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Aktuelles Thema: Schützt eine "Krebsdiät" vor Rückfällen?

Tipps zur "guten" Ernährung nach Krebs erhalten Patienten überall. Doch die Fülle dieser zum Teil unterschiedlichen und widersprüchlichen Ratschläge verunsichert Betroffene oft. Wie soll man sich denn nun ernähren, wenn man eine Krebserkrankung überstanden hat? Ist es immer notwendig, die eigenen Ernährungsgewohnheiten umzustellen? Gibt es tatsächlich Krebsdiäten, mit denen sich das Rückfallrisiko verringern lässt? Was ist, wenn man ein paar Pfund zu viel oder zu wenig auf die Waage bringt? Anhand einer aktuellen E-Mail-Anfrage beantwortet der Krebsinformationsdienst häufige Fragen zu Ernährungsgewohnheiten, Krebsdiäten, Übergewicht und Bewegung nach Krebs.

Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Gerne vermitteln wir Ihnen Hintergrundinformationen zum Thema Ernährung, Gewicht und Krebs. Wir bitten Sie aber um Verständnis dafür, dass wir keine individuellen Empfehlungen aussprechen können. Dies bleibt den behandelnden Ärzten Ihrer Frau vorbehalten. Diese kennen ihre Krankheitsgeschichte und können ihren allgemeinen Gesundheitszustand einschätzen. Eine persönliche ärztliche Beratung lässt sich durch Informationen aus dem Internet nicht ersetzen.

Wie Ernährung und Übergewicht das Krebsrisiko beeinflussen

Sie fragen, ob es "Krebsdiäten" gibt, die das Rückfallrisiko verringern. Aus wissenschaftlichen Studien ist bekannt, dass eine ungesunde Ernährung und Übergewicht das Risiko mancher Krebsarten negativ beeinflussen. Dazu gehört auch Brustkrebs: Forscher vermuten einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Bewegungsmangel vor allem nach den Wechseljahren und der Entstehung von Brustkrebs. Durch eine allgemein gesunde und ausgewogene Ernährung sowie körperliche Aktivität lässt sich dieses Risiko verringern, auch wenn eine gesunde Lebensweise nie einen hundertprozentigen Schutz vor Krebs bieten kann.

Wie sieht es aber mit Frauen aus, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind? Spezielle Diäten abseits einer gesunden Ernährung haben nach bisherigem Kenntnisstand keinen Einfluss auf das Rückfallrisiko. Studien haben allerdings gezeigt, dass übergewichtige Brustkrebspatientinnen nach den Wechseljahren, die sich wenig bewegen, ein höheres Rückfallrisiko tragen als normalgewichtige Frauen.

Normalgewicht halten, starkes Übergewicht vermeiden

So, wie Sie es beschreiben, muss Ihre Frau also an ihrer Lebensweise möglicherweise gar nichts ändern: Wenn sie sich bisher gesund ernährt und sich viel bewegt hat, sollte sie dies beibehalten. Auf jeden Fall sollte sie mit ihrem Arzt besprechen, was gut für sie ist und welches Gewicht bei ihrer Körpergröße und ihrem Allgemeinzustand wünschenswert wäre. Auch eine Ernährungsberatung kann ein guter Weg sein, um im Alltag mehr Sicherheit bei der Auswahl von Lebensmitteln zu gewinnen. Eine Ernährungsberatung vermitteln ebenfalls die behandelnden Ärzte, auch die Krankenkassen sind bei diesem Thema wichtige Ansprechpartner.

"Hungern" oder eine strikte "Krebsdiät" sind für Patientinnen normalerweise nicht notwendig, auch dann nicht, wenn Frauen mit Brustkrebs ein paar Pfunde zu viel auf die Waage bringen. Viele solcher Ratschläge können sogar gefährlich werden.

Sie schreiben zwar nicht, was für eine Diät Ihre Frau gerne machen möchte. Es gibt aber einige Ernährungsweisen, die trotz fehlender Belege für die Wirksamkeit und Unschädlichkeit als sogenannte "Krebsdiäten" beworben werden. Dazu zählen beispielweise Empfehlungen, sich nur von Rohkost, Saft und Tees zu ernähren, nur Quark und Leinöl zu essen, oder Vitamine und andere Nahrungsergänzungsmittel in hoher Dosierung zu nehmen. Häufig sind die vorgeschlagenen Ernährungsweisen einseitig und bauen nicht auf den aktuellen Erkenntnissen der Forschung auf. Ihnen liegen oft theoretische Überlegungen zugrunde, die von veralteten, heute überholten Modellen der Krebsentstehung ausgehen.

Wirkung von Krebsdiäten nicht durch Studien belegt

Bisher konnte keine dieser speziellen Krebsdiäten zeigen, dass man mit ihnen einen positiven Einfluss auf den Verlauf einer Krebserkrankung nehmen oder gar Krebs heilen kann. Es ist ebenfalls nicht erwiesen, dass sich durch solche meist einseitige Ernährung Rückfälle oder das Wachstum von Metastasen verhindern lassen. Gehen Krebsdiäten mit strengem Fasten oder einer Mangelernährung einher, können sie für Betroffene sogar gefährlich werden.

Ihre Frau sollte deshalb unbedingt Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt halten und eine Diät nicht auf eigene Faust beginnen. Dass ein normales Gewicht und Bewegung wichtig sind, Hungern, Fehl- und Mangelernährung aber schaden, kann Ihre Frau zudem im Ratgeber "Brustkrebs" der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. von 2010 nachlesen, im Internet unter www.ago-online.de/_download/unprotected/g_mamma_10_1_1_patients.pdf.

Ernährung: Ausgewogen, vielseitig, vom Energiegehalt angemessen

Spezielle Diäten für Krebspatienten gibt es nicht. Und wie sich Krebspatienten ernähren sollten, wird vor allem von ihrem individuellen Gesundheitszustand bestimmt.

Gewichtsverlust bei Krebs

Was tun, wenn die Krebserkrankung zu Gewichtsverlust und Mangelernährung geführt hat? Dann verlieren die allgemeinen Empfehlungen an Gültigkeit: Krebspatienten, bei denen bleibende Ernährungsprobleme aufgrund ihrer Erkrankung oder als Therapiefolge auftreten, benötigen Informationen von ihren behandelnden Ärzten, Pflegenden oder Ernährungsberatern, was für sie besonders geeignet ist. Betroffen sind beispielsweise die meisten Patienten mit Magenkrebs, bei denen ein großer Teil oder der gesamte Magen entfernt werden musste. Auch Lungenkrebspatienten haben häufig schon vor ihrer Erkrankung stark an Gewicht verloren. Informationen für Patienten, deren Erkrankung die Ernährung und das Gewicht ungünstig beeinflusst, bietet auch folgender Text des Krebsinformationsdienstes: "Was tun bei Gewichtsverlust und Mangelernährung?".

Ernährung nach abgeschlossener Behandlung

In der Regel müssen Krebspatienten, denen es wieder gut geht, ihre Ernährungsgewohnheiten nicht radikal ändern. Viele Krebspatienten, darunter beispielsweise auch die meisten Brustkrebspatientinnen benötigen nach überstandener Behandlung keine anderen Ernährungsformen als gesunde Menschen. Sie können sich an den gültigen nationalen und internationalen Empfehlungen für eine gesunde Lebensweise orientieren.

Wichtig: Bisher ist für die meisten internationalen Ernährungsempfehlungen nur belegt, dass sie bei Gesunden das Krebsrisiko beeinflussen. Es fehlt bis auf wenige Ausnahmen der Beleg, dass sie Krebspatienten auch vor Rückfällen schützen. Zu diesen Ausnahmen zählt beispielsweise die Empfehlung für Brustkrebspatientinnen, nach ihrer Erkrankung auf ein normales Körpergewicht zu achten. Trotzdem haben auch Patienten nach einer überstandenen Krebserkrankung Vorteile davon, wenn sie sich ausgewogen ernähren: Sie verbessern ihre allgemeine Gesundheit, senken möglicherweise ihr Risiko für andere Erkrankungen, zum Beispiel ihr Schlaganfallrisiko oder das für Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit. Wer eine gute körperliche Verfassung hat, verkraftet zudem anstrengende Behandlungen besser.

Welche Ernährungsempfehlungen gelten für den Alltag?

Dazu zählen beispielsweise die zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE, www.dge.de/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=15). Aber auch die Empfehlungen im momentan gültigen "Europäischen Kodex gegen den Krebs" (in englischer Sprache: www.cancercode.org/code_03.htm) oder im aktuellen Bericht des "World Cancer Research Fund" (in englischer Sprache: www.dietandcancerreport.org/?p=recommendations). Empfohlen wird eine ausgewogene, vielseitige und vom Energiegehalt angemessene Ernährung:

Forschung: Welche Rolle spielen Kalorienaufnahme und -verbrauch?

Lediglich darauf zu achten, was man isst, reicht meist nicht aus. Wer zu viel Nahrung mit vielen Kalorien zu sich nimmt und sich wenig bewegt, hat eine positive Energiebilanz: Man wird übergewichtig. Dass Übergewicht auch das Krebsrisiko beeinflusst, ist noch gar nicht so lange bekannt: Lange konzentrierte sich die Forschung eher auf einzelne Lebensmittelarten oder deren Inhaltsstoffe. Studien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass Übergewicht das Risiko bei gesunden Menschen für Krebsarten wie etwa Gebärmutterkörperkrebs, Speiseröhrenkrebs, Nierenkrebs, Gallenblasenkrebs, Brustkrebs und Darmkrebs steigern kann.

In Untersuchungen mit Brustkrebspatientinnen konnten Krebsforscher nachweisen, dass bei übergewichtigen Frauen durch eine Gewichtsreduktion das Rückfallrisiko sinkt. Noch sind zu diesen Ergebnissen jedoch noch einige Fragen offen: Unklar ist, ob das Gewicht in jedem Lebensalter eine Rolle spielt und ob leichtes Übergewicht die gleichen Auswirkungen hat wie starkes Übergewicht. Auch bei anderen Krebsarten wie etwa Darmkrebs erforschen Wissenschaftler derzeit, ob ein Zusammenhang zwischen Übergewicht und dem Rückfallrisiko sowie dem Gesamtüberleben besteht. Die Ergebnisse bisheriger Studien zu Darmkrebs sind widersprüchlich und weitere Forschung ist nötig.

Schlanksein kann somit bis zu einem gewissen Grad einigen Krebsarten vorbeugen. Schlanksein und sich viel zu bewegen scheint diesen Schutz noch zu verstärken. Und vielleicht haben zumindest Patienten mit einigen Krebsarten einen Nutzen davon - auch wenn das Rückfallrisiko überwiegend davon abhängt, ob ein Tumor auf eine Behandlung anspricht. In Studien mit Brustkrebspatientinnen konnte inzwischen auch gezeigt werden, dass übergewichtige Patientinnen nach den Wechseljahren, die sich wenig bewegen, ein höheres Rückfallrisiko haben als normalgewichtige Frauen, die sich ausreichend bewegen.

Doch welcher Zusammenhang besteht genau zwischen Übergewicht, Bewegungsmangel und der Krebsentstehung? Fachleute vermuten die Ursachen in einem veränderten Stoffwechsel, dem sogenannten "metabolischen Syndrom". Noch unterscheidet die Wissenschaft hier nicht zwischen Gesunden oder Kranken, sie konzentriert sich auf grundlegende Mechanismen.

Metabolisches Syndrom: Schieflage im Stoffwechsel

Menschen, die sich wenig bewegen und übergewichtig sind, haben oft eine dauerhaft veränderte Stoffwechsellage. Dieses Phänomen bezeichnen Experten als "metabolisches Syndrom". Typische Anzeichen dafür sind ein erhöhter Blutdruck, krankhaft erhöhte Blutfettwerte und zu viel Zucker im Blut. Bei Betroffenen sammelt sich das überflüssige Fett oft überwiegend im Bereich des Bauches an. Menschen mit metabolischem Syndrom tragen ein hohes Risiko für Diabetes mellitus Typ II, die häufigste Form der Zuckerkrankheit. Schon länger bekannt ist auch, dass diese "Schieflage" des Stoffwechsels das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigert. In der letzten Zeit wird das Syndrom aber auch mit der Krebsentstehung in Verbindung gebracht. Welche Mechanismen begünstigen das Entstehen von Krebs?

Entzündung und Krebsentstehung

Das metabolische Syndrom fördert entzündliche Prozesse vor allem im Fettgewebe des Bauchraums. Forscher vermuten, dass diese "chronische Entzündung" auch eine Erklärung für das höhere Krebsrisiko von übergewichtigen Menschen im Vergleich zu Normalgewichtigen sein kann.

Was passiert bei Übergewicht im Körper? Speichert der Körper viel Fett, vergrößern sich vor allem die Fettzellen des tiefliegenden Bauchfetts. Diese setzen entzündungsfördernde Substanzen frei und rufen dadurch eine Art chronischen Entzündungszustand hervor, nicht zu verwechseln mit Entzündungen, wie sie beispielsweise durch Krankheitserreger verursacht werden. Ist ein Gewebe chronisch gereizt, wandern Immunzellen in das betroffene Gewebe und bilden dort Wachstumsfaktoren, darunter zum Beispiel solche, die die Aderbildung in Tumoren fördern, aber auch zum Beispiel den "Insulin-like Growth factor", der eine Rolle beim Zellwachstum spielt. Weitere Zellbotenstoffe konnten ebenso identifiziert werden, wie die Rolle sogenannter freier Radikale, besonders aggressiver Moleküle.

Chronische Entzündungen könnten somit zu Entwicklung, Wachstum und Ausbreitung eines Tumors beitragen:

Obwohl der Zusammenhang zwischen Krebs und Entzündung durch bisherige Forschungserkenntnisse eindeutig bewiesen ist, besteht bezüglich der genauen Mechanismen noch viel weiterer Forschungsbedarf. Einen Überblick bietet der Krebsinformationsdienst in seinen Texten zur Krebsentstehung, etwa im Textabschnitt "Chronische Entzündungen: Welche Rollen spielen sie bei der Krebsentstehung?".