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Gibt es "unverwundbare" Raucher?

Nicht jeder Raucher erkrankt an Lungenkrebs, manche scheinen trotz enorm hohen Tabakkonsums "unverwundbar". Dafür gibt es in manchen Familien Häufungen von Bronchialkarzinomen, die mit der tatsächlichen Belastung der Patienten durch Schadstoffe scheinbar wenig in Beziehung stehen. Britische Forscher haben nun aufgezeigt, dass dafür eine unterschiedliche "Gen-Ausstattung" verantwortlich sein könnte.
Eine angeborene unterschiedliche Empfindlichkeit gegenüber Karzinogenen ist schon länger bekannt. Verglichen mit dem Gesamtrisiko durch Tabakrauch tragen die bisher identifizierten Genvarianten jedoch nur zu vergleichsweise geringen Schwankungen der Krebsrate bei. Menschen, deren Gene sie tatsächlich "unverwundbar" und unempfindlich gegenüber Karzinogenen macht, wurden bisher nicht gefunden.
Die britischen Forscher um Richard Houlston konnten auf drei Chromosomen Erbanlagen nachweisen, die für die unterschiedliche Sensibilität verantwortlich sind; bei einem ließ sich bereits klären, dass es für die Neigung zu bestimmten Varianten von Lungenkrebs verantwortlich ist - entweder zu Adenokarzinomen oder Plattenepithelkarzinomen. Die Wissenschaftler hatten dazu Abweichungen der Gene von 1.900 Lungenkrebspatienten zum Erbmaterial 1.400 gesunder Menschen untersucht und die Befunde noch einmal an jeweils 2.000 Betroffenen und 2.000 Gesunden überprüft. Welche Mechanismen von den Genvarianten im Detail gesteuert werden, muss noch geklärt werden.

Noch keine Früherkennungsuntersuchungen

Wie hoch die Wahrscheinlichkeit für Lungenkrebs bei Menschen mit hohem Tabakkonsum tatsächlich ist, lässt sich in der Praxis noch nicht testen. Viele Raucher hoffen deshalb auf Früherkennungsuntersuchungen. Ein Verfahren, das sich bei Gesunden als Nachweis von Krebsvorstufen oder Frühformen eignen würde, ist allerdings bisher nicht bekannt. Die Hoffnung auf Methoden wie zum Beispiel regelmäßige Röntgen-Untersuchungen oder Spiral-Computertomographien wurden nach ersten Studien gedämpft: Zu ungenau sind die Ergebnisse, so eine im Sommer beim Jahrestreffen der Amerikanischen Gesellschaft für Klinische Onkologie (ASCO) vorgestellte Auswertung. Ob es nicht zumindest für Hochrisikogruppen einen Nutzen gibt, wird unter anderem im Deutschen Krebsforschungszentrum weiter untersucht.
Weitere Ansätze zur Frühdiagnose befinden sich noch in der Entwicklung. Leipziger Forscher um Hubert Wirtz haben beispielsweise eine Untersuchung mit insgesamt 74 Personen vorgestellt, bei denen krebstypische Eiweiße in der Atemluft gemessen wurden. Mit diesem Test ließen sich zwar bösartige Tumoren mit, so die Wissenschaftler, guter "Trennschärfe" von anderen Erkrankungen unterscheiden, besonders von chronischer Bronchitis. Bis zur Anwendung im Klinikalltag ist es jedoch noch immer ein weiter Weg: Im nächsten Schritt muss das Verfahren in größer angelegten Studien seine tatsächliche Genauigkeit beweisen. Und ob dann Früherkennungsuntersuchungen möglich wären, ist nicht sicher. Rauchern bleibt derzeit nur, mit dem Rauchen aufzuhören.



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