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Aktuelles Thema im Februar 2009

Zu viel Alkohol ist nicht gesund, das wissen die meisten Menschen. Doch was heißt zu viel? Immerhin soll Rotwein ja auch gut für' s Herz sein, so ist es immer wieder in den Medien zu lesen. Krebsforscher weisen jedoch darauf hin, dass regelmäßiger Alkoholkonsum das Krebsrisiko steigert.

Anhand einer aktuellen Anfrage erläutert der Krebsinformationsdienst, welche Tumorarten durch Wein, Bier oder andere alkoholische Getränke gefördert werden, und zeigt auf, wo die Grenze zwischen Genuss und Gefahr überschritten wird.



Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Sie fragen danach, ob Alkoholkonsum das Risiko steigert, an Darmkrebs zu erkranken. Anlass ist für Sie die Sorge um Ihren Mann, der zwar vergleichsweise wenig, aber doch regelmäßig Wein trinkt. Gerne geben wir Ihnen einen Überblick über die heute bekannten Fakten zum Thema Alkohol und Krebsrisiko, und nennen Ihnen Internetseiten, auf denen Sie weitere Informationen finden.

Im Februar 2007 traf sich eine Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern, um das Tumorrisiko durch Alkohol zu bewerten. Sie wurden im Auftrag der Internationalen Krebsforschungsagentur (International Agency for Research on Cancer, IARC) tätig, einer der Weltgesundheitsbehörde (WHO) zugeordneten Einrichtung.
Zu diesem Zeitpunkt waren sich die meisten Fachleute bereits einig darüber, dass Alkohol nicht nur abhängig machen, das Risiko von Leberschäden fördern  und bei Schwangeren zu Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen des Kindes führen kann, sondern auch die Entstehung einer ganzen Reihe von Tumoren begünstigt.

Das IARC-Gremium kam nach Sichtung der vorhandenen Veröffentlichungen und Studien zu dem Schluss, dass Alkohol eindeutig krebserzeugend ist (in englischer Sprache: http://monographs.iarc.fr/ENG/Meetings/96-alcohol.pdf). Alkoholische Getränke steigern die Wahrscheinlichkeit, an Krebs der Mundhöhle und des Rachens oder Kehlkopfes zu erkranken, weiter  auch das Risiko für Speiseröhrentumoren, Leberkrebs und Brustkrebs.  Die Entstehung von Tumoren im Dick- oder Enddarm (Kolonkarzinom, Rektumkarzinom), nach denen Sie sich erkundigen, wird durch Alkoholkonsum ebenfalls gefördert. Es gibt weitere Tumorarten, für die der Zusammenhang bisher nicht eindeutig hergestellt werden kann, oder zu denen noch keine Daten vorliegen. Die IARC schloss 2007 lediglich einen Zusammenhang mit Nierenkrebs sowie Krebs des Lymphsystems sicher aus.

Mechanismus nicht vollständig geklärt

Noch ist nicht vollständig geklärt, warum Ethanol, so der wissenschaftliche Name des trinkbaren Alkohols, tumorfördernd wirkt. Mit einiger Wahrscheinlichkeit spielen Substanzen eine Rolle, die beim Abbau im Körper entstehen, zum Beispiel das so genannte Acetaldehyd. Alkohol scheint zudem die Empfindlichkeit gegenüber anderen Krebsgiften zu steigern. Als besonders gefährlich gilt die Kombination von Alkohol und Zigaretten. In vielen alkoholischen Getränken finden sich außerdem andere krebsfördernde Substanzen, wenn auch in geringen Mengen.
Eine Rolle spielt möglicherweise auch der Einfluss auf das Körpergewicht: Die meisten Menschen unterschätzen, wie viele zusätzliche Kalorien sie mit Bier, Wein, Sekt oder Schnäpsen zu sich nehmen. Übergewicht  gilt aber ebenfalls als Krebsrisikofaktor.

In einer aktuellen Veröffentlichung in der Fachzeitschrift "The Lancet Oncology" weisen französische Krebsforscher außerdem darauf hin, dass für manche Menschen Alkohol gefährlicher als für andere ist. Dies liegt unter anderem daran, dass ihr Stoffwechsel krebserregenden Zwischenprodukte vergleichsweise langsam abbaut. Diese besondere Empfindlichkeit ist angeboren. Sie hat auch nichts damit zu tun, ob man an Alkohol gewöhnt ist oder nur selten etwas trinkt (Druesne-Pecollo N et al., 2009).

Wie viel ist zu viel?

Schon lange vor der IARC-Einstufung alkoholischer Getränke als krebserzeugend riet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Männer sollten nicht mehr als 20 Gramm Alkohol pro Tag und Frauen nicht mehr als 10 Gramm pro Tag konsumieren. Zehn Gramm Alkohol entsprechen ungefähr einem Viertelliter Bier oder einem Achtelliter Wein.
Selbst diese Mengen sollten, so die DGE, möglichst nicht täglich getrunken werden. Sie warnt außerdem davor, die viel zitierte herzschützende Wirkung von Alkohol zu überschätzen - zur Vorbeugung von Herzinfarkten oder Schlaganfällen gezielt Alkohol zu trinken, sei nicht ratsam (www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=98).

Die genannten Grenzwerte finden sich auch in anderen Empfehlungen wieder, etwa denen des "World Cancer Research Fund", der im vergangenen Sommer einen umfassenden Report zur Krebsprävention vorgelegt hat, oder im Europäischen Kodex gegen den Krebs.



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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