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Aktuelles Thema: Umgang mit Behandlungsfolgen: Haarausfall durch Chemotherapie

Während einer Chemotherapie können die Haare ausfallen. Krebspatienten haben verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen. Ist das Kopfhaar betroffen, können sich Patienten zum Beispiel eine Perücke anfertigen lassen. In manchen Fällen beteiligen sich Krankenkassen an den Kosten, in anderen nicht.
In seinem Thema des Monats geht der Krebsinformationsdienst auf die Situation von männlichen Krebspatienten ein. Ausgangspunkt ist eine aktuelle E-Mail-Anfrage.

Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Gerne vermitteln wir Ihnen Hintergrundinformationen zum Thema Haarausfall als Folge einer Chemotherapie. Das Gespräch mit Ihren behandelnden Ärzten und Ihrer Krankenkasse können Informationen aus dem Internet jedoch nicht ersetzen.

Wichtig für Sie ist zunächst: Haarausfall und Chemotherapie gehören nicht untrennbar zusammen. Es gibt viele verschiedene Wirkstoffe, bei einigen dieser sogenannten Zytostatika sind Auswirkungen auf das Haarwachstum wahrscheinlicher als bei anderen. Einen Einfluss hat auch, in welcher Dosis und über welchen Zeitraum die Medikamente verabreicht werden. In Ihrer Anfrage haben Sie nicht angegeben, an welcher Krebsart Sie erkrankt sind. Daher bitten wir Sie um Verständnis dafür, dass der Krebsinformationsdienst nicht abschätzen kann, welche Substanzen für Ihre Behandlung infrage kommen und mit welchen Nebenwirkungen Sie rechnen müssen. Ihr Arzt kann Ihnen aber vermutlich recht genau sagen, ob Haarausfall bei Ihnen wahrscheinlich ist oder nicht. Allgemeine Hintergründe zum Thema sowie eine Übersicht über gängige Medikamente und ihre Nebenwirkungen finden Sie auf unseren Internetseiten unter "Chemotherapie: Mit Zytostatika gegen Krebs".

Ob gesetzliche Krankenkassen die Kosten für Haarersatz übernehmen, lässt sich pauschal nicht sagen. Ein eindeutig formulierter Rechtsanspruch fehlt im Sozialrecht. Ob männliche Krebspatienten, denen infolge einer Chemotherapie die Kopfhaare ausfallen, beim Kauf einer Perücke unterstützt werden, hängt von ihrer Versicherung ab. Private Versicherungen erstatten Kosten für solche Hilfsmittel nur, wenn dies im gewählten Tarif so vereinbart ist.

Keine einheitliche Regelung: Frauen mit Perücke, Männer mit Glatze?

Gesetzlich versicherte Frauen, bei denen infolge einer Chemotherapie Haarausfall droht, erhalten eine Perücke auf Rezept. Gleiches gilt für Kinder und Jugendliche. Ärztlich verschriebener Haarersatz wird von den Krankenkassen bezuschusst. Wie hoch die Unterstützung ausfällt, erfahren Betroffene von ihrer Kasse. Ob sich eine private Krankenversicherung an den Kosten beteiligt, hängt vom abgeschlossenen Tarif ab. Eine rechtsverbindliche Auskunft erhalten Patientinnen von ihrer Versicherung.

Bei erwachsenen Männern ist die Situation zurzeit unklar. Das belegen auch Berichte von Selbsthilfegruppen und Diskussionen in Internetforen. Nicht alle gesetzlichen Krankenversicherungen finanzieren eine Perücke. Warum? Die Kassen berufen sich auf Urteile von Sozialgerichten. Beispielhaft zitiert wird häufig die Entscheidung eines Landessozialgerichts aus dem Jahr 2007.

Als Folge dieses Urteils bezahlen einige gesetzliche Krankenkassen keine Perücken für männliche Krebspatienten mehr.

Umgekehrt ist es den Krankenkassen auch nicht verboten, ihre männlichen Versicherten beim Kauf eines Haarersatzes finanziell zu unterstützen. Sie orientieren sich zwar häufig an Sozialgerichtsurteilen, sind aber nicht zwangsläufig daran gebunden. Es lohnt sich daher für Sie, die Frage im Gespräch mit den Mitarbeitern Ihrer Versicherung klären. Weitere Ansprechpartner, die Ihnen bei sozialrechtlichen Fragen weiterhelfen können, hat der Krebsinformationstext in der Rubrik "Wegweiser" zusammengestellt, Stichwort "Sozialrechtliche Fragen bei Krebs". Diese Hinweise können auch als Informationsblatt geladen und ausgedruckt werden.

Zeigen oder verstecken: Wie Männer mit Haarverlust umgehen

Es ist nicht gesagt, dass Ihnen infolge der Chemotherapie die Kopfhaare ausfallen. Kommt es dazu, und beteiligt sich Ihre Krankenversicherung nicht an den Kosten für eine Perücke, bieten sich Ihnen verschiedene Alternativen. Für welche Sie sich entscheiden, hängt von Ihrem Geschmack ab.

Da sich eine Chemotherapie auf den gesamten Körper auswirkt, können neben dem Kopfhaar auch die Körperhaare ausfallen. Sichtbar wird dies besonders bei Augenbrauen und Wimpern. Auch bei Männern können Schminkpinsel, Brauenstift oder Augenbrauenpuder helfen, ein natürlich wirkendes Äußeres wiederherzustellen. Scheuen Sie sich nicht, sich deshalb beraten zu lassen. Mehr dazu hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.

Nicht für immer "oben ohne": Nach Therapieende sprießen die Haare wieder

Sowohl für Frauen als auch Männer gilt: Die Haare wachsen nach Ende einer Chemotherapie wieder nach. Nach etwa drei Monaten sind die Kopfhaare meist schon wieder so lang, dass Männer und die meisten Frauen ohne Perücke auskommen.

Biologie: Warum fallen die Haare überhaupt aus?

Die in der Chemotherapie verwendeten Medikamente bezeichen Fachleute als Zytostatika. Zytostatika wirken besonders auf schnell wachsende und sich häufig teilende Zellen. Leider sind das nicht nur Krebszellen. Eine Chemotherapie kann deshalb auch Haarwurzelzellen, Hautzellen, Schleimhautzellen und Blutzellen schädigen (mehr zu Nebenwirkungen der Chemotherapie hier).

Zytostatika, die in den Wachstumszyklus der Haare eingreifen, verursachen zwei bis vier Wochen nach Behandlungsbeginn einen mehr weniger stark ausgeprägten Haarausfall. Bei niedriger Dosierung können diese Nebenwirkungen auch weniger stark auftreten. Ob das Kopfhaar gar nicht, schwach oder völlig ausfällt, und ob auch Augenbrauen, Wimpern und Körperbehaarung betroffen sind, hängt von der Art der Arzneimittel, ihrer Dosis und der Veranlagung der Patienten ab: Was auf sie zukommen kann, erfahren Betroffene vor der Behandlung von ihren Ärzten. Sobald die Zytostatika im Körper abgebaut sind, beginnen die Haare wieder nachzuwachsen.

Weitere Fragen: Kontakt per Telefon und E-Mail

Zwar ist dem Krebsinformationsdienst eine rechtsverbindliche Auskunft zur Kostenerstattung nicht möglich. Wir hoffen, dass wir Ihnen mit Hintergrundinformationen trotzdem weiterhelfen konnten. Selbstverständlich stehen wir Ihnen für weitere Fragen auch am Telefon oder per E-Mail zur Verfügung.