
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de
Viele Krebspatienten können heute dank palliativmedizinischer Maßnahmen vergleichsweise beschwerdefrei leben, auch wenn ihre Erkrankung nicht heilbar ist: Unterstützende und lindernde Behandlungsverfahren orientieren sich an ihrer Lebensqualität. Eine Situation stellt Betroffene wie Ärzte jedoch bei allen Fortschritten vor viele Herausforderungen: wenn sich Tumorzellen ins Zentralnervensystem ausbreiten und dessen Funktionen beeinträchtigen. Welche Symptome auf einen Krebsbefall des Gehirns oder des Rückenmarks hindeuten und warum sich Metastasen von echten Hirntumoren unterscheiden, erläutern die folgenden Texte.
Ein Überblick darüber, wann und in welchem Umfang sich Hirnmetastasen behandeln lassen, soll Patienten das Gespräch mit den betreuenden Ärzten und die weitere Informationssuche erleichtern.
Hirnmetastasen sind die häufigsten Tumorbildungen im Schädel, so die Neuro-Onkologische Arbeitsgemeinschaft in der Deutschen Krebsgesellschaft. Die Deutsche Hirntumorhilfe schätzt, dass bei etwa 30.000 Menschen pro Jahr Tumoren im Gehirn diagnostiziert werden, die ursprünglich gar nicht von Gewebe des Zentralnervensystems ausgehen: Hirnmetastasen sind Absiedelungen von Krebserkrankungen anderer Organe.
"Echte", das heißt, primär im Gehirn entstandene Tumoren - in diesem Text nicht behandelt - gehen dagegen direkt vom Gewebe des Zentralnervensystems aus. Wie sie erkannt und therapiert werden, darüber informiert der Krebsinformationsdienst am Telefon oder per E-Mail.
Das Gehirn ist im Organismus vergleichsweise abgeschottet, trotz der guten Blutversorgung. Die so genannte Blut-Hirn-Schranke wirkt als Schutz vor Krankheitserregern oder giftigen Stoffwechselprodukten. Diese Barrierefunktion hat jedoch auch ihren Preis: Dringen Krebszellen erst einmal in das ZNS vor, werden sie durch die Bluthirnschranke bis zu einem gewissen Grad vor Tumormedikamenten geschützt. Noch vor wenigen Jahren ging man deshalb davon aus, dass eine Chemotherapie bei Hirnmetastasen nur bedingt sinnvoll sei. Heute wissen Krebsmediziner, dass moderne Zytostatika dieses Hindernis durchaus überwinden und auch im Gehirn Krebszellen angreifen können.
Hirnmetastasen verursachen im empfindlichen Hirngewebe nicht nur durch ihr eigenes Wachstum ein Platzproblem: Sie bewirken auch eine Flüssigkeitsansammlung und Schwellung von Hirnstrukturen und üben Druck auf das gesunde Nervengewebe aus. Dieser Druckanstieg macht verständlich, warum bei großen Hirmetastasen meist nicht nur das direkt umliegende Nervengewebe betroffen ist, sondern das gesamte Gehirn in Mitleidenschaft gezogen werden kann.
Bei manchen Patienten kommt es durch die Verteilung von Zellen über den Liquor auch zu einem umfangreichen Befall des Gehirns und des Rückenmarks entlang der gesamten Hirnhäute ("Meningeosis carcinomatosa").
Hirnmetastasen sind oft Absiedelungen von Tumoren der Lunge und der Brust. Auch das maligne Melanom, der Schwarze Hautkrebs, kann ins Zentralnervensystem streuen, ebenso das Nierenzellkarzinom. Andere Tumorarten sind seltener Ursprungsort von Hirnmetastasen. Von Lymphomen und Leukämien ist ebenfalls bekannt, dass sie das Gehirn mit Krebszelle besiedeln. Hier spricht man allerdings nicht von Hirnmetastasen im engeren Sinn, da diese Tumorarten auf Erkrankungen von Blutzellen beruhen, die sich von vornherein im ganzen Körper ausbreiten können.
Bei etwa jedem zehnten Patienten wird eine Krebserkrankung überhaupt erst durch Hirnmetastasen entdeckt. Dies kann sich beispielsweise durch einen epileptischen Anfall äußern. Wird der Ursprungstumor, von dem die Hirnmetastase ihren Ausgang nahm, nicht gefunden, spricht man von einem CUP-Syndrom (englisch für cancer of unknown primary, auf Deutsch: Krebs mit unbekanntem Primärtumor).
Besonders dramatisch gestaltet sich die Entdeckung von Hirnmetastasen, wenn der Betroffene zum ersten Mal im Leben einen epileptischen Anfall erleidet, plötzliche Lähmungen oder Sprachstörungen entwickelt. Die meisten Patienten erleben jedoch zunächst relativ unspezifische Symptome durch den ansteigenden Hirndruck: Dazu können Kopfschmerzen und/oder Übelkeit, aber auch vermeintliche Kreislaufprobleme mit Schwindel oder Sehenstörungen gehören.
Die Symptome sind meist erst bei fortgeschrittener Metastasierung oder bei Befall besonders empfindlicher Hirnregionen eindeutig. Im zentralen Nervensystem gibt es besonders störungsanfällige Bereiche, aber auch solche, die weniger empfindlich auf das Wachstum von Tumorzellen reagieren. Hirnmetastasen bedeuten immer ein fortgeschrittenes Stadium einer Tumorerkrankung. Bei schnell wachsenden Metastasen wird der weitere Krankheitsverlauf oft von den Hirnmetastasen und nicht mehr vom Primärtumor bestimmt, wenn keine gezielte Behandlung eingeleitet wird. Als Notfall gelten Symptome, die auf einen steigenden Hirndruck hinweisen.
Ebenso häufig wie Kopfschmerzen verursachen Hirnmetastasen Nervenausfälle bis hin zur halbseitigen Lähmung. Hat ein Patient Probleme, das Gleichgewicht zu bewahren oder Dinge festzuhalten, ist das Blickfeld eingeschränkt oder plötzlich die Sprache verwaschen, können dies erste Warnzeichen sein: Alles, was auf einen Funktionsausfall des Nervensystems hindeutet, kann seine Ursache in ZNS-Metastasen haben.
Symptome einer Epilepsie treten bei etwa zwanzig von einhundert Patienten mit Hirnmetastasen auf. Hat ein Patient noch nie unter Krämpfen gelitten, sollte sofort eine entsprechende Untersuchung eingeleitet werden: Sie können Anzeichen eines steigenden Hirndrucks sein. Solche Anfälle müssen allerdings nicht immer besonders ausgeprägt oder auffällig sein: Sie können zum Beispiel auch nur einzelne Körperregionen betreffen - nicht zwangsläufig wird der Patient dabei bewusstlos.
Niemand geht nach der Diagnose einer Krebserkrankung gleich wieder zum
Alltag über: Verstimmungen bis hin zur Depression, Angst oder andere
einschränkende Veränderungen erleben viele Patienten - die Psyche
braucht Zeit, um die neue Situation zu verarbeiten.
Verhält sich
ein Betroffener jedoch plötzlich besonders auffallend oder
ungewöhnlich, kann er einfache Aufgaben nicht mehr bewältigen oder
zeigt er gar Anzeichen von Verwirrtheit, so können diese Symptome
ebenfalls auf Hirnmetastasen hindeuten.
Mit entscheidend für die Behandlung von Hirnmetastasen ist außer dem körperlichen Zustand des Patienten die Größe der Absiedelungen und ihre Anzahl. Wichtig ist aber auch der Sitz der Metastasen und damit die betroffene Hirnregion: Die meisten Hirnmetastasen liegen im Bereich des Großhirns. Kleinhirn, Hirnstamm und Rückenmark sind entsprechend ihres geringeren Anteils am Zentralnervensystem seltener betroffen (mehr über die einzelnen Hirnbereiche am Ende des Textes).
Nicht selten erlauben die Symptome von Hirnmetastasen einen Rückschluss auf die betroffene Hirnregion. Sie werden, im Unterschied zu Allgemeinsymptomen, als fokale Symptome bezeichnet. So kann man beispielsweise eine Lähmung des rechten Beines direkt einer Schädigung in einem bestimmten Areal der linken Großhirnhälfte zuordnen. Eine Sprachstörung ist ebenfalls ein deutlicher Hinweis auf eine ganz bestimmte Hirnregion. Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen oder Übelkeit entstehen dagegen durch eine generelle Schädigung des Nervensystems, zum Beispiel durch einen Druckanstieg innerhalb des Schädelknochens durch den Tumor selbst und die von ihm ausgelöste Hirnschwellung und Flüssigkeitsansammlung.
Große, so genannte generalisierte epileptische Anfälle werden als allgemeine Anzeichen häufig von Metastasen ausgelöst, die an der Hirnoberfläche wachsen, der so genannten Hirnrinde; sie können aber auch Anzeichen eines schnell steigenden Hirndrucks sein.
Bei schnell wachsenden Metastasen besteht die Gefahr einer Einblutung ins Gewebe. Sie machen dann ganz plötzlich Beschwerden, die einem Schlaganfall und seinen Folgen ähneln können. Hier hängt es dann nicht nur von der Metastasierung selbst ab, wie die weitere Behandlung aussehen kann, sondern auch vom Umfang der direkten Schädigung des Hirngewebes durch die Blutung.
Besonders belastend ist die Meningiosis carcinomatosa. Hierbei handelt es sich um eine Absiedlung von Tumorzellen entlang der Liquorräume und der Hirnhäute bis hin zum Rückenmark. Im Vordergrund stehen bei vielen Patienten Allgemeinsymptome wie Persönlichkeitsveränderungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Es kann zu Lähmungen der Hirnnerven kommen, was zu typischen Symptomen führt, zum Beispiel zu Schluckstörungen oder zu einer auffallend veränderten Stimme oder Stimmlage.