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Wieder gesund - trotzdem Depression?

Durch eine Krebserkrankung steigt die Anfälligkeit für psychische Probleme. Das gilt auch für Patienten, die die kritischen ersten fünf Jahre nach der Diagnosestellung überlebt haben und mit einer Heilung rechnen können. Nach dieser Zeitspanne besteht noch ein gesteigertes Risiko für eine Reihe psychischer Erkrankungen. Zudem brauchen diese Patienten häufiger professionelle Hilfe bei der Bewältigung psychischer Probleme als Menschen, die nie mit einer Krebserkrankung konfrontiert waren. Das zeigt eine neue Untersuchung aus den USA.

Die Forscher um Karen E. Hoffman aus Boston werteten Daten aus, die US-Behörden von 2002 bis 2006 für eine jährliche Gesundheitsumfrage erhoben hatten. In persönlichen Interviews gaben die Befragten Auskunft über ihr seelisches Wohlbefinden und ihre bisherigen Erkrankungen. So flossen auch Angaben von mehr als 4.500 Krebspatienten in die Untersuchung ein, deren Diagnosestellung länger zurücklag. Als Vergleichsgröße dienten die Daten von gut 120.000 Menschen, die nie Krebs hatten. Bei allen erfassten die Untersucher anhand einer genormten Skala Anzeichen ernsthafter psychischer Probleme, wie etwa Depression, generalisierte Angststörung oder Schizophrenie, die zu einer deutlichen Beeinträchtigung des alltäglichen Lebens führten. Auch wurden die Studienteilnehmer befragt, ob sie innerhalb des letzten Jahres die Hilfe von Ärzten oder Psychotherapeuten wegen ihrer Probleme in Anspruch genommen hatten.
Unter den Krebspatienten zeigten 259 deutliche Anzeichen für eine starke psychische Belastung. Das entspricht einem Anteil von 5,6 Prozent aller Betroffenen. Bei den Befragten, die noch nie an Krebs erkrankt waren, lag dieser Anteil bei nur drei Prozent. Ernsthafte psychische Probleme als Folge der großen Belastung einer Krebserkrankung sind demnach nicht die Regel. Sie treten jedoch bei Krebspatienten häufiger auf als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Die Wissenschaftler um Hoffmann kamen nach der Auswertung weiterer Daten zu dem Schluss, dass bestimmte Faktoren - im Zusammenspiel mit der Krebserkrankung - die Wahrscheinlichkeit von psychischen Problemen erhöhen. Offenbar waren junge, unverheiratete Menschen mit geringer Schulbildung besonders betroffen. Weitere Risikofaktoren, die langfristige Probleme wahrscheinlicher machten, waren das Fehlen einer Krankenversicherung, weitere Krankheiten und generelle Probleme, den Alltag zu bewältigen.

Trend bestätigt

Die Aussagekraft der Untersuchung ist jedoch in einigen Punkten eingeschränkt: So beruhen alle Angaben auf Selbstauskünften der Befragten. Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass sie zwar nur Krebspatienten erfassten, deren Diagnosestellung mehrere Jahre zurücklag. Sie konnten jedoch nicht sicher angeben, ob die Krebspatienten tatsächlich geheilt waren oder noch unter körperlichen Folgen der Erkrankung litten. Nur für eine Untergruppe und nicht für alle Befragten war auszuschließen, dass in den letzten sechs Monaten keine ärztliche Behandlung wegen eines Krebsrückfalls stattgefunden hatte. Die landesweite Befragung hatte zudem von vornherein keine Patienten erfasst, die wegen einer Erkrankung - ob Krebs oder eine psychische Erkrankung - stationär im Krankenhaus behandelt wurden.

Inwiefern die Ergebnisse auf Deutschland übertragbar sind, ist nicht vollständig zu beurteilen. So gibt es in Deutschland - anders als in den USA - kaum Menschen, die nicht krankenversichert sind. Auch die sozialen Schutzmechanismen für erkrankte Arbeitnehmer vor Arbeitsplatzverlust und Verarmung funktionieren in Deutschland anders als in den USA, weshalb die Aussagen dieser Untersuchung nicht Eins-zu-Eins auf hiesige Verhältnisse übertragen werden können. Sie bestätigen im Trend aber die bisherigen Erkenntnisse zum Thema. So gehen Experten davon aus, dass etwa ein Drittel aller Krebspatienten im Verlauf der Erkrankung eine psychoonkologische Betreuung benötigt (Quelle: Arbeitsgemeinschaft Psychoonkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V., www.pso-ag.de/menue_forschung5.htm).



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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