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Neue Studien zu "Aspirin" und Krebs

Schützt "Aspirin" vor Krebs? Derzeit wird in den Medien kritisch diskutiert, inwieweit die Langzeit- Einnahme des Wirkstoffs Acetylsalicylsäure (ASS) vor Krebserkrankungen schützen kann, und ob dieser Schutz womöglich durch andere gesundheitliche Risiken erkauft wird. Anlass ist eine aktuelle britische Untersuchung: Danach senkt die tägliche Einnahme von Aspirin das Risiko, an Speiseröhrenkrebs, Darmkrebs und anderen Tumoren zu erkranken.
Kritiker mahnen allerdings an, dass die Auswahl der präsentierten Daten und ihre Darstellung möglicherweise zu einer Überschätzung des Nutzens führt.

Auf eigene Faust  sollte man auf keinen Fall zur Tablette zu greifen: Vor der Dauereinnahme von ASS und verwandten Substanzen ohne Rücksprache mit dem Arzt warnt das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel schon seit 2005. Das Risiko unerwünschter Wirkungen, zum Beispiel von Blutungen im Magen-Darm-Trakt, darf nicht unterschätzt werden.

Langzeiteinnahme von ASS: Einfluss auf die Krebssterblichkeit?

Am 7. Dezember erschien in der Fachzeitschrift "The Lancet" eine Analyse, die sich mit dem Zusammenhang von "Aspirin" und Krebsrisiko befasst. Die verantwortlichen britischen Forscher hatten Daten von acht Einzelstudien neu ausgewertet. Sie wollten herausfinden, wie sich die tägliche Einnahme von Acetylsalicylsäure über mehrere Jahre auf das Risiko der Studienteilnehmer auswirkte, an Krebs zu sterben. Die Patienten der einzelnen Studien hatten das Medikament nicht zur Krebsvorbeugung erhalten, sondern um Gefäßverschlüssen und so auch einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall vorzubeugen.
Insgesamt konnten die Wissenschaftler die Daten von 25.500 Probanden auswerten. Um deren Schicksal weiter zu verfolgen, griffen sie auf Krebsregisterdaten und Totenscheine zurück.

Bei den Studienteilnehmern, die täglich Aspirin über fünf bis zehn Jahre oder länger eingenommen hatten, sank  das Risiko, im Laufe der nächsten Jahre an Krebs zu sterben. Um die einzelnen Auswirkungen vergleichen zu können, rechneten die britischen Wissenschaftler das Sterberisiko auf einen Zeitraum von 20 Jahren hoch. Nach rund fünf Jahre ASS-Einnahme zeigte sich ein Effekt auf das Risiko, an Speiseröhren-, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder beispielsweise an Adenokarzinomen der Lunge zu sterben.
Bei Dickdarmkrebs fiel die Risikoverminderung zwar mit am größten aus. Bei dieser Tumorart müsste man durchschnittlich  jedoch noch wesentlich länger Tabletten schlucken, um den vollen Nutzen zu erzielen. Am längsten dauerte es, bis sich zumindest ein schwacher statistischer Effekt auch bei Krebsarten wie dem Prostatakarzinom zeigte.

Keine unmittelbaren Empfehlungen ableitbar

Die Forscher räumen ein, dass ihre Studie einige Mängel aufweist. So habe man die Patienten nur über einen Zeitraum von höchstens zwanzig Jahren beobachtet. Aussagen über einen möglichen Langzeitschutz von Aspirin seien nur bedingt möglich. Zudem wurde nur untersucht, wie sich die tägliche Einnahme des Medikaments auf die Krebssterblichkeit auswirke.  Aussagen zu möglichen Auswirkungen auf die Krebsentstehung selbst oder auf andere Erkrankungen konnten nicht abgeleitet werden.

Inzwischen haben sich Kritiker zu Wort gemeldet, die auf weitere problematische Aussagen in der aktuellen Publikation hinweisen: So bemängelt beispielsweise das Deutsche Ärzteblatt am 7. Dezember die Präsentation der Daten, weil sie zu einer Überschätzung des Nutzens führen kann.

Darmkrebsfrüherkennung: Aspirin erhöht Empfindlichkeit neuer Tests

In einer weiteren aktuell veröffentlichten Studie untersuchten Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums, wie sich die tägliche Einnahme von Acetylsalicylsäure auf moderne immunologische Stuhltests zur Darmkrebsfrüherkennung auswirkt. Sie konnten zeigen, dass ASS die Testverfahren nicht stört, sondern möglicherweise sogar deren Empfindlichkeit verbessert.
Solche immunologischen Tests, mit denen Blut in einer Stuhlprobe nachgewiesen werden kann, werden als Zusatzleistung zur "Krebsvorsorge" angeboten. Sie sind aktuell jedoch kein Angebot des  gesetzlichen Früherkennungsprogramms. Langfristig können diese Testverfahren jedoch möglicherweise die zurzeit gebräuchlichen enzymatischen Stuhltests ("Guajak-Test") ablösen.
In Deutschland wird die Untersuchung auf Blut im Stuhl vom 50. Lebensjahr an empfohlen. Menschen dieser Altersgruppe nehmen oft niedrig dosiertes Aspirin ein, um Herzinfarkten oder Schlaganfällen vorzubeugen. Das Medikament steigert allerdings auch die Neigung zu Blutungen im Magen-Darmtrakt. Ärzte befürchten daher bislang, dass diese Blutungen die Ergebnisse der Darmkrebsfrüherkennung verfälschen könnten.

Die Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum überprüften dies in einer Studie an rund 2.000 Menschen, die sich zwischen 2005 und 2009 einer Früherkennungs-Darmspiegelung unterzogen hatten. Rund zehn Prozent der Teilnehmer - 233 Personen - gaben an, regelmäßig niedrig dosiertes Aspirin einzunehmen. Bei allen Studienteilnehmern wurden zusätzlich zur Darmspiegelung zwei immunologische Stuhltests durchgeführt.
Anhand der Ergebnisse der Koloskopie konnten die Forscher prüfen, wie viele Darmkrebsvorstufen die Tests korrekt anzeigten, wie viele Stuhltests zu Unrecht Entwarnung und wie viele "falschen Alarm" gegeben hätten.
Es zeigte sich, dass die Tests bei Aspirin-Konsumenten tatsächlich vorhandene Krebsvorstufen fast doppelt so häufig aufspürten, wie bei Menschen, die kein ASS eingenommen hatten.

Nutzen und Nebenwirkungen: ASS steigert Blutungsgefahr

Experten warnen davor, ASS und verwandte Medikamente eigenmächtig über längere Zeit einzunehmen. Zwar sind die meisten dieser frei verkäuflichen Schmerzmittel und Entzündungshemmer bei normalem Gebrauch gut verträglich. Ganz ohne Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen ist die Einnahme jedoch nicht. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sprach sich erst dieses Jahr dafür aus, die Größe der rezeptfrei erhältlichen Arzneimittelpackungen zu begrenzen, um einer missbräuchlichen Anwendung dieser Medikamente vorzubeugen.





Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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