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Aktuelles Thema im Januar 2009: Keine Angst vor "Arztlatein"!

Was verbirgt sich hinter den Abkürzungen im Arztbrief? Welche Bedeutung haben Angaben im so genannten TNM-System? Für Betroffene können die Angaben verwirrend wirken. Doch wie lassen sich aus diesem Codesystem Informationen über den Tumor und seine Ausbreitung erhalten?

Anhand einer aktuellen Anfrage einer Brustkrebspatientin zeigt der Krebsinformationsdienst, welche Fachbegriffe für welchen Befund stehen. So können Patienten, ihre Angehörigen und Freunde sowie allgemein am Thema interessierte einen Überblick über die Tumorklassifikation erhalten.



Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Sie schildern Ihre Brustkrebsdiagnose und Ihre Fragen zu medizinischen Angaben in Ihrem Arztbrief, die wir Ihnen gerne erklären. Bei Bedarf stehen wir Ihnen selbstverständlich auch mit weiteren Hintergrundinformationen zur Verfügung.

Auskünfte per E-Mail oder aus dem Internet ersetzen allerdings nicht das anstehende Arztgespräch : Was Ihre individuellen Befunde für Ihre Situation bedeuten und welche Konsequenzen sich daraus für  Ihre weitere Behandlung ergeben, können Ihre behandelnden Ärzte am besten erklären.
Außer den von Ihnen genannten Angaben spielen für die Therapieplanung beim Mammakarzinom (Brustkrebs) nämlich noch weitere, in Ihrer E-Mail nicht erwähnte Punkte eine Rolle. Dazu gehören zum Beispiel Ihr Alter, die Angabe, ob Sie noch Ihre Regelblutung haben oder bereits in den Wechseljahren sind, Fragen nach Vorerkrankungen oder Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand.
Erst wenn man alle diese Punkte berücksichtigt, lässt sich abschätzen, ob Ihre Behandlung mit der Operation abgeschlossen ist oder ob es sinnvoll wäre, sie mit einer Bestrahlung, einer Antihormontherapie und/oder einer Chemotherapie oder weiteren Medikamenten fortzusetzen.



"BET"

ist eine Abkürzung und steht für die "brusterhaltende Therapie":  Aus großen Studien weiß man, dass es bei der überwiegenden Zahl der Patientinnen nicht notwendig ist, die erkrankte Brust zu amputieren (Mastektomie). Meist reicht es aus, nur den Tumor zu entfernen, gesundes Gewebe kann bei diesem Vorgehen erhalten werden. In Untersuchungen zum Vergleich der Sicherheit der früher üblichen Mastektomie und der BET zeigte sich jedoch auch, dass es von Vorteil ist , das erhaltene Brustgewebe nach einer BET zu bestrahlen. Damit lässt sich die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls in der Brust und auch an der Brustwand senken (mehr dazu hier). Dieses Vorgehen ist deshalb nach einer  BET üblich.

"Nodalstatus"

beschreibt den Zustand der Lymphknoten im Lymphabflussgebiet der Brust. Ein  negativer  Nodalstatus wie bei Ihnen bedeutet, dass in den entnommenen Lymphknoten kein Tumorbefall nachweisbar war. Das lateinische Wort "Nodus" oder abgekürzt "N" steht für Lymphknoten. Anhand des Nodalstatus können Mediziner Ihr Rückfallrisiko abschätzen: Je mehr Lymphknoten bereits von wandernden Krebszellen erreicht wurden, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich langfristig auch in anderen Körperregionen Tochtergeschwülste entwickeln könnten, so genannte Metastasen. Der Umfang einer möglichen Ausbreitung über die Lymphknoten wird meist noch detaillierter angegeben, zum Beispiel mit der Zahl der insgesamt entfernten und der Zahl der davon befallenen Lymphknoten.

Der Lymphknotenstatus gilt nicht nur bei Brustkrebs, sondern auch bei vielen weiteren Tumorarten als wichtige Angabe zum Befund.  Er fließt auch ein in die

TNM-Angabe

Zum Weiterlesen

Das so genannte TNM-System ist eine international verwendete Klassifikation, die nicht nur für Brustkrebs, sondern auch für andere Tumorarten genutzt wird (mehr dazu hier).
Das "T" steht für Tumor, die begleitende Zahl definiert die Tumorgröße. "N" und eine weitere Zahl stehen wie bereits erläutert für Nodus und die Ausbreitung bei Lymphknotenbefall, "M" gibt an, ob Metastasen in anderen Körperregionen gefunden wurden.
Steht wie bei Ihnen vor der Angabe noch ein kleines "p", bedeutet dies, dass die TNM-Angaben nicht nur anhand von Untersuchungen vor einer Operation abgeschätzt werden, sondern postoperativ vom Pathologen bereits bestätigt, also durch die Aufarbeitung des entnommenen Gewebes nach dem Eingriff gesichert sind. Bei Frauen, die vor der Brustkrebsoperation eine Chemotherapie erhalten haben, kann auch ein "y" vorangestellt werden - dieser Buchstabe gibt an, dass der Tumor vor dem Eingriff bereits mit Zellgiften verkleinert wurde.
Die Einstufung Ihres Tumors als T2 bedeutet nach dieser Klassifikation, dass der Durchmesser des Tumors an der breitesten Stelle zwischen zwei und fünf Zentimetern lag; vermutlich findet sich in Ihrem Arztbrief noch eine genauere Größenangabe. Ihr Befund  N0 (N Null) und M0 (M Null) sagt weiter aus, das keiner der bei Ihnen entfernten Lymphkonten vom Krebs befallen war und auch keine Metastasen gefunden wurden.

"ER+, PgR+"

Zum Weiterlesen

geben an, ob das Tumorgewebe hormonabhängig ist oder nicht. Dabei steht "ER" für so genannte Östrogenrezeptoren auf den Tumorzellen (englisch "estrogen", daher die Abkürzung E) und PgR für Progesteronrezeptoren. Das Pluszeichen (+) sagt aus, dass beide Rezeptortypen auf den Tumorzellen vorhanden waren.
Dieser Befund bedeutet, dass bei Ihnen eine antihormonelle Therapie mit Medikamenten das Rückfallrisiko weiter senken könnte: Bitte sprechen Sie mit Ihren Ärzten darüber, wie groß der Nutzen einer solchen medikamentösen Therapie - unter Berücksichtigung Ihrer anderen Befunde - bei Ihnen ausfallen könnte.

"HER-2 Score IHC 1+"

Zum Weiterlesen

steht für das Ergebnis eines relativ neuen Tests: Dabei wird geprüft, ob das Tumorgewebe ein bestimmtes Eiweiß aufweist und, wenn ja, wie viel davon. HER-2 ist das gesuchte Eiweiß bzw. Protein, IHC gibt die Testmethode an.
Dahinter steht die Beobachtung, dass Tumoren mit großen Mengen dieses HER-2-Proteins aggressiver wachsen als andere. Ursache ist eine geringfügige Veränderung des Erbmaterials von Tumorzellen, die sich mit molekularbiologischen Methoden ebenfalls nachweisen lässt.
Frauen, deren Tumor dieses Merkmal besonders ausgeprägt aufweist (bei dreifach positivem Wert, 3+) profitieren von einer Behandlung mit Trastuzumab, einem Antikörper gegen HER-2: Er hindert Krebszellen am weiteren Wachstum.
Bei Ihnen ist der Nachweis, der "Score", nur schwach positiv (1+ statt 3+). Dies deutet auf ein weniger aggressives Wachstum des Gewebes hin. Eine Behandlung mit dem Antikörper Trastuzumab, Markenname "Herceptin R", ist in Ihrem Fall vermutlich nicht angezeigt.
Welche Rolle dieser und ähnliche Tests heute spielen, lesen Sie in einem allgemeinen Überblick zur Molekularbiologie in der Krebsmedizin.

Weitere Befunde

In vielen Arztbriefen findet man noch weitere Abkürzungen, hier einige Beispiele:

- G für Grading:
Diese Angabe liefert Hinweise auf die biologischen Eigenschaften und die Aggressivität des Tumorgewebes. Wie sehr sich die Zellen von gesundem Gewebe unterscheiden und wie ausgereift oder "differenziert" sind,  wird durch das Grading (G) beschrieben. Üblicherweise steht G1 für gut differenziert (ähnlich normalem Gewebe) bis G3/4 für wenig oder undifferenziert (starke Abweichung von normalem Gewebe).

- R für R-Klassifizierung:
Diese Abkürzung steht für das Fehlen oder Vorhandensein von Residualtumor (Resttumor) nach der Behandlung. Dabei gilt: R0 = kein Resttumor, alles erkennbare Tumorgewebe konnte entfernt werden, R1 oder R2 = ein kleiner bzw. größerer Resttumor konnte nicht entfernt oder zerstört werden.

Zum Weiterlesen

Einen Überblick über wichtige Diagnoseverfahren und die zu erwartenden Befunde bei einer Krebserkrankung liefern die Texte der Rubrik "Untersuchung".
Zur Vorbereitung auf ein Arztgespräch ist das Informationsblatt "Behandlungswahl: Was muss ich wissen?" gedacht. Sie finden es zum Laden und Ausdrucken auf unseren Internetseiten in der Rubrik "Wegweiser".

Gerne steht Ihnen der Krebsinformationsdienst bei weiteren Fragen zu Befunden sowie zu allen anderen Krebsthemen zur Verfügung:

- per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de oder
- am Telefon, täglich von 8 bis 20 Uhr unter der Telefonnummer 0800 - 420 30 40. Anrufe sind kostenlos.

Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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