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Neuropathie bei Krebspatienten - Wenn Hände und Füße kribbeln

Hinweis: Dieser Text erschien als "Aktuelles Thema" im Februar 2012. Eine fortlaufend aktualisierte Fassung findet sich unter "Neuropathie bei Krebspatienten".

Bei manchen Tumorpatienten treten geschädigte Nerven als Folge einer Behandlung mit Krebsmedikamenten auf. Auch eine Strahlentherapie oder der Tumor selbst können Nerven schädigen. Die Störung ist meist vorübergehend, hält bei einigen Betroffenen aber auch über das Ende der Therapie hinaus an oder tritt überhaupt erst später auf. Von dieser "neurotoxischen" Wirkung mancher Therapien sind oft kleinere Nerven an Händen sowie Füßen betroffen, die für das Tastempfinden, die Schmerzweiterleitung und das Temperaturempfinden zuständig sind. Fachleute sprechen von "peripherer Neuropathie". Nerven, die innere Organe steuern, oder Gehirn oder Rückenmark selbst sind seltener betroffen. Chemotherapien mit Platinverbindungen, Taxanen oder Vincaalkaloiden führen besonders häufig zu Schädigungen von peripheren Nerven. Aber auch andere Krebsmedikamente können ähnliche Beschwerden auslösen.

Patienten nehmen oft ein Kribbeln oder Ameisenlaufen in Fußsohlen oder Fingerspitzen wahr. Bei manchen Betroffenen werden Füße und Hände taub und es fällt ihnen schwer, etwas zu greifen, zu schreiben oder sicher zu gehen. Seltener kann eine Neuropathie auch mit brennenden und stechenden Schmerzen einhergehen. Sind nicht die Nerven in Armen oder Beinen, sondern Hirnnerven betroffen, können Patienten unter Umständen auch schlechter hören oder sehen. Betroffene sind durch diese belastenden Symptome in ihrem Alltag und in ihrer Lebensqualität oft stark eingeschränkt.

Wirksame Möglichkeiten der Vorbeugung existieren bislang kaum. Die Behandlung ist ebenfalls schwierig. Die Wirksamkeit vieler Therapieansätze ist nicht durch hochwertige wissenschaftliche Studien belegt. Womit sich die Forschung zur Vorbeugung und Behandlung dieser Nervenschädigungen befasst und an wen sich Betroffene wenden können, erläutert der Krebsinformationsdienst anhand einer aktuellen E-Mail-Anfrage. Interessierte und Fachleute finden im Anhang weiterführende Informationen und Quellen.



Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Gerne vermitteln wir Ihnen Hintergrundinformationen zu Nervenschädigungen als Folge einer Chemotherapie. Wir bitten Sie aber um Verständnis dafür, dass wir keine Voraussagen machen oder individuelle Empfehlungen aussprechen können. Dies bleibt Ihren behandelnden Ärzten vorbehalten. Eine persönliche ärztliche Beratung lässt sich dadurch nicht ersetzen.

Wichtig zu wissen!

Nicht alle Krebsmedikamente schädigen Nervengewebe.

Sie fragen, ob Sie durch die bei Ihnen vorgesehene Chemotherapie ebenfalls neuropathische Beschwerden wie Kälteempfindlichkeit, Kribbeln und Schmerzen bekommen können. Diese Frage lässt sich nicht pauschal mit ja oder nein beantworten: Längst nicht alle Krebsmedikamente schädigen Nervenbahnen. Also müssen auch längst nicht alle Patienten nach einer Chemotherapie mit neuropathischen Beschwerden rechnen. Selbst von den Krebspatienten, die mit potenziell nervenschädigenden Medikamenten behandelt werden, sind nicht alle betroffen. Und wenn doch Nervenschädigungen auftreten, sind sie nicht bei jedem Menschen gleich stark ausgeprägt oder von Dauer.

Platinverbindungen können periphere Nervenbahnen schädigen

Periphere Polyneuropathie

Bei dieser Erkrankung sind Nervenbahnen außerhalb von Rückenmark und Gehirn geschädigt. Dies äußert sich oft in Missempfindungen wie Kribbeln, Gefühlsstörungen, Muskelschwäche oder brennenden Schmerzen.

Sie schreiben, dass Ihr Freund seine Beschwerden auf das Platin in seiner "Chemo" zurückführt. Platinverbindungen schädigen tatsächlich als Nebenwirkung oft das Nervengewebe, und die Beschwerden, die Sie schildern, sind vergleichsweise typisch. Welche Gründe bei Ihrem Freund genau zum Tragen kommen, können allerdings nur seine behandelnden Ärzte überblicken. Sie kennen seine gesamte Krankengeschichte. Wichtig zu wissen ist, dass nicht ausschließlich Krebsmedikamente solche "peripheren Polyneuropathien" verursachen. Auch eine Bestrahlung, ein auf Nerven drückender Tumor oder Vorerkrankungen wie eine Zuckerkrankheit, Alkoholmissbrauch und ausgeprägter Vitaminmangel können ähnliche Beschwerden auslösen. Und natürlich auch primär an den Nerven ablaufende Erkrankungen wie beispielsweise Nervenentzündungen.

Eine Kombinationschemotherapie mit der Platinverbindung Oxaliplatin, wie Sie sie in Ihrer Anfrage beschreiben, erhalten oft Patienten mit Dickdarmkrebs, bei denen nach einer alleinigen Operation ein hohes Rückfallrisiko bestehen würde. Die sogenannte adjuvante, also die Operation ergänzende Chemotherapie kann mit verschiedenen Medikamenten durchgeführt werden. Ob auch bei Ihnen eine Therapie mit Platin zum Einsatz kommen soll, oder ob andere Medikamente geplant sind, müssen Sie daher mit Ihren behandelnden Ärzten besprechen. Für Patienten, die wie Sie älter als 70 Jahre alt sind, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. zum Beispiel, mit einer Oxaliplatin-haltigen Behandlung eher zurückhaltend zu sein.



Auf dieser Seite

Ursachen: Wann kommt es bei Krebspatienten zu Nervenschädigungen?  
Lokalisation: Nerven außerhalb von Rückenmark und Gehirn häufiger betroffen   
Biologie: Wie kommt es zur Schädigung peripherer Nerven?  
Vorbeugung: Können Ärzte etwas gegen die Schädigung peripherer Nerven tun?  
Symptome: Erste Anzeichen früh erkennen und richtig deuten   
Ansprechpartner: An wen wenden, wenn eine periphere Neuropathie chronisch wird?   
Diagnostik: Welche Untersuchungen bringen Klärung?  
Behandlung: Was können Ärzte bei geschädigten peripheren Nerven tun?    
Weitere Maßnahmen: Was können Betroffene, Angehörige und Freunde selbst tun?   
Sozialrechtliche Aspekte: An wen wenden?    
Psychologische Maßnahmen: Unterstützung finden    
Weiterführende Quellen für Interessierte und Fachkreise (Auswahl)  

Ursachen: Wann kommt es bei Krebspatienten zu Nervenschädigungen?

Als mögliche Ursache von Nervenschädigungen kommt bei Krebspatienten die Krebsbehandlung infrage, aber auch der Tumor selbst, wenn er Nerven zerstört, umwächst oder auf sie drückt. Darüber hinaus können auch Vorerkrankungen wie etwa die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), andere Stoffwechselerkrankungen, Vitaminmangel (zum Beispiel Vitamin B1-Mangel), Alkoholmissbrauch, Infektionen mit dem Herpes-Virus oder neurologische Erkrankungen vergleichbare Beschwerden hervorrufen. Bei Operationen lässt es sich oft nicht vermeiden, dass kleine Nerven verletzt werden, was zu Taubheit oder Berührungsempfindlichkeit der Haut um die Narbe herum führen kann.

Insbesondere bei Krebspatienten mit einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung ist es für Ärzte oft schwierig, die tatsächliche Ursache neuropathischer Beschwerden auf Anhieb herauszufinden. Oftmals spielen bei Tumorpatienten auch mehrere Faktoren eine Rolle.

Krebsmedikamente als Auslöser

Chemotherapie-Medikamente, die zur Gruppe der Platinverbindungen, Taxane oder Vincaalkaloide gehören, schädigen häufig periphere Nervenbahnen.

Zu den platinhaltigen Chemotherapie-Medikamenten zählen Oxaliplatin, Cisplatin und Carboplatin. Oxaliplatin führt statistisch gesehen bei etwa 85 bis 95 von 100 Patienten direkt nach der Arzneimittelgabe zu akuten Missempfindungen bei Kälte. Diese bilden sich aber überwiegend nach einigen Tagen wieder von alleine zurück. Von länger anhaltenden peripheren Neuropathien sind allerdings etwa 3 von 100 Patienten nach Oxaliplatin-Gabe betroffen. Erhalten Patienten Cisplatin, ist die Wahrscheinlichkeit einer Innenohrschädigung hoch. Patienten können Hörstörungen vor allem bei hohen Tönen, Ohrgeräusche und Gleichgewichtsprobleme bekommen. Die Wahrscheinlichkeit langfristig anhaltender Einschränkungen hängt von der Dosierung ab, daher sind konkrete Zahlenangaben schwierig. Messbare Beschwerden können bei knapp einem Drittel aller Patienten allerdings auch schon nach einmaliger Gabe von Cisplatin auftreten. Selten kommt es auch zu vorübergehenden Sehstörungen, anhaltende Augenschäden sind sehr selten.

Ein Beispiel für ein neurotoxisches Mittel aus der Gruppe der Taxane ist der Wirkstoff Paclitaxel: Missempfindungen aller Schweregrade wurden je nach Untersuchung bei etwa 57 bis 83 von 100 Patienten beobachtet.
Zu den Vincaalkaloiden zählen Vincristin, Vinblastin und Vinorelbin; Neuropathien aller Schweregrade treten unter Vincaalkaloiden laut bisheriger Studien bei 30 bis 47 von 100 Patienten auf.
Auch noch bei weiteren Chemotherapie-Medikamenten besteht ein gewisses Risiko solcher Beeinträchtigungen, es ist allerdings deutlich niedriger, und die Neuropathien sind weniger ausgeprägt.

Ebenso können einige neuere Krebsmedikamente Nervenfasern in ihrer Funktion beeinträchtigen. Dazu zählen beispielsweise Bortezomib, Thalidomid oder Lenalidomid.

Weiterführende Informationen finden sich im Text "Strahlentherapie und Nuklearmedizin: Häufige Fragen zur Behandlung und ihren Nebenwirkungen".

Bei einer Operation lassen sich Nervenverletzungen nicht immer vermeiden. Auch diese können zu Taubheit oder Missempfindungen in den von den betroffenen Nerven versorgten Bereichen des Körpers führen, insbesondere in der Haut rund um die Wunde. Eine Regeneration ist möglich, oft wachsen noch lange nach Abschluss der eigentlichen Wundheilung Nervenästchen aus dem umliegenden Gewebe in den verletzten Bereich ein und die Beschwerden bessern sich.

Tumor als Auslöser einer Neuropathie

Neuropathische Schmerzen

Sie sind brennend oder stechend. So kann man sie oft von Schmerzen mit anderer Ursache unterscheiden.

Drückt ein Tumor auf Nervenbahnen oder wächst er in diese hinein, werden sie dadurch ebenfalls in ihrer Funktion beeinträchtigt oder zerstört. Bei den betroffenen Patienten kommt es dann oft zu brennenden stechenden Schmerzen, sogenannten neuropathischen Schmerzen. Wie sich diese von anderen Schmerzen unterscheiden und was man dagegen tun kann, wird in den Texten "Schmerztherapie bei Krebspatienten" näher erläutert.

Lokalisation: Nerven außerhalb von Rückenmark und Gehirn häufiger betroffen

Wichtige Begriffe

Periphere Nerven: Nervenbahnen außerhalb von Gehirn und Rückenmark
Vegetatives Nervensystem: Nerven, die nicht willentlich beeinflussbar sind und die inneren Organe steuern
Zentrales Nervensystem: Gehirn und Rückenmark

Von der nervenschädigenden Wirkung der meisten neurotoxischen Therapien sind überwiegend längere periphere Nervenbahnen betroffen, die für Tastempfinden, Temperaturwahrnehmung und Schmerzweiterleitung zuständig sind. Unter Umständen werden auch Nerven geschädigt, die die Muskeln stimulieren.

Seltener kommt es nach der Gabe von Krebsmedikamenten zu Nebenwirkungen an sogenannten vegetativen Nerven. Dabei handelt es sich um Nerven, die der Mensch nicht durch seinen Willen beeinflussen kann, und die beispielsweise innere Organe wie etwa Darm, Blase und Herz-Kreislaufsystem steuern. Folgen können beispielsweise anhaltende Verstopfung oder Blutdruckprobleme sein.

Nur vergleichsweise wenige Krebsmittel wirken sich bei einigen Patienten auf das Gehirn oder Rückenmark aus, das sogenannte zentrale Nervensystem. Beispiele dafür sind die Chemotherapie-Medikamente Cytarabin, Ifosfamid oder Methotrexat sowie Platin-Verbindungen. Die meist schnell wieder abklingenden Folgen sind zum Beispiel Kopfschmerzen, verwaschene Sprache, Lethargie und starke Müdigkeit. Ob und wenn ja, welche langfristigen Einschränkungen Patienten nach einer Chemotherapie zum Beispiel in der Merkfähigkeit erleben können, ist zurzeit noch unklar und wird in Studien untersucht.

Biologie: Wie kommt es zur Schädigung peripherer Nerven?

Schädigungen an den peripheren Nerven können aber auch indirekt entstehen, vor allem dann, wenn das sie umgebende Gewebe insgesamt beeinträchtigt wird. Dies ist zum Beispiel bei strahlenbedingten Haut- und Gewebeverhärtungen der Fall, einer Sklerosierung, oder etwa bei einer Chemotherapie-bedingten Verminderung der Blutversorgung.

Vorbeugung: Können Ärzte etwas gegen die Schädigung peripherer Nerven tun?

Nutzen und Schaden abwägen!

Kann die Behandlung geändert werden? Lässt sich die Medikamentendosis reduzieren? Wie wirkt sich dies auf die Heilungschancen aus? Dies können Patienten nur mit ihren Ärzten besprechen und entscheiden!

Bei den meisten Krebsmedikamenten mit nervenschädigender Wirkung ist nach wie vor die sicherste Vorbeugung der Beschwerden der Wechsel auf ein weniger oder gar nicht nervenschädigendes Präparat. Dies ist allerdings nicht bei allen Krebspatienten möglich. Bei ersten Anzeichen neuropathischer Symptome verringern Ärzte nach Möglichkeit die Chemotherapie-Dosis. Verschlimmern sich die belastenden neurologischen Symptome, kann bei manchen Patienten auch ein Abbruch der Behandlung notwendig werden.

Vor allem bei einer Krebstherapie mit Aussicht auf Heilung sollten Patienten und Ärzte gemeinsam die schwere Frage diskutieren, ob eine Verminderung der Wirksamkeit durch eine Dosisreduktion, eine Therapiepause oder den Wechsel auf ein nebenwirkungsärmeres, aber für die Behandlung der vorliegenden Erkrankung weniger geeignetes Präparat in Kauf genommen werden kann.

Gibt es nervenschützende Medikamente oder andere Verfahren?

Weitere Forschung nötig

Bislang ist es kaum möglich, nervenschädigenden Nebenwirkungen einer Chemotherapie mit Medikamenten vorzubeugen.

Wissenschaftler suchen seit Jahren nach Medikamenten, die diese belastenden Beschwerden verhindern oder wenigstens lindern. Optimal wären nervenschützende Medikamente, die man vor der Gabe eines Chemotherapie-Medikaments verabreichen könnte. Aktuell untersuchte Ansätze stammen meist aus der Erforschung von Nervenschädigungen bei Patienten mit Diabetes mellitus, der Zuckerkrankheit. Momentan liegen aber kaum aussagekräftige Studien vor, die die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit sogenannter nervenschützender Mittel für die verschiedensten Krebsmedikamente ausreichend belegen. Auch Medikamente, die Patienten vor Chemotherapie-bedingten Hörstörungen schützen, gibt es bislang noch nicht.

Calciumglukonat, Magnesiumsulfat, Vitamin E und weitere Mittel

Erste Daten weisen [Ankerlink: Quellen] bei Dickdarmkrebs darauf hin, dass die Gabe von Magnesiumsulfat und Calciumglukonat eine Abnahme von chronischen Nervenschäden bewirken könnte. Studienteilnehmer erhielten die Wirkstoffe direkt vor und nach einer Oxaliplatin-Gabe. Diese Substanzen sind allerdings nicht zur Vorbeugung oder Behandlung einer Neuropathie zugelassen. Deshalb kann eine Prophylaxe nur im Rahmen von klinischen Studien erfolgen. Auf eigene Faust sollten Patienten diese Mittel nicht einnehmen.
In weiteren Studien konnte außerdem gezeigt werden, dass sich Vitamin E nicht zur Vorbeugung von Nervenschäden bei Oxaliplatin-Gabe eignet.

Auch Mittel wie Amifostin, Glutathion, Glutaminsäure und Glutamat werden in Studien untersucht. Noch sind die vorliegenden Daten unzureichend: Um Aussagen darüber zu treffen, ob sie im Zusammenhang mit bestimmten Krebsmedikamenten nervenschützend wirken oder nicht, sind noch weitere Studien mit einer größeren Anzahl an Studienteilnehmern notwendig. Auch hier gilt: Solange nicht geklärt ist, ob und wie solche Mittel wirken, und ob sie auch keine unerwünschten Wirkungen haben, sollten sie außerhalb von Studien nicht verwendet werden.

Kältehandschuhe

Geprüft wird außerdem, ob sich periphere Nervenschäden vermeiden lassen, wenn man während der Infusion von Zytostatika die Blutzufuhr in den besonders empfindlichen Händen drosselt – so sollen die Medikamente gar nicht erst an die Nerven gelangen. Dies lässt sich zum Beispiel durch Unterkühlung mittels besonderer "Eis"- oder Kältehandschuhe erreichen.

Können Betroffene selbst etwas tun?

Patienten können selbst leider nur wenig tun. Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel sollten Patienten beispielsweise während der Krebsbehandlung weglassen – ihr Nutzen ist nicht belegt. Wer auf eigene Faust aktiv werden möchte und nach alternativen und begleitenden Therapien sucht, sollte dies auf jeden Fall vorher mit dem Arzt besprechen.

Auch praktische Tipps gibt es nur wenige: Um etwa den kurzfristigen kältebedingten Reaktionen durch Oxaliplatin vorzubeugen, raten Fachleute Betroffenen: schon bei milderen Temperaturen dicke Handschuhe, warme Socken und Schuhe anziehen und einen zu langen Aufenthalt in der Kälte vermeiden. Dadurch beugen sie unter Umständen kältebedingten Missempfindungen vor, die bei dieser Chemotherapie typisch sind. Die Wirksamkeit dieser und ähnlicher Maßnahmen ist aber nicht durch wissenschaftliche Studien belegt.

Symptome: Erste Anzeichen früh erkennen und richtig deuten

Wichtig ist es, dass Betroffene erste Anzeichen von peripheren Nervenschädigungen frühzeitig erkennen. Stellen Patienten Symptome an sich fest, sollten sie dies umgehend ihren behandelnden Ärzten mitteilen. Symptome können bei manchen Patienten direkt während einer Krebsbehandlung auftauchen, bei manchen aber erst verzögert. Zur Orientierung und Früherkennung können Ärzte bei Patienten, die stark nervenschädigende Chemotherapie-Regime erhalten, zum Beispiel vor den einzelnen Behandlungszyklen das Vibrationsempfinden oder den Achillessehnenreflex prüfen.

Kribbeln, Taubheit, Brennen

Spüren Krebspatienten Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühle, Muskelschwäche oder Schmerzen in den Fußsohlen oder Fingerspitzen, sollten sie dies ihrem Arzt mitteilen.

Sind überwiegend sogenannte sensorische Nervenbahnen betroffen, mittels derer Patienten bestimmte Reize wahrnehmen, haben Betroffene zunächst oft Missempfindungen. Die Gefühlsstörungen beginnen meist in den Fußsohlen und Fingerspitzen und können sich bis zu Knöchel und Handgelenk ausdehnen. Es kann zu einer Überempfindlichkeit schon gegenüber kleinsten Berührungen oder sonstigen Reizen kommen. Manche Patienten haben das Gefühl, als ob Ameisen durch ihre Füße und Hände laufen, oder sie haben den Eindruck, als gingen sie auf Watte. Bei manchen Patienten fühlen sich Hände und Füße auch pelzig, taub oder eingeschlafen an. Setzt sich die Schädigung fort, nehmen Betroffene an diesen Stellen dann oft auch keine Schmerzen, Wärme oder Kälte mehr wahr. Die Taubheit führt zu Schwierigkeiten bei feinmotorischen, alltäglichen Aktivitäten, etwa beim Zuknöpfen eines Hemdes, beim Aufdrehen einer Flasche oder beim Schreiben. Sind die Füße betroffen, kann dies dazu führen, dass Krebspatienten nicht mehr so stabil gehen, häufiger ihr Gleichgewicht verlieren und stürzen. Auch oberflächliche Verletzungen an Händen und Füßen bleiben oft unbemerkt.

Sind eher motorische Nervenbahnen betroffen, die Muskeln aktivieren, kommt es unter Umständen zu unwillkürlichem Muskelzucken oder zu Muskelkrämpfen. Manche Betroffene haben einfach auch keine Kraft mehr in den Armen und Beinen. Sie können schlecht greifen oder haben Schwierigkeiten beim Gehen.

Bei Schädigungen von Hirnnerven können Hör- und Sehvermögen betroffen sein. Cisplatin wirkt sich auf das Innenohr aus: Dies führt zu klingenden Ohrgeräuschen (Tinnitus) oder einem Hörverlust vor allem im Hochtonbereich. Auch Gleichgewichtsstörungen können auftreten.

Ansprechpartner: An wen wenden, wenn eine periphere Neuropathie chronisch wird?

Patienten, die während oder nach einer Krebsbehandlung Anzeichen einer peripheren Neuropathie an sich beobachten, sollten unmittelbar mit ihrem behandelnden Onkologen Rücksprache halten.

Je nachdem, welche Symptome auftreten, werden weitere Spezialisten hinzu gezogen: Zur Diagnostik und Behandlung einer peripheren Neuropathie kann dies ein auf Nervenerkrankungen spezialisierter Arzt sein, ein Neurologe. Treten Beeinträchtigungen des Gehörs auf, wird ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) einbezogen. Bei Beeinträchtigungen des Sehvermögens ist ein Augenarzt der richtige Ansprechpartner. Geht die Nervenschädigung mit Missempfindungen und sehr starken Schmerzen einher, bezieht der behandelnde Arzt oft einen Schmerztherapeuten ein.

Diagnostik: Welche Untersuchungen bringen Klärung?

Messen des Achillessehnenreflexes

Wichtige Untersuchungen

Frühe Anzeichen einer Chemotherapie-bedingten Nervenschädigung sind der Ausfall des Achillessehnenreflexes und ein vermindertes Vibrationsempfinden.

Der Arzt prüft beispielsweise verschiedene Muskeleigenreflexe, wie etwa den Achillessehnenreflex. Er schlägt mittels eines Reflexhammers leicht auf die angespannte Achillessehne. Dies ist möglicherweise etwas unangenehm. Ist der Reflex vorhanden, streckt man unwillkürlich den Fuß. Ist der Achillessehnenreflex abgeschwächt oder ganz erloschen, kann das auf eine Schädigung peripherer Nerven hinweisen.

Messen des Vibrationsempfindens

Darüber hinaus testet der Arzt, wie empfindlich tiefer gelegenes Gewebe auf Vibration reagiert (Tiefensensibilität). Das Messen des Vibrationsempfindens ist nicht schmerzhaft. Der Arzt verwendet dafür eine Stimmgabel, die er zum Schwingen bringt und dem Patienten auf die Haut setzt. Meist testet er die Empfindungen an der Hand, am Daumengrundgelenk, am Innenknöchel und am Großzehengrundgelenk. Der Patient hält während der Untersuchung die Augen geschlossen und berichtet dem Arzt, ob er die Schwingungen der Stimmgabel wahrnimmt. Ein vermindertes Vibrationsempfinden ist während und kurz nach einer Krebsbehandlung oft ein erster Hinweis auf eine Neuropathie, noch bevor Patienten die Empfindungsstörungen im Alltag wahrnehmen.

Messen der oberflächlichen Reizwahrnehmung

Ob ein Patient an der Körperoberfläche Reize normal wahrnehmen kann, testet der Neurologe, indem er das Schmerz-, Temperatur-, Berührungs- und Druckempfinden untersucht. Das Kalt-Warm-Empfinden überprüft man durch das Halten oder Auflegen von Metall und Plastik. Patienten mit Neuropathien können  beide Stoffe durch ihr Berührungsempfinden nur schlecht oder gar nicht unterscheiden. Ob der Patient überhaupt Schmerzen wahrnimmt oder auch eine schmerzhafte Überempfindlichkeit testet der Arzt, indem er den Patienten an Händen und Füßen mit einem Wattebausch oder einer Nadel berührt.

Elektroneurografie (ENG)

Messen der Nervenleitgeschwindigkeit

Bei Patienten mit ausgeprägten Neuropathien wird gemessen, wie schnell und wie gut Nerven Reize weiterleiten.

Als zusätzliche Untersuchung kann ein Neurologe außerdem die Nervenleitgeschwindigkeit in Armen und Beinen messen. Fachleute bezeichnen diese Untersuchung als Elektroneurografie (ENG). Dem Patienten legt der Arzt dazu Elektroden an, meist an den Fingermuskeln. Er reizt dann den Nerv, der diese Muskeln stimuliert, an zwei Stellen elektrisch. Für den Patienten ist das möglicherweise kurz unangenehm. Das angeschlossene Messgerät prüft die Zeit, die der Muskel zur Reaktion auf die Stimulation benötigt. Neurologen erkennen dadurch, ob die Reizweiterleitung in irgendeiner Form beeinträchtigt ist und ob Nerven oder ihre Hüllen geschädigt sind.

Elektromyografie (EMG)

Bei Patienten mit Muskelschwächen kann eine Elektromyografie (EMG) zum Einsatz kommen. Damit messen Neurologen die elektrische Aktivität eines Muskels und stellen fest, ob der Muskel selbst erkrankt ist oder der Nerv, der diesen Muskel mit Informationen versorgt. Die Elektromyografie kann mit oberflächlichen Elektroden auf der Haut, häufiger aber als Nadel-Elektromyografie durchgeführt werden. Der Arzt sticht zur Messung eine dünne nadelförmige Messelektrode in den betroffenen Muskel. Dies ist etwas schmerzhaft. Über die Elektrode wird die Muskelaktivität abgeleitet. Für den Patienten wird dies über einen Verstärker als Rauschen und Knattern hörbar. Die Ergebnisse lassen sich zudem im Computer auswerten. Nehmen Patienten blutgerinnungshemmende Medikamente ein oder ist ihre Blutgerinnung durch andere Ursachen beeinträchtigt, kommt eine Nadel-Elektromyographie nicht infrage.

Weitere Untersuchungen

Hörtest: Wie kann eine Schwerhörigkeit festgestellt werden?

Haben Patienten klingende Ohrgeräusche oder hören schlechter, führt ein HNO-Arzt einen Hörtest durch. Mittels der sogenannten Tonschwellen-Audiometrie kann der Arzt die Hörschwelle eines Patienten seitengetrennt bei jedem Ohr genau bestimmen. Hörverluste im Hochtonbereich, wie sie etwa bei Cisplatin-Gabe vorkommen, lassen sich dadurch frühzeitig erkennen. Ist die Einschränkung ausgeprägt und anhaltend, kommt unter Umständen die Versorgung mit Hörgeräten infrage. Gegen Tinnitus, unangenehme Ohrgeräusche, lässt sich bislang nur wenig unternehmen. Für Patienten wurden vor allem Programme entwickelt, mit denen das "Nichtwahrnehmen" der Geräusche trainiert und so die Störung reduziert wird.

Behandlung: Was können Ärzte bei geschädigten peripheren Nerven tun?

Medikamentöse Behandlung schwierig

Aktuell sind kaum medikamentöse Behandlungsverfahren vorhanden, deren Wirksamkeit durch hochwertige wissenschaftliche Studien belegt ist.

Die Behandlung von geschädigten peripheren Nerven als Folge einer Krebsbehandlung ist schwierig. Ob eine medikamentöse Behandlung möglich ist, hängt davon ab, welche Beschwerden bei Betroffenen im Vordergrund stehen. Bei Symptomen wie Missempfindungen, Taubheitsgefühl, Muskelschwäche oder Koordinationsstörungen stehen bislang kaum Medikamente zur Verfügung, deren Wirksamkeit belegt ist. Zwar wurden bereits einige Substanzen in klinischen Studien untersucht, die man aus der Forschung zum Beispiel zur diabetischen Neuropathie bei Zuckerkranken kennt. Dazu zählen beispielsweise verschiedene Vitamine, aber auch die alpha-Liponsäure. Ihre Wirksamkeit konnte aber im Zusammenhang mit therapiebedingten Nervenschäden bei Krebspatienten nicht ausreichend belegt werden.
Insgesamt zeichnet sich ab: Erkenntnisse aus der Forschung und Behandlung der diabetischen Neuropathie lassen sich nur bedingt auf Krebspatienten übertragen.

Physiotherapie, Elektrotherapie, Bäder und Ergotherapie

Mit verschiedenen Maßnahmen versuchen Ärzte und andere Fachkräfte, neuropathische Symptome zu lindern. Patienten mit Missempfindungen und Taubheitsgefühlen an Füßen und Händen werden oft mit Verfahren wie etwa Physiotherapie, Ergotherapie und Elektrotherapie oder Bädern behandelt. Ziel dieser Verfahren ist es, das Gewebe unterschiedlichen Reizen auszusetzen. Für Betroffene ist es zudem wichtig, die Extremitäten trotz der Beschwerden viel zu bewegen. Die Nervenfunktion soll sich dadurch erholen.

Bei der Therapie kommen Hilfsmitteln wie etwa Fußrollen, Bürsten oder Igelbälle zum Einsatz, oder Patienten gehen etwa durch eine mit Erbsen und Körnern gefüllt Wanne. Auch Schreibtraining gehört dazu. Im Rahmen der Rehabilitation erhalten Patienten zudem Hilfsmittel zum Greifen von Gegenständen. Insgesamt sollen Patienten möglichst ihre manuelle Geschicklichkeit und ihre Beweglichkeit fördern und erhalten, um Aufgaben im Alltag besser bewältigen zu können. Physiotherapeutische Maßnahmen können Betroffenen auch dabei helfen, wieder etwas sicherer beim Gehen zu werden, ihr Gleichgewicht wiederzuerlangen und ihr Sturzrisiko zu senken. Bei einer Elektrotherapie werden die Nerven elektrisch stimuliert. Dies kann etwa in Form von Teilbädern mit Gleichstrom von Armen und Unterschenkeln erreicht werden, aber auch durch eine elektrische Stimulation der Haut.

Zu all diesen genannten Verfahren liegen jedoch nur Einzelbeobachtungen und keine aussagekräftigen Studien vor, die ihre Wirksamkeit belegen. Bei den Einzelbeobachtungen kam heraus, dass die Missempfindungen und brennenden Schmerzen nach der regelmäßigen Anwendung dieser Verfahren zurückgingen.

Behandlung neuropathischer Schmerzen

Neuropathische Schmerzen durch eine Chemotherapie stehen selten im Vordergrund. Kommt es allerdings nicht nur zu Taubheitsgefühlen und Missempfindungen, sondern zu starken Schmerzen, benötigen Patienten schmerzlindernde Medikamente. Die sonst üblichen Schmerzmittel wie etwa Acetysalicylsäure (ASS) helfen bei diesen neuropathischen Schmerzen allerdings nicht oder nur schlecht. Wirksam sind dagegen Medikamente gegen Depressionen, sogenannte Antidepressiva, sowie Mittel, die eigentlich gegen Krampfanfälle entwickelt wurden, sogenannte Antikonvulsiva. Beide können aufgrund ihrer besonderen Wirkweise neuropathische Schmerzen abmildern. Auch schwache und starke Opioide kommen infrage. Ergänzend stehen Substanzen in Pflastern oder Salben zur Verfügung. Sie wirken direkt an betroffenen Schmerzfasern. Ihr schmerzlindernder Effekt ist jedoch begrenzt.

Als experimentelle Behandlungsverfahren für neuropathische Schmerzen ohne Medikamente gilt etwa die Akupunktur. Weitere Informationen zur Behandlung von Schmerzen bei Krebspatienten finden sich in den Texten "Schmerztherapie bei Krebspatienten" des Krebsinformationsdienstes.

Was hat sich nicht bewährt?

Eine Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie ist nicht zu verwechseln mit einer Neuropathie aufgrund einer Zuckerkrankheit oder anderer Erkrankungen. Deshalb unterscheidet sich auch die Behandlung: Nicht alle Medikamente, die sich bei diabetischen Patienten mit peripherer Polyneuropathie als gut erwiesen haben, sind auch bei einer Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie sinnvoll. Alpha-Liponsäure wird beispielsweise bei zuckerkranken Patienten mit Missempfindungen eingesetzt. Diabetiker, die auch an Krebs erkrankt sind und Cisplatin erhalten sollen, müssen das Mittel dagegen absetzen: Sonst kann es sogar zu einem Wirkungsverlust von Cisplatin kommen.

Nicht bewährt haben sich alternative Verfahren wie etwa eine Ernährungsumstellung oder die Einnahme von Vitamin B oder anderen Vitaminen. Es stehen keine neueren Untersuchungen zur Verfügung, die die Wirksamkeit dieser Substanzen belegen. Eine langfristige Einnahme von höher dosiertem Vitamin B6 kann sogar selbst eine nervenschädigende Wirkung nach sich ziehen. Betroffene sollten sich deshalb vor Werbung und falschen Versprechungen in Acht nehmen. Möchten sie selbst irgendwelche Mittel einnehmen, sollten sie mit ihrem Arzt Rücksprache halten.

Weitere Maßnahmen: Was können Betroffene, Angehörige und Freunde selbst tun?

Bei einigen Patienten gehen Nervenschädigungen nur langsam oder gar nicht mehr zurück. Für sie kann es hilfreich sein, wenn sie je nach Art der Beschwerden in ihrem Alltag einige Vorkehrungen treffen.

Für die aufgeführten Ratschläge gilt jedoch: Es gibt bislang nur wenige gute und wissenschaftlich orientierte Studien zu diesen Maßnahmen. Fachleute setzen daher meist auf Erfahrungswissen. Tipps, die von denen des Krebsinformationsdienstes abweichen, können deshalb ebenso richtig und im individuellen Fall geeignet sein.

Kälte vermeiden

Patienten, bei denen die Symptome im Zusammenhang mit Kälte auftauchen, sollten keine kalten Gegenstände anfassen und sich nicht zu lange in der Kälte aufhalten. Möglicherweise helfen auch gute Schuhe, Handschuhe und dicke Socken. Ohren und Nasenspitzen sollten auch so gut wie möglich vor Kälte geschützt werden. Speisen sollten nicht zu kalt sein.

Verletzungen und Infektionen vorbeugen

Patienten, die Kälte, Wärme und Schmerzen an Händen und Füßen nicht mehr wahrnehmen, sind durch Verletzungen an Händen und Füßen gefährdet, etwa durch Schnittwunden beim Nagelschneiden, Verbrennungen, oder Druckstellen. Professionelle Hilfe bei der Hand- und Fußpflege, gut passende Schuhe und Strümpfe sowie Schutzhandschuhe und geeignete Hilfsmittel bei möglichst vielen manuellen Arbeiten beugen vor.

Für eine sichere Umgebung sorgen

Patienten, die unsicher sind beim Gehen und häufig stürzen, sollten auf gutes Schuhwerk mit rutschfesten Sohlen achten. Die Wohnung sollte auf Stolperfallen überprüft werden. Unter Umständen nützen ihnen auch Hilfsmittel beim Gehen.

Mit Ohrgeräuschen besser leben

Patienten mit klingenden Ohrgeräuschen sollten herausfinden, wann sich bei ihnen dieser sogenannte Tinnitus verstärkt. Unter Umständen ist es dann sinnvoll, laute Umgebungen zu vermeiden und einen Ohrenschutz zu tragen. Ist der Tinnitus besonders bei Stille belastend, kann man sich eventuell akustisch ablenken, zum Beispiel mit Musik, die als angenehm empfunden wird, Fachleute sprechen von "Schallanreicherung". Hals-Nasen-Ohren-Ärzte können dabei helfen, durch geeignete Trainingsmethoden das störende Ohrgeräusch möglichst "auszublenden".

Sozialrechtliche Aspekte: An wen wenden?

Manche Patienten sind in ihren alltäglichen Aktivitäten stark eingeschränkt, weil sie etwa Schwierigkeiten haben, mit ihren Händen etwas zu greifen oder etwas zu halten. Sie können dann unter Umständen ihren Beruf nicht mehr ausüben und ihren gewohnten Aufgaben zuhause nicht mehr nachgehen. Ansprechpartner zu versicherungsrechtlichen Fragen und zur Beantragung einer Rehabilitation oder der Anerkennung einer Schwerbehinderung finden Betroffene in dem "Informationsblatt: Sozialrechtliche Fragen bei Krebs" (PDF) des Krebsinformationsdienstes.

Sind Patienten durch die Nervenschädigungen so stark eingeschränkt, dass sie Unterstützung bei alltäglichen Verrichtungen wie dem Einkaufen, der Körperpflege und dem Ankleiden benötigen, sind ambulante Pflegedienste die richtigen Ansprechpartner. Weitere Informationen dazu finden sich beim Krebsinformationsdienst im Text "So wird häusliche Krankenpflege organisiert: Ansprechpartner".

Psychologische Maßnahmen: Unterstützung finden

Bei einigen Patienten gehen die aufgetretenen Nervenschädigungen nur sehr langsam oder gar nicht mehr vollständig zurück. Für diese Patienten bedeutet das, dass sie sehr lange oder für immer mit den belastenden Symptomen leben müssen. Oft ist ihre Lebensqualität dadurch stark eingeschränkt.

Um mit diesen Belastungen besser klar zu kommen, ist es möglicherweise sinnvoll, auf psychosoziale oder psychoonkologische Unterstützung durch geschulte Fachleute zurückzugreifen. Der Krebsinformationsdienst hält für Krebspatienten eine bundesweite Liste mit Krebsberatungsstellen und mit niedergelassenen Psychoonkologen bereit.



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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