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In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach dem Test auf das prostataspezifische Antigen PSA drastisch angestiegen. Dies hat dazu geführt, dass bei immer mehr Männern die Diagnose Prostatakrebs gestellt wird, lange bevor sich die Erkrankung durch Symptome bemerkbar macht. Auch wenn ein Patient aufgrund von Beschwerden zum Arzt gegangen war, bedeutet der Nachweis einer Krebserkrankung nur selten, dass sofort mit einer Therapie begonnen werden muss. Wichtig: Die Diagnose Prostatakarzinom stellt keine Notfallsituation dar, die innerhalb von kürzester Zeit weitreichende Entscheidungen erfordert. Betroffene Männer können sich in Ruhe informieren.
Die folgenden Texte des Krebsinformationsdienstes bieten Betroffenen und Interessierten einen ersten Überblick über gängige Behandlungsmöglichkeiten. Informationen aus dem Internet können die individuelle Beratung und die gemeinsame Entscheidung mit den behandelnden Ärzten jedoch nicht ersetzen.
In frühen Stadien der Erkrankung kann es sinnvoll sein, unter engmaschiger Überwachung gar nicht zu behandeln, solange keine Beschwerden vorliegen und nichts auf eine schnelle Verschlechterung hindeutet: Bei vielen Männern wäre die Therapie weit belastender als die Auswirkungen eines kleinen, nur langsam wachsenden Karzinoms. Diese Vorgehensweise wird als "aktive Überwachung" oder englisch als "active surveillance" bezeichnet.
Wenn die Entscheidung für eine Behandlung gefallen ist, zählen die Operation, die verschiedenen Formen der Bestrahlung und die hormonelle Therapie zu den gängigen Verfahren. Letztere wird vor allem bei fortgeschrittenen Tumoren eingesetzt. Zeigt sie keine Wirkung mehr, besteht auch die Möglichkeit der Chemotherapie. Die Entwicklung weiterer Verfahren ist Thema klinischer Forschung. Dazu gehören neue Medikamente, neue Bestrahlungsformen, aber auch neue immuntherapeutische Ansätze. Hinzu kommen viele Möglichkeiten, um tumorbedingte Beschwerden oder Schmerzen zu lindern.
Welche dieser Therapien jeweils geeignet ist, hängt von der individuellen Krankheitssituation ab: Ist der Tumor noch auf die Prostata begrenzt, oder hat er die Kapsel überschritten? Wird er voraussichtlich nur langsam wachsen, oder liegen Hinweise auf ein schnelles Fortschreiten der Erkrankung vor? Gibt es Tumorabsiedelungen, sogenannte Fernmetastasen, in anderen Organen oder Knochen? Hat ein Patient deutliche Krankheitszeichen wie Schmerzen oder andere Beschwerden? Oder handelt es sich um einen Rückfall nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung?
Vor allem für die frühen Stadien der Erkrankung gibt es mehrere vom Ergebnis her praktisch gleichwertige Alternativen. Ihre Vor- und Nachteile allein unter medizinischen Gesichtspunkten gegeneinander abzuwägen, fällt Patienten oft nicht leicht. Außer dem Ziel, die bestmögliche Behandlung bei so wenigen Nebenwirkungen wie möglich zu erhalten, spielen auch persönliche Kriterien und Wünsche bei der Entscheidungsfindung eine Rolle.
Anfang 2012 soll in Deutschland eine große Untersuchung begonnen werden, von der sich Fachleute mehr Klarheit über Nutzen und Risiken der einzelnen Behandlungsverfahren versprechen: Männer mit Prostatakarzinom, deren Erkrankung noch auf das Organ selbst beschränkt ist, sollen in der PREFERE-Studie zwischen vier bereits etablierten Therapiemöglichkeiten wählen können: der operativen Entfernung der Prostata, der Bestrahlung von außen, der Bestrahlung mit kleinen implantierten Strahlungsquellen (Seeds-Bestrahlung oder Brachytherapie) oder der abwartenden Beobachtung und engmaschigen Kontrolle.
Diese Studie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gefordert, weil bisher kaum Daten dazu vorliegen, welche dieser Behandlungsoptionen Patienten in frühen Krankheitsstadien am meisten nützt und am wenigsten schadet. Der G-BA ist in Deutschland zuständig für die Frage, welche Leistungen von den gesetzlichen Krankenversicherungen finanziert werden können. Mehr zu den Hintergründen und zur geplanten "Präferenzbasierten Studie zur Evaluation der interstitiellen Brachytherapie beim lokal begrenzten Prostatakarzinom mit niedrigem Risiko (PREFERE)" bietet der Gemeinsame Bundesausschuss (www.g-ba.de) in einer Dokumentation vom Dezember 2009 unter www.g-ba.de/downloads/40-268-1189/2009-12-17-RMvV-Brachy_ZD.pdf.
Die folgenden Informationen sollen Patienten, ihren Angehörigen und allen Interessierten einen Überblick über das bisher vorliegende Hintergrundwissen zur Behandlung von Prostatakrebs vermitteln. Das persönliche Gespräch mit behandelnden Ärzten sollen und können Informationen aus dem Internet jedoch nicht ersetzen.
Damit sich Patienten auf ein Gespräch mit ihrem Arzt besser vorbereiten können, hat der Krebsinformationsdienst ein Informationsblatt mit wichtigen Fragen zusammengestellt: "Behandlungswahl: Was muss ich wissen?".
Die bei der Zusammenstellung der Informationen genutzten Quellen sind hier aufgeführt. Broschüren und Links zu weiteren Internetseiten zu Prostatakrebs sind im letzten Kapitel "Prostatakrebs - mehr wissen" genannt.
Der Urologe, der den ersten Krebsverdacht abgeklärt hat, ist auch ein wichtiger Ansprechpartner für die Frage, wie es weiter geht.
Falls sich ein Patient für eine aktive Überwachung (active surveillance) entscheidet, erfolgt die weitere Betreuung ambulant. Notwendig sind regelmäßige Arztbesuche, um den weiteren Verlauf der Erkrankung engmaschig zu kontrollieren.
Entscheiden sich Betroffene abhängig vom Krankheitsstadium oder ihrem Allgemeinzustand für die Antihormontherapie, kann der Facharzt die Behandlung bei entsprechender Ausbildung und Erfahrung ebenfalls ambulant durchführen - die medikamentöse Therapie erfordert keinen Krankenhausaufenthalt.
Auch eine Strahlen- oder Chemotherapie ist meist von zu Hause aus durchführbar, in einer spezialisierten Praxis oder über die Ambulanz eines Klinikums.
Eine Operation erfordert dagegen einen stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus.
Seit einiger Zeit gibt es in Deutschland sogenannte Prostatazentren. Diese Kliniken sind auf die Behandlung von Prostatakarzinompatienten spezialisiert. Ihre Angebote werden im Rahmen eines 2007 etablierten Zertifizierungsverfahrens im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft regelmäßig überprüft (www.onkozert.de, Stichwort "Prostatakarzinomzentren").
Erkrankte Männer können sich vor einer Entscheidung erkundigen, wie viel Erfahrung das Krankenhaus ihrer Wahl hat und wie viele Patienten mit Prostatakarzinom pro Jahr behandelt werden. Weitere Kriterien können sein, dass ein Zentrum nicht nur eins, sondern mehrere der möglichen Therapieverfahren anbietet, und dass die Ärzte über die Vor- und Nachteile neutral informieren.
Welche Kriterien bei der Arzt- und Kliniksuche eine Rolle spielen können, hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text zusammen gestellt, ein Informationsblatt steht ebenfalls zur Verfügung.