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Aktuelles Thema: Diagnose Krebs - Wie geht es weiter?

Krebs. Die Diagnose löst bei den meisten Menschen Angst und Verzweiflung aus. "Warum gerade ich?", lautet eine typische Frage, und auch die Angst vor dem Tod ist mit Krebs fast untrennbar verbunden. Die Krankheit bestimmt ganz plötzlich das Leben, sie stellt private und berufliche Pläne infrage. Der Alltag muss rund um notwendige Untersuchungstermine und die Behandlungsplanung neu organisiert werden. Gerade in den ersten Tagen überwiegt die Unsicherheit, wie es jetzt weitergeht und wer bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben helfen kann. Anhand einer aktuellen E-Mail-Anfrage geht der Krebsinformationsdienst auf Fragen ein, die Krebspatienten während der Tage nach der Diagnose beschäftigen können.



Vielen Dank für Ihre E-Mail an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Sie berichten, dass bei Ihnen Brustkrebs festgestellt wurde, dass Sie auf einen ausführlichen Besprechungstermin zum weiteren Vorgehen aber noch warten müssen.

Eine persönliche ärztliche Beratung lässt sich durch Informationen aus dem Internet oder per E-Mail nicht ersetzen: Ihre wichtigsten Ansprechpartner sind zunächst Ihre Frauenärztin sowie die anderen Mediziner, mit denen Sie besprechen werden, wie es weitergehen soll. Gerne vermittelt Ihnen der Krebsinformationsdienst aber Hintergründe, die ganz allgemein wichtig sein können, wenn man mit der Diagnose Krebs konfrontiert ist. Wie Sie sich auf das Gespräch mit Ihren Ärzten vorbereiten können, warum es mitunter dauern kann, bis alle Befunde vorliegen, was Sie am Arbeitsplatz beachten müssen, wo Sie weitere Informationen und auch erste Unterstützung bekommen können, haben wir in den folgenden Abschnitten für Sie zusammengestellt.

Wir beantworten Ihre Fragen

Bei Fragen steht Ihnen der Krebsinformationsdienst auch am Telefon zur Verfügung: Sie erreichen uns täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 - 420 30 40.



Krebsdiagnose: Warum dauert es so lange, bis die Behandlung beginnt?

Wenn man befürchtet, Krebs zu haben, oder Ärzte aufgrund eines Untersuchungsergebnisses diesen Verdacht äußern, muss dieser Verdacht sorgfältig überprüft werden. Oft sind mehrere Untersuchungen notwendig, um die Diagnose zu bestätigen und genauer abschätzen zu können, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Die Ärzte müssen die einzelnen Ergebnisse zusammentragen, um Gewissheit zu bekommen, zum Beispiel Röntgenaufnahmen, Bilder aus Computertomographie oder Kernspintomographie, Gewebeproben und Laborwerte. Mitarbeiter unterschiedlicher Fachbereiche führen die Untersuchungen durch, und auch für die Auswertung der Ergebnisse müssen verschiedene Spezialisten herangezogen werden. Die beteiligten Ärzte besprechen die Untersuchungsergebnisse und kommen zu einer gemeinsamen Diagnose. Auch erste Behandlungsmöglichkeiten können zu diesem Zeitpunkt meist schon abgewogen und mit den Betroffenen besprochen werden.

Diese Vorbereitung benötigt Zeit, ist für die Planung der jeweils besten Behandlung aber meist unumgänglich.

Zeitdruck: Wie eilig ist es?

Krebs entsteht nicht von heute auf morgen. Fast immer dauert es Monate oder Jahre, bis die Krankheit so weit fortgeschritten ist, dass sie sich bemerkbar macht. Für die meisten Krebspatientinnen und Krebspatienten gilt: Auf einige Tage kommt es bei der Behandlungsplanung normalerweise nicht an. So gelten zum Beispiel Brustkrebs oder Prostatakrebs nicht als Notfalldiagnosen, bei denen sofort mit der Therapie begonnen werden muss. Anders sieht es aus, wenn sich eine Krebserkrankung voraussichtlich sehr schnell verschlechtern wird: Ein Beispiel hierfür sind akute Leukämieerkrankungen. Eine weitere Ausnahme bilden unmittelbar lebensbedrohliche Symptome, wie Blutungen, Atemnot oder starke Schmerzen: Sie müssen sofort behandelt werden.

Wie viel Zeit kann man sich lassen?

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Viele Patienten trifft die Diagnose unerwartet. Sie fühlen sich alles in allem noch gesund. Auch wenn man, wie oben erläutert, nichts überstürzen muss: Längere Verdrängung und Verzögerung sollten ebenfalls vermieden werden, damit sich keine Nachteile für die Prognose ergeben. Wie viel Zeit vergehen darf, bis mit einer Behandlung begonnen werden muss, können allerdings meist nur die beteiligten Ärzte genau sagen. Normalerweise aber haben Patienten einige Tage bis Wochen Zeit, um sich zu informieren, eventuell zusätzliche ärztliche Meinungen einzuholen und sich über das weitere Vorgehen beraten zu lassen. Manchmal ist diese Zeit auch einfach notwendig, um sich zu sammeln und den ersten Schock zu überwinden. Schließlich stehen weitreichende Entscheidungen an, und die sollten im Vorfeld gut durchdacht werden.

Arztwahl: Was ist zu bedenken?

Patienten können ihren Arzt frei wählen. Voraussetzung einer Kostenübernahme ist für gesetzlich Versicherte, dass der Arzt eine Kassenzulassung hat. Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung ist nicht nur die fachliche Kompetenz des Arztes. Ganz wichtig ist es auch, jemanden zu finden, in dessen Hände man sich als Krebspatient gerne begibt, dem man vertraut. Patienten sollten einen Arzt als zentralen Ansprechpartner wählen, mit dem sie alle weiteren Schritte besprechen können. Dies kann der Hausarzt oder auch ein Facharzt sein, sei es ein in eigener Praxisniedergelassener Facharzt oder auch ein Arzt aus der behandelnden Klinik.

Selbstverständlich können Patienten bei weiteren Ärzten oder in der Ambulanz eines Krebszentrums fachlichen Rat einholen. Dazu ist eine Überweisung des erstbehandelnden Arztes nötig, außerdem sollten Patienten alle bisherigen Untersuchungsergebnisse mitbringen. Die meisten Ärzte werden den Wunsch nach einer zweiten Meinung verstehen und alles Notwendige in die Wege leiten oder weitere qualifizierte Ansprechpartner nennen. In den meisten Fällen bezahlen die Krankenkassen Beratungen durch weitere Ärzte, sofern auch diese eine Kassenzulassung haben. Patienten sollten vorsichtshalber im Voraus mit den Krankenkassen Rücksprache halten, inwieweit diese die Kosten übernehmen. Einige gesetzliche und private Kassen haben sogar besondere Angebote für das Einholen einer Zweitmeinung von ärztlichen Experten geschaffen.

Klinikwahl: Wie findet man eine geeignete Klinik?

Heute können nicht wenige Krebserkrankungen ausschließlich ambulant behandelt werden. Die Mehrzahl der Patienten muss sich allerdings nach wie vor auf einen vorübergehenden Krankenhausaufenthalt einstellen - sei es für weitere Untersuchungen, wegen einer Operation oder einer aufwendigeren Chemotherapie oder zur Behandlung von belastenden Symptomen. Wichtig bei der Wahl der Klinik ist, dass diese Erfahrung mit der jeweiligen Krebserkrankung hat. Auch gilt heute als Qualitätskriterium, dass sich die behandelnden Ärzte an der für die jeweilige Krebsart gültigen medizinischen Leitlinie orientieren. Arbeitet das Krankenhaus mit Forschungsverbünden zusammen und führt klinische Studien zu neuen Verfahren in der Krebsmedizin durch, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass die Klinik über weitreichende Erfahrung bei der Behandlung der Erkrankung verfügt. Was bei der "Arzt- und Kliniksuche" zu beachten ist, hat der Krebsinformationsdienst in einem Informationsblatt (PDF) zusammengestellt.

Nicht alle Fragen zur Behandlung und zu ihrem Erfolg lassen sich gleich schon beim ersten Termin beantworten: Oft können Ärzte wichtige Einzelheiten erst klären, wenn sie zum Beispiel nach einer Operation mehr über das genaue Ausmaß der Krebserkrankung wissen.

Für viele Krebserkrankungen gibt es mittlerweile sogenannte Leitlinien, die von Experten erarbeitet und regelmäßig aktualisiert werden. Die Leitlinien empfehlen den Ärzten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die wissenschaftlich erprobt wurden und für ein bestimmtes Krankheitsbild als jeweils bester Standard gelten. Dennoch gibt es bei einer so komplexen Erkrankung wie Krebs oft mehr als einen Behandlungsweg, sodass sich die Therapievorschläge einzelner Ärzte eventuell unterscheiden. Je besser Patienten über ihre Erkrankung informiert sind, desto eher können sie Mitverantwortung für ihre eigene Gesundheit übernehmen und desto mehr werden sie zu gleichberechtigten Partnern des Arztes bei der Entscheidung über das weitere Vorgehen.
Als Checkliste für Termine mit Ärzten, in denen es um die "Behandlungswahl" geht, hat der Krebsinformationsdienst ein Informationsblatt (PDF) zusammengestellt. Ein weiteres Informationsblatt (PDF) bietet Hintergrundwissen für Patienten, deren Behandlung auch mit neuen oder experimentellen Verfahren in einer sogenannten klinischen Studie erfolgen kann.

Mehr wissen: Wie findet man weitere Informationen?

Patienten gehen unterschiedlich mit ihrer Erkrankung um: Manche versuchen, sich über jedes Detail zu informieren, andere möchten lieber gar nicht so viel wissen. Hier sollte man auf sich selbst hören und sich so weit informieren, wie man sich damit wohlfühlt. Das Wissen kann allerdings helfen, Ängste abzubauen und mehr Sicherheit im Umgang mit der Erkrankung einerseits und den Ärzten andererseits zu bekommen. Mehr Wissen bedeutet auch, mehr Mitsprachemöglichkeiten bei der weiteren Behandlung zu haben.

Gerade Neue Medien wie das Internet erlauben es Patienten, in kurzer Zeit an eine Fülle von Informationen zu verschiedenen Krankheiten zu gelangen. Aber nicht alle diese Informationen sind sachlich richtig oder hilfreich. Selbsthilfeforen im Internet bieten Betroffenen die Möglichkeit, ihre Krankengeschichten auszutauschen und einander Mut zu machen oder weiterführende Hinweise zu geben. Nicht immer aber ist eine Behandlung, die einem Patienten geholfen hat, auch in anderen Fällen erfolgreich oder auch nur angemessen. Für Krebspatienten ist es daher wichtig, glaubwürdige und für sie passende Informationen von weniger seriösen zu unterscheiden. Was Patienten bei der Informationssuche beachten sollten, hat der Krebsinformationsdienst in dem Informationsblatt "Sicher surfen zum Thema Krebs: So finden Sie gute Informationen im Internet" (PDF) zusammengestellt.

Angst und Unsicherheit: Was tun zur Bewältigung?

Die Diagnose Krebs ist für die meisten Patienten zunächst ein Schock, auf den sie mit Angst und Unsicherheit reagieren; manche versuchen auch, die Gedanken an die Krankheit zunächst zu verdrängen. Im Laufe der Erkrankung können weitere negative Gefühle auftreten, zum Beispiel Wut oder Gereiztheit, Niedergeschlagenheit, Enttäuschung oder Schuldgefühle. Alle diese Emotionen sind ganz "normal" und eine Reaktion auf die Veränderung, die die Krankheit für das eigene Leben bedeutet. Sie zuzulassen und auszudrücken kann bereits entlastend sein. Manchmal entstehen Ängste aus Unwissenheit, was Krebs nun genau für eine Erkrankung ist, wie sie entsteht, wie man sie behandeln kann und wie oft eine Heilung möglich ist. Sich zu informieren, kann helfen, die Ängste abzubauen.

Für viele Patienten ist es außerdem hilfreich, mit Angehörigen oder Freunden über die eigenen Ängste zu sprechen. Ein offenes Gespräch über bedrückende Gefühle kann für beide Seiten entlastend sein: Auch Angehörige haben Sorgen, über die sie vielleicht reden möchten. Eine "Mitteilungspflicht" besteht aber nicht. Patienten sollten auf ihre "innere Stimme" hören und für sich selbst entscheiden, wann ein Gespräch hilfreich ist und wann es eher belastet.

Professionelle Unterstützung bekommen Patienten zum Beispiel bei Krebsberatungsstellen. Auch Psychoonkologen können weiterhelfen. In Selbsthilfegruppen können Patienten Beistand von anderen Betroffenen finden.

Das "Gesetz über die Zahlung des Arbeitsentgelts an Feiertagen und im Krankheitsfall" regelt nicht nur, welche Mitteilungspflicht der Kranke gegenüber seinem Arbeitgeber hat, sondern auch, wie lange welche Anteile des Gehalts im Fall der Krankschreibung weitergezahlt werden. Dieses sogenannte Entgeltfortzahlungsgesetz findet sich im Internet unter www.gesetze-im-internet.de/entgfg/index.html. Auch hier kann es Abweichungen geben, je nach Tarifvertrag der Patienten.

Erste Ansprechpartner zu sozialrechtlichen Fragen sind die behandelnden Ärzte. Im Krankenhaus hilft der Kliniksozialdienst weiter, die Mitarbeiter übernehmen auch eventuell notwendige Anträge und helfen bei Fragen an die Kranken- oder Rentenversicherung. Für ambulant behandelte Patienten sind auch in sozialrechtlichen Fragen die Krebsberatungsstellen eine Anlaufstelle. Weitere nützliche Adressen und Links zum Thema hat der Krebsinformationsdienst auf der Seite "Sozialrechtliche Fragen bei Krebs" zusammengestellt. Eine Übersicht bietet auch das gleichnamige Informationsblatt: "Sozialrechtliche Fragen bei Krebs" (PDF). Hier geht es weiter zu Broschüren zum Thema Recht, Sozialrecht, Rehabilitation und Rente.

In Kostenfragen kann auch die Krankenkasse weiterhelfen und zum Beispiel Auskunft über Zuzahlungen oder Eigenanteile an der Behandlung geben. Sie klärt etwa, ob Patienten, die kleine Kinder haben oder Angehörige pflegen, während des Krankenhausaufenthaltes Anspruch auf eine Haushaltshilfe haben. Bei den Krankenkassen gibt es meist auch Hinweise auf Angebote für allein lebende Krebspatienten, die während ihrer Erkrankung Unterstützung bei der Regelung alltäglicher Angelegenheiten benötigen, zum Beispiel durch Einrichtungen der Nachbarschaftshilfe.

Im Verlauf der Erkrankung bekommen Patienten oder ihre Hausärzte die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen und Behandlungen mitgeteilt. Patienten sollten Kopien aller Befunde sorgfältig aufheben und über die verschiedenen Arztbesuche Bescheid wissen. Entsprechende Nachweise können wichtig sein, für Anträge, die Patienten gegenüber ihren Versicherungen im Laufe der Erkrankung eventuell stellen möchten. Auch, wenn Patienten den Arzt wechseln oder eine weitere Meinung einholen möchten, ist es hilfreich, wenn sie einen Überblick über die bisherigen Untersuchungen und Behandlungen haben.