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Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte zum Beispiel zum Nachdruck, zur Kopie oder zur Speicherung und Weitergabe in elektronischer Form bedarf der schriftlichen Genehmigung des Krebsinformationsdienstes KID, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

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Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Prostatakarzinom: Was tun bei einem Rückfall?

Mit den heute zur Verfügung stehenden Therapiemethoden können die meisten Männer mit Prostatakrebs lange beschwerdefrei leben. In der Nachsorge achten die betreuenden Ärzte auf Anzeichen für erneutes Tumorwachstum, etwa auf Schmerzen oder andere Symptome. In vielen Fällen deutet jedoch allein das Ansteigen des prostataspezifischen Antigens, kurz PSA, auf einen Rückfall hin: Fachleute sprechen von einem "biochemischen Rezidiv".
Wie kann man in einem solchen Fall entscheiden, was die beste Therapie ist? Einige Anhaltspunkte für betroffene Männer bietet der folgende Text. Da sich ein Rückfall bei Prostatakrebs sehr unterschiedlich auf die Lebensqualität und die Lebenserwartung auswirken kann, bleibt die wichtigste Informationsquelle für Betroffene jedoch das persönliche Gespräch mit dem Arzt.

Verlaufskontrolle unter aktiver Beobachtung

Patienten, die sich für ein aktives Beobachten unter vorläufigem Verzicht auf eine Behandlung entschlossen haben (mehr dazu hier) müssen sich regelmäßigen Untersuchungen unterziehen. Dazu gehören PSA-Messungen und digital-rektale Untersuchungen. Um außer dem PSA-Wert auch den Gleason-Score zu überprüfen, sollte in größeren zeitlichen Abständen eine Biopsie durchgeführt werden.

Ein sehr langsam steigender PSA-Wert muss nicht automatisch bedeuten, dass eine Therapie notwendig wird. Je nachdem, welches Ziel Patient und Arzt langfristig anstreben, kann die Behandlung auch erst einsetzen, wenn die Krankheit Beschwerden verursacht, sich das Tumorgewebe deutlich vergrößert oder sich der Gleason-Score verändert.
Die Planung des therapeutischen Vorgehens orientiert sich am aktuellen Tumorstadium und dem Allgemeinzustand des Patienten. Die Situation bei der Erstdiagnose spielt dagegen für die Therapieplanung keine Rolle mehr. Eine Übersicht über die stadienabhängige Behandlung eines Prostatatumors hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.

Erneutes Tumorwachstum nach Operation

Häufig ist das erste Anzeichen eines Rückfalls nach einer Prostatektomie ein steigender PSA-Wert, ohne dass Beschwerden vorliegen. Man spricht von einem so genannten PSA-Rezidiv oder biochemischen Rezidiv, wenn ein nach der Operation sehr niedriger PSA-Wert über 0,2 Nanogramm pro Milliliter ansteigt und sich diese Entwicklung auch bei weiteren Messungen fortsetzt. Ein einzelner "Ausreißer" unter ansonsten konstant niedrigen Werten hat dagegen keine Bedeutung.
Für die weitere Therapie ist wichtig, ob es sich um einen örtlichen Rückfall im Bereich des Operationsgebiets handelt, ein Lokalrezidiv, oder ob Lymphknoten befallen sind und/oder sich Metastasen in den Knochen oder anderen Organen gebildet haben.

Für einen örtlichen Rückfall spricht eher, wenn

  • die Krebsoperation länger als drei Jahre zurückliegt,
  • der Tumor damals einen niedrigen Gleason-Score hatte und auf die Prostata begrenzt war, und
  • der PSA-Wert langsam angestiegen ist.

Eine Metastasierung ist eher wahrscheinlich bei

  • PSA-Wiederanstieg bereits im ersten Jahr nach der Operation,
  • raschem Anstieg des PSA-Wertes oder kurzer PSA-Verdopplungszeit sowie
  • einem bereits bei der Erstdiagnose absehbar hohem Rückfallrisiko.

Die PSA-Beobachtung reicht im Allgemeinen zur Therapieplanung aus. Weiterführende Untersuchungen sind im Einzelfall aber hilfreich. Eine Tastuntersuchung liefert meist keine aussagekräftigen Ergebnisse. Da sie wenig belastend ist, führen sie Ärzte in Einzelfällen trotzdem durch. Die gezielte Suche nach Knochenmetastasen mittels eines Szintigramms macht bei beschwerdefreien Patienten erst bei PSA-Werten von 20 Nanogramm pro Milliliter und mehr Sinn. Bei niedrigeren Werten ist meist kein Tumornachweis möglich.
Bei niedrigen PSA-Werten, die eher für ein Lokarezidiv sprechen, kann die Magnetresonanztomographie eingesetzt werden; zur Routine gehört sie derzeit nicht.

Nicht selten bleibt es auch nach diesen Untersuchungen allein bei einem steigenden PSA-Wert, ohne dass diesem Befund klinisch sichtbare Anzeichen für ein Rezidiv zugeordnet werden können.

Behandlung

Zum Laden und Ausdrucken

Wird die Einstufung als biochemisches Rezidiv ohne klinisch nachweisbares Tumorwachstum aufrecht erhalten, halten viele Ärzte aktives Beobachten für vertretbar. Bei der Entscheidung für oder gegen eine sofortige Therapie spielen auch das Alter und Begleiterkrankungen eine Rolle.

Handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Lokalrezidiv und liegen keine Fernmetastasen vor, können Männer, denen die Prostata operativ entfernt wurde, eine Bestrahlung in Betracht ziehen, eventuell kombiniert mit einer Hormonentzugstherapie.

Eine hormonelle Therapie ist sowohl eine Möglichkeit, wenn eine Bestrahlung eines Lokalrezidivs nicht in Frage kommt, wie auch die gängige Therapie bei Verdacht auf Metastasen, mehr dazu hier. Auch Männer, bei denen sich ein Rückfall nur in den Beckenlymphknoten manifestiert, profitieren von der Hormontherapie, obwohl in letzter Zeit auch die Möglichkeit einer Bestrahlung diskutiert wird.

Eine erneute Operation kommt nach einer radikalen Prostatektomie nicht in Frage.

Für Patienten mit PSA-Wiederanstieg nach radikaler Prostatektomie hat der Krebsinformationsdienst ein Informationsblatt mit wichtigen Fragen an den Arzt zusammengestellt, zum Laden und Ausdrucken hier.

Erneutes Tumorwachstum nach Bestrahlung

Der PSA-Wert sinkt nach einer Radiotherapie immer nur langsam ab und kann in der ersten Zeit sogar noch einmal ansteigen, eine Folge der biologischen Reaktion des Tumorgewebes auf die Strahlenwirkung.
Hat sich der Wert jedoch einmal stabilisiert, ist ein deutliches und kontinuierliches Ansteigen aber auch hier ein Hinweis auf ein Rezidiv. Die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie empfehlen, eine weiterführende Abklärung dann zu beginnen, wenn der Wert mehr als zwei Nanogramm pro Milliliter über den einmal eingependelten Tiefstwert des Patienten ("Nadir") hinaus angestiegen ist.

Auch nach einer Bestrahlung ist die Frage wichtig, ob es sich um einen lokalen Rückfall im bestrahlten "Tumorbett" handelt, ob Lymphknoten betroffen sind oder ob Fernmetastasen vorliegen.
Für einen örtlichen Rückfall spricht eher, dass

  • die Strahlenbehandlung länger als drei Jahre zurückliegt,
  • der Tumor auf die Prostata begrenzt sowie von geringer Bösartigkeit war, und
  • der PSA-Wert langsam angestiegen ist.

Eine Metastasierung steckt eher dahinter bei

  • einem PSA-Wiederanstieg bereits im ersten Jahr nach der Strahlentherapie,
  • raschem Anstieg des PSA-Wertes oder kurzer PSA-Verdopplungszeit sowie
  • hohem Bösartigkeitsgrad und/oder Lymphknotenbefall zum Zeitpunkt der Erstdiagnose.

Oft gelingt es aber auch mit weiterführenden Untersuchungen nicht, neu gebildetes Tumorgewebe nachzuweisen, das den PSA-Anstieg verursacht. Der PSA-Verlauf kann daher als alleinige Grundlage einer Therapieentscheidung herangezogen werden.

Werden doch weiterführende Untersuchungen durchgeführt, kommen eine Ultraschalluntersuchung in Frage, eine Magnetresonanztomographie mit endorektaler Spule (die Untersuchung erfolgt vom Enddarm her), eventuell auch eine so genannte PET/CT. Alle diese Untersuchungen gelten jedoch nicht als Standard.
Eine Biopsie des bestrahlten Prostatabereichs sollte wegen der langen Dauer der Gewebsreaktion nur durchgeführt werden, wenn die Therapie länger als 18 Monate zurückliegt und der Verdacht auf ein alleiniges Lokalrezidiv ohne Metastasierung besteht: Frühere Biopsien führen sonst nur zu unnötiger Beunruhigung, weil zu häufig noch Tumorgewebe gefunden wird, bei dem der endgültige Behandlungseffekt noch nicht sichtbar ist.

Behandlung

Bleibt es bei einem biochemischen Rezidiv und steigt der PSA-Wert weiter nur langsam an, können sich betroffene Männer für ein abwartendes Beobachten entscheiden.

Für die meisten Patienten ist bei einem Rückfall nach einer Strahlentherapie die antihormonelle Therapie die Methode der Wahl. Sie wird auf jeden Fall eingesetzt, wenn Metastasen vorliegen.

Bei alleinigem Lokalrezidiv käme bei jüngeren Patienten in sehr gutem Allgemeinzustand eventuell eine Operation als Therapie in Frage. Auch lokale Verfahren wie die Vereisung oder Kryotherapie oder HIFU, die Zerstörung des Gewebes mit Ultraschall, können in Betracht gezogen werden. Allerdings liegt das Risiko von unerwünschten Langzeitfolgen jedweder örtlichen Therapie wegen des vorgeschädigten Gewebes höher als bei nicht vorbestrahlten Patienten.

Ob bei einem lokalen Rückfall ohne Fernmetastasen eine erneute, gezielte Bestrahlung des ehemaligen Prostatagewebes mittels Brachytherapie möglich ist, wurde bisher nur in wenigen Studien geprüft. Die Ergebnisse lassen sich bisher von der Wertigkeit her nicht verallgemeinern. Auch wurde eine hohe Rate an Komplikationen beobachtet.

Für Patienten, bei denen der PSA-Wert nach Bestrahlung wieder ansteigt, hat der Krebsinformationsdienst Informationsblätter mit wichtigen Fragen an den Arzt zusammengestellt, zum Laden und Ausdrucken hier.

Erneutes Tumorwachstum unter Hormontherapie

Mit den heute verfügbaren Verfahren der Hormonentzugstherapie können viele Patienten selbst eine fortgeschrittene Erkrankung lange in Schach halten, oft sogar für Jahre. Früher oder später wachsen die Krebszellen jedoch nicht mehr abhängig von Testosteron und anderen Sexualhormonen.

Sind die Krebszellen völlig "hormontaub", kann durch eine Chemotherapie eine weitere Verzögerung des Tumorwachstums erreicht werden. 

Wirkt auch die Chemotherapie nicht mehr, können nach jüngsten Erkenntnissen eventuell sogenannte zielgerichtete Medikamente helfen. Einige davon sind noch Gegenstand der Forschung, andere bereits zugelassen: Die Substanz Abirateron kann eingesetzt werden, wenn eine Chemotherapie nicht mehr wirkt. Dann ist eine Lebensverlängerung möglich. Verwendet werden kann das Arzneimittel zwar auch, wenn die Hormontherapie zu wirken aufhört, dann bietet es allerdings im Vergleich zur Chemotherapie keinen Zusatznutzen, so das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG, mehr unter www.gesundheitsinformation.de/abirateron-vor-einer-chemotherapie.2172.de.html?part=ergebnisse-ri#!ergebnisse).

In klinischen Studien werden weitere neue Behandlungsansätze getestet, . Noch handelt es sich dabei aber um Forschung.

Eine fortschreitende Tumorerkrankung muss nicht zwangsläufig mit Beschwerden einhergehen. Treten aber Knochenschmerzen auf oder verursachen Organ- oder Weichteilmetastasen Probleme, kann wirksam Abhilfe geschaffen werden. Die lindernde Behandlung orientiert sich am jeweils auftretenden Symptom.
Mehr zum Thema Knochenmetastasen hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt. Eine Übersicht über schmerztherapeutische Verfahren finden Patienten hier. Was tun bei Gewichtsverlust? Tipps rund um die Ernährung bei Krebs sind in einem eigenen Kapitel aufgeführt.