
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deBösartige Zellen solider Tumoren können unter Umständen anatomische Grenzen überschreiten, sie wachsen "invasiv" in das umgebende Gewebe ein oder bilden Tochtergeschwülste, die Metastasen. Metastasierung ist ein spezielles Phänomen bei Krebs: Es bedeutet, dass Tumorzellen sich aus ihrem Zellverband lösen und auf die Wanderschaft gehen. Sie dringen in die Blut- oder Lymphbahnen ein, werden mit dem Blut- oder Lymphstrom weitertransportiert und dringen von dort in andere Körpergewebe ein, wo sie sich ansiedeln, teilen und eventuell Tochtergeschwülste (Metastasen) des ursprünglichen Tumors bilden können. Siedeln sich die Metastasen in Knochengewebe an, spricht man von Knochenmetastasen.
Metastasen bösartiger Tumoren siedeln sich relativ häufig in Knochen an (Knochenmetastasen). Besonders Brust- und Prostatakrebs, aber auch Tumoren der Lunge, Niere und Schilddrüse sowie Lymphome können Knochenmetastasen bilden. Sie entstehen aus Tumorzellen, die meist über den Blutkreislauf im Körper gestreut wurden und sich dann im Knochenmark angesiedelt haben. Erst durch das Metastasenwachstum im Knochenmark wird auch die umgebende Knochensubstanz angegriffen. Dies geschieht einerseits durch Druckschädigung; andererseits geben die Tumorzellen Substanzen ab, die im Tumorbereich das natürliche Gleichgewicht zwischen Knochenaufbau und -abbau verändern und so die Knochensubstanz zerstören. Meist lösen die Metastasen einen Knochenabbau aus, doch es gibt auch knochenaufbauende Metastasen.
Knochenmetastasen verursachen den Patienten oft erhebliche Beschwerden. Durch das Metastasenwachstum wird die Knochenhaut gedehnt und/oder schmerzauslösende Substanzen werden ausgeschüttet. Durch die Zerstörung der Knochensubstanz (Osteolyse) treten oft ohne stärkere Krafteinwirkung kleinste oder später auch größere Brüche auf. Bei Befall der Wirbelsäule besteht die Gefahr, dass durch den Zusammenbruch von Wirbelkörpern Nerven oder das Rückenmark selbst gequetscht werden, was zu Lähmungserscheinungen sowie Empfindungsstörungen führen kann.
Wenn im Bereich der Metastasen Knochensubstanz abgebaut wird, so können größere Mengen Kalzium freiwerden. Eine über längere Zeit erhöhte Kalziummenge im Blut (Hyperkalzämie) kann Kalkablagerungen in verschiedenen Organen hervorrufen, unter anderem in der Niere oder der Hornhaut des Auges. Die Wirkung des Kalziums kann die Patienten auch akut in Gefahr bringen. Es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen, zu Bauchspeicheldrüsenentzündungen und anderen Störungen im Verdauungstrakt. Psychosen und Komazustände können auftreten. Aus diesen Gründen muss ein erhöhter Blutkalziumspiegel immer behandelt werden, hierfür stehen wirksame Medikamente zur Verfügung.
Um den unterschiedlichen Folgen der Knochenmetastasierung begegnen zu
können, nämlich den Schmerzen, der Bruchgefahr und der Hyperkalzämie,
sind oft mehrere Maßnahmen gleichzeitig nötig. Seit einigen Jahren
steht eine Gruppe von Medikamenten zur Verfügung, die Wirkungen in
allen drei Bereichen zeigt. Es handelt sich um Diphosphonate oder auch
Bisphosphonate (Abkömmlinge einer phosphorhaltigen Säure).
Seit Anfang der achtziger Jahre wurden mehrere Variationen dieser
Substanzen entwickelt, die zunächst in der Behandlung eines akut
erhöhten Blutkalziumspiegels angewendet wurden.
Diphosphonate binden oberflächlich an die Mineralsubstanz des
Knochens (Kalziumphosphat). Die von den Metastasen zur Aktivität
angeregten knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) werden dadurch in
ihrer Aktivität gehemmt und die Knochenauflösung gebremst. Gleichzeitig
werden erhöhte Blutkalziumspiegel gesenkt, und die Ablagerung von
Kalziumphosphat in Weichteilen, Nieren und Arterien wird vermindert. In
klinischen Studien zeigte sich auch, dass unter der Therapie mit
Diphosphonaten die Knochenschmerzen nachlassen. Möglicherweise kann bei
Brustkrebs auch die Neubildung von Metastasen vermindert werden.