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Ungesunder Lebensstil für viele Krebsfälle verantwortlich

Ungesunder Lebensstil und einige wenige andere leicht vermeidbare Risiken: Darauf lassen sich vier von zehn der jährlichen Krebsneuerkrankungen zurückführen - zumindest in Großbritannien. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Stiftung Cancer Research UK. In einer Sonderausgabe des "British Journal of Cancer" haben die Forscher nun ihre Ergebnisse zusammengetragen.
Allein Rauchen, ungesunde Ernährung, Alkohol und Übergewicht verursachen drei von zehn Krebserkrankungen. Hinzu kommen zum Beispiel der Einfluss von UV, von vermeidbaren Infektionen und vermeidbaren Risiken am Arbeitsplatz, oder der Einfluss der Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden. Diese Risiken tragen zu so häufigen Tumorarten wie Lungenkrebs, Brustkrebs oder Darmkrebs bei, aber ihr Einfluss ist auch bei vergleichsweise selteneren Tumorarten wie beispielsweise Speiseröhrenkrebs, Leberkrebs, Krebs der Gebärmutter oder Nierenkrebs messbar.

Rauchen weiterhin wichtigster Krebsrisikofaktor

Rauchen ist den Studienautoren zufolge immer noch der wichtigste Risikofaktor für eine Krebserkrankung: Die Forscher führten 23 von 100 Krebserkrankungen bei Männern auf Tabakkonsum zurück, darunter vor allem Lungenkrebs, aber auch Blasenkrebs und eine Reihe weiterer Tumorarten. Bei Frauen waren es knapp 16 von 100 Krebserkrankungen.

Überrascht waren die Experten, dass der Konsum von Obst und Gemüse für Männer eine so wichtige Rolle spielte: Zu wenig Obst und Gemüse auf dem Speiseplan schien für 6 von 100 Krebserkrankungen verantwortlich zu sein und trug beispielsweise zum Risiko für Kopf-Hals-Tumoren oder Speiseröhrenkrebs bei Männern bei. Auch hatten die Forscher nicht erwartet, dass bei Frauen Übergewicht einen größeren Einfluss als etwa Alkohol hatte. Auf Übergewicht und Fettsucht ließen sich knapp 7 von 100 Krebserkrankungen zurückzuführen, etwa Brustkrebs nach den Wechseljahren oder Krebs der Gebärmutter (Endometriumkarzinom), auf Alkohol 3 von 100 Krebserkrankungen verschiedenster Art.

Informationen zur Studie

Die Epidemiologen untersuchten insgesamt 14 verschiedene Einflussfaktoren: Tabak, Alkohol, Übergewicht, Bewegungsmangel, Fleischkonsum, Salzkonsum, Obst- und Gemüseverzehr, Ballaststoffe, Infektionen wie etwa mit Helicobacter, Hepatitis- oder Papillom- und Epstein-Barr-Viren, Hormone zum Beispiel gegen Wechseljahresbeschwerden, aber auch natürliche Hormoneinflüsse bei Schwangerschaften und in der Stillzeit, und schließlich Radioaktivität und ultraviolette Strahlung sowie Risiken am Arbeitsplatz.

Den aus epidemiologischen Studien bekannten Einfluss dieser Faktoren setzten sie ins Verhältnis mit der Verbreitung dieser Risiken. Diese Daten erhielten sie aus repräsentativen Umfragen.
Was bedeutet das? Die Forscher mussten zunächst schätzen, wie viel höher etwa das Lungenkrebsrisiko für Raucher ist als für Nichtraucher. Dann mussten sie die Rauchgewohnheiten in der Bevölkerung mithilfe der Umfragen berechnen. Diese Daten verglichen sie wiederum mit den für das Jahr 2010 hochgerechneten Erkrankungszahlen in Großbritannien.

Hintergründe zur Forschungslage

Die Forscher betonen, dass Krebs durch das Zusammenspielen vieler verschiedener Faktoren verursacht wird. Wichtig ist auch: Nicht jede Krebserkrankung lässt sich durch eine gesunde Lebensweise oder etwa den Schutz vor Risiken am Arbeitsplatz verhindern. Für viele Tumoren scheint es nach bisherigem Kenntnisstand keine sinnvolle Vorbeugung zu geben.
Dennoch kann das persönliche Krebsrisiko mit ein paar leicht zu umsetzenden Maßnahmen zumindest bis zu einem gewissen Maß beeinflusst werden.

Die letzte vergleichbare Auswertung stammte aus den achtziger Jahren: Damals hatten die Krebsforscher Richard Peto und Richard Doll die Rate der verhinderbaren Krebsfälle auf etwa ein Drittel geschätzt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht auf ihren Internetseiten aktuell unter www.who.int/mediacentre/factsheets/fs297/en (in englischer Sprache) davon aus, dass sich etwa 30 von 100 Krebsfälle allein auf Übergewicht und Bewegungsmangel, zu wenig Obst und Gemüse sowie Tabak und Alkohol zurückführen lassen. Inwieweit sich die britischen Daten auf die Empfehlungen der WHO zum Lebensstil auswirken werden, ist noch offen.