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PSA: Keine regelmäßige Kontrolle bei niedrigen Werten?

Die Diskussion um den Nutzen des PSA-Tests in der Früherkennung von Prostatakrebs erhält neue Nahrung: Mitte September erschien in der Fachzeitschrift "Cancer" eine Auswertung von Daten der europäischen ERSPC-Studie. Demnach haben Männer mit einem PSA-Wert von unter zwei Nanogramm pro Milliliter auf lange Sicht ein sehr niedriges Risiko, an Prostatakrebs zu sterben.

Fortgesetzte regelmäßige Kontrollen des "prostataspezifischen Antigens" (PSA) führen bei ihnen zwar dazu, dass ein sich zu einem späteren Zeitpunkt entwickelnder Prostatakrebs schon im Frühstadium erkannt wird. Ihr Sterberisiko lässt sich dadurch aber nicht weiter senken.

Studie in Holland, Schweden, Finnland und Irland

PSA-Test

In einer Blutprobe lässt sich das sogenannte prostataspezifisches Antigen (PSA) nachweisen. Ein hoher Spiegel weist auf eine Erkrankung der Prostata hin.
Dabei kann es sich um eine Entzündung handeln, aber auch um Prostatakrebs. Bisher ist der Test kein Teil des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms in Deutschland.

In den frühen 1990er Jahren startete in mehreren europäischen Ländern die "European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer", abgekürzt ERSPC. Insgesamt wurden 182.000 Männer in diese Untersuchung aufgenommen. Der einen Hälfte bot man regelmäßige PSA-Tests an, die andere Hälfte der Studienteilnehmer fungierte als Kontrollgruppe.

Die aktuell vorgelegte Zwischenauswertung bezieht sich auf den Zeitraum bis 2006 und die Daten von knapp 44.000 Männern im Alter zwischen 55 und 74 Jahren aus den Niederlanden, Schweden und Finnland. In diesen Ländern wurden sehr regelmäßige PSA-Kontrollen angeboten. Zudem folgten hier schon bei relativ niedrigen PSA-Werten meist weitere Tests und ab  drei oder vier Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) auch Prostatabiopsien.

Zum Vergleich zogen die Forscher Daten von rund 42.500  irischen Männer heran. In Irland waren im Studienzeitraum regelmäßig wiederholte PSA-Tests bei Gesunden nicht sehr verbreitet. Zum Arzt gingen vier von fünf Iren wegen Prostatabeschwerden oder anderer abklärungsbedürftiger Symptome, und nicht mit dem Wunsch nach Früherkennung. Eine Biopsie zum Nachweis von Krebszellen führten irische Ärzte oft erst bei PSA-Werten über zehn Nanogramm pro Milliliter durch.

Wer profitiert wirklich von wiederholten PSA-Tests, wer nicht?

Während bei insgesamt 4.339 Männern unter den knapp 44.000 Teilnehmern  in Holland, Schweden und Finnland Krebs festgestellt wurde, wurde nur bei 1.522 der 42.500 irischen Teilnehmern die Erkrankung entdeckt. Die Sterberate war in Irland insgesamt mit 236 Patienten im Vergleich zu 109 Männern in den anderen Ländern dagegen doppelt so hoch.
Damit wurden in Irland weit weniger Prostatakrebserkrankungen früh erkannt als in den Ländern mit regelmäßigen Tests, und insgesamt starben dort mehr Männer an dieser Tumorart.

Von regelmäßigen Untersuchungen hätten aber auch in Irland nicht alle Männer profitiert. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass sich das Sterberisiko für Männer mit niedrigem PSA-Ausgangswert in den Gruppen aller Länder über die Studienjahre hinweg nicht oder nur wenig unterschied:
Wiesen die Männer beim ersten Test einen Wert unter zwei Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) auf, beeinflusste weder eine regelmäßige weitere Testung ihr Sterberisiko, noch eine früh einsetzende Krebsbehandlung bei ansteigenden Werten. Auch bei Männern mit einem PSA-Wert bis 3,9 ng/ml machte es kaum einen Unterschied, ob der PSA-Blutspiegel weiter kontrolliert wurde oder nicht.
Die Sterberate wurde bei dieser Gruppe auch kaum dadurch beeinflusst, ob Biopsien zur Abklärung durchgeführt wurden und ob die Entscheidung zum Beginn einer Krebsbehandlung schon in einem frühen Erkrankungsstadium fiel oder ob, wie bei den irischen Männern, darauf eher verzichtet wurde.

Die Autoren der aktuellen Veröffentlichung kommen zu dem Schluss, dass sich eine engmaschige PSA-Kontrolle und weiterführende Untersuchungen wie eine Biopsie für Männer erst "lohnen", wenn ein erstmals gemessener Wert über vier Nanogramm pro Milliliter liegt. Dann wirken sich weitere Maßnahmen auf die durchschnittliche Lebenserwartung aus.
Männer mit zunächst niedrigeren PSA-Werten werden durch fortgesetzte Früherkennung lediglich mit größerer Wahrscheinlichkeit zu Krebspatienten, mit allen Belastungen der Diagnose und Folgen der Therapie. Ihr Leben wird weder durch regelmäßige Tests noch eine früh einsetzende Behandlung verlängert.



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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