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Aktuelles Thema: Lymphödeme - Kompressionsstrümpfe auch an heißen Sommertagen?

Bei vielen Krebsarten gehört die Entfernung von Lymphknoten rund um den Tumor zur Behandlung: So lässt sich oft verhindern, dass sich Krebszellen über die Lymphbahnen im Körper ausbreiten. Finden sich in den entnommenen Lymphknoten bereits Tumorzellen, können Patienten zudem gezielter behandelt werden. Durch die Unterbrechung der Lymphbahnen steigt allerdings auch das Risiko, dass sich Gewebsflüssigkeit ansammelt und zu einer Schwellung führt. Patienten, die ein solches Lymphödem entwickeln, benötigen eine gezielte Therapie, vor allem eine besondere Massageform, die Lymphdrainage. Mit eng anliegender Kompressionskleidung können Betroffene darüber hinaus einer Verschlechterung oder einem erneuten Lymphödem vorbeugen: Armstrümpfe, Handschuhe, Beinstrümpfe, Strumpfhosen oder andere Kleidungsstücke werden über die betroffenen Körperteile gezogen. Sie üben dort einen dauerhaften Druck auf das Gewebe aus.

Dies empfinden Betroffene nicht immer als angenehm: Insbesondere an heißen Sommertagen kommen viele dadurch ins Schwitzen. Ist es wirklich notwendig, die Kompressionsversorgung bei großer Hitze zu tragen? Lässt sich die Schwellung eines Lymphödems beeinflussen, indem man weniger trinkt?

Anhand einer aktuellen E-Mail-Anfrage geht der Krebsinformationsdienst auf häufige Probleme von Krebspatienten mit Lymphödemen ein.



Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Gerne vermitteln wir Ihnen Hintergrundinformationen zum Lymphödem. Wir bitten Sie aber um Verständnis dafür, dass wir keine individuellen Empfehlungen aussprechen können. Dies bleibt den behandelnden Ärzten Ihrer Tante vorbehalten. Diese kennen ihre gesamte Krankengeschichte sowie das Ausmaß und den bisherigen Verlauf ihres Lymphödems. Eine persönliche ärztliche Beratung lässt sich durch Informationen aus dem Internet nicht ersetzen.

Schwellung eindämmen!

Durch Kompressionsstrümpfe schwillt das Gewebe weniger an.

Grundsätzlich empfehlen Experten Patienten mit einem chronischen Lymphödem, Handschuhe, Armstrümpfe, Beinstrümpfe und andere Kompressionsmaterialien regelmäßig zu tragen, auch an heißen Sommertagen. Bei schweren Ödemen sind sie unter Umständen sogar nachts notwendig. Die Kompressionsbehandlung ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung eines Lymphödems. Gerade bei großer Hitze oder in der Sonne ist Kompressionskleidung besonders wichtig: Der Körper bildet unter dem Einfluss der hohen Temperaturen vermehrt Lymphe, ähnlich wie bei starker körperlicher Belastung. Der konstante Druck der Kompressionskleidung verhindert, dass die betroffene Körperregion übermäßig anschwillt. Die anfallende Gewebeflüssigkeit kann über die noch erhaltenen Lymphbahnen leichter abfließen.

Lymphödeme: Warum wenig trinken nichts nützt

Normal trinken

Wer zu wenig trinkt, schadet seiner Gesundheit. Gegen das Lymphödem hilft Flüssigkeitsentzug nicht.

Bei Krebspatienten können Lymphabflusswege durch eine Lymphknotenentfernung oder auch eine ausgedehnte Bestrahlung geschädigt werden. Auch Tumorzellen selbst können die Lymphbahnen verlegen oder zerstören. Aufgabe eines intakten Lymphsystems ist es, neben Wasser auch Eiweiße, Fette und Zellen aus dem Gewebe abzutransportieren. Ist dieser Abfluss behindert und staut sich eiweißhaltige Flüssigkeit im Gewebe, kommt es zu Lymphödemen.

Nehmen Betroffene Wassertabletten ein, sogenannte Diuretika, wird zwar das Wasser aus dem Gewebe entfernt. Die Eiweiße bleiben jedoch zurück und führen langfristig zu einer Verhärtung des Gewebes.

Kompressionskleidung: Was tun, wenn der Strumpf unangenehm wird?

Hat Ihre Tante das Gefühl, dass sie unter ihrem Armstrumpf zu sehr schwitzt, sollte sie dies ihrem Arzt mitteilen. An heißen Tagen kann sie den betroffenen Arm und den Strumpf unter Umständen mit etwas Wasser befeuchten, vorausgesetzt, die Haut ist intakt und nimmt durch den nassen Strumpf keinen Schaden.
Gegebenenfalls können Sie und Ihre Tante sich auch erkundigen, ob sie ein anderes Fabrikat oder ein anderes Modell tragen könnte: Nicht alle Kompressionsmaterialien sind gleich gut geeignet für Menschen, die schnell schwitzen. Sie erfahren im Sanitätshaus, welche Fasern am günstigsten sind und welche Möglichkeiten es je nach notwendiger Stärke der Kompression für Ihre Tante gibt. Auch ein Ersatzstrumpf zum Wechseln kann an heißen Tagen sinnvoll sein. Besitzt Ihre Tante zurzeit keinen zweiten Strumpf, sollte sie ihren Arzt und ihre Krankenkasse fragen, ob eine weitere Verordnung möglich ist.

Strümpfe sollten passen

Kompressionsstrümpfe sollten weder drücken oder einschneiden, noch zu locker sitzen und verrutschen.

Kompressionsmaterialien sollen eng sitzen. Schnüren sie aber das Gewebe an den Strumpfrändern oder anderen Stellen sichtbar und fühlbar ein, müssen Betroffene dies ebenfalls mit ihrem behandelnden Arzt, ihrem Lymphtherapeuten oder Mitarbeitern im Sanitätshaus besprechen. Wenn sich das Ödem verändert hat, müssen die Strümpfe eventuell ausgetauscht werden. Dies gilt auch, wenn die Kompressionsmaterialien nicht mehr die notwendige Qualität und Kompressionsstärke aufweisen und deshalb zu locker sitzen.

Hilfe beim Anziehen

Kommt die Einschnürung aber zum Beispiel durch Falten zustande, kann es auch sein, dass Ihre Tante die Strümpfe nicht ganz richtig trägt. Tun sich Betroffene beim Anziehen schwer, zeigen Mitarbeiter im Sanitätsfachhandel oder Ansprechpartner aus der Krankenpflege Techniken, mit denen man die Strümpfe richtig und auch mit weniger Aufwand anlegen kann. Gegebenenfalls kann der Arzt auch sogenannte Anziehhilfen verordnen. Dazu gehören beispielsweise Tücher, die vor dem Anziehen unter den Strumpf gelegt werden, oder Gestelle, über die man den Strumpf zunächst zieht. Diese sind ebenfalls im Sanitätsfachhandel erhältlich. Vielen Betroffenen und auch pflegenden Angehörigen hilft es aber auch schon, einen Gummihandschuh beim Anziehen des Kompressionsstrumpfes zu tragen. Damit lässt sich dieser dann besser greifen.

Bei Patienten, die nicht mehr in der Lage sind, Kompressionsstrümpfe selbst anzuziehen und Pflege benötigen, helfen Pflegedienste und Sozialstationen. Klären Sie bei Bedarf mit der Krankenversicherung, ob Sie bei der Versorgung Ihrer Tante Unterstützung beantragen können: Mögliche Wege wären je nach Situation die Verordnung häuslicher Krankenpflege über die Krankenversicherung oder die Einstufung als pflegebedürftig gemäß Pflegeversicherung.

Lymphödeme bei Krebspatienten: Weiterführende Informationen

Lymphödeme bei Krebspatienten: Weiterführende Informationen

Antworten auf weitere häufige Fragen zum Thema sowie vertiefende Informationen zu Entstehung, Vorbeugung, Symptomen und Behandlung von Lymphödemen bietet der Krebsinformationsdienst in seinen aktualisierten Texten "Lymphödeme bei Krebspatienten: Verhindern, erkennen, behandeln". Sie enthalten außerdem Links zu weiteren Informationen und zu Ansprechpartnern für Betroffene sowie Hinweise auf die bei der Texterstellung genutzte Fachliteratur und Quellen.


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