Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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CUP-Syndrom: Metastasen ohne Primärtumor -
eine kurz gefasste Übersicht

Bei zwei bis vier von hundert Patienten wird die Diagnose "Krebs" zunächst allein aufgrund von Metastasen gestellt: Bei der Abklärung von Beschwerden, manchmal auch zufällig, finden die Ärzte eine oder mehrere Krebsgeschwülste oder befallene Lymphknoten. Diese erweisen sich aber als Absiedelungen und nicht als der eigentliche Tumor.
Wo im Körper diese Metastasen ihren Ursprung haben, können die Ärzte zunächst nicht feststellen. Bei acht bis neun von zehn Patienten führt auch eine aufwändige und sich oft über Wochen hinziehende Diagnostik nicht dazu, dass der ursprüngliche Krebsherd gefunden wird: Der Tumor kann sich aufgelöst haben oder so klein sein, dass er mit den üblichen Untersuchungsverfahren nicht sichtbar zu machen ist.
Fachleute sprechen von "Krebs bei unbekanntem Primärtumor". Die Abkürzung CUP für das englische "cancer of unknown primary" hat sich auch in Deutschland eingebürgert.

Belastende Situation

Für die Betroffenen, die bis zur Diagnose nicht selten völlig beschwerdefrei waren, führt dies zu einer sehr belastenden Situation: Sie erfahren zwar, dass sie an einer Krebserkrankung leiden, noch dazu an einer, die bereits fortgeschritten ist. Doch trotz aufwändiger und langwieriger Untersuchungen lässt sich nicht nur der Primärtumor nicht finden. Manchmal gelingt es nicht einmal, hundertprozentig sicher das Organ oder wenigstens den Gewebetyp festzustellen, von dem die Metastasen ihren Ausgang genommen haben.

Tumorbiologie

Fachleute gehen heute davon aus, dass sich bei einem solchen CUP-Syndrom die Metastasen biologisch deutlich anders verhalten als der Primärtumor selbst. Ihr Aussehen unter dem Mikroskop zeigt oft große Veränderungen gegenüber gesundem Gewebe an. Die Metastasen sind  vermutlich schneller gewachsen als der Primärtumor  - daher werden sie auch zuerst gefunden. Auch verläuft die Metastasierung im Körper nach einem anderen Verteilungsmuster, als Experten es üblicherweise bei Krebserkrankungen beobachten. Betroffene Patienten haben oft mehrere Metastasen in verschiedenen Organen, Lymphknoten oder anderen Geweben. Daraus, wo sie auftreten, kann ebenfalls nicht sicher auf den Ort des Ursprungstumors geschlossen werden.

Was tun bei Verdacht auf ein CUP-Syndrom?

Informationsblatt (PDF)

Patienten, bei denen der Verdacht auf eine Metastasierung ohne Primärtumor besteht, sollten in einem Krebszentrum untersucht und behandelt werden, in dem Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen mit Erfahrung mit verschiedensten Tumorarten tätig sind. Wichtig ist auch eine möglichst große Bandbreite an Untersuchungsverfahren. Zur Mitbetreuung oder zur Weiterbehandlung von zuhause aus kann ein Facharzt hinzu gezogen werden, der eine besondere Weiterbildung in der Krebstherapie absolviert hat. Meist sind dies Internisten mit einer Qualifikation als Hämato-Onkologe. Mehr Information dazu bietet der Text "Arzt- und Kliniksuche", der auch als kurz gefasstes Informationsblatt zum Laden und Ausdrucken zur Verfügung steht.

Diagnostik kann sehr lange dauern

Selbst in hochspezialisierten Zentren kann es beim CUP-Syndrom allerdings Tage und Wochen dauern, bis alle erforderlichen Untersuchungen durchgeführt sind.
Außer einer allgemeinen körperlichen Untersuchung, den bildgebenen Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, Computertomographie usw. und Laboruntersuchungen, auch auf Tumormarker, gehören Endoskopien dazu, also Darm- Magen- oder Blasenspiegelungen. Wichtig ist vor allem die feingewebliche und molekularbiologische Untersuchung einer Gewebeprobe.
Auch dann bleiben oft viele Fragen offen. Bringt auch die Untersuchung von Gewebe unter dem Mikroskop kein eindeutiges Ergebnis, muss sich das Vorgehen an der aktuellen Situation des Patienten orientieren: Ist es nicht zu verantworten, den Beginn einer Behandlung noch länger aufzuschieben, treten weitere belastende und aufwändige Untersuchungen unter Umständen in den Hintergrund.

Wie behandeln, wenn der Primärtumor nicht gefunden wird?

Es ist im Internet kaum möglich, für alle Patienten ganz konkrete Aussagen dazu zu machen, wie bei einem CUP-Syndrom behandelt werden muss und wie die Erfolgsaussichten sind: Der Begriff beschreibt keine einzelne Krebserkrankung. Er steht vielmehr für eine Situation der frühzeitigen Metastasierung, die zwar selten ist, aber bei vielen verschiedenen Tumorarten auftreten kann. Die Krankheitszeichen und der Verlauf können sich von Patient zu Patient stark unterscheiden. Die Therapie muss sich an der individuellen Situation des Betroffenen und, soweit möglich, dem gefundenen Gewebetyp orientieren.

Je nach Zahl und Lage der Metastasen kommt eine Operation in Frage, eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung. Gibt es deutliche Anzeichen, dass die Erkrankung von der Brustdrüse ausgegangen ist - was bei Frauen und Männern vorkommen kann -, macht es Sinn, die Wirkung einer hormonellen Behandlung zu prüfen. Dies gilt ebenso beim Verdacht darauf, dass Metastasen eines Prostatakarzinoms vorliegen könnten. Oft ist auch eine Kombination dieser Verfahren sinnvoll, um die fortgeschrittene Erkrankung in Schach halten zu können.

Schwierige Entscheidungen

Die CUP-Therapie kann so aber auch schnell sehr belastend werden, mit vielen Nebenwirkungen verbunden und mit einer starken Einschränkung der Lebensqualität: Nicht immer ist eine umfangreiche chirurgische Metastasenentfernung vertretbar. Nicht in jeder Situation vertragen betroffene Patienten eine hoch dosierte Chemotherapie mit verschiedenen Zytostatika. Ärzte und Patienten müssen manchmal mehrfach im Verlauf der Behandlung neu besprechen, was als Therapie in Frage kommt, was damit jeweils zu erreichen ist und was nicht, und ob die Nebenwirkungen den Nutzen rechtfertigen.

Wichtig ist die Linderung von Begleiterscheinungen der Erkrankung und, so vorhanden, auch von Behandlungsnebenwirkungen. Dazu gehört vor allem eine gute Schmerztherapie. Mehr zur Behandlung von belastenden Symptomen hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Kapitel zusammen gestellt.

Der Umgang mit der Erkrankung und den offenen Fragen, die sich beim CUP-Syndrom oft so schwer beantworten lassen, ist auch psychisch belastend. Mehr zum Thema Krankheitsverarbeitung lesen Betroffene und ihre Angehörigen hier. Eine Liste regionaler Krebsberatungsstellen bietet die Rubrik "Wegweiser".

Informationen am Telefon und per E-Mail

Individuelle Fragen zur Diagnostik und Therapie bei CUP-Syndrom beantwortet der Krebsinformationsdienst am Telefon, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 - 420 30 40.

E-Mails zum Thema werden unter krebsinformationsdienst@dkfz.de beantwortet; ein Kontaktformular (bitte klicken Sie auf diesen Link) bietet eine gesicherte Internetverbindung.

Weitere Kontaktmöglichkeiten finden Sie auch im Impressum.


Weitere Informationen im Internet

Patientenbroschüren oder -bücher zum CUP-Syndrom sind dem Krebsinformationsdienst im Sommer 2008 nicht bekannt.
Für Betroffene können jedoch auch Broschüren zu den verschiedenen Behandlungsverfahren und zu weiteren krebsbezogenen Themen interessant sein. Eine Übersicht ist in der Rubrik "Wegweiser" hier zusammengestellt.

Auch im Internet gibt es nicht viele weitere Texte, die sich gezielt an Betroffene und ihre Angehörigen richten. Daher sind im Folgenden auch Fachinformationen und Links aufgeführt, die zu Informationen in englischer Sprache führen.

Die Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) in der Deutschen Krebsgesellschaft hat eine eigene Expertengruppe zum Thema CUP-Syndrom gegründet. Mehr Informationen finden Betroffene wie Fachleute im Internet unter www.aio-portal.de/index.php?article_id=37. Zwar listet die AIO im Sommer 2008 keine klinischen Studien auf, die sich gezielt an Patienten mit CUP richtet, mehrere Studien sind jedoch in Planung.
Auch die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie befasst sich mit der Therapie und der Forschung zum Thema. Ihre Informationen unter www.dgho.de richten sich allerdings überwiegend an Fachleute.

In klinischen Studien sollen Betroffene so früh wie möglich an Therapieverbesserungen teilhaben können, neue Verfahren sollen auf ihre Wirksamkeit hin getestet werden können. Wie solche Prüfungen experimenteller Verfahren ganz allgemein ablaufen und was sich Patienten davon erwarten können und was nicht, hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.

In englischer Sprache bietet das Nationale Krebsforschungsinstitut der USA Patienteninformationen zum CUP-Syndrom: National Cancer Institute www.cancer.gov/cancertopics/factsheet/sites-types/
unknownprimary
und www.cancer.gov/cancertopics/pdq/treatment/
unknownprimary/Patient/page1
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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 01.07.2008