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Pegyliertes liposomales Doxorubicin: Versorgungsengpass bei Krebsmedikament Caelyx® verschärft sich

Ab Mitte September 2011 ist in Deutschland damit zu rechnen, dass das Medikament Caelyx® vorübergehend nicht geliefert werden kann. Darüber informiert der Hersteller des Krebsmedikaments in Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in einem "Rote-Hand-Brief". Bereits Anfang August hatte die Firma bekanntgegeben, dass mit einem länger andauernden Lieferengpass zu rechnen sei. Seitdem habe sich die Liefersituation weiter verschärft, so die aktuelle Arzneimittelinformation. Als Grund für den Versorgungsengpass gibt der Hersteller Produktionsprobleme in den USA an. Caelyx®-Packungen, die bereits auf dem Markt sind, könnten jedoch bedenkenlos eingesetzt werden. Caelyx® enthält das gängige Zytostatikum Doxorubicin, jedoch in einer besonderen Zubereitungsform. Sie senkt das Risiko für unerwünschte Wirkungen insbesondere auf den Herzmuskel. Daher lässt sich das Mittel zur Chemotherapie nicht durch "normales" Doxorubicin ersetzen.

Zugelassen ist Caelyx® derzeit für Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs, die ein Risiko für Herzprobleme haben, für Frauen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs, deren vorherige Behandlung nicht mehr wirkt, und für Patienten mit Multiplem Myelom, die bereits andere Behandlungen erfolglos erhalten haben. Auch AIDS-Patienten mit einem Kaposi-Sarkom können mit Caelyx® behandelt werden.

Alle Betroffenen, die derzeit bereits Caelyx® bekommen, sollten nach Möglichkeit wie bisher weiterbehandelt werden, vor allem wenn für sie keine anderen Medikamente infrage kommen. Der Hersteller empfiehlt Ärzten, diese Patienten bei der Versorgung mit Caelyx® zu bevorzugen. Sofern andere Therapiemöglichkeiten bestehen, sollten deshalb zurzeit keine Patienten neu auf das Medikament eingestellt werden.

Der Hersteller geht davon aus, Caelyx® ab Mitte November wieder liefern zu können. Da aber nicht ausgeschlossen werden kann, dass die notwendige Versorgung weiter gefährdet bleibt, sollten betroffene Patienten und ihre Ärzte auf jeden Fall infrage kommende Behandlungsalternativen besprechen.

Caelyx® nicht einfach durch andere Medikamente mit Doxorubicin ersetzen

Caelyx® ist ein Medikament, das zur Chemotherapie bei erwachsenen Patienten mit verschiedenen Krebsarten verwendet wird. Ärzte setzen es aufgrund seiner besonderen Zubereitungsform vor allem dann ein, wenn Patienten ein hohes Risiko für Herzprobleme durch eine Chemotherapie tragen, oder wenn eine besonders langanhaltende Wirkung notwendig ist. Caelyx® enthält zwar den altbekannten Wirkstoff Doxorubicin-Hydrochlorid aus der Gruppe der Anthrazykline. Dieser Wirkstoff befindet sich bei Caelyx® aber "verpackt" im Inneren sogenannter "PEGylierter Liposomen". Dabei handelt es sich um winzige Fettkügelchen, die mit der Chemikalie Polyethylenglycol ("PEG") beschichtetet sind. Das Medikament wird durch diese "Verpackung" im Körper langsamer abgebaut und verbleibt länger im Blutkreislauf. Außerdem soll sich auf diese Weise die giftige Wirkung von Doxorubicin auf gesundes Gewebe reduzieren, vor allem auf den Herzmuskel. Caelyx® gilt deshalb als weniger "kardiotoxisch", also als weniger herzschädigend. Daher kann das Medikament nicht ohne Weiteres durch andere Medikamente derselben Wirkstoffklasse ausgetauscht werden.