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Solarien: Hautkrebsgefahr massiv unterschätzt

Von gesunder Bräune keine Rede – Experten warnen vor dem Besuch in Sonnenstudios: Das Risiko für ein malignes Melanom steigt bei regelmäßigen Nutzern von Solarien weit deutlicher an als bisher schon befürchtet.
Gefährdet sind als typische Kundinnen vor allem jüngere Frauen - darauf weisen die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention in einer gemeinsamen Presseerklärung hin. Sie beziehen sich auf Daten aus mehreren neueren Studien zum Hautkrebsrisiko. Alle wurden im April beim internationalen Workshop der Europäischen Gesellschaft für Hautkrebsvorbeugung (EUROSKIN) in Berlin vorgestellt.

EUROSKIN fordert mehr Schutz

Eine davon ist die SUN STUDY: Das Mannheimer Institut für Public Health (MIPH) hatte in dieser Untersuchung 4.800 Menschen in Deutschland zu ihrer Solarien-Nutzung befragt. Sie fanden vor allem eine „Viel-Nutzer-Gruppe“, die sie als besonders gefährdet einstufen: Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren.
Weitere beim EUROSKIN-Kongress vorgestellte Zahlen belegen, wie schlecht es um den per Gesetz eigentlich vorgeschriebenen Schutz vor Schaden bei den meisten Sonnenstudios aussieht: Obwohl Minderjährige in Deutschland nicht ins Solarium dürfen, sind viele Nutzer nach wie vor unter 18.

Anlässlich ihres Kongresses fordern die EUROSKIN-Experten die Abschaffung unbeaufsichtigter Münzsolarien, mehr Kontrolle der Sonnenstudios hinsichtlich der Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften und eine von den Herstellern von Bräunungsanlagen unabhängige Ausbildung des Personals.

Hautkrebsrisiken: UV-Strahlung bleibt wichtigster Auslöser

Sonne als UV-Quelle © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
UV-Strahlung wird nur zum Teil durch die Atmosphäre herausgefiltert © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Jedes Jahr erkranken etwa 170.000 Menschen in Deutschland neu an "weißem", nichtmelanotischem Hautkrebs, so die zuletzt veröffentlichten Schätzungen der Krebsregister. Hinzu kommen knapp 23.000 Patienten mit einem Melanom. Das Melanom, auch als „schwarzer Hautkrebs“ bezeichnet, kann bereits früh Metastasen bilden. Es gilt deshalb als weit gefährlicher als andere Arten von Hautkrebs.

Für alle Hautkrebsformen gilt ultraviolette Strahlung als Hauptrisikofaktor, egal, ob von der Sonne oder aus anderen Quellen. Zwar hat sich die natürliche Ozonschicht in der Atmosphäre leicht erholt: Ozon wirkt wie ein Filter für die UV-Strahlung der Sonne.
Die Stärke der natürlichen UV-Strahlung in Deutschland bleibt jedoch bisher unverändert. Sonnenschutz ist daher weiter wichtig, wenn man ins Freie geht. Darauf weisen das Bundesinstitut für Strahlenschutz und weitere Institutionen in einer aktuellen Pressemitteilung hin.

Möglicherweise wird das Hautkrebsrisiko aber noch von weiteren Faktoren beeinflusst: Aktuell veröffentlichte Daten der internationalen „Me-Can-Studie“ lassen vermuten, dass auch hoher Blutdruck und hohe Blutzuckerspiegel das Risiko für ein Melanom steigern könnten.
Übergewicht sowie hohe Blutzucker- und Blutfettspiegel stehen insbesondere bei Frauen möglicherweise zudem mit anderen Hautkrebsarten in Zusammenhang, auch wenn hier noch viele Fragen offen sind. Unklar ist beispielsweise, welche Rolle Viren als fördernder Ko-Faktor spielen. Hauptursache für Hautkrebs bleibe aber die Belastung mit UV-Licht, so die Studienverantwortlichen.

Früherkennung: Nutzen wird deutlich

In Deutschland haben gesetzlich Versicherte ab 35 alle zwei Jahre Anspruch auf eine Hautkrebs-Früherkennungsuntersuchung. Dabei suchen entsprechend ausgebildete Hausärzte oder Fachärzte für Dermatologie gezielt nach auffälligen Veränderungen.

Als dieses Angebot 2007/2008 eingeführt wurde, hatten selbst Experten noch Zweifel, ob die regelmäßige Früherkennung wirklich Leben retten kann. Erste Erkenntnisse lagen damals aus Schleswig-Holstein vor, wo das Angebot im Jahr 2000 und erneut zwischen 2003 und 2004 vorab erprobt worden war.
In einer aktuellen Langzeitauswertung zeigt sich der Nutzen der Früherkennung nun deutlicher: Nur in Schleswig-Holstein sank die Mortalitätsrate zwischen 2000 und 2009: Dort starben, hochgerechnet auf eine Million Einwohner, nicht mehr 19, sondern nur 10 Männer an einem Melanom. Statt wie in den 90er Jahren 14 starben nur noch 7 Frauen. In den angrenzenden Bundesländern ohne Screening, in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Hamburg, blieb die Sterblichkeitsrate im gleichen Zeitraum dagegen weitgehend unverändert, ebenso wie im benachbarten Dänemark.



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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