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Thema des Monats Oktober: Schutzimpfungen für Krebspatienten - riskant oder notwendig?

Wie in jedem Herbst rufen die Gesundheitsbehörden zur Impfung gegen Influenza auf, die "echte" Grippe. Hinzu kommt in diesem Jahr die andauernde Diskussion um die sogenannte Schweinegrippe. Können sich Krebspatienten impfen lassen, sollten sie es sogar? Oder stellt eine Schutzimpfung für sie ein Risiko dar?

Anhand einer aktuellen E-Mail-Anfrage erläutert der Krebsinformationsdienst, warum die Angst vieler Patienten vor einer Impfung fast immer unberechtigt ist, und nennt Internetseiten mit Hintergrundinformationen zu aktuell empfohlenen Impfungen.



Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Sie erkundigen sich für Ihren an Hodenkrebs erkrankten Mann danach, ob eine empfohlene Grippeschutzimpfung nicht doch zu belastend ist. Gerne vermitteln wir Ihnen Hintergrundinformationen, die Ihrem Mann die Entscheidung vielleicht etwas einfacher machen. Das Gespräch mit den Ärzten, die Ihren Mann nach der Rehabilitation weiter betreuen, kann durch eine Auskunft des Krebsinformationsdienstes per E-Mail oder aus dem Internet jedoch nicht ersetzt werden: Ob Ihr Mann geimpft werden sollte, hängt nicht zuletzt von Faktoren ab, die nur die behandelnden Ärzte überblicken können.

So, wie Sie die Situation schildern, hat sich Ihr Mann aber anscheinend inzwischen so gut erholt, dass die Ärzte in der Reha-Klinik keinen medizinischen Hinderungsgrund für eine Schutzimpfung sahen. Zwar kann eine Chemotherapie sehr belastend sein und auch die Immunfunktion zeitweilig stark einschränken. Die meisten Patienten erholen sich jedoch vergleichsweise schnell, innerhalb von Wochen oder wenigen Monaten. Die Immunfunktion Ihres Mannes ist vermutlich während der Chemotherapie und noch in der Rehabilitation anhand von Blutuntersuchungen regelmäßig kontrolliert worden: Bestünden Auffälligkeiten oder eine besondere Infektionsgefährdung, wäre Ihnen dies mitgeteilt worden. Im Zweifelsfall sollte Ihr Mann sich noch einmal bei seinen Ärzten erkundigen, gerade, weil Ihre Familie zurzeit viel Kontakt zu anderen Menschen hat.

Schutz vor Ansteckung

Was lässt sich nach einer Krebstherapie tun, um den im Winter häufiger werdenden Infektionen vorzubeugen? Auch wenn Sie und Ihr Mann dies vielleicht im Bekanntenkreis gehört oder entsprechende Werbung gesehen haben: Eine pauschale "Immunstärkung", aufbauende Präparate oder gar ein "Entgiften" sind, anders als häufig behauptet wird, nach einer Chemotherapie nicht notwendig - viele dieser Produkte "stärken" nur den Geldbeutel der Anbieter. Mehr dazu lesen Sie hier.

Was Krebspatienten, deren Immunfunktion noch nicht vollständig wiederhergestellt ist, aber wirklich zum Schutz vor Infektionen tun können, wird häufig vernachlässigt: Hygiene im Haushalt und im Umgang mit anderen Menschen sowie gezielte Vorbeugung durch Schutzimpfungen.
Sie schildern, dass Ihre Familie zurzeit viel Besuch bekommt, was Ihrem Mann auch guttut. Durch diese Besucher wie auch Ihre Kinder, die vermutlich bald wieder in den Kindergarten gehen werden, bekommen Ihr Mann und Sie viel Kontakt zu Krankheitserregern - vom harmlosen Schnupfen bis hin zur "Grippe", der jahreszeitlichen (saisonalen) Influenza oder auch der neuen sogenannten Schweinegrippe.
Gerade für Menschen mit einer die Infektionsabwehr schwächenden Grunderkrankung oder einer zeitweilig eingeschränkten Immunfunktion kann eine Infektion aber weit gefährlicher werden als für Gesunde. Eine Impfung wird sowohl von Krebs-Experten wie auch von Infektionsspezialisten in einer solchen Situation deshalb ausdrücklich empfohlen.

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Schutzimpfung eine Krebserkrankung fördert oder verschlechtert. Die zur Verfügung stehenden Untersuchungsergebnisse belegen die gute Verträglichkeit der in Anwendung befindlichen Impfstoffe auch bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Die Angst vor einer durch den Impfstoff verursachten Infektion ist in der Regel unbegründet. Die meisten Vakzine enthalten heute keine lebenden Krankheitskeime mehr. Eine früher übliche pauschale Wartezeit von zwei Jahren nach einer Tumordiagnose ist deshalb unbegründet und nicht mehr üblich. Heute orientieren sich Ärzte bei Schutzimpfungen eher am Blutbild: Die Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen zeigt an, ob der Körper, zum Beispiel nach einer Chemotherapie, auf eine Impfung schon ausreichend mit der Bildung von schützenden Antikörpern reagieren kann. Besteht eine hohe Ansteckungsgefahr, sollten Krebspatienten auf jeden Fall so früh wie möglich geimpft werden.

Schließen die Ärzte bei einem Krebspatienten aufgrund seines Gesundheitszustandes eine Impfung jedoch ganz aus (was auf Ihren Mann aber zumindest nach Ihrer Beschreibung nicht zutrifft), so sollten sich zumindest seine Angehörigen und alle Menschen impfen lassen, die viel Kontakt mit ihm haben, um ihn vor einer Ansteckung zu schützen. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) weist zudem darauf hin, dass Erwachsene - auch Gesunde - einen ausreichenden Impfschutz auch vor häufigen Infektionserregern nicht vergessen sollten; dazu gehören zum Beispiel typische "Kinderkrankheiten".

Rücksprache mit den behandelnden Onkologen

Ob sich sein Immunsystem vollständig erholt hat, wie er mit dem Thema Grippeschutzimpfung umgehen sollte und wie es insgesamt um seinen Schutz vor Infektionen bestellt ist, sollte Ihr Mann auf jeden Fall beim zeitnah mit seinen Ärzten besprechen.



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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