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Aktuelles Thema: Immer Stress - kann das Krebs auslösen?

Immer unter Strom stehen, immer alles geben, nie zur Ruhe kommen: Stress ist heute weit verbreitet. Irgendwann im Leben hat wohl fast jeder Mensch Phasen, in denen alles zu viel ist, in denen man überlastet ist. Stress kann die Gesundheit beeinträchtigen.

Doch ist Stress auch ein Risikofaktor für die Krebsentstehung? Diese Frage beschäftigt sowohl Gesunde als auch Krebspatienten: Die einen wollen wissen, ob sie neben einem Verlust an Lebensqualität auch mit schwerwiegenden Folgen für ihre Gesundheit rechnen müssen. Die anderen interessiert, ob es in ihrer Lebensgeschichte eindeutige und vielleicht vermeidbare Auslöser für ihre Erkrankung gab.

Anhand einer aktuellen E-Mail-Anfrage geht der Krebsinformationsdienst auf häufige Fragen zum Thema ein.

Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Sie fragen, ob Stress - in Ihrem Fall ausgelöst durch eine hohe Arbeitsbelastung - Ihr Krebsrisiko erhöhen könnte.

Gerne vermittelt Ihnen der Krebsinformationsdienst Hintergrundinformationen zum Thema Stress. Wir bitten Sie aber um Verständnis dafür, dass wir keine individuellen Empfehlungen aussprechen können. Eine persönliche und auf Ihre Situation zugeschnittene Beratung zur Stressreduktion und eine ärztliche Einschätzung Ihres allgemeinen Gesundheitszustands lassen sich durch Informationen aus dem Internet nicht ersetzen.

Stress und Krebsrisiko: Zusammenhänge nicht belegt

Einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Stress und Krebsrisiko konnten Wissenschaftler bislang nicht nachweisen.

Trotzdem kann es sich für Sie lohnen, Ihren Umgang mit Belastungen zu verbessern. Wenn Sie auf Dauer zu wenig ausreichende Erholung erhalten oder sich bei Stress keinen Ausgleich verschaffen, kann dies zu einer Reihe anderer gesundheitlicher Probleme führen. Stress verändert den Schlaf, führt zu Verspannungen und infolgedessen zu Schmerzen, fördert Depressionen und ist auch ein anerkannter Risikofaktor für einige Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch sollten Sie bedenken, dass Stress Ihren Lebensstil ungünstig beeinflusst: Sie schreiben beispielsweise, dass Sie zu wenig Sport treiben. Auch wenn Stress vermutlich kein unmittelbarer Krebsrisikofaktor ist, so können seine Folgen bei vielen Menschen eine Tumorerkrankung fördern - etwa durch den stressbedingten Griff zur Zigarette, zu Alkohol, durch Bewegungsmangel und falsche Ernährung.

Was Stress genau ist, warum ein Zusammenhang zwischen Stress und Krebsrisiko so schwer zu belegen ist, und wer beim Umgang mit Belastungen helfen kann, hat der Krebsinformationsdienst im Folgenden zusammengestellt.

Eine kurze Erläuterung: Was ist Stress?

Biologisch gesehen ist Stress die Reaktion des Körpers auf belastende Situationen: Menschen können unter Stress besser mit hohen Anforderungen umgehen. Entwicklungsgeschichtlich handelt es sich um eine Kombination mehrerer Vorgänge. Diese Abläufe stellten bereits bei unseren Vorfahren sicher, dass sie auf plötzliche Bedrohungen, beispielsweise durch ein wildes Tier, schnell und angemessen reagieren konnten. So erhöht Stress kurzzeitig Herzschlag und Atmung, er hemmt aber Magen- und Darmtätigkeit - wichtige Reaktionen, um eine schnelle Flucht oder einen Kampf zu ermöglichen. Von Bedeutung sind dabei die beiden Hormone Adrenalin und Noradrenalin. Bei länger andauernden Anforderungen - etwa einer wichtigen Aufgabe, die über mehrere Stunden konzentriert bearbeitet werden muss - wird viel Cortisol ausgeschüttet. Dieses Hormon bewirkt weitere, länger anhaltende Veränderungen. Der Blutzuckerspiegel steigt beispielsweise: Statt zu essen, kann man weiterarbeiten. Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol bezeichnet man oft als "Stresshormone".

Forschung: Was sagen Wissenschaftler?

Wird dieser Alarm zum Dauerzustand, kann dies die Gesundheit beeinflussen. Menschen reagieren jedoch unterschiedlich auf Belastungen. Dieselbe Situation kann für den einen eine spannende Herausforderung sein, während sie vom anderen als unüberwindbare Hürde wahrgenommen wird. In der Praxis hat Stress zudem nicht immer einen klar benennbaren Auslöser, sondern viele verschiedene. Man kann sich außerdem bis zu einem gewissen Grad an Stress gewöhnen. Diese Faktoren tragen unter anderem dazu bei, dass über den Zusammenhang zwischen Stress und Krebsrisiko zwar schon viel geforscht wurde, aber noch wenig wirklich gesichert ist. Kritische Wissenschaftler weisen darauf hin, dass nicht einmal geklärt ist, welche stressbedingten Veränderungen in Zellen oder Geweben zu Tumoren führen könnten.

Theorien zu Stress als Krebsrisikofaktor beruhen nicht auf dem direkten Nachweis, sondern nur auf indirekten Hinweisen. Manche Wissenschaftler vermuten, dass ein erhöhter Spiegel von Stresshormonen bestimmte biochemische Veränderungen in Zellen begünstigt und somit zur Tumorentstehung beitragen könnte. Andere Befürworter der Krebsrisiko-These glauben eher, dass Stress das Immunsystem schwächt und chronische Entzündungen begünstigt, etwa der Darmschleimhaut. Die meisten Fachleute halten dagegen: Das Immunsystem werde bei Stress nicht übermäßig geschwächt, teilweise gebe es auch förderliche Wirkungen. Und: Ein Beleg für die behaupteten langfristigen Einflüsse auf Zellebene fehlt.

Auch in großen Beobachtungsstudien konnte bisher nicht eindeutig gezeigt werden, dass Krebs bei Menschen unter Stress statistisch häufiger auftritt. Um dies zu prüfen, untersuchten Krebsforscher beispielsweise Menschen, deren Ehepartner oder Kind gestorben war, oder die ein anderes, schweren Stress auslösendes Ereignis erlebt hatten.

Stressfolgen: Zigaretten, Alkohol, Bewegungsmangel und ungesundes Essen?

Auch wenn die Rolle von Stress als Krebsrisiko noch nicht geklärt ist: Dass stressbedingte Begleiterscheinung das Krebsrisiko steigern können, ist bekannt. Sie kommen ins Spiel, wenn sich Menschen in Belastungssituationen gesundheitsschädigend verhalten, indem sie rauchen, sich zu wenig bewegen, ungesund ernähren und viel Alkohol trinken. Damit setzen sie sich bekannten Risikofaktoren für eine Krebserkrankung aus.

Unterstützung: Wo gibt es Hilfen bei Stress?

Einen ausführlichen Überblick mit weiteren Fakten zum Thema bietet der Text "Stress als Krebsrisikofaktor". Dort findet sich auch eine Übersicht über die Quellen, die der Krebsinformationsdienst verwendet hat.