
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de
Die meisten Krebserkrankungen der Niere sind so genannte Nierenzellkarzinome oder Hypernephrome. Auch die Begriffe Nierenkarzinom oder Adenokarzinom der Niere werden verwendet.
Tumoren der Harnleiter oder des Nierenbeckens sind seltener; auch unterscheiden sie sich in ihrem Verhalten und werden anders behandelt als der eigentliche Nierenkrebs - Fachleute orientieren sich dabei eher an den Vorgaben für Blasenkrebserkrankungen.
In den Krebsregistern werden die Erkrankungen der Niere, der Harnleiter und des Nierenbeckens gemeinsam erfasst: Etwa 6.440 Frauen und etwa 10.050 Männer erkranken pro Jahr an diesen Tumorformen, so die Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister (www.gekid.de, "Krebs in Deutschland").
Junge Menschen sind sehr selten von Nierenkrebs betroffen: Frauen sind bei der Diagnose im Mittel etwa 71 Jahre, Männer 67 Jahre alt. Eine gesicherte Möglichkeit, diese Tumorform früh zu erkennen und damit eine „Krebsvorsorge“-Untersuchung anbieten zu können, gibt es bis heute nicht. Da der eigentliche Nierenkrebs oft lange keine Beschwerden macht, wird die Erkrankung nicht selten zufällig im Rahmen anderer Untersuchungen entdeckt.
Als Risikofaktoren gelten chronische Niereninsuffizienz, also eine dauerhafte Nierenschädigung unabhängig von der Ursache, und Bluthochdruck, vor allem in Verbindung mit Übergewicht. Tabak, insbesondere Zigaretten steigern das Risiko. Es gibt außerdem einige chemische Substanzen wie auch Arzneimittel, die zu einer Nierenschädigung und damit auch zu einem Nierenkarzinom beitragen können. Einige wenige Patienten erkranken an Nierenkrebs, weil sie vererbbare Risikogene tragen.
Die Operation spielt eine wichtige Rolle in der Behandlung des Nierenzellkarzinoms. Kann der Tumor vollständig entfernt werden, ist eine Heilung möglich. Noch vor wenigen Jahren wurde bei den meisten Patienten die betroffene Niere entfernt. Heute weiß man, dass sich das betroffene Organ unter Umständen erhalten lässt, ohne dass deshalb die Krebserkrankung ungünstiger verläuft. Hinzu kommt die chirurgische Entfernung von Lymphknoten, weil sich Tumorzellen über die Lymphbahnen im Körper verbreiten können.
Selbst wenn die Erkrankung fortgeschritten ist, haben viele Betroffene Vorteile davon, wenn der Tumor zumindest verkleinert werden kann, oder wenn Metastasen durch Operation entfernt werden. Eine Heilung ist zwar nicht möglich, je nach Situation kann eventuell aber eine Lebensverlängerung erreicht werden. Dagegen muss allerdings das Risiko eines Eingriffs abgewogen werden.
Je nach individueller Situation können Patienten heute mit Medikamenten behandelt werden, die zum Beispiel das Einwachsen von Blutgefäßen in den Tumor bremsen, sogenannte Angiogenesehemmer. Andere Medikamente blockieren Wachstumssignale in den Tumorzellen, sie hemmen wichtige Enzyme, die sogenannten Tyrosinkinasen. Außerdem wurden Antikörper entwickelt, die sich gegen bestimmte Merkmale der Tumorzellen richten. Diese und weitere Arzneimittel gehören zu den sogenannten zielgerichteten Therapien. Andere neue Verfahren werden im Rahmen klinischer Studien geprüft.
Die Immuntherapie hat schon länger einen Stellenwert bei der Behandlung von Nierenkrebs, zum Beispiel mit Botenstoffen des Immunsystems, den Zytokinen. Diese Behandlung kommt vor allem bei einer fortgeschrittenen Erkrankung infrage. Eine Bestrahlung ist bei Metastasen zur Linderung krankheitsbedingter Beschwerden wichtig, vor allem, wenn eine Operation nicht möglich ist. Sie richtet sich vor allem gegen Metastasen in Knochen oder Gehirn. Nur einen geringen Stellenwert bei der Behandlung des Nierenzellkarzinoms hat die Chemotherapie.
Wir beantworten Ihre Fragen: Aktuelle Hintergrundinformationen zu den Krebserkrankungen der Niere stellt der Krebsinformationsdienst KID am Telefon und per E-Mail zur Verfügung.
Broschüren anderer Institutionen zum Thema Nierenkrebs, die innerhalb Deutschland kostenlos erhältlich sind, hat KID hier zusammengestellt.
Nur an Fachleute richtet sich eine Leitlinie, die 2002 im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Urologie erstellt wurde (online unter www.leitlinien.net).
Nicht zu verwechseln mit dem Nierenzellkarzinom bei Erwachsenen ist das Nephroblastom bei Kindern, der so genannte Wilms-Tumor. Ausführliche Informationen für die Eltern und Familienangehörigen betroffener Kinder bietet das Kompetenznetz pädiatrische und hämatologische Onkologie unter www.kinderkrebsinfo.de/e9031/e10591/e77090/e64030/index_ger.html.