Therapeutischer Ultraschall
Krebstherapie mit Schallwellen
Die Behandlung mit Schallwellen ist ein vergleichsweise neues Konzept in der Krebsmedizin. Ultraschall wird bisher vor allem zur Krebsuntersuchung genutzt. Doch die intensiven Strahlen lassen sich auch zur Behandlung nutzen. Bisher gibt es allerdings noch keine Anwendungen, die wirklich das Stadium der Forschung verlassen haben und zur Routine in der Krebsmedizin gehören. Was sich hinter Abkürzungen wie HIFU oder Begriffen wie Fokussierung verbirgt, erläutert der folgende Text.
Er richtet sich an Interessierte sowie an Krebspatienten, denen die Behandlung mit entsprechenden Verfahren angeboten wurde. Was im Einzelnen für einen Krebspatienten sinnvoll ist, ob therapeutischer Ultraschall möglich ist oder andere Verfahren bessere Chancen bieten, können allerdings nur die behandelnden Ärzte beantworten: Ein solches Gespräch lässt sich durch Informationen aus dem Internet nicht ersetzen.
Letzte Aktualisierung: 27.05.2010
Inhaltsübersicht
Als Quellen hat der Krebsinformationsdienst aktuelle Leitlinien zur Tumordiagnostik und Tumornachsorge herangezogen, wie sie von Fachgesellschaften als Rahmen für das ärztliche Handeln herausgegeben werden (mehr unter www.leitlinien.net oder www.leitlinienprogramm-onkologie.de). Weiter genutzt wurden Datenbanken, die einen Überblick über aktuelle Studien zu therapeutischem Ultraschall bieten.
Was ist therapeutischer Ultraschall?
Ultraschallwellen sind Schallwellen oberhalb der menschlichen Hörschwelle. In der Krebsmedizin werden sie nicht nur zur Bilderzeugung (diagnostischer Ultraschall) benutzt, sondern auch, um bestimmte Tumoren, wie zum Beispiel Prostatakrebs zu behandeln. Die Schallwellen beim therapeutischen Ultraschall sind viel intensiver als die beim diagnostischen Ultraschall. Sie werden gezielt auf die Tumorzellen gerichtet. Dadurch werden die Zellen stark erhitzt und schließlich zerstört. Das umliegende Gewebe bleibt weitgehend verschont.
Diese Therapiemöglichkeiten gehören derzeit allerdings noch nicht zu den Standardverfahren. Am bekanntesten sind Anwendungen von hochintensivem fokussiertem Ultraschall (HIFU).
Was bedeutet HIFU?
Die Abkürzung HIFU steht für "hochintensiver fokussierter Ultraschall". Das heißt, energiereiche Ultraschallwellen werden durch eine Art Hohlspiegel gebündelt (fokussiert) auf einen Punkt gelenkt. Dadurch entsteht Hitze, mit der Tumorzellen in einem genau bestimmten Bereich eingeschmolzen werden können. Da sich das Gewebe nur im Brennpunkt ausreichend stark erhitzt, werden gesunde Zellen in der Umgebung geschont.
Was bewirkt HIFU im Gewebe?
Der hochintensive Ultraschall wirkt thermisch und mechanisch auf das Gewebe ein und führt so zur Zerstörung der Zellen. Entscheidend ist insbesondere die thermische Wirkung: Die Ultraschallwellen werden vom Gewebe aufgenommen. Durch die aufgenommene Energie erhitzen sich die Zellen auf 70 bis etwa 100 Grad Celsius. Bei hohen Temperaturen gerinnt das Zelleiweiß, die Zellen werden dadurch funktionsunfähig. Der Körper baut die zerstörten Zellen innerhalb kurzer Zeit ab. Außerhalb des Zielbereichs erwärmt sich das Gewebe nur wenig und bleibt so verschont. Um ein größeres Tumorvolumen zu zerstören, wird der Brennpunkt immer wieder neu gewählt.
Wann setzt man Ultraschall zur Behandlung von Krebspatienten ein?
Derzeit wird der hochintensive fokussierte Ultraschall meist nur zur Behandlung des Prostatakarzinoms eingesetzt. In frühen klinischen Studien wird derzeit erforscht, ob sich HIFU auch zur Behandlung anderer Tumoren eignet, zum Beispiel von Nierenkrebs, Leber- und Pankreaskarzinomen, Schilddrüsen- und Hirntumoren.
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