1. Hauptnavigation
  2. Navigation des Hauptbereiches
  3. Inhalt der Seite
Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte zum Beispiel zum Nachdruck, zur Kopie oder zur Speicherung und Weitergabe in elektronischer Form bedarf der schriftlichen Genehmigung des Krebsinformationsdienstes KID, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Wir beantworten Ihre FragenGerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de
Darmzotten, Foto: Image Source/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Gastrointestinale Stromatumoren (GIST)

Ein Überblick

Gastrointestinale Stromatumoren sind vergleichsweise selten. Sie entstehen meist im Verdauungstrakt, unterscheiden sich aber deutlich von den Tumorarten, die normalerweise als "Magenkrebs" oder "Dick- und Enddarmkrebs" bezeichnet werden. Der folgende Text bietet erste Informationen für erwachsene GIST-Patienten, ihre Familien und Freunde. Bei der Erstellung der folgenden Informationen hat der Krebsinformationsdienst wissenschaftliche Lehrbücher verwendet und aktuelle internationale Literatur zum Thema genutzt. Quellen sind nach Möglichkeit direkt im Text genannt und verlinkt. 
Die ausführliche Beratung durch behandelnde Ärzte können Informationen aus dem Internet jedoch nicht ersetzen.

Letzte Aktualisierung: 23.10.2008

Gastrointestinale Stromatumoren: Nicht mit Karzinomen verwechseln

Gastrointestinale Stromatumoren, abgekürzt als GIST, zählen zu den so genannten Weichteil- oder Weichgewebstumoren (Sarkome). Die Sarkome entwickeln sich aus embryonalen Vorläuferzellen des Binde - und Stützgewebes. Fachleute bezeichnen diese Vorläufer auch als mesenchymale Zellen. GIST haben ihren Ursprung in mesenchymalen Zellen des Magen-Darm-Traktes (gastrointestinal), also in der Wand der Verdauungsorgane.
Alle Sarkome und auch die GIST-Erkrankungen unterscheiden sich daher von den Karzinomen: Diese viel häufigeren Krebsformen gehen aus Deckgeweben (Epithelien) hervor, also aus Haut, Schleimhaut oder Drüsengewebe. So entsteht das üblicherweise als Magenkrebs bezeichnete Magenkarzinom aus Zellen des Deckgewebes, ebenso das Kolonkarzinom (Dickdarmkrebs) oder das Rektumkarzinom (Enddarmkrebs).

GIST entstehen als Weichteiltumoren am häufigsten im Magen, seltener im Dünndarm und sehr selten in anderen Teilen des Verdauungstraktes. Dennoch haben sie andere biologische Eigenschaften und werden auch anders behandelt als die Karzinome in den gleichen Organen. Für Patienten, die an einem "echten" Magenkarzinom erkrankt sind, bietet ein anderer Text einen Überblick über Risikofaktoren, Diagnose, Behandlung und Nachsorge: "Magenkrebs: Informationen für Patienten, ihre Angehörigen und Freunde".

In seltenen Fällen diagnostizieren Ärzte bei Patienten Tumoren, die GIST sehr ähnlich sind. Sie entstehen aus Zellen des autonomen oder vegetativen Nervensystems des Magen- und Darmtraktes. Diese Sonderformen werden als gastrointestinale autonome Nerventumoren oder abgekürzt als GANT bezeichnet.

Entstehung, Ursachen, Häufigkeit,

GIST können im gesamten Magen-Darmtrakt auftreten, von der Speiseröhre bis zum Enddarm. Am häufigsten betroffen ist der Magen, gefolgt vom Dünndarm. Nur in sehr seltenen Fällen treten GIST im Bauchraum außerhalb des Magen-Darmtrakts auf, als so genannte extragastrointestinale Stromatumoren (EGIST).

Molekularbiologische Ursache


Bei 90 Prozent der Patienten mit GIST findet sich eine typische Genmutation in den Tumorzellen.

Der genaue Auslöser gastrointestinaler Tumoren ist bis heute nicht bekannt. Bisher existieren daher auch weder besondere Früherkennungsuntersuchungen, noch kennt man Maßnahmen, mit denen der Erkrankung vorgebeugt werden könnte.

Erst vor wenigen Jahren entdeckten Wissenschaftler mit Hilfe zellbiologischer Verfahren, dass GIST-Zellen sehr häufig ein besonderes Eiweißmolekül (Protein) aufweisen, den KIT-Rezeptor oder CD 117. Solche Rezeptoren sitzen auf der Oberfläche von Zellen und fungieren als Signalempfänger: Auf der Zellaußenseite dienen sie als Andockstelle für kleine Signalmoleküle oder Wachstumsfaktoren, während der in den Zellinnenraum ragende Bereich Enzymfunktionen aufweist. Bei KIT ist dieses Enzym eine so genannte Tyrosinkinase, eine Art zentraler Schalter. Bindet ein Signalmolekül an den Rezeptor, so wird dessen Tyrosinkinase angeschaltet (aktiviert) und die Zelle über eine komplizierte Signalübertragungskette zur Teilung angeregt.

In gesunden Zellen schalten sich die Rezeptoren wieder aus, wenn sie ihren „Auftrag“ erfüllt haben. In Zellen eines gastrointestinalen Stromatumors liegt der Bauplan des KIT-Rezeptors, das sogenannte c-kit-Gen, hingegen verändert (mutiert) vor. Aufgrund dieser Genmutation ist der Rezeptor dauerhaft aktiv: Unabhängig von einem Befehl aus der Umgebung wird die Zelle unentwegt zur Teilung angeregt. Als Folge gerät das Zellwachstum außer Kontrolle, ein Tumor kann entstehen. In etwa neun von zehn GIST-Patienten (90 Prozent) ist eine solche Genmutation im c-kit-Gen nachweisbar.
Die Mutation kann in verschiedenen Bereichen des Gens auftreten. Molekularbiologen sprechen von „Exons“. Bei etwa sieben von zehn Patienten (70 Prozent) mit einer c-kit-Mutation ist das Exon 11 betroffen.

In seltenen Fällen entstehen gastrointestinale Tumoren auch ohne nachweisebare Mutation im c-kit-Gen. Das intakte c-kit-Gen bezeichnet man als „Wildtyp-Gen“. Bei GIST-Patienten mit einem Wildtyp c-Kit-Gen ist häufig ein anderer veränderter Wachstumsrezeptor für die Tumorentstehung verantwortlich: Der „PDGF“-Rezeptor, englisch für „Plateled Derived Growth Factor“ (Blutplättchen-Wachstumsfaktorrezeptor). Dieser reguliert ebenfalls Zellwachstum und -teilung und ist mit dem KIT-Rezeptor nahe verwandt. Krankhafte Veränderungen im Bauplan des PDGF-Rezeptor haben daher ähnliche Folgen für die Zelle: unkontrollierte Vermehrung und Entstehen eines Tumors.

Bevor die Ärzte bei GIST-Patienten eine Behandlung einleiten, müssen sie wissen, ob und wenn ja welche Mutation in den Krebszellen vorliegt. Nur dann können sie eine auf den Tumor abgestimmte Therapie planen.

Abgrenzung von Weichteilsarkomen

Typisches Merkmal: Der KIT-Rezeptor

Durch den Nachweis des KIT-Rezeptors lassen sich GIST von Weichteilsarkomen und anderen Krebserkrankungen abgrenzen.

Seit der KIT-Rezeptor als typisches Merkmal gastrointestinaler Stromatumoren bekannt ist, gelten diese Tumoren als eigenständige Krebserkrankung. Durch den Nachweis von KIT lassen sie sich von anderen Weichteilsarkomen abgrenzen, wie zum Beispiel vom Leiomyosarkom, das von den Zellen der Eingeweidemuskulatur ausgeht, der so genannten glatten Muskulatur. Umgekehrt werden heute alle Tumoren zu den GIST gerechnet, die dieses typische Merkmal aufweisen, wie etwa die GANT-Erkrankungen, obwohl sie von anderen Zellen ausgehen.

Häufigkeit und Altersverteilung

Bei GIST handelt es sich um eine sehr seltene Krebserkrankung. Genaue Zahlen zur Häufigkeit dieser Tumoren gibt es bislang nicht, da sie erst seit wenigen Jahren als eine eigenständige Krebsart gelten. Experten der Europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie (European Society for Medical Oncology, ESMO, www.esmo.org) schätzen indes, dass in Europa pro 100.000 Einwohner jährlich etwa 1,5 Fälle eines GIST auftreten. Auf Deutschland bezogen bedeutet dies demnach, dass pro Jahr rund 1.200 Personen an einem GIST erkranken. Der Altersgipfel der Erkrankung liegt zwischen 55 und 65 Jahren, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen.
Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sind extrem selten, aber nicht ausgeschlossen.

Vererbung?

Zwar gibt es Einzelfälle, in denen eine familiäre Häufung von GIST beschrieben und eine Veränderung der Erbsubstanz bei allen Betroffenen nachgewiesen wurde. Die meisten GIST treten aber zufällig auf, und das Erkrankungsrisiko von Verwandten der Patienten ist nicht erhöht. Aus diesem Grund gibt es bislang keine speziellen Früherkennungs- oder „Vorsorge“-Angebote für Angehörige von GIST-Patienten.

Welche Symptome deuten auf einen GIST hin?

In frühen Stadien bleiben GIST unbemerkt. Erst wenn ein größerer Tumor auf umliegende Organe oder Gewebe drückt, treten erste Anzeichen auf. Viele GIST werden daher zufällig entdeckt, zum Beispiel bei Magen- oder Darmspiegelungen aus anderem Anlass oder im Rahmen operativer Eingriffe.

Die häufigsten Symptome bei Tumoren im Magen oder Zwölffingerdarm sind Schmerzen und innere Blutungen. Dünndarmtumoren können auch Verstopfung verursachen. Schluckstörungen treten bei GIST der Speiseröhre auf. Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust oder Übelkeit sind unter Umständen ebenfalls Zeichen einer Krebserkrankung.

Diese Anzeichen sind allerdings wenig aussagekräftig: In den meisten Fällen stecken hinter solch allgemeinen Symptomen ganz andere Ursachen. Um eine bösartige Erkrankung frühzeitig auszuschließen, sollten Menschen, die unter unspezifischen Beschwerden leiden, dennoch möglichst zeitnah einen Arzt aufsuchen.

Wie wird der Krebsverdacht abgeklärt?

Bei Verdacht auf einen GIST befragt der Arzt den Patienten zuerst über mögliche Vorerkrankungen und führt eine körperliche Untersuchung durch. Erst die Untersuchung von Gewebeproben bringt  allerdings Klarheit über die Diagnose. Als wichtigster Hinweis auf einen gastrointestinalen Tumor gilt der feingewebliche Nachweis des KIT-Rezeptors. Aber auch andere charakteristische "Antennen" auf der Oberfläche der Tumorzellen lassen auf diese Krebserkrankung schließen.

Spiegelung des Gastrointestinaltraktes (Endoskopie)

Um erste Symptome abzuklären und Gewebeproben zu entnehmen, führen Ärzte eine Spiegelung des oberen und/oder unteren Gastrointestinaltraktes durch. Bei dieser Untersuchung wird eine Art biegsamer Schlauch, ein Endoskop, durch die Speiseröhre in den Magen eingeführt. Er ist mit mit einer eingebauten Lichtquelle und einer kleinen Kamera ausgestattet. Diese Technik ermöglicht dem Untersucher, die Schleimhäute von Speiseröhre, Magen oder Dünndarm genauestens zu inspizieren. Die Bilder, die die Kamera liefert, werden auf einen Bildschirm übertragen. Gleichzeitig können mit einer winzigen Zange Gewebeproben aus verdächtig aussehenden Bezirken entnommen werden, um diese anschließend zu analysieren. Diese Probenentnahme nennt man Biopsie.

Entsteht der Verdacht auf eine GIST-Erkrankung bei einer Operation, die aus anderem Anlass durchgeführt wurde, entnimmt der Operateur bei dieser Gelegenheit ebenfalls Tumorgewebe, um es zur weiteren Untersuchung an ein spezialisiertes Labor zu geben.

Biopsie, mikroskopische und molekularbiologische Untersuchung

Wichtigster Schritt, um die Diagnose GIST zu sichern, ist die Testung dieses entnommenen Tumorgewebes auf den KIT-Rezeptor.

Zu diesem Zweck erfolgt eine feingewebliche (histologische) Untersuchung. Anschließend färbt ein Spezialist für Zell- und Gewebeuntersuchungen, die Probe mit Hilfe immunchemischer Verfahren und begutachtet die gefärbten Krebszellen unter dem Mikroskop. Fällt der Befund der histologischen Untersuchung positiv aus, bedeutet dies, dass die Tumorzellen den KIT-Rezeptor aufweisen. Damit gilt die Diagnose GIST als gesichert.

In neun von zehn Fällen (90 Prozent) liegt in den Krebszellen dann zusätzlich eine charakteristische Mutation im c-kit-Gen vor. In KIT-negativen Tumoren lässt sich durch molekularbiologische Untersuchungsverfahren in etwa einem Drittel der Fälle eine Überproduktion des  „PDGF-Rezeptors“ (englisch für Plateled-derived growth factor receptor) nachweisen, ein weiterer für den GIST typischer Wachstumsrezeptor.

Weitere Merkmale von GIST-Gewebe

In vielen Fällen einer GIST-Erkrankung lassen sich auch weitere typische Moleküle auf den Krebszellen aufspüren. Hierzu zählen unter anderem die Proteine CD34 und das so genannte glattmuskuläre Aktin, abgekürzt als SMA.
Darüber hinaus kann der Pathologe die Geschwindigkeit der Zellteilung, die so genannte Mitoserate, im Krebsgewebe bestimmen. Die Mitoserate und die Größe des vorliegenden Tumors sind wichtige Kriterien, um die Aggressivität der Erkrankung abzuschätzen: Geschwulste mit einem Durchmesser unter fünf Zentimeter und einer niedrigen Zellteilungsgeschwindigkeit verhalten sich erfahrungsgemäß weniger aggressiv – bilden also seltener Metastasen - als größere Tumoren, deren Zellen sich zudem häufiger teilen. Dennoch können diese beiden Faktoren nur einen ersten Hinweis auf den weiteren Verlauf der Erkrankung liefern. Für eine ungefähre Prognose müssen die Pathologen weitere Merkmale der Krebszellen auswerten, wie etwa deren Form und Aussehen und den genauen Ort der Mutation im c-kit-Gen. Eine Mutationsanalyse gehört allerdings nicht zur Routinediagnostik; ihr Einsatzgebiet beschränkt sich derzeit noch auf klinische Studien.

Um die Ausbreitung der Erkrankung abzuschätzen, werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehören vor allem die so genannten bildgebenden Verfahren:

Ultraschalluntersuchungen

Die Bilder einer Ultraschalluntersuchung liefern Erkenntnisse über die Lage eines Tumors und dessen Ausbreitung. In der Regel bewegt der Arzt das Ultraschallgerät dabei von außen über die Bauchdecke. So lassen sich beispielsweise auch eventuelle Absiedelungen (Metastasen) sichtbar machen, zum Beispiel einen möglichen Tumorbefall der Leber.

Ergänzend kann auch eine so genannte Endosonographie erfolgen: Dabei wird das Ultraschallgerät in ein Endoskop integriert. Mit diesem Verfahren lassen sich Tumoren ab zirka einem Zentimeter Durchmesser darstellen. Bei gastrointestinalen Stromatumoren kann eine Endosonographie auch vor Durchführung einer Biopsie genutzt werden: Krebsgewebe eines GIST ist in der Regel sehr stark durchblutet. Eine Gewebeentnahme stellt daher ein gewisses Blutungsrisiko dar. Um dieses zu verringern, müssen die Ärzte vor dem Eingriff über die genaue Lage und Ausbreitung der Geschwulst informiert sein. Darüber hinaus hilft eine Endosonographie dem Arzt dabei, sich bei der Durchführung einer Nadelbiopsie besser zu orientieren.

Schnittbilduntersuchungen: Computer- und Magnetresonanztomographie

Die Größe eines GIST und die Ausbreitung der Krebszellen auf andere Gewebe und Organe schätzen Ärzte mit Hilfe einer Tomographie ab. Mit diesen bildgebenden Verfahren werden Schnittbilder in zahlreichen Ebenen des Körpers erzeugt, Längs-und Querschnitte. Das Gerät, zum Beispiel ein Computertompograph (CT) oder ein Magnetresonanztomograph (MRT), nimmt viele Einzelbilder auf, die anschließend auf einem Bildschirm begutachtet werden können. Mit Hilfe einer Computertomographie von Brustkorb (Thorax) und Bauchraum lassen sich auf diese Weise zum Beispiel Lebermetastasen, ein Befall des Bauchfells (Peritoneum) oder Lungenmetastasen ausschließen.

Positronenemissionstomographie (PET)

Im Verlauf einer Behandlung geben bildgebende Verfahren auch wichtige Hinweise darauf, ob ein Tumor auf die Therapie anspricht. Dies gilt insbesondere bei einer Behandlung mit Imatinib. Diese Substanz zählt zu den so genannten zielgerichteten Krebstherapien (englisch: "targeted therapies"). Um die Wirksamkeit dieses modernen Krebsmedikaments in der GIST-Therapie zu überwachen, hat sich vor allem die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) bewährt: Mit ihr lassen sich Vorgänge im Stoffwechsel von Körperzellen darstellen. So weisen gastrointestinale Stromatumoren einen stark gesteigerten Zuckerstoffwechsel (Glukosemetabolismus) auf, der in einer PET-Untersuchung deutlich zu erkennen ist. Spricht der Tumor auf eine Behandlung mit Medikamenten an, ist bereits nach kurzer Zeit keine Zuckeraufnahme in der PET mehr sichtbar. Hält der Glukosemetabolismus hingegen über mindestens 30 Tage weiter an, müssen die Ärzte eventuell auf eine andere Therapie ausweichen.

Wie sieht die Behandlung eines GIST aus?

In erster Linie richtet sich die Therapie nach der Ausdehnung der Erkrankung:

  • Die wichtigste Behandlung bei örtlich begrenzten Tumoren ist die Operation. Diese hat das Ziel, alles Krebsgewebe möglichst vollständig zu entfernen.
  • Ist dies hingegen bei einer fortgeschrittenen und/oder metastasierten GIST-Erkrankung nicht mehr möglich, erhalten Patienten das Medikament Imatinib (Handelsname Glivec®). Dieses zählt zu den so genannten gezielten Krebstherapien oder "targeted therapies".
  • Auf Bestrahlung und Chemotherapie reagieren gastrointestinale Stromatumoren weitgehend unempfindlich. Diese Therapieverfahren spielen daher außerhalb von klinischen Studien im Behandlungskonzept von GIST keine Rolle.

Da GIST sehr selten sind, sollte diese Tumorart nur in besonders spezialisierten Zentren behandelt werden.

Behandlung in frühen Tumorstadien: Operation

Eine Operation ist bei gastrointestinalen Stromatumoren möglich, die auf einen bestimmten Bereich begrenzt sind und noch nicht in umliegende Gewebe eingewachsen sind oder Metastasen gebildet haben. In diesem frühen Tumorstadium ist es das Ziel, den Tumor vollständig und mit einem Randsaum aus gesundem Gewebe zu entfernen. Die Größe und die genaue Lage des Tumors bestimmen dabei das genaue Ausmaß des Eingriffs. So reicht es bei kleineren Magentumoren mit einem Durchmesser unter drei Zentimeter meist aus, nur einen Teil des Magens oder der Magenwand zu entfernen. Unter Umständen kann der Chirurg in diesem Fall auch die so genannte Schlüssellochchirurgie oder minimal-invasive Chirurgie durchführen: Bei dieser Operation wird der Bauchraum nicht mit einem großen Schnitt eröffnet, sondern der Zugang erfolgt über kleine Schnitte in der Bauchdecke, über die speziell dafür entwickelte Instrumente eingeführt werden. Diese Technik sollte aber nur von geübter Hand und in einem spezialisierten Zentrum durchgeführt werden.

Hat sich der Tumor jedoch über den Magen hinaus ausgebreitet, muss ein umfangreicherer Eingriff erfolgen. Ob der Magen dabei erhalten bleiben kann, hängt von Lage und Größe des krankhaften Gewebes ab. Bei örtlich begrenzten gastrointestinalen Tumoren des Darms reicht es in den meisten Fällen aus, den betroffenen Teil mit einem Sicherheitsabstand von zirka zwei bis fünf Zentimetern zu entfernen. Dazu entnehmen die Ärzte häufig auch den Lymphknoten, der sich in nächster Nähe zum Tumor befindet. Eine ausgedehnte Entfernung mehrerer Lymphknoten oder eine erweiterte Darmentfernung ist in der Regel aber nicht notwendig, da sich Tochtergeschwülste eines GIST nur äußerst selten über die Lymphbahnen im Körper verteilen.
   
Wenn sich in einem weiter fortgeschrittenen Erkrankungsstadium bereits Metastasen gebildet haben oder der Tumor nach einer Operation erneut auftritt, kommt ein weiterer chirurgischer Eingriff nur bedingt in Frage. In fortgeschrittenen Stadien hat sich der Tumor erfahrungsgemäß vor allem auf Leber und Bauchfell ausgebreitet. In diesen Organen und Geweben treten Krebsgeschwülste aller Regel nach multifokal auf: Dies bedeutet, es liegen keine einzelnen, gut abgrenzbaren Metastasen vor, sondern mehrere im Organ verstreute Tumorherde. Eine Operation ist daher nur eingeschränkt möglich.

Behandlung bei fortgeschrittener Erkrankung: Imatinib (Glivec®)

Wenn keine Operation eines GIST möglich ist und/oder bereits Metastasen vorliegen, so ist die Gabe des Krebsmedikaments Imatinib die Therapie der Wahl.

Imatinib steht seit Frühjahr 2002 für Patienten mit fortgeschrittener oder metastasierter GIST-Erkrankung und einem positiven KIT-Rezeptor-Nachweis unter dem Handelsnamen Glivec® als Tablette zur Verfügung. Die Substanz hemmt gezielt Eiweißmoleküle auf der Oberfläche von Zellen, so genannte Rezeptoren, die Befehle aus der Umgebung an die Zelle weiterleiten und so das Wachstum anregen. Bei gastrointestinalen Tumoren wirkt Imatinib in erster Linie auf den KIT-Rezeptor, der in neun von zehn Fällen krankhaft verändert ist: Der defekte Rezeptor ist in der Lage,  die Zelle auch ohne Befehl von außen dauerhaft zur Teilung anzuregen. In der Folge gerät das Zellwachstum außer Kontrolle, ein Tumor entsteht. Durch die Hemmung des KIT-Rezeptors durch Imatinib kann die Zelle sich nicht weiter teilen und stirbt schließlich ab. Imatinib zählt aufgrund seiner Wirkungsweise zu den so genannten "Tyrosinkinasehemmern". In der Regel sollte die Behandlung mit Imatinib solange wie möglich durchgeführt werden. Nur wenn Patienten die Tabletten nicht mehr vertragen oder es trotz Medikament zu einem Fortschreiten der Erkrankung kommt, kommt eine andere Therapie in Betracht.

Spricht der Tumor hingegen auf Imatinib an und bildet sich möglicherweise sogar zurück, so kann unter Umständen doch noch versucht werden, den Tumor durch eine Operation zu entfernen.

Imatinib nach einer Operation

Manchmal kann im Rahmen einer Operation nicht alles krankhafte Gewebe entfernt werden, oder ein Tumor tritt nach einem Eingriff erneut auf.  Dann erhalten Patienten ebenfalls das Medikament Imatinib, um das Tumorwachstum zu bremsen.
Erste Studienergebnisse deuten darauf hin, dass sich mit einer unterstützenden (adjuvanten) Imatinib-Behandlung auch nach einem chirurgischen Eingriff, bei der alles Krebsgewebe vollständig entfernt werden konnte, das Risiko eines Rückfalls senken lässt. Dies gilt vor allem für Patienten mit großen Tumoren, bei denen das Risiko erhöht ist, dass der Tumor wiederkehrt. Derzeit prüft die Europäische Arzneimittelagentur EMA (im Internet unter www.ema.europa.eu), ob die Studiendaten für die Zulassung von Imatinib zur adjuvanten Behandlung eines GIST ausreichen.

Imatinib vor einer Operation

Ebenfalls noch Gegenstand klinischer Untersuchungen ist die Frage, ob eine neoadjuvante Behandlung mit Imatinib, also die Gabe des Medikaments vor einer Operation, sinnvoll ist. Dies wäre eventuell dann von Vorteil, wenn eine Operation nicht so einfach durchzuführen ist, zum Beispiel weil ein Tumor zu groß ist oder benachbarte Organe möglicherweise in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Hemmung des KIT-Rezeptors könnte dazu dienen, inoperable Tumoren zu verkleinern. Auch erhoffen sich die Forscher durch die frühe Gabe von Imatinib, die Bildung kleinster Tochtergeschwülste zu verhindern.

Weitere Medikamente

Wenn ein Tumor nicht mehr auf die Imatinib-Behandlung anspricht, können Ärzte die tägliche Medikamentendosis erhöhen, eine Kombinationstherapie aus Imatinib und neuen Substanzen anwenden oder gleich auf einen anderen Tyrosinkinasehemmer ausweichen. Letzteres ziehen die Ärzte zudem in Betracht, wenn Patienten die Substanz Imatinib nicht vertragen. So ist seit 2006 ein weiteres Krebsmedikament zur Behandlung eines GIST in Deutschland zugelassen: Sunitinib, das unter dem Handelsnamen Sutent® in Kapselform erhältlich ist. Wie auch Imatinib hemmt Sunitinib gezielt die  Wachstumsrezeptoren auf der Oberfläche von Tumorzellen und verhindert so deren unkontrolliertes Wachstum.

Behandlung von Lebermetastasen

Bei manchen GIST-Patienten schreitet die Erkrankung trotz der Gabe von Tyrosinkinasehemmer weiter voran. Metastasen treten dann häufig in der Leber auf. Eine palliative Behandlung dient in dieser Situation dazu, tumorbedingte Beschwerden wie beispielsweise Schmerzen zu lindern. Zu diesem Zweck versuchen die Ärzte, die Tumorabsiedelungen, soweit es geht zu entfernen.
Allerdings kommt eine Operation nur dann in Betracht, wenn dadurch keine lebenswichtigen Organe beeinträchtigt werden und die zu entfernenden Tumorteile gut zugänglich sind. Auch der Allgemeinzustand des Patienten muss berücksichtigt werden, er lässt eine Operation gerade bei einer fortgeschrittenen Erkrankung nicht immer zu.

Um einzelne, kleinere Metastasen oder Teile eines Tumors unter fünf Zentimeter Durchmesser zu entfernen, eignen sich gegebenenfalls auch andere lokale Behandlungsverfahren, so genannte Thermoablationen. Hierzu zählen die Radiofrequenzablation (RFA) und die Laser-induzierte interstitielle Thermotherapie (LITT). Bei diesen Verfahren führt der Arzt eine Nadel oder eine Sonde durch die Haut in die zu behandelnden Tumorherde ein. Dies geschieht unter Sichtkontrolle durch Computertomographie oder Ultraschall. Die Einstichstelle wird örtlich betäubt. Eine anschließende Zufuhr von Radiowellen- oder Laserenergie führt zu einer starken Erhitzung der Nadel- beziehungweise Sondenspitze, und damit zu einer starken Temperaturerhöhung im umliegenden Krebsgewebe. Die Folge: Die Tumorzellen sterben ab. Eine Therapiesitzung mit der RFA dauert etwa 5 bis 20 Minuten. Für die LITT, die auch ambulant erfolgen kann, sollten Patienten etwa eineinhalb Stunden einplanen. Bei ausgedehnten Befunden oder schwierig zugänglichen Lagen können eventuell mehrere Punktionen nötig werden.

Zu welchen Nebenwirkungen kann eine Behandlung mit einem Tyrosinkinasehemmer führen?

Die häufigsten Beschwerden, die bei mehr als einem von zehn Patienten durch Imatinib auftreten können, sind eine erniedrigte Anzahl von weißen Blutkörperchen (Neutropenie) sowie eine geringere Zahl an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und roten Blutkörperchen (Anämie). Seltener können Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen, Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe (Ödeme), Hautausschlag, Muskelkrämpfe, Muskel- und Gelenkschmerzen und schwere Müdigkeit auftreten.
Wenn die Therapie über einen längeren Zeitraum gegeben wird, verringern sich häufig einige der Beschwerden. Manchmal muss eine Behandlung aufgrund von starken Nebenwirkungen abgebrochen werden. Es ist aber möglich, die Therapie wieder fortzusetzen, wenn die Beschwerden abgeklungen sind. 

In einer Studie zur Wirkung und Verträglichkeit von Sunitinib traten bei neun von hundert Patienten Bauchschmerzen auf, bei jeweils acht von hundert Probanden schwere Müdigkeit (Fatigue) und schmerzhafte Rötungen und Schwellungen an Handflächen und Fußsohlen (Hand-Fuß-Syndrom). Darüber hinaus wurden Durchfall, Übelkeit, Austrocknung und Schwindel beobachtet.

Müssen GIST-Patienten auf eine besondere Ernährung achten?

Eine ausreichende Kalorienaufnahme ist für alle Krebspatienten wichtig: Gut ernährte Patienten haben ein gesteigertes Wohlbefinden und vertragen eine Tumorbehandlung besser. Bei GIST-Patienten kann dies vor allem nach umfangreicheren Operationen im Verdauungstrakt nicht einfach sein, das gewohnte Gleichgewicht wieder zu finden und zu erkennen, was man in der ersten Zeit verträgt und was nicht. Hier hilft eine gezielte Ernährungsberatung weiter, entweder im Rahmen einer Rehabilitationsbehandlung oder von zu Hause aus auf Verordnung des behandelnden Arztes.

Wurden die Verdauungsfunktionen nicht krankheits- oder therapiebedingt beeinträchtigt, ist eine spezielle Ernährungsweise für GIST-Patienten nicht notwendig. Ihre Ernährungsgewohnheiten können sie daher wie Gesunde an allgemeinen Empfehlungen orientieren. Ausführliche Informationen finden Patienten auch auf den Internetseiten des Krebsinformtionsdienstes unter "Ernährung bei Krebs".

Durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung lässt sich das Rückfallrisiko zwar nach bisherigem Kenntnisstand nicht senken. Gleichwohl kann eine Ernährung den allgemeinen Gesundheitszustand günstig beeinflussen, und trägt indirekt dazu bei, eine anstrengende Behandlung besser zu verkraften.

Selbshilfegruppen, Informationsmaterial

Weitere Informationen und Unterstützung für Patienten mit gastrointestinalen Stromatumoren bietet der Verein "Das Lebenshaus e. V.": Unter der Internetadresse www.lh-gist.org/d/1039/ findet sich eine virtuelle Gemeinschaft von Patienten, Angehörigen und Vertretern medizinischer Berufsgruppen im Kampf gegen GIST.

Ein umfangreicher GIST-Patientenratgeber gibt einen allgemeinen Überblick über die Erkrankung, klärt über die molekularen Hintergründe auf und informiert über aktuelle Behandlungsmöglichkeiten. Der Ratgeber ist im Internet unter www.lh-gist.org/d/2499/ direkt im pdf-Format abrufbar oder über ein Kontaktformular zu bestellen.

Individuelle Informationen für GIST-Patienten

Individuelle Fragen zur Diagnostik und Behandlung einer GIST-Erkrankung beantwortet der Krebsinformationsdienst am Telefon, täglich von 8 bis 20 Uhr unter der Telefonnummer 0800 - 420 30 40. Anrufe sind kostenlos.

E-Mails zum Thema werden unter krebsinformationsdienst@dkfz.de beantwortet; ein Kontaktformular (bitte klicken Sie auf diesen Link) bietet eine gesicherte Internetverbindung.