1. Hauptnavigation
  2. Navigation des Hauptbereiches
  3. Inhalt der Seite

Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte zum Beispiel zum Nachdruck, zur Kopie oder zur Speicherung und Weitergabe in elektronischer Form bedarf der schriftlichen Genehmigung des Krebsinformationsdienstes (KID), Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg.

Wir beantworten Ihre FragenGerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung — rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Prostatakrebs: Befunde kennen und verstehen

Wie geht es weiter, wenn die Diagnose Prostatakrebs gestellt wurde? Welche Befunde für die Planung der Behandlung wichtig sind, erläutert der folgende Text des Krebsinformationsdienstes. Er soll betroffenenen Männern erste Anhaltspunkte bieten, wichtige Begriffe erklären und das Gespräch mit den behandelnden Ärzten erleichtern. Informationen aus dem Internet können eine solche Beratung jedoch nicht ersetzen.

Befunde verstehen: Wichtig für die Therapieplanung

Prostatakrebs geht meist von den Drüsenzellen des Organs aus. Diese Tumoren zählen zu den sogenannten Adenokarzinomen. Bei der mikroskopischen Untersuchung des bei einer Biopsie entnommenen Gewebes kann der Pathologe die biologischen Eigenschaften des Tumors genauer bestimmen und Hinweise auf seine Bösartigkeit gewinnen. Dieses sogenannte Grading oder auch der heute übliche "Gleason-Score" - mehr dazu im folgenden Text - ergeben zusammen mit den Ergebnissen der Ausbreitungsdiagnostik den eigentlichen Befund.
Zur Therapieplanung sind diese Angaben ebenso wichtig wie der PSA-Wert.

Krebsvorstufen: Gibt es Vorstufen, aus denen sich ein Prostatakarzinom entwickeln kann?

Bei der Untersuchung von Prostatagewebe finden die Laborspezialisten nicht selten Zellverbände, die zwar keine bösartigen Tumoren sind, sich aber trotzdem von gesundem Gewebe unterscheiden. In ihren Befunden geben sie diese Beobachtungen dann mit folgenden Beschreibungen bzw. Abkürzungen an:

  • HGPIN steht für eine "hochgradige prostatische intraepitheliale Neoplasie". Sie gilt als Hinweis darauf, dass ein Patient ein hohes Risiko hat, ein Karzinom zu entwickeln, oder dass sich an anderer Stelle in der Prostata bereits eines gebildet hat.
  • Ein LGPIN-Befund (engl. "Low Grade PIN" für niedriggradige prostatische intraepitheliale Neoplasie) gilt dagegen als harmlos.
  • ASAP steht für "atypische mikroazinäre Proliferation" und ist ebenfalls Gewebe, das auf ein hohes Tumorrisiko hindeutet.

Die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie empfehlen Patienten, bei denen HG-PIN oder ASAP-Gewebe gefunden wird, sich einer erneuten Biopsie zu unterziehen: Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem anderen Abschnitt der Prostata doch Tumorgewebe gefunden wird, liegt, je nach für diese Fragestellung ausgewerteter Studie, zwischen 50 und 100 Prozent. Das heißt, in den bisher durchgeführten Studien musste im günstigsten Fall einer von zwei Männern doch mit einer Krebsdiagnose rechnen; in manchen Studien fand man bei einer Nachbiopsie sogar bei allen Männern doch ein Karzinom.

Fachbegriffe: Grading, Gleason-Score

Lange wurde zur Einstufung das sogenannte Grading-System der Weltgesundheitsorganisation WHO verwendet, abgekürzt mit dem Buchstaben G: Es beschreibt, wie stark sich die Tumorzellen mikroskopisch von normalen "ausgereiften" Zellen unterscheiden. Nach bestimmten Merkmalen teilt man in vier Grade von G1 bis G4 ein. Tumorzellen von Grad 1 (G1) sind gut differenziert, sie sind den normalen Zellen noch vergleichsweise ähnlich. Schlecht differenzierte Tumoren (G4) unterscheiden sich dagegen stark von normalen Zellen, sie wachsen besonders schnell und sind aggressiver als bei Grad 1. G2 und G3 liegen entsprechend dazwischen.

International gebräuchlicher und heute auch in Deutschland Standard ist der sogenannte Gleason-Score, benannt nach dem amerikanischen Arzt Donald Gleason. Er beschreibt ebenfalls das Ausmaß der Abweichung der Tumorzellen beziehungsweise ihres Wachstumsmusters vom gesunden Gewebe. Dazu werden die in einer Probe sichtbaren Zellen nach ihrem Aussehen in fünf verschiedene Gruppen eingeteilt und nach dem Grad ihrer Differenzierung mit einem Wert von 1 bis 5 belegt:

  • 1 steht für gut ausdifferenziert und damit einer gesunden Zelle bzw. gesundem Gewebe noch weitgehend ähnlich.
  • 5 steht für sehr wenig differenziert.

Für die klinische Bedeutung ist dabei der Punktwert, der bei einer großen Gruppe von Zellproben vorliegt, wichtiger als ein einzelner, auffallend abweichender Wert, der nur für wenige Zellen zutrifft. Daher werden nur die beiden größten Gruppen (die mit den meisten Zellen) für den Gleason-Score herangezogen. Zählt man ihre beiden Werte zusammen, erhält man den Score. Er kann also mindestens 2 und maximal 10 betragen, dabei ist 10 der ungünstigste Wert.
Auch die beiden größten Gruppen werden noch gewichtet: Die Punktwerte erhalten eine Reihenfolge, die häufigere Wertung steht vor der selteneren. 4 plus 3 ist demnach ungünstiger als 3 plus 4 - bei der ersten Angabe wurde der Wert "4" in mehr Zellen gefunden als bei der zweiten Angabe, obwohl beide Male die Summe einen Gleason-Score von 7 ergibt.

Tumorstadium: TNM-Bewertung beim Prostatakarzinom

Zum Weiterlesen

Vor der Behandlungsplanung steht die Auswertung aller in den Voruntersuchungen gewonnenen Ergebnisse.  Die Einstufung des Tumorstadiums nach dem TNM-System beruht eigentlich auf einer Beurteilung der Situation nach einer Operation oder zumindest einer Bauchspiegelung. Dann wird den TNM-Werten noch ein kleines "p" vorangestellt.
Bei der Beurteilung eines Prostatakarzinoms müssen aber nicht bei jedem Patienten zwangsläufig alle Angaben vollständig sein. Auch ohne Operation kann das TNM-System mit Einschränkungen angewendet und mit den Angaben zum Gleason-Score kombiniert zur Therapieplanung herangezogen werden.
Findet sich hinter einer oder mehreren der TNM-Kürzel der Buchstabe X, bedeutet dies deshalb, dass der jeweilige Wert nicht beurteilbar ist. NX heißt also beispielsweise, dass der Lymphknotenzustand nicht untersucht wurde oder nicht sicher angegeben werden kann.

T-Wert

Berücksichtigt wird die Tumorgröße und örtliche Ausdehnung des Karzinoms, angegeben mit dem "T"-Wert:

  • T1: Der Tumor macht keine Beschwerden, war nicht tastbar oder in bildgebenden Verfahren sichtbar und wurde nur durch eine Biopsieprobe festgestellt.
  • T2: Der Tumor ist größer, aber auf die Prostata beschränkt.
  • T3: Der Tumor hat die Prostatakapsel überschritten.
  • T4: Der Tumor ist in Gewebe eingewachsen, das die Prostata umgibt, zum Beispiel in den Blasenhals, den Enddarm oder die Bauchwand.

Um ein Prostatakarzinom genauer beschreiben zu können, wurden die einzelnen Stadien noch weiter unterteilt. So bedeutet beispielsweise T2a, dass Tumorzellen nur in einem kleinen Teil eines Prostatalappen gefunden wurden, T2b beschreibt einen größeren Tumor, der aber nach wie vor nur auf eine Seite der Prostata beschränkt ist.

N-Wert

Ob die Lymphknoten im Umfeld der Prostata befallen sind, wird mit N von lateinisch "Nodus" angegeben (N0 - Lymphknoten frei, N1 - regionale Lymphknoten enthalten Tumorzellen).

M-Wert

Das Vorhandensein oder Fehlen von Fernmetastasen erschließt sich aus der M-Angabe (M0 oder M1).

T1 N0 M0 bezeichnet nach diesem System zum Beispiel einen kleinen Tumor, der die Prostatakapsel nicht überschritten hat, ohne Lymphknotenbefall und Metastasen. 

Die genaue Bedeutung der einzelnen Werte sollten sich Patienten auf jeden Fall von ihren Ärzten erklären lassen: Die Einschätzung der Situation ist für die Behandlungsplanung entscheidend. Hinzu kommt die Beurteilung des Krankheitsstadiums anhand des PSA-Wertes.
Welche Therapieverfahren infrage kommen, hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Kapitel zusammen gestellt: "Prostatakrebs: Therapieplanung und Therapiemöglichkeiten".