Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Knochenmetastasen: Abwanderung von Krebszellen in die Knochen

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Bösartige Zellen solider Tumoren können unter Umständen anatomische Grenzen überschreiten, sie wachsen "invasiv" in das umgebende Gewebe ein oder bilden Tochtergeschwülste, die Metastasen. Metastasierung ist ein spezielles Phänomen bei Krebs: Es bedeutet, dass Tumorzellen sich aus ihrem Zellverband lösen und auf die Wanderschaft gehen. Sie dringen in die Blut- oder Lymphbahnen ein, werden mit dem Blut- oder Lymphstrom weitertransportiert und dringen von dort in andere Körpergewebe ein, wo sie sich ansiedeln, teilen und eventuell Tochtergeschwülste (Metastasen) des ursprünglichen Tumors bilden können. Siedeln sich die Metastasen in Knochengewebe an, spricht man von Knochenmetastasen.

Wie bilden sich Knochenmetastasen?

Metastasen bösartiger Tumoren siedeln sich relativ häufig in Knochen an (Knochenmetastasen). Besonders Brust- und Prostatakrebs, aber auch Tumoren der Lunge, Niere und Schilddrüse sowie Lymphome können Knochenmetastasen bilden. Sie entstehen aus Tumorzellen, die meist über den Blutkreislauf im Körper gestreut wurden und sich dann im Knochenmark angesiedelt haben. Erst durch das Metastasenwachstum im Knochenmark wird auch die umgebende Knochensubstanz angegriffen. Dies geschieht einerseits durch Druckschädigung; andererseits geben die Tumorzellen Substanzen ab, die im Tumorbereich das natürliche Gleichgewicht zwischen Knochenaufbau und -abbau verändern und so die Knochensubstanz zerstören. Meist lösen die Metastasen einen Knochenabbau aus, doch es gibt auch knochenaufbauende Metastasen.

Welche Folgen haben Knochenmetastasen?

Knochenmetastasen verursachen den Patienten oft erhebliche Beschwerden. Durch das Metastasenwachstum wird die Knochenhaut gedehnt und/oder schmerzauslösende Substanzen werden ausgeschüttet. Durch die Zerstörung der Knochensubstanz (Osteolyse) treten oft ohne stärkere Krafteinwirkung kleinste oder später auch größere Brüche auf. Bei Befall der Wirbelsäule besteht die Gefahr, dass durch den Zusammenbruch von Wirbelkörpern Nerven oder das Rückenmark selbst gequetscht werden, was zu Lähmungserscheinungen sowie Empfindungsstörungen führen kann.

Welche Folgen hat der Abbau von Knochensubstanz?

Wenn im Bereich der Metastasen Knochensubstanz abgebaut wird, so können größere Mengen Kalzium freiwerden. Eine über längere Zeit erhöhte Kalziummenge im Blut (Hyperkalzämie) kann Kalkablagerungen in verschiedenen Organen hervorrufen, unter anderem in der Niere oder der Hornhaut des Auges. Die Wirkung des Kalziums kann die Patienten auch akut in Gefahr bringen. Es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen, zu Bauchspeicheldrüsenentzündungen und anderen Störungen im Verdauungstrakt. Psychosen und Komazustände können auftreten. Aus diesen Gründen muss ein erhöhter Blutkalziumspiegel immer behandelt werden, hierfür stehen wirksame Medikamente zur Verfügung.

Was kann man gegen Knochenmetastasen und Schmerzen tun?

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In seltenen Fällen tritt nur eine einzige Knochenmetastase auf. Einzelne Herde können mit einer räumlich begrenzten Bestrahlung behandelt werden. Wenn mehrere Knochen von zahlreichen Metastasen befallen sind, sollte eine Behandlung das gesamte Knochengerüst erfassen. Möglich ist eine Behandlung mit Chemo- oder Hormontherapie. Eine Hormontherapie hat sich in erster Linie bei Tumoren wie Brust- und Prostatakrebs als wirkungsvoll erwiesen.

Lassen sich die Schmerzen mit den üblichen Methoden nicht lindern, können die Knochenmetastasen auch gezielt von innen bestrahlt werden. Bei dieser Behandlung werden den Patienten radioaktive Substanzen wie beispielsweise Strontium 89 über die Blutbahn verabreicht. Diese so genannten Radiopharmaka ähneln in ihrer Struktur Kalzium, das ein Bestandteil der Knochensubstanz ist. Sie reichern sich daher in Körperregionen an, in denen Knochensubstanz ab- oder umgebaut wird, wie dies auch in unmittelbarer Umgebung der Knochenmetastasen der Fall ist.

Oft gefährden Knochenmetastasen die Stabilität von Armen, Beinen oder der Wirbelsäule. In diesen Fällen oder wenn schon ein Bruch aufgetreten ist, kann eine Operation zur Stabilisierung der befallenen Region helfen. Dabei werden häufig verstärkende Metallteile oder auch Gelenkprothesen eingesetzt.

Die Knochenschmerzen können außerdem mit einer an den Symptomen orientierten Schmerztherapie behandelt werden. Dabei wird das Tumorwachstum nicht beeinflusst. So können zum Beispiel Schmerzmedikamente die Ausschüttung schmerzauslösender Stoffe blockieren oder die Schmerzfortleitung und -wahrnehmung vermindern.

Wie funktioniert die Behandlung mit Diphosphonaten?

Um den unterschiedlichen Folgen der Knochenmetastasierung begegnen zu können, nämlich den Schmerzen, der Bruchgefahr und der Hyperkalzämie, sind oft mehrere Maßnahmen gleichzeitig nötig. Seit einigen Jahren steht eine Gruppe von Medikamenten zur Verfügung, die Wirkungen in allen drei Bereichen zeigt. Es handelt sich um Diphosphonate oder auch Bisphosphonate (Abkömmlinge einer phosphorhaltigen Säure).

Seit Anfang der achtziger Jahre wurden mehrere Variationen dieser Substanzen entwickelt, die zunächst in der Behandlung eines akut erhöhten Blutkalziumspiegels angewendet wurden. Diphosphonate binden oberflächlich an die Mineralsubstanz des Knochens (Kalziumphosphat). Die von den Metastasen zur Aktivität angeregten knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) werden dadurch in ihrer Aktivität gehemmt und die Knochenauflösung gebremst. Gleichzeitig werden erhöhte Blutkalziumspiegel gesenkt, und die Ablagerung von Kalziumphosphat in Weichteilen, Nieren und Arterien wird vermindert. In klinischen Studien zeigte sich auch, dass unter der Therapie mit Diphosphonaten die Knochenschmerzen nachlassen. Möglicherweise kann bei Brustkrebs auch die Neubildung von Metastasen vermindert werden.



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 05.11.2001