondern meist auch ihren Angehörigen. 
  • Auch die regionalen Krebsberatungsstellen helfen weiter, hier eine Adressliste.
  • Wer längerfristig Betreuung und Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung möchte, kann sich auch an niedergelassene Psychoonkologen wenden, die psychotherapeutisch arbeiten (hier geht es zur Adresssuche). 
  • Eine Übersicht über beratende Einrichtungen bieten auch diese beiden Informationsblätter, als PDF zum Laden und Drucken:
    "Leben mit Krebs: Psychoonkologische Hilfen" und
    "Sozialrechtliche Fragen bei Krebs: Anlaufstellen".