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Darmkrebsmonat März: Schwerpunktthema "Familiäres Darmkrebsrisiko"

Mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland haben ein familiäres Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, so die Felix Burda Stiftung. Um die Öffentlichkeit für dieses Risiko zu sensibilisieren, steht der diesjährige Darmkrebsmonat März unter dem bundesweiten Motto "Familie & Verantwortung".

Die Wahrscheinlichkeit, an Dick- oder Enddarmkrebs zu erkranken, ist um das Zwei- bis Dreifache erhöht, wenn Verwandte ersten Grades von dieser Erkrankung betroffen sind. Zu den Verwandten ersten Grades zählen Eltern, Geschwister oder Kinder. Das Risiko für Darmkrebs steigt weiter, wenn der in der Familie bereits Erkrankte zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 60 Jahre war, oder mehr als ein Verwandter ersten Grades betroffen ist.

Ursachen familiärer Häufung

Warum Darmkrebs innerhalb einer Familie gehäuft auftritt, lässt sich nicht immer eindeutig klären. Ursache können heute bekannte vererbbare "Darmkrebs-Gene" sein, wie etwa bei der Familiären Adenomatösen Polyposis (FAP) oder beim Hereditären Kolorektalen Karzinom ohne Polyposis (HNPCC). Diese Erkrankungsformen sind jedoch vergleichsweise selten. Vermutlich gibt es weitere vererbbare Gene, die das Darmkrebsrisiko fördern. Auch Erbanlagen, die nicht unmittelbar Krebs verursachen, dafür aber empfindlicher für Risikofaktoren machen, können eine Rolle spielen. Eine weitere Ursache für eine Darmkrebshäufung in der Familie liegt nicht in den Genen begründet. Einige Studien belegen, dass auch ein gemeinsamer Lebensstil in einer Familie ein gehäuftes Auftreten kolorektaler Tumoren begünstigt: Dazu zählt beispielsweise eine Kombination aus kalorienreicher Ernährung mit einem zu geringen Anteil faserreicher pflanzlicher Lebensmittel, Bewegungsmangel und Übergewicht.

Darmkrebs früh erkennen

Das gesetzliche Früherkennungsprogramm in Deutschland sieht erste Tests auf Darmkrebs für die allgemeine Bevölkerung mit einem durchschnittlichen Darmkrebsrisiko ab dem Alter von 50 Jahren vor. Verwandte von Darmkrebspatienten sollten sich jedoch bei ihren Ärzten erkundigen, ob es für sie sinnvoll ist, bereits vor dem 50. Geburtstag Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch zu nehmen. Infrage kommt vor allem eine Darmspiegelung, eine sogenannte Koloskopie.

Wann sollte bei Menschen mit einem familiären Darmkrebsrisiko mit Untersuchungen begonnen werden? Ärzte und Betroffene können sich am Alter orientieren, in dem das Familienmitglied an Darmkrebs erkrankte. Eine erste Darmspiegelung wird bei Verwandten ersten Grades zehn Jahre früher empfohlen, spätestens im Alter von 50 Jahren. War der erkrankte Angehörige bei der Diagnosestellung beispielsweise 45 Jahre alt, sollten seine Geschwister und seine Kinder also mit 35 zum Arzt gehen. Die Darmspiegelung sollte mindestens alle zehn Jahre wiederholt werden, auch wenn nichts Auffälliges gefunden wird. Dies empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e. V. (DGVS) in ihrer Leitlinie "Kolorektales Karzinom" von 2004/2008.

Für Verwandte von Patienten mit Hereditärem (erblichem) kolorektalen Karzinom ohne Polyposis (HNPCC) oder mit Familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) hat die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e. V. (DGVS) in der Leitlinie "Kolorektales Karzinom" eigene und ausführlichere Empfehlungen zur Früherkennung formuliert: Hier kommen je nach Situation der Betroffenen Angebote der genetischen Beratung in spezialisierten Zentren, die Suche nach Genveränderungen im Rahmen einer genetischen Diagnostik und je nach Befund und Familienanamnese weitere Untersuchungen und Eingriffe hinzu.

Auch an Darmpolypen denken

Wurden bei einem Familienangehörigen vor dem 50. Lebensjahr gutartige Tumoren in der Darmschleimhaut nachgewiesen, sogenannte Adenome oder adenomatöse Polypen, gelten ähnliche Empfehlungen: Auch hier sollten Verwandten ersten Grades an eine ärztliche Beratung zum Darmkrebsrisiko denken. Die Untersuchung sollte bei ihnen ebenfalls in dem Alter erfolgen, in dem sie zehn Jahre jünger als der betroffene Verwandte bei der Diagnose der gutartigen Tumoren sind.

Untersuchen oder nicht?

Müssen Familienangehörige von Darmkrebspatienten Beratungen und Tests auf ein vererbtes Risiko sowie regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch nehmen? Oder können sie diese auch ablehnen?
Die Entscheidung bleibt auf jeden Fall ihnen überlassen. Ein Recht auf Nichtwissen ist in allen entsprechenden Fachempfehlungen, Leit- und Richtlinien ausdrücklich festgeschrieben.

Weiterführende Informationen beim Krebsinformationsdienst

Woran erkennt man, ob man ein familiär vererbbares Darmkrebsrisiko trägt? Welche weiteren Faktoren steigern das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken? Eine Zusammenstellung der wichtigsten Fakten bietet der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums im Text "Dickdarmkrebs: Ursachen, Risikofaktoren, Vorbeugung". Wie die Früherkennung aussieht, ist im Text "Darmkrebs: Früherkennung mit Stuhltest und Koloskopie" erläutert. Informationen zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm finden sich im Text "Früherkennungsuntersuchungen: Ein Überblick".

Fragen zum Thema beantwortet der Dienst täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter der kostenfreien Nummer 0800 - 420 30 40 oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.



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