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Zur "Krebsvorsorge" auch nach Gebärmutterentfernung?

Jede Frau in Deutschland ab dem Alter von 20 Jahren kann einmal pro Jahr zur Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs gehen. Ist diese Vorsorgemaßnahme auch nach der Entfernung der Gebärmutter sinnvoll?

Anhand einer aktuellen E-Mail-Anfrage erläutert der Krebsinformationsdienst, wann Fachleute die Untersuchung auch nach einem solchen Eingriff, einer sogenannten Hysterektomie weiter empfehlen. Informationen aus dem Internet können das Gespräch mit den behandelnden Ärzten jedoch nicht ersetzen.



Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Gerne vermitteln wir Ihnen Hintergrundinformationen. Wir bitten Sie aber um Verständnis dafür, dass wir Ihnen keine individuellen Ratschläge geben können. Dies können nur die behandelnden Ärzte, die Ihre Krankheitsgeschichte und alle Schritte und Ergebnisse Ihrer Behandlung genau kennen. Eine persönliche ärztliche Beratung lässt sich durch Informationen aus dem Internet oder per E-Mail nicht ersetzen.  

Die meisten Frauen, bei denen die Gebärmutter vollständig entfernt wurde, müssen nicht mehr zur Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG e.V.) in ihrer aktuellen Leitlinie hin. Dies schließt Patientinnen mit ein, bei denen sowohl der Gebärmutterkörper (Corpus uteri) als auch der Gebärmutterhals (Cervix uteri) operativ entfernt wurden. 

Dieser umfassende Eingriff erfolgt häufig durch einen Bauchschnitt. Fachleute sprechen dann von einer totalen abdominalen Hysterektomie. Unter bestimmten Voraussetzungen ist diese Operation auch über die Scheide durchführbar, als sogenannte vaginale Hysterektomie.

Nach "Totaloperation": Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung in Ausnahmefällen doch sinnvoll

Es gibt laut DGGG aber auch Frauen, bei denen auch nach einer "Totaloperation" Kontrolluntersuchungen zumindest einige Zeit lang wichtig bleiben. Dies gilt vor allem dann, wenn der Eingriff erfolgte, um Gebärmutterhalskrebs oder Krebsvorstufen zu behandeln. Der wichtigste Test der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs, der Pap-Abstrich zur Gewinnung von Zellen, erfolgt dann am Scheidenstumpf. Ziel der Früherkennung ist es in dieser Situation, Gewebeveränderungen in der Scheide frühzeitig aufzuspüren. So lässt sich verhindern, dass Krebszellen, die ursprünglich aus der Schleimhaut des Gebärmutterhalses stammen, auf die Scheide übergehen. Sie könnten unter Umständen dort zu einem eigentlich sehr seltenen, bösartigen Tumor führen, dem sogenannten Vaginalkarzinom. Erst nach drei unauffälligen Ergebnissen der Abstrichuntersuchung wären laut Empfehlung der Fachleute dann keine weiteren Pap-Tests mehr notwendig.

Allerdings sollte im Rahmen der Nachsorge zusätzlich eine Infektion mit den sogenannten Humanen Papillomviren (HPV) anhand eines HPV-Tests ausgeschlossen worden sein, so die Empfehlung der Fachgesellschaft.

Die gleiche Empfehlung gilt auch für Patientinnen, bei denen zwar aus anderen Gründen eine Hysterektomie notwendig war, die aber früher schon einmal einen auffälligen Pap-Befund aufgewiesen hatten. Im Rahmen der Untersuchung kontrolliert der Arzt oder die Ärztin bei ihnen, ob sich auffällige Schleimhautveränderungen nun in der Scheide statt am entfernten Gebärmutterhals bilden.

Nach Teilentfernung der Gebärmutter: Vorsorge bleibt weiterhin wichtig

Darstellung Gebärmutterhals und Gebärmutter. © Ulrike Möhle, Wort & Bild Verlag
Darstellung der Gebärmutter: Der Gebärmutterhals ist der untere, schmale Teil der Gebärmutter. Er verbindet die Gebärmutter mit der Scheide. © Ulrike Möhle, Wort & Bild Verlag

Immer häufiger führen Ärzte heute nur eine Teilentfernung der Gebärmutter durch. Sie entnehmen nur den Gebärmutterkörper, während der Gebärmutterhals belassen wird. Der Eingriff erfolgt meist mittels  Laparoskopie, auch "Schlüssellochchirurgie" genannt:  Über kleine Schnitte in der Bauchdecke kann der Operateur Instrumente und eine Art Kamera  zur genauen Sicht einführen. Diese Operation nennen Mediziner laparoskopische suprazervikale Hysterektomie. Sie wird vor allem bei Patientinnen mit gutartigen Muskeltumoren durchgeführt, sogenannten Myomen. Da der Gebärmutterhals, die Zervix, weiterhin vorhanden ist, ändert sich für die Betreffenden nichts an den offiziellen Empfehlungen: Sie sollten weiterhin regelmäßig  zur Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung gehen.

Ihrer E-Mail-Anfrage ist nicht  zu entnehmen, welche Art von Hysterektomie bei Ihnen durchgeführt wurde, ob "Totaloperation" oder nur Teilentfernung der Gebärmutter. Da Sie angeben, aufgrund eines gutartigen Tumors operiert worden zu sein, wäre es durchaus möglich, dass bei Ihnen der Gebärmutterhals verschont wurde. Dann wäre es für Sie also wichtig, auf jeden Fall weiterhin regelmäßig zur Früherkennung zu gehen. Sollten Sie sich über den Umfang Ihrer Operation nicht sicher sein, fragen Sie ruhig nochmals bei Ihren behandelnden Ärzten nach. In einem Gespräch mit den Ärzten, die über den bei Ihnen durchgeführten Eingriff Bescheid wissen, lässt sich auch klären, wie Früherkennungsuntersuchungen bei Ihnen genau auf Ihre Situation angepasst werden können.

Gesetzliches Früherkennungsprogramm: Auch an andere Vorsorgemaßnahmen denken

In diesem Zusammenhang möchten wir Sie gerne noch auf Vorsorgemaßnahmen aufmerksam machen, die für Sie unabhängig von Ihrer Operation ebenfalls wichtig sein können:

Welche Angebote der Krebsvorsorge für Männer und Frauen jährlich zur Verfügung stehen, bestimmt die so genannte Krebsfrüherkennungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

Wie alle gesetzlich verankerten Früherkennungsmaßnahmen werden diese Untersuchungen von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Sollten Sie privat versichert sein, so gilt der mit Ihrer Krankenkasse abgeschlossene Vertrag.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit Hintergrundinformationen weiterhelfen konnten. Selbstverständlich stehen wir Ihnen für weitere Fragen auch am Telefon oder per E-Mail zur  Verfügung. Weitere Informationen finden Sie auf unseren Internetseiten unter dem Stichwort "Früherkennungsuntersuchungen: Ein Überblick". 



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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