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Soja hilft nicht gegen Beschwerden in den Wechseljahren

Tabletten, Kapseln oder andere Nahrungsergänzungsmittel mit Sojaisoflavonen lindern weder Hitzewallungen, noch bewirken sie eine Besserung anderer klimakterischer Beschwerden.
Zu dieser Schlussfolgerung kommen amerikanische Wissenschaftler: Sie hatten in einer Studie Frauen im Alter zwischen 45 und 60 zwei Jahre lang entweder Sojapräparate oder ein wirkungsloses Scheinmedikament gegeben. Den Probandinnen der Sojagruppe ging es keineswegs besser, sie litten sogar häufiger unter Hitzewallungen als die Frauen der Vergleichsgruppe.
Schon seit 2007 warnt das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) außerdem davor, dass isolierte Isoflavone wegen ihrer hormonähnlichen Wirkung die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen und das Brustdrüsengewebe verändern können.

Phytoöstrogene: Hormonähnliche Wirkung

Wann das sogenannte Klimakterium beginnt, ist individuell unterschiedlich: Manche Frauen kommen schon mit Anfang 40 in die Wechseljahre, andere erst mit Mitte 50. Der Zeitpunkt der letzten Regelblutung, die Menopause, liegt im Durchschnitt bei etwa 50 Jahren.
Wenn die körpereigene Hormonproduktion langsam nachlässt, leiden viele Frauen unter typischen Beschwerden. Am häufigsten sind Hitzewallungen und Schlafstörungen. Die Schleimhaut der Scheide wird trockener. Auch die Knochendichte kann in und nach den Wechseljahren abnehmen - eine sogenannte Osteoporose fördert das Risiko von Knochenbrüchen.
Bis vor wenigen Jahren war es üblich, gegen diese und weitere Probleme Östrogene und Gestagene als Hormonersatztherapie einzunehmen. Diese Praxis ist in Verruf geraten: Das Brustkrebsrisiko steigt dadurch an. Fachleute raten, auf eine Hormonersatztherapie möglichst zu verzichten.

Als "natürliche Alternative" werden seit längerem pflanzliche Präparate beworben. Dazu gehören unter anderem Nahrungsergänzungsmittel auf Soja-Basis, ohne Rezept erhältlich in Apotheken und über das Internet. Als wirksame Inhaltsstoffe gelten sogenannte Isoflavone, darunter die Substanzen Daidzein und Genistein. Die Forschung zur Wirkung dieser Stoffe baute lange vor allem auf der Beobachtung vermeintlicher Zusammenhänge auf: Asiatische Frauen, die viel Soja verzehren, leiden im Durchschnitt wesentlich seltener unter Beschwerden im Klimakterium.
Inzwischen weiß man zwar, dass viele pflanzliche Stoffe durchaus eine hormonähnliche Wirkung haben können. Sie werden daher häufig auch als Phytoöstrogene bezeichnet. Ob sie wirklich für die Unterschiede verantwortlich sind, mit denen Frauen in Asien, Europa oder den USA die Wechseljahre erleben, ist bis heute jedoch offen.

Sojaisoflavone: Sogar mehr Hitzewallungen und Darmträgheit

Die aktuell veröffentlichte U.S.-amerikanische Studie zu Soja-Isoflavonen ging dieser Frage weiter nach. Die  verantwortlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten zunächst die vorliegende Fachliteratur durchgesehen und vergleichsweise wenige Daten gefunden, aus denen Nutzen oder Risiken solcher Stoffe deutlich wurden.
Sie starteten daher eine vergleichende Studie mit Frauen zwischen 45 und 60, die sich in den Wechseljahren befanden. 122 erhielten zwei Jahre lang täglich Sojatabletten mit einem immer gleichen Gehalt an Isoflavonen. Eine Vergleichsgruppe von 126 Frauen erhielt ein wirkungsloses Placebo. Die Forscher erfassten, wie oft und wie stark die Teilnehmerinnen an Hitzewallungen, trockener Scheidenschleimhaut und anderen menopausalen Beschwerden litten. Sie prüften aber auch, ob sich die alterstypische Verringerung der Knochendichte durch die Phytoöstrogene aufhalten ließ und ob die Schilddrüsenfunktion gleich blieb.

Die Ergebnisse waren enttäuschend: Die Probandinnen mit Soja-Tabletten litten nicht seltener, sondern sogar häufiger unter Hitzewallungen und auch Darmträgheit als die Frauen, die ein Placebo erhielten. Irgendwelche Auswirkungen auf die Knochendichte sowie alle weiteren erfassten Faktoren konnten die Forscher dagegen nicht beobachten.

Mögliche Risiken?

Ob Phytoöstrogene aus Soja genau wie eine Hormonersatztherapie das Krebsrisiko steigern könnten, wurde in dieser Studie nicht untersucht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (www.bfr.bund.de) weist schon seit Längerem darauf hin, dass Langzeituntersuchungen zur Sicherheit solcher Mittel fehlen. Das Institut kam 2007 zu dem Schluss: "Da Frauen in und nach der Menopause ohnehin ein erhöhtes Brustkrebsrisiko aufweisen, ist die längerfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem hohen Gehalt an Isoflavonen für diese Verbrauchergruppe nicht ohne Risiko."

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