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Aktuelles Thema: Lungenkrebs - Warum ist eine Früherkennung so schwierig?

Lungenkrebs ist der dritthäufigste Krebs in Deutschland, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Jährlich erkranken fast 34.000 Männer und mehr als 15.000 Frauen an einem Lungenkarzinom. Je früher die Erkrankung bei einem Patienten erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten. Noch immer wird der Tumor bei den meisten Patienten allerdings erst spät entdeckt. Warum ist es so schwierig, Lungenkrebs in einem früheren Stadium zu erkennen? Und warum gibt es im Rahmen der Krebsfrüherkennung bislang keine Untersuchungen auf Lungenkrebs?

Am Beispiel einer E-Mail-Anfrage beantwortet der Krebsinformationsdienst häufig gestellte Fragen zum Thema.



Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Gerne vermitteln wir Ihnen Hintergrundinformationen zu Lungenkrebs, zur Verfügbarkeit von Früherkennungsuntersuchungen und zu möglichen Symptomen. Für weitere Fragen können Sie sich auch gerne telefonisch an uns wenden. Wir bitten Sie aber um Verständnis dafür, dass wir keine Empfehlungen aussprechen können, welche Untersuchungen für Sie eventuell sinnvoll wären und welche nicht. Dies bleibt Ihren behandelnden Ärzten vorbehalten, die Ihre gesundheitliche Situation insgesamt überblicken. Eine persönliche ärztliche Beratung lässt sich durch Informationen aus einer E-Mail, dem Internet oder per Telefon nicht ersetzen.

Husten, Atemnot, Gewichtsverlust: Symptome oft unspezifisch

Lungenkrebs verursacht bei etwa neun von zehn Patienten Krankheitszeichen. Jedoch sind diese oft unspezifisch und treten häufig erst in fortgeschrittenen Stadien auf: Husten, Bluthusten oder Atemnot können durch den Tumor in der Lunge selbst verursacht werden. Es gibt aber auch allgemeine Krankheitszeichen wie Appetitlosigkeit, ungewollten Gewichtsverlust oder Schwäche. Bei jedem dritten Patienten hat der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits Tochtergeschwulste gebildet, sogenannte Metastasen. Diese Absiedlungen können ebenfalls Symptome verursachen, zum Beispiel Schmerzen in der Brustwand oder den Knochen oder neurologische Symptome wie Lähmungen, wenn sich Tumorzellen im Gehirn angesiedelt haben.

Falls Sie solche Krankheitszeichen bei sich feststellen, sollten Sie sich nicht scheuen, sofort einen Arzt aufzusuchen. Nur dieser kann abklären, was tatsächlich dahinter steckt.

Lungenkrebs-Früherkennung: Bislang keine Untersuchung empfohlen

Sie schreiben, dass Sie sich fit fühlen, sich jedoch aufgrund Ihres früheren Rauchverhaltens Sorgen über Ihr Krebsrisiko machen. Sie fragen deshalb auch nach Möglichkeiten der Früherkennung von Lungenkrebs.

Neue Forschungen konzentrieren sich vor allem auf Menschen, die ein besonders hohes Risiko tragen, vor allem auf Raucher. Viele Untersuchungsmethoden sind jedoch zu ungenau: Der Anteil übersehener bösartiger Lungentumoren ist zu hoch. Andere Verfahren sind wiederum zu empfindlich: Sie lösen zu oft einen unbegründeten Krebsverdacht aus und führen zu unnötigen und für die Betroffenen belastenden Folgeuntersuchungen oder -behandlungen.

Die meisten bisher geprüften Methoden haben außerdem nicht zu einer geringeren Lungenkrebssterblichkeit geführt, auch wenn die Erkrankung häufiger in einem früheren Stadium erkannt wurde. Weder regelmäßige Röntgenuntersuchungen des Brustkorbs oder Untersuchungen von Zellen in ausgehustetem Bronchialsekret - eine sogenannte Sputum-Zytologie - noch Untersuchungen verschiedener Tumormarker im Blut wirkten sich messbar auf die Sterblichkeitsrate aus.
Diese Verfahren werden von Fachleuten daher nicht für die Lungenkrebsfrüherkennung empfohlen.

Was bedeutet dies für Menschen mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko? Welche Möglichkeiten haben Menschen wie Sie, die an einem Screening interessiert sind?

Früherkennung von Lungenkrebs: Screening auf eigene Kosten?

So wird auch die Computertomographie für Menschen, die ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko, aber keine Beschwerden haben, derzeit nicht in aktuellen ärztlichen Leitlinien empfohlen. Sie ist daher auch nicht Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms.
Welche Möglichkeiten haben Sie, falls Sie trotzdem auf eine Untersuchung nicht verzichten möchten?

Vorbeugen: Rauchstopp lohnt immer!

Lungenkrebs vorbeugen

Nicht rauchen - das ist der wichtigste Schritt, um Lungenkrebs zu verhindern.

Den wichtigsten Schritt zur Senkung Ihres Krebsrisikos haben Sie bereits getan: Die sicherste Methode, Erkrankung und Tod durch ein Lungenkarzinom zu vermeiden, besteht darin, das Rauchen aufzugeben. Darauf weisen die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und die Deutsche Röntgengesellschaft ausdrücklich hin, in einer gemeinsamen Stellungnahme zur Lungenkrebsfrüherkennung mit Niedrigdosis-CT.

Tabakrauch: Rauchstopp reduziert das Lungenkrebsrisiko deutlich

Statistisch gesehen erkranken in Deutschland einer von 14 Männern und eine von 34 Frauen im Laufe ihres Lebens an Lungenkrebs. Raucher sind dabei besonders gefährdet. Männliche Raucher haben ein zwanzig bis dreißigmal so hohes Risiko wie Nichtraucher, an Lungenkrebs zu erkranken. Raucherinnen haben ein neunmal so großes Lungenkrebsrisiko wie Nie-Raucherinnen. Seit Ende der 1990er Jahre ist die Zahl der an Lungenkrebs gestorbenen Frauen allerdings kontinuierlich gestiegen. Dies wird in erster Linie auf das veränderte Rauchverhalten und eine Zunahme der Raucherinnen insgesamt zurückgeführt.

Sie schreiben, dass Sie mehr als zwanzig Jahre lang anderthalb Schachteln Zigaretten geraucht haben. Das Risiko hängt auch stark davon ab, wieviel ein Mensch geraucht hat. Fachleute berechnen es anhand der „Packungsjahre“ (Englisch: pack years). Diese berechnen sich aus der Zahl der Schachteln, die ein Mensch pro Tag raucht, malgenommen mit der Zahl der Jahre, die er geraucht hat. Sie haben also ein Risiko von mehr als 30 Packungsjahren. Das Lungenkrebsrisiko steigt bereits ab 20 Packungsjahren deutlich an. Allerdings sind auch Menschen mit weniger Packungsjahren und Passivraucher gefährdeter als Nie-Raucher.

Was hat Ihr Verzicht auf die Zigaretten bereits genützt? Nach Ende des Tabakkonsums sinkt das Risiko, an einem Lungenkarzinom zu erkranken. Der Effekt zeigt sich schon nach wenigen Jahren. Allerdings dauert es zwanzig bis dreißig Jahre, bis sich das Lungenkrebsrisiko eines Ex-Rauchers an das eines Nie-Rauchers angeglichen hat. Auch das Erkrankungs- und Sterberisiko für andere Erkrankungen bleibt bei Ex-Rauchern gegenüber Nie-Rauchern noch lange Zeit erhöht. Genaue Zeitangaben zu machen, ist schwierig, die Angaben in der Fachliteratur dazu sind insgesamt nicht einheitlich.

Mehr zum Thema Rauchen als Risikofaktor hat der Krebsinformationsdienst im Text "Rauchen und Passivrauchen: Risiko durch blauen Dunst" zusammengefasst. Weitere Informationen hält das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle im Deutschen Krebsforschungszentrum bereit: www.dkfz.de/de/tabakkontrolle. Das "Rauchertelefon" unterstützt Raucher, die mit dem Rauchen aufhören wollen und bieten auch eine eigene Nummer für Krebspatienten an, mehr dazu auf der Internetseite www.rauchertelefon.de.

Beste Prävention: Risikofaktoren meiden

Was können Sie noch tun, um Ihr Risiko zu senken? In der S3-Leitlinie von 2010 zur "Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms" sprechen die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und die Deutsche Krebsgesellschaft generelle Empfehlungen aus, um Lungenkrebs vorzubeugen. Diese Auflistung kann für Sie Anhaltspunkte bieten, ob es bei Ihnen weitere Risikofaktoren gibt, die Sie meiden können. Wie hoch Ihr individuelles Risiko ist und was Sie persönlich noch tun können, um Ihre gesundheitliche Situation zu verbessern, sollten Sie außerdem mit Ihren Ärzten besprechen. Informationen aus einer E-Mail oder dem Internet können eine persönliche ärztliche Beratung nicht ersetzen.

Folgende Risikofaktoren sollten Sie meiden:

Eine gesunde Lebensweise kann sich auf das Lungenkrebsrisiko ebenfalls positiv auswirken:

Mehr zum Thema findet sich im Text "Risikofaktoren: Wie entsteht Lungenkrebs?".

Hintergrund: Aktuelle Forschung - CT-Screening in Zukunft möglich?

In der groß angelegten Studie "National Lung Screening Trial" (NLST) des U.S.-amerikanischen National Cancer Institute verglichen Wissenschaftler den Nutzen zweier Untersuchungsmethoden als Früherkennungsverfahren: zum einen die Computertomographie (CT) mit niedriger Strahlendosis, zum anderen Röntgenaufnahmen des Brustkorbs ("Röntgen Thorax"). Zwei Jahre lang untersuchten sie mehr als 53.000 Personen zwischen 55 und 74 Jahren, die aufgrund ihres Rauchverhaltens ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs hatten. Alle Studienteilnehmer hatten mindestens 30 "Packungsjahre" (pack years). Ex-Raucher wurden allerdings nur in die Studie aufgenommen, wenn der Rauchstopp nicht länger als 15 Jahre zurücklag.

U.S.-amerikanische Studie: National Lung Screening Trial

Ist eine Lungenkrebsfrüherkennung mithilfe regelmäßiger CTs möglich? © Deutsches Krebsforschungszentrum

Die Hälfte der Teilnehmer erhielt im Abstand von je einem Jahr insgesamt dreimal eine niedrig dosierte Computertomographie, die andere Hälfte ebenso oft eine gewöhnliche Röntgenuntersuchung des Brustkorbs. Die meisten auffälligen Befunde in beiden Studiengruppen stellten sich letztlich als etwas anderes als Lungenkrebs heraus. Mit der Computertomographie konnten allerdings insgesamt mehr Lungenkarzinome entdeckt werden. Die Zahl der im Untersuchungszeitraum letztlich an Lungenkrebs gestorbenen Patienten war in der Computertomographie-Gruppe ebenfalls geringer als in der Vergleichsgruppe, die lediglich geröntgt wurde.
Um einen Tod durch Lungenkrebs zu verhindern, mussten statistisch gesehen 320 Personen mit einer niedrig dosierten Computertomographie untersucht werden.

Stand der Forschung

Eignet sich die niedrig dosierte Computertomographie für ein Lungenkrebs-Screening? Untersucht wurden Menschen mit hohem Lungenkrebsrisiko. Erste Ergebnisse sind vielversprechend, aber noch sind einige Fragen offen.

Die Forscher schlossen, dass eine regelmäßige Untersuchung von Hochrisikio-Personen mit einer niedrig dosierten Computertomographie die Lungenkrebssterblichkeit senken kann. Sie schränkten jedoch ein, dass diese Aussage nur für die Personengruppe getroffen werden könne, die in der Studie untersucht wurde, nämlich für starke Raucher oder Ex-Raucher zwischen 55 und 74 Jahren. Ein Nutzen für die Allgemeinbevölkerung steht nicht automatisch fest, die Studiendaten lassen sich nicht direkt übertragen. Die Forscher geben weiterhin zu bedenken, dass ein Routinescreening eventuell zu anderen Ergebnissen führen könnte als die Untersuchung unter Studienbedingungen an hochspezialisierten Zentren, an denen sehr viel Erfahrung in der Beurteilung solcher Niedrigdosis-CTs und auch mit der Diagnose und Behandlung von Lungenkrebs vorhanden ist.

Lungenkrebs-Früherkennung mit CTs: Welche Schwierigkeiten bestehen?

Allerdings bringen CT-Früherkennungsuntersuchungen auch einige Schwierigkeiten mit sich. Nutzen und Risiken müssen bei häufigen Untersuchungen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Bislang haben die amerikanischen Studienergebnisse keine Auswirkung auf ein mögliches Früherkennungsprogramm in Deutschland. Weitere Fragen müssen in wissenschaftlichen Untersuchungen erst noch beantwortet werden, zum Beispiel: Lassen sich diese Studienergebnisse auf weitere Risikogruppen übertragen? Wie oft und für wie lange sollte eine solche CT-Untersuchung regelmäßig durchgeführt werden? Wie ließe sich ein umfangreiches Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm finanzieren?

Auch in Europa werden Studien zur Lungenkrebs-Früherkennung mithilfe der Computertomographie durchgeführt. In Deutschland befasst sich die Lungenkrebsfrüherkennungsstudie LUSI  mit dem Thema. Nähere Informationen sind auf der Internetseite des Deutschen Krebsforschungszentrums zu finden unter www.dkfz.de/de/epidemiologie-krebserkrankungen/arbeitsgr/epipraev/ep_p03_lungscr_a.html.




Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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