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Darmkrebs-Früherkennung: Gibt es Alternativen zur Darmspiegelung?

Die Darmspiegelung gehört zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm in Deutschland: Ab 55 Jahren haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf diese Untersuchung. Viele Menschen empfinden aber Unbehagen beim Gedanken an eine Darmspiegelung oder lehnen sie ganz ab. Welche Alternativen gibt es? Wie sinnvoll sind die verschiedenen Methoden? Welche Kosten werden von der Krankenkasse übernommen, welche nicht? Anhand einer aktuellen Anfrage erläutert der Krebsinformationsdienst Methoden zur Früherkennung von Darmkrebs und ihren Stellenwert. Weitere Fragen beantwortet der Dienst auch am Telefon oder per E-Mail.



Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Sie möchten wissen, ob es für die Früherkennung von Darmkrebs auch andere Methoden als die Darmspiegelung gibt und wie sinnvoll diese sind. Gerne haben wir Informationen zu den verschiedenen Möglichkeiten der Darmkrebs-Früherkennung für Sie zusammengestellt. Falls Sie weitere Fragen haben, erreichen Sie uns auch telefonisch oder können erneut per E-Mail anfragen.
Diese allgemeinen Informationen ersetzen aber nicht die persönliche Beratung Ihres Arztes über Vor- und Nachteile einer Früherkennungsuntersuchung. Ihr Arzt kann zudem Ihr individuelles Erkrankungsrisiko abschätzen. Bitte sprechen Sie also auch mit ihm noch einmal über Ihre Situation.

Gemeinsamer Bundesausschuss (www.g-ba.de)

In Deutschland haben Versicherte Anspruch auf Untersuchungen zur Darmkrebsfrüherkennung. Dazu gehören ab dem Alter von 50 Tests auf Blut im Stuhl. Ab dem Alter von 55 kommt eine Darmspiegelung hinzu, eine sogenannte Koloskopie. Hierfür übernehmen die Krankenversicherungen alle Kosten. Studien an großen Bevölkerungsgruppen haben gezeigt: Ein Teil der Darmkrebserkrankungen lässt sich durch Früherkennungsuntersuchungen verhindern. Grund dafür ist, dass Schleimhautwucherungen während einer Darmspiegelung entfernt werden, bevor Krebs daraus entstehen kann. Zusätzlich werden mehr Krebserkrankungen in einem frühen Stadium erkannt, in dem die Heilungschancen gut sind.

Ihr Arzt hat Ihnen nun eine solche Darmspiegelung vorgeschlagen.

  • Die Koloskopie ist die derzeit zuverlässigste Methode, um Darmkrebs und seine Vorstufen zu entdecken. Nach einer unauffälligen Darmspiegelung kann man zehn Jahre mit der nächsten Untersuchung warten.
  • Stuhltests auf verstecktes Blut sind zwar eine mögliche, aber keine gleichwertige Alternative dazu. Sie sind weniger zuverlässig als eine Darmspiegelung. Sie werden zur Krebsfrüherkennung vor allem bei Menschen zwischen 50 und 54 Jahren eingesetzt. Ab dem Alter von 55 können die Stuhlblut-Tests dann regelmäßig alle zwei Jahre wiederholt werden, wenn man keine Darmspiegelung durchführen lassen möchte.
  • Ist der Stuhltest auffällig, dann lässt sich nur mit einer Darmspiegelung klären, ob es sich tatsächlich um Darmkrebs handelt. Und nur mit der Koloskopie erreichen Sie auch eine echte "Vorsorge", weil Vorstufen von Krebs gleich entfernt werden können.
  • Zwar versprechen moderne Stuhltests mehr Zuverlässigkeit. Noch gibt es aber einige offene Fragen zu den neueren Testverfahren. Auch sie werden die Koloskopie nicht ersetzen können, da bei einem auffälligen Testergebnis wiederum eine Darmspiegelung zur Abklärung notwendig ist.

Die Darmkrebsfrüherkennung ist aber keine Pflicht. Wer sich gegen eine solche Untersuchung entscheidet, verliert deshalb weder seinen Versicherungsschutz, noch wird später die Behandlung verweigert, falls tatsächlich eine Krebserkrankung auftritt. Es ist also Ihre persönliche Entscheidung, ob Sie eine Früherkennungsuntersuchung nutzen oder sich dagegen entscheiden. Ihr Arzt kann Sie dabei beraten. Er kann auch einschätzen, wie hoch Ihr persönliches Krebsrisiko ist. Hintergrundinformationen dazu bietet Ihnen auch unser Text "Dickdarmkrebs: Ursachen, Risikofaktoren, Vorbeugung".

Darmspiegelung: Weniger unangenehm, als viele befürchten

Sie berichten, dass Sie Angst vor der Darmspiegelung haben und Bedenken, dass sie weh tun oder unangenehm sein könnte. Tatsächlich ist eine Koloskopie weit weniger schmerzhaft, als viele Menschen befürchten. In einer Studie in Berliner Arztpraxen bezeichneten 76 von 100 Untersuchten die Darmspiegelung als "gut akzeptabel", 23 von 100 Personen fanden sie "etwas unangenehm" oder "unangenehm, aber ertragbar".

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Zur Vorbereitung müssen Sie allerdings ein paar Tage vor der Untersuchung auf schwer verdauliche Lebensmittel verzichten. Am Nachmittag oder Abend vor der Spiegelung beginnen Sie dann mit der Einnahme eines Abführmittels und nehmen keine feste Nahrung mehr zu sich. Den genauen Ablauf erfahren Sie von Ihrem Arzt. Auch die notwendigen Vorbereitungsmaßnahmen können unangenehm sein. In der Berliner Studie hielten die meisten Befragten sie aber für erträglich.

Die Darmspiegelung wird normalerweise ambulant durchgeführt. Sie dauert insgesamt etwa eine halbe Stunde. Wenn Sie Angst vor der Untersuchung haben, können Sie auch mit Ihrem Arzt darüber sprechen: Er kann Ihnen vor Beginn der Untersuchung ein Beruhigungsmittel geben. Sie spüren dann kaum etwas und verschlafen die Untersuchung weitgehend. Dann sollten Sie sich allerdings nach der Koloskopie abholen lassen und vor allem nicht selbst Auto fahren. Im Vorgespräch mit dem Arzt können Sie auch klären, ob für den Tag der Untersuchung eine Krankmeldung für den Arbeitgeber notwendig ist.

Darm, Grafik © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Der Dickdarm ist der letzte Teil des Verdauungstraktes. Er wird bei der Darmspiegelung untersucht. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Für die eigentliche Untersuchung liegt man seitlich auf einer Liege. Der Arzt führt einen etwa fingerdicken, biegsamen Schlauch mit einer kleinen Kamera am Ende in den Enddarm ein. Dieser wird dann durch den gesamten Dickdarm durchgeschoben. Währenddessen wird in den Dickdarm Luft eingeblasen, damit der Arzt den Darm besser betrachten kann. Beim langsamen Zurückziehen schaut der Arzt nach verdächtig aussehenden Bereichen. Solche Gewebewucherungen können mit kleinen Instrumenten entfernt werden, die ebenfalls durch den Schlauch eingeschoben werden.

Die heute verwendeten Untersuchungsgeräte sind mit weichen Schläuchen und winzigen Instrumenten ausgestattet. Das Risiko einer Verletzung ist sehr gering. Möglich sind kleine Blutungen im Darm - vor allem dann, wenn Krebsvorstufen entfernt werden. Solche Blutungen können meist noch während der Koloskopie gestillt werden und sind harmlos. Zu schweren Komplikationen, etwa einem Durchstechen des Darms oder starken Blutungen, kommt es nur sehr selten: Fachleute geben anhand von Studien an, dass höchstens 6 von 10.000 Untersuchten betroffen sind.

Direkt nach der Untersuchung können Sie wieder essen, auch dann wenn Krebsvorstufen entfernt wurden. Wenn Sie allerdings ein Beruhigungsmittel bekommen haben, sollten Sie solange warten, bis dessen Wirkung nachlässt. Durch die eingeblasene Luft kann es nach der Darmspiegelung gelegentlich zu Blähungen kommen.

Findet der Arzt bei der Untersuchung keine auffälligen Veränderungen, dann muss die Darmspiegelung erst nach zehn Jahren wiederholt werden. Nach diesem Zeitraum wird sie auch von der gesetzlichen Krankenversicherung ein weiteres Mal bezahlt. Warum reicht ein so langer zeitlicher Abstand aus? Darmkrebs entsteht meist aus zunächst gutartigen Gewebewucherungen - sogenannten Polypen - und wächst sehr langsam.
Finden sich dagegen Polypen, die eine Krebsvorstufe sein könnten, werden sie gleich während der Untersuchung entfernt. Dann muss die Darmspiegelung zur Sicherheit in kürzeren Abständen wiederholt werden, meist nach drei bis fünf Jahren.

Stuhltest auf verborgenes Blut: eine Alternative?

Wenn Sie keine Darmspiegelung möchten, können Sie ab dem Alter von 55 Jahren alle zwei Jahre einen Papierstreifentest oder " Occultbluttest" machen. Bei diesem Test wird untersucht, ob sich Blutspuren im Stuhl befinden, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Der rote Blutfarbstoff Hämoglobin wird dabei in einer biochemischen Reaktion nachgewiesen. Sie müssen dazu zu Hause Proben aus drei verschiedenen Stuhlgängen auf Testbriefchen aufbringen. Diese geben Sie bei Ihrem Arzt ab. Er schickt sie zur Untersuchung zu einem spezialisierten Labor. Das Ergebnis erhalten Sie meist innerhalb von ein bis zwei Wochen.

Kein Ersatz

Ein Stuhlbluttest ist nur ein Vortest: Bei einem auffälligen Ergebnis wird eine Darmspiegelung notwendig.

Dieser Test gehört ab einem Alter von 50 Jahren einmal im Jahr zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm in Deutschland. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen. Wer sich gegen eine Koloskopie entscheidet, kann den Stuhltest auch ab dem Alter von 55 alle zwei Jahre wiederholen.
Stuhltests sind aber weniger verlässlich als eine Darmspiegelung: Nicht jeder Tumor oder Darmpolyp blutet und kann deshalb mit dem Stuhlbluttest überhaupt erkannt werden. Ist der Test auffällig, dann bedeutet das auch nicht automatisch, dass man Darmkrebs hat: Blut im Stuhl kann auch andere, harmlosere Ursachen haben, zum Beispiel Hämorrhoiden oder Darmentzündungen. Die klassischen Okkultbluttests reagieren außerdem auf manche Nahrungsmittel wie rohes Fleisch mit einem fälschlich "positiven" Ergebnis. Tatsächlich wird nur bei einem von zehn Menschen, bei denen der Test angeschlagen hat, in weiteren Untersuchungen ein bösartiger Tumor festgestellt.

Bedenken Sie deshalb: Bei einem auffälligen Testergebnis kann die Ursache nur mit einer Darmspiegelung weiter abgeklärt werden. Ein Stuhltest ist also nur dann sinnvoll, wenn Sie bereit sind, sich anschließend gegebenenfalls auch einer Koloskopie zu unterziehen.

Neue Testmethoden: Noch in der Erprobung

Ein neues Verfahren, verborgenes Blut im Stuhl zu entdecken, sind sogenannte immunologische Tests. Sie nutzen keine biochemische Reaktion, sondern Antikörper, um den Blutfarbstoff Hämoglobin in Stuhlproben zu identifizieren. Fachleute gehen davon aus, dass diese Methode genauer ist als bisher genutzte Tests. Außerdem sind die immunologischen Tests weniger störanfällig gegenüber den Inhaltsstoffen mancher Nahrungsmittel und anderen Fehlerquellen. Auch die einfache praktische Handhabung lässt sie als geeignet für die Krebsfrüherkennung erscheinen.

Die Forschung zu den immunologischen Tests ist schon sehr weit: Bisherige Studienergebnisse sprechen dafür, dass sie Darmkrebs und seine Vorstufen verlässlicher entdecken können als die heute gängigen Papierstreifentests. Viele sind bereits auf dem Markt und auch in Deutschland erhältlich. Allerdings gibt es große Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Angeboten. Daher ist die Diskussion um diese Tests und um Qualitätskriterien, die für ihre Verwendung zur Krebsfrüherkennung angelegt werden müssen, noch nicht abgeschlossen. Immunologische Stuhltests sind deshalb bisher auch nicht Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms und werden nicht von der Krankenkasse bezahlt. Dies könnte sich aber ändern, sobald standardisierte Qualitätskriterien erarbeitet worden sind und einzelne Tests diese erfüllen.

Weniger weiß man über andere Methoden, mit denen Darmkrebs anhand von Stuhlproben nachgewiesen werden soll. Dazu gehören zum Beispiel Verfahren, bei denen das veränderte Erbmaterial von Krebszellen oder andere Besonderheiten nachgewiesen werden, die nur bei Tumoren vorkommen. Solche Tests sollen genauer sein als Stuhltests, die auf dem Nachweis von Blut beruhen. Sie befinden sich aber teilweise noch im Entwicklungsstadium. Ob sie zur Früherkennung geeignet sind, steht noch nicht fest.

Die Tests, von denen Sie im Internet gelesen haben, gehören möglicherweise zu diesen neuen Untersuchungsverfahren. Auch wenn sie nicht Bestandteil der gesetzlichen Krebsfrüherkennung sind: Einen Teil dieser Verfahren, zum Beispiel die immunologischen Stuhltests, können Sie als sogenannte individuelle Gesundheitsleistung, auch IGeL, nutzen. Das bedeutet allerdings, dass Sie die Tests selbst bezahlen müssen. Bevor Sie sich für eine solche individuelle Gesundheitsleistung entscheiden, sollten Sie Ihren Arzt darum bitten, Ihnen die Kosten sowie die Vor- und Nachteile für Ihre persönliche Situation zu erläutern. Ihr Arzt kann Ihnen zudem erklären, wie der Wissensstand zu den unterschiedlichen Verfahren jeweils aussieht. Auch Ihre Krankenkasse kann dazu Auskunft geben.

Allerdings dürfen Sie nicht vergessen: Auch diese Verfahren sind kein Ersatz für eine Darmspiegelung. Zeigt der Test ein auffälliges Ergebnis, dann ist ebenfalls eine Koloskopie notwendig.

Weitere Methoden: Noch nicht ausreichend untersucht

Es gibt weitere Verfahren, die als IGeL angeboten werden. Diese Methoden sind bisher aber nicht ausreichend untersucht. Es steht also nicht fest, ob sie sich zur Früherkennung von Darmkrebs eignen. Dazu gehören zum Beispiel Tests, die Blutproben zum Nachweis von Krebs verwenden. Auch die sogenannte Kapselendoskopie zählt dazu, bei der man eine kleine Kamera schlucken muss. Als der normalen Darmspiegelung unterlegen gilt bisher auch die sogenannte virtuelle Koloskopie, bei der mittels Computertomographie oder Kernspintomographie Bilder aus dem Darm erstellt werden. Teilweise dienen diese Verfahren aber als Alternative, wenn eine normale Darmspiegelung nicht möglich ist, zum Beispiel wegen Verwachsungen im Bauchraum. Insgesamt gilt auch hier: Keines dieser Verfahren ersetzt die Darmspiegelung, falls etwas Auffälliges gefunden wird.

Linktipps und Quellen für Interessierte und Fachkreise





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