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Nahrungsergänzungsmittel: (K)eine Hilfe gegen Therapienebenwirkungen?

Viele Tumorpatienten sind durch die Erkrankung und die Nebenwirkungen einer Krebstherapie geschwächt. Um ihren Körper zu unterstützen, greifen manche zu so genannten Nahrungsergänzungsmitteln. Ein auf den ersten Blick naheliegender Gedanke - schließlich fällt es Betroffenen während und kurz nach einer anstrengenden Behandlung oft schwer, sich ausgewogen zu ernähren.
Beworben werden vor allem Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen oder Mineralstoffen und Spurenelementen. Andere enthalten Extrakte aus Pflanzen, etwa traditionelle Heilkräuter Europas, Asiens oder Amerikas. Weitere setzen auf Eiweiße und Aminosäuren als Eiweiß-Bausteine,  oder auf konzentrierte Auszüge aus Obst, Gemüse, Soja, Nüssen oder Getreide.

Kaufen kann man Nahrungsergänzungsmittel im Drogerie- oder Supermarkt und immer häufiger auch über das Internet. Andere Produkte werden ausschließlich über Apotheken angeboten - sie haben aber deshalb keineswegs den Stellenwert von Arzneimitteln:
In deutschen wie internationalen Empfehlungen zur modernen Krebstherapie spielen solche Präparate keine Rolle.

Warum Tumorpatienten beim Thema "Nahrungsergänzungsmittel" grundsätzlich Vorsicht walten lassen sollten, erläutert der Krebsinformationsdienst anhand einer aktuellen Anfrage.



Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Wie Sie uns geschildert haben, ist Ihre Frau nach der Behandlung ihrer Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs gesundheitlich noch eingeschränkt. Sie haben deshalb aus dem Freundeskreis die Empfehlung erhalten, Ihre Frau mit Vitaminen, Mineralstoffen und weiteren Produkten zu unterstützen.

Gerne vermitteln wir Ihnen Hintergrundinformationen zu Ihrer Fragestellung. Wir möchten Sie aber um Verständnis dafür bitten, dass eine individuelle Empfehlung per E-Mail oder über das Internet nicht möglich ist - ein ärztlicher Rat kann nur von den Medizinern kommen, die Ihre Frau behandeln und ihre Situation anhand der Befunde und des persönlichen Kontakts gut einschätzen können. Mehr über die Aufgaben und Vorgehensweise des Krebsinformationsdienstes lesen Sie im Text "Über uns".

Nahrungsergänzung - nicht geprüft, nicht erforscht

Sie haben eine ganze Reihe von Produkten aufgezählt, die Sie für Ihre Frau aus einem Katalog bestellen können. Der Krebsinformationsdienst geht aufgrund Ihrer Angaben davon aus, dass es sich dabei um so genannte Nahrungsergänzungsmittel handelt und keineswegs um "echte" Arzneimittel.
Man kann zwar inzwischen auch zugelassene und sogar rezeptpflichtige Medikamente über Versandapotheken bestellen. Dass Ihr Katalog Produkte aus der Schweiz auflistet und Sie die Produkte wohl selbst zahlen sollen, spricht jedoch eher dafür, dass es sich dabei möglicherweise nicht  um Arzneimittel gemäß dem deutschen Arzneimittelrecht oder der Arzneimittelgesetzgebung der EU handelt.

Rein rechtlich sind Nahrungsergänzungsmittel nichts anderes als Lebensmittel, sie unterscheiden sich von Obst, Gemüse, Milch oder anderen Produkten lediglich dadurch, dass sie einen oder mehrere Inhaltsstoffe in konzentrierter Form liefern, so das Bundesinstitut für Risikobewertung (www.bfr.bund.de). Hersteller und Händler müssen weder eine Wirkung nachweisen noch Studien zu möglichen Risiken durchführen. Vom Gesetz her ist es sogar ausdrücklich verboten, dass Nahrungsergänzungsmittel eine arzneiliche, pharmakologische Wirksamkeit haben.

Einen wichtigen Hinweis für die Unterscheidung zwischen echten Arzneimitteln und so genannten Nahrungsergänzungsmitteln bieten auch die Substanzen, die Sie aufzählen: Keine davon, weder Vitamin-Mineralstoff-Kombinationen noch Aloe noch die genannten Konzentrate, hat einen nachgewiesenen und allgemein anerkannten Stellenwert in der Krebsbehandlung und der Nachsorge von Krebspatienten. Sollten Betroffene tatsächlich an Vitaminmangel, unter Gewichtsverlust oder Verdauungsproblemen leiden, so benötigen sie eine auf sie zugeschnittene Ernährungsberatung, bei Bedarf eine vom Arzt zusammengestellte Unterstützung mit zugelassenen Produkten zur Ernährungstherapie ("Astronautenkost", mehr beim Thema "Ernährung bei und nach Krebs") oder geeignete Medikamente.

Nahrungsergänzungsmittel, die per Katalog oder aus dem Internet bestellt werden,  sind dagegen auf keinen Fall der richtige Weg, um Probleme mit der Nährstoffversorgung oder dem Gewicht zu beheben: Prüft man im Detail nach, was über den Nutzen oder mögliche Risiken solcher Produkte tatsächlich bekannt ist, bleibt von den werbenden Versprechungen der Anbieter oft nicht sehr viel übrig.

Dagegen passiert es nicht selten, dass die zuständigen Behörden verunreinigte oder anderweitig verfälschte Zubereitungen finden, vor allem unter den aus dem Ausland importierten Nahrungsergänzungsmitteln. Selbst rein pflanzliche Produkte müssen keineswegs harmlos sein, sondern können, wenn Produkte unsachgemäß hergestellt werden, zu erheblichen Nebenwirkungen führen. Auch für im medizinischen Sinn wirkungslose Präparate sind Risiken also nicht automatisch auszuschließen.

In folgenden Texten auf den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes können Sie sich zum Thema weiter informieren:


Was tun bei belastenden Therapiefolgen?

Für Ihre Frau bedeutet dies nun keineswegs, dass es gegen ihre Beschwerden keine Abhilfe gäbe. Wir müssen Sie allerdings auch hier um Verständnis dafür bitten, dass konkrete Ratschläge den behandelnden Ärzten vorbehalten bleiben müssen.

Wie Sie schreiben, ist bei Ihrer Frau eine "Reha" vorgesehen, also eine Onkologische Rehabilitation oder Anschlussrehabilitation. Diese Phase im Anschluss an die eigentliche Behandlung soll dazu dienen, genau die Probleme gemeinsam mit spezialisierten Ärzten und Rehabilitationsfachleuten anzugehen, die Ihre Frau im Moment belasten: Gewichtsverlust und Schwäche, die richtige Lebensmittelauswahl, und vor allem der Umgang mit Therapiefolgen und ihre Linderung im Alltag.
Was konkret bei ihr die Verdauungsprobleme verursacht, sollte ebenfalls am besten durch die Ärzte abgeklärt werden: Egal, ob sich der Darm von den Folgen der Chemotherapie oder Bestrahlung noch nicht erholt hat, oder ob die Einschränkungen beim Essen und Bewegungsmangel infolge der Schwäche Ihrer Frau verantwortlich sind
- auf eigene Faust und ohne Rücksprache mit dem Arzt sollte sie besser nichts unternehmen, um sich nicht zu schaden.

Auch nach dem Abschluss der Rehabilitationsphase bleibt ein enger Kontakt zu den Ärzten notwendig: Nur so lassen sich vorübergehende eher harmlose Beschwerden  von einer ernsthaften Funktionseinschränkung durch Erkrankung oder Behandlung abgrenzen.



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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