1. Hauptnavigation
  2. Navigation des Hauptbereiches
  3. Inhalt der Seite
Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte zum Beispiel zum Nachdruck, zur Kopie oder zur Speicherung und Weitergabe in elektronischer Form bedarf der schriftlichen Genehmigung des Krebsinformationsdienstes KID, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Wir beantworten Ihre FragenGerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de
Krebszellen im Rasterelektronenmikroskop, Foto: MedicalRF.com/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Behandlung von Knochenmetastasen: Welche Möglichkeiten gibt es?

Schmerzlinderung, Stabilisierung, Wachstumskontrolle

Knochenmetastasen können zu Schmerzen führen, auch die Gefahr von Knochenbrüchen steigt. Patienten berichten, dass Auswirkungen wie diese ihre Lebensqualität beeinträchtigen. Das gilt auch für weitere Folgen von Metastasen des Skeletts. Die Therapie soll die Belastungen durch Knochenmetastasen vermeiden oder lindern. Bei einigen Patienten lässt sich auch das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten. Eine vollständige Heilung ist jedoch meist nicht mehr möglich.

In diesem Text hat der Krebsinformationsdienst zusammengestellt, welche Behandlungsansätze für die Behandlung von Knochenmetastasen infrage kommen. Die Inhalte richten sich an Betroffene, ihre Angehörigen sowie Interessierte. Informationen aus dem Internet können eine ärztliche Beratung jedoch nicht ersetzen.

Quellen und Links

Die verwendeten Quellen finden sich am Ende dieser Seite. Weitere Hinweise und Ansprechpartner hat der Krebsinformationsdienst im Text "Knochenmetastasen: Weiterführende Informationen und Quellen" zusammengestellt.

Behandlungsmöglichkeiten: Ein Überblick

Zum Weiterlesen

Treten Metastasen auf, heißt das: Der Tumor hat im Körper gestreut. Metastasen sind ein Zeichen dafür, dass eine Krebserkrankung bereits fortgeschritten ist. Das ist auch bei Knochenmetastasen so.

Ärzte haben verschiedene Möglichkeiten, um Knochenmetastasen zu behandeln. Welche setzen sie ein? Das kommt auf die Beschwerden und Symptome an, die Patienten belasten. Für die Planung müssen Mediziner wissen, wo und wie das Skelett geschädigt ist. Als Untersuchungsmethoden stehen vor allem bildgebende Verfahren zur Verfügung.

Welche Therapie hilft, hängt auch von der ursprünglichen Krebserkrankung ab. Zum Beispiel richten sich einige Medikamente gegen Merkmale, die nur bei bestimmten Tumorzellen vorhanden sind. Kommt eine Behandlung grundsätzlich infrage, hängt das weitere Vorgehen vom allgemeinen Gesundheitszustand eines Patienten ab. Berücksichtigt wird auch, wie viele Metastasen in welcher Körperregion festgestellt wurden - und ob es auch Absiedelungen außerhalb der Knochen gibt. Eine wichtige Frage ist: In welchem Verhältnis stehen Aufwand und Belastung zum erwartbaren Nutzen?
Die vielen Therapiemöglichkeiten lassen sich in drei Gruppen zusammenfassen:

Meist mehr als eine Therapie: Patienten haben es mit verschiedenen Fachärzten zu tun

Patienten erhalten meist nicht nur eine Behandlung, sondern mehrere. Diese können zeitgleich oder nacheinander erfolgen. Damit diese Ansätze gut aufeinander abgestimmt sind, arbeiten Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen eng zusammen. Ob Patienten für die Behandlung ins Krankenhaus müssen, oder ob die Therapie ambulant erfolgt, hängt von der individuellen Situation ab.

Erste Informationen erhalten Betroffene bei der Diagnose. Später kommt es darauf an, ob Patienten für die Behandlung länger ins Krankenhaus müssen, oder ob die Therapie ambulant erfolgt. Bleiben sie zu Hause, kann der Nachsorge-Arzt weiterhin eine wichtige Bezugsperson sein. Wie Patienten gute Ansprechpartner für ihre Behandlung finden, erläutert der Krebsinformationsdienst in seinem Informationsblatt, "Arzt- und Kliniksuche: Gute Ansprechpartner finden" (PDF).

Strahlentherapie: Hilfe bei Schmerzen und Bruchgefahr

Knochenmetastasen können von "außen" oder von "innen" bestrahlt werden. Fachleute bezeichnen die Bestrahlung von "außen" als perkutane Strahlentherapie. Das bedeutet, dass energiereiche Strahlen von außen durch die Haut gelangen. So sollen Tumorzellen zum Absterben gebracht werden. Der Gegensatz dazu ist die sogenannte Radionuklidtherapie. Patienten werden dabei mit schwach radioaktiven Stoffen behandelt, die sie als Injektion erhalten. Diese Radionuklide lagern sich direkt im Knochen ein. Dort schädigen sie Tumorzellen und hemmen Entzündungen. Sowohl die Bestrahlung von "außen" als auch die Bestrahlung von "innen" sollen die Schmerzen von Betroffenen lindern.

Perkutane Strahlentherapie: Bestrahlung von "außen" durch die Haut

Zum Weiterlesen

Ärzte bestrahlen Knochenmetastasen meist erst, wenn Symptome aufgetreten sind, vor allem Schmerzen. Für Schmerzen und drohende Brüche ist die Bestrahlung oft die Behandlung erster Wahl, so die entsprechenden Leitlinien. Die Strahlentherapie kann mit anderen Ansätzen kombiniert werden, zum Beispiel mit Medikamenten.

Eine Bestrahlung kommt vor allem für die Behandlung einzelner, räumlich begrenzter Knochenmetastasen infrage. Finden sich viele Metastasen an mehreren unterschiedlichen Stellen des Körpers, wird eher auf eine medikamentöse Therapie oder eine Radionuklidtherapie gesetzt. Besonders bruchgefährdete Bereiche können zusätzlich bestrahlt werden. Eine Behandlung mit energiereichen Strahlen wirkt sowohl bei Knochensubstanz bildenden als auch bei Knochensubstanz auflösenden Metastasen. Üblicherweise erhalten Patienten eine perkutane Bestrahlung in spezialisierten Facharztpraxen oder in Ambulanzen von Krankenhäusern. Nach den Bestrahlungssitzungen können sich Betroffene meist wieder nach Hause begeben.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, energiereiche Strahlung einzusetzen: Entweder erhalten Patienten einmalig eine hohe Dosis oder mehrfach entsprechend geringere Dosen. Bei einer Mehrfachbestrahlung wird die Gesamtdosis in der Regel auf zwei bis vier Wochen aufgeteilt. In Untersuchungen linderten beide Verfahrensweisen Schmerzen ähnlich gut.

  • Eine Wirkung ist allerdings frühestens fünf bis acht Tage nach Therapiebeginn zu erwarten, in der Regel dauert es ungefähr zwei Wochen. Diese Phase kann mit Schmerzmedikamenten überbrückt werden. 
  • Bis bestrahlte Knochen wieder stabiler sind, dauert es länger.
    Nebenwirkungen treten nur in geringem Umfang auf. Je kleiner die einzelnen Strahlendosen und das Bestrahlungsfeld sind, desto besser vertragen Patienten die Therapie. Trotzdem können unerwünschte Begleiterscheinungen auftreten, zum Beispiel Übelkeit. Erhalten Patienten höhere Strahlendosen, sind Hautschäden möglich. Wird Knochenmark mit bestrahlt, kann dies vorübergehend die Bildung gesunder Blutzellen beeinträchtigen. Ausführliche Hintergründe bietet der Krebsinformationsdienst im Text "Strahlentherapie: Nebenwirkungen".

Radionuklidtherapie: Strahlende Substanzen werden ins Blut gespritzt und wandern in die Knochen

Zum Weiterlesen

Die Radionuklidtherapie ist eine besondere Form der Strahlentherapie. Ärzte setzen sie vor allem zur Behandlung von Schmerzen ein. Schwach radioaktive Substanzen lagern sich dabei ins Tumorgewebe ein. Häufig verwendete Wirkstoffe sind die Isotope Strontium-89, Rhenium-186 und Samarium-153. Sie ähneln natürlichen Knochenbausteinen und werden vor allem dort "eingebaut", wo die Metastasen zu einem stark beschleunigten Knochenstoffwechsel und Umbauprozessen führen. Die Strahlung der Radionuklide schädigt die Tumorzellen und hemmt Entzündungen. Die Metastasen werden oft kleiner, verschwinden aber nicht vollständig.

Die strahlenden Stoffe werden Patienten in eine Armvene gespritzt. Meist kann die Therapie ambulant erfolgen. Bis Betroffene eine Wirkung spüren und Schmerzen nachlassen, dauert es etwa ein bis drei Wochen. Schmerzmittel können über diese Phase hinweghelfen.

Angewendet wird die Radionuklidtherapie vor allem, wenn über das ganze Skelettsystem verstreute Metastasen (disseminierte Metastasen) vorliegen. Räumlich begrenzte Tumorabsiedlungen werden eher von außen (perkutan) bestrahlt. Eine weitere Bedingung: Damit die strahlenden Teilchen in die Knochen eingebaut werden, müssen knochenaufbauende (osteoblastische) Vorgänge ablaufen.

Bei der Radionuklidtherapie achten Ärzte darauf, dass die Strahlenbelastung für das blutbildende Knochenmark nicht zu hoch ist. Lässt sich das, etwa bei sehr vielen Metastasen, nicht gewährleisten, kann das gegen die Radionuklid-Behandlung sprechen: Die Bildung gesunder Blutzellen würde zu stark beeinträchtigt. Dies könnte zu einer vorübergehenden Blutarmut, zu Problemen mit der Immunabwehr oder zu Störungen der Blutgerinnung führen.

Hintergründe zur Radionuklidtherapie hat der Krebsinformationsdienst unter der Überschrift "Nuklearmedizin: Techniken und Anwendungsbeispiele" zusammengestellt.

Medikamente: Fortsetzung der ursprünglichen Therapie und Linderung von Tumorbeschwerden

Patienten mit Knochenmetastasen erhalten oft eine medikamentöse Behandlung. Das kann die gleiche Therapie sein, die schon gegen den Ursprungstumor eingesetzt wurde, zum Beispiel eine Chemotherapie. Bei Brustkrebs und Prostatakrebs kommt auch eine Antihormontherapie infrage. Zielgerichtete Medikamente, die gegen spezifische Eigenschaften von Tumorzellen wirken, können ebenfalls helfen. Sie stehen allerdings nicht bei allen Tumorarten zur Verfügung. Für Patienten sind zudem Arzneimittel wichtig, die gegen belastende Symptome wie Schmerzen wirken.

Bisphosphonate: Schutz für das Skelett

Kiefer- und Zahnproblemen vorbeugen

Möglichst alle Zahn- und Zahnfleischprobleme  vor der Bisphosphonat-Einnahme behandeln lassen! Und: Sehr gute Zahnpflege hilft, auf Dauer Probleme zu vermeiden.

Bisphosphonate sind Medikamente, die in die Stoffwechselprozesse der Knochen eingreifen. Für Patienten mit Knochenmetastasen sind diese Medikamente in der Regel ein wichtiger Teil der Behandlung.

Bisphosphonate schützen das Skelett vor weiterer Zerstörung. Indirekt lindern sie Schmerzen. Auch gegen Hyperkalzämie helfen diese Wirkstoffe. Sie können als Infusion in eine Vene gegeben oder in Tablettenform eingenommen werden. Bisphosphonate greifen in den Kalziumstoffwechsel ein. Sie hemmen die Osteoklasten, also die Zellen im Körper, die am Abbau von Knochengewebe beteiligt sind.

Welche Nebenwirkungen auftreten, hängt davon ab, in welcher Form und welcher Dosis die Arzneimittel eingenommen werden. Bei Medikamenten zum Einnehmen (oralen Bisphosphonaten) kann es zu Magen-Darm-Beschwerden kommen. Patienten, die zu Sodbrennen neigen oder bei denen schon einmal Veränderungen an der Speiseröhrenschleimhaut festgestellt wurden, sollten ihren Arzt darüber informieren, weil Bisphosphonate als Tablette die Schleimhaut weiter reizen können.
Betroffene berichteten bei intravenösen Bisphosphonaten häufig von grippeähnlichen Symptomen und Fieber. Diese halten für etwa einen Tag an. In die Vene gegebene Bisphosphonate können zudem zu Nierenfunktionsstörungen führen. Ärzte kontrollieren deshalb die Nierenwerte engmaschig.
Sehr selten kann eine Behandlung zum Absterben von Teilen des Kieferknochens führen.

Für eine vorbeugende Anwendung - also vor dem Auftreten von Knochenmetastasen - sind Bisphosphonate in Deutschland bislang nicht zugelassen. Ihre Wirksamkeit ist bisher nicht zweifelsfrei belegt. Eine Anwendung ohne Zulassung bezeichnet man auch als Off-Label-Use, mehr dazu im Text "Krebsforschung". Entscheiden sich Ärzte und Patienten dafür, sollten Betroffene mit ihrer Krankenkasse die Kostenübernahme vorab klären. Anders ist die Situation bei Knochenschwund (Osteoporose). Dabei handelt es sich häufig um eine Art Alterserkrankung der Knochen. Sie kann aber auch durch eine antihormonelle Therapie ausgelöst werden. Betroffene Krebspatienten können Bisphosphonate erhalten. Ein Beispiel ist die Vorbeugung und Behandlung von Osteoporose bei Brustkrebspatientinnen, mehr dazu hier.

Chemotherapie: Einsatz hängt vom Tumor ab

Zum Weiterlesen

Bei einer Chemotherapie erhalten Krebspatienten Medikamente, die das Zellwachstum hemmen. Eine Chemotherapie wird meist als Infusion, seltener in Tablettenform verabreicht. Die entsprechenden Medikamente bezeichnet man auch als Zytostatika.

Wann werden bei Betroffenen Zytostatika gegen Knochenmetastasen eingesetzt? Die Behandlung hängt von der ursprünglichen Krebsart ab: Nicht alle Tumorzellen sprechen gleich gut auf eine Chemotherapie an. Hat ein Patient bereits einmal eine Behandlung mit Zytostatika erhalten und ging es ihm danach besser, werden Ärzte die gleiche Therapie empfehlen. Blieb ein Zytostatikum schon einmal ohne Wirkung, ist es dagegen in der Regel nicht sinnvoll, es erneut zu verwenden.

Mit einer Chemotherapie lässt sich nicht nur das Tumorwachstum bremsen. Wenn Knochenmetastasen ihre Größe verringern, üben sie weniger Druck auf das umliegende Gewebe aus: Daher kann eine Chemotherapie auch Schmerzen lindern.
Allerdings wirkt eine Chemotherapie nicht nur gegen Tumorzellen, sondern auch gegen gesundes Gewebe, das sich ähnlich schnell teilt. Nebenwirkungen einer Chemotherapie können Haarausfall und Schleimhautprobleme sein. Wird das blutbildende Knochenmark beeinträchtigt, kann das zu Blutarmut und einer eingeschränkten Immunabwehr führen. Übelkeit und Erbrechen lassen sich durch Begleitmedikamente meist unterdrücken.

  • Ob der Nutzen einer Chemotherapie diese Nebenwirkungen aufwiegt, ist eine schwierige Frage. Patienten müssen sie gemeinsam mit ihren Ärzten klären.

Hormontherapie: Behandlung bei Brustkrebs, Endometriumkarzinom und Prostatakrebs

Zum Weiterlesen

Bei Brustkrebs, Gebärmutterkörperkrebs und Prostatakrebs hängt das Wachstum der Tumoren häufig von Sexualhormonen ab, konkret von Östrogen und Progesteron bei Frauen und von Testosteron bei Männern.

Eine Antihormontherapie zielt darauf ab, die entsprechenden Hormone auszuschalten. Fachleute sprechen auch von endokriner Therapie. Sie setzt nicht allein am Knochen an, sondern beeinflusst alle Krebszellen im Körper. Bremst der Hormonentzug das Tumorwachstum, führt dies bei vielen Betroffenen zu einem Rückgang von Schmerzen. Sie kann die weitere Ausbreitung des Tumors für längere Zeit aufhalten. Betroffene erhalten ihre Medikamente entweder in Form von Tabletten oder als Depotspritzen, die in größeren Zeitabständen gegeben werden. Bei Männern mit Prostatakrebs kommt auch die Entfernung der Hoden infrage. Bei Frauen vor den Wechseljahren ist nach der Entfernung der Eierstöcke trotzdem noch eine weitere antihormonelle Behandlung mit Tabletten nötig; bei Frauen nach den Wechseljahren ist nur der Hormonentzug durch Medikamente möglich.

Bei Brustkrebs setzen Ärzte eine Antihormontherapie gegen Knochenmetastasen ein, wenn der Tumor hormonabhängig ist und die Krankheit langsam und ohne ausgeprägte Beschwerden fortschreitet. Frauen mit Gebärmutterkörperkrebs (Endometriumkarzinom), können mit Gestagenen behandelt werden. Diese Geschlechtshormone wirken als Gegenspieler des Östrogens. Möglich sind auch andere Antihormon-Medikamente. Infrage kommt auch eine Chemotherapie. Werden bei Prostatakrebspatienten Knochenmetastasen festgestellt, ist eine endokrine Behandlung meist die Therapie der Wahl. Allerdings werden Prostatakrebszellen nach einiger Zeit "hormontaub": Der Tumor wächst wieder. Betroffene Männer benötigen dann eine andere Therapie.

Arzneimittel bei Hyperkalzämie: Hilfe gegen zu viel Kalzium im Blut

Wird Knochenmaterial abgebaut, können größere Mengen Kalzium freigesetzt und ins Blut abgegeben werden. Befindet sich zu viel Kalzium im Blut, spricht man von einer Hyperkalzämie. Erste Anzeichen können ein starkes Durstgefühl, eine erhöhte Urinausscheidung und Müdigkeit sein. Bei einem milden Verlauf können Beschwerden ausbleiben. Bei sogenannten hyperkalzämischen Krisen ist das anders. Übelkeit, Verwirrtheit, übermäßige Schläfrigkeit bis hin zu komatösen Zuständen sind möglich. Auftreten können auch Herzrhythmusstörungen. Ohne Therapie sind schwere Verläufe lebensgefährlich.

Ärzte versuchen, die Menge von gelöstem Kalzium im Blut wieder auf ein normales Niveau zu bringen. Ist der Kalziumspiegel nur leicht erhöht, ist die Behandlung ambulant möglich. Im Notfall müssen Patienten zuerst im Krankenhaus stabilisiert werden.

Häufig zur Behandlung eingesetzte Medikamente sind Bisphosphonate. Sie hemmen den Knochenabbau. Ihre Wirkung setzt allerdings mit einer Verzögerung von zwei bis vier Tagen ein. Meist erhalten Patienten mit Skelettmetastasen Bisphosphonate nicht erst bei Anzeichen einer Hyperkalzämie. Dies hat das Risiko für einen zu hohen Kalziumspiegel und schwere Komplikationen verringert. Weiterhin können Ärzte Hormone verabreichen, die in den Kalziumstoffwechsel eingreifen, etwa Kalzitonin oder Kortikosteroide ("Kortison"). Kalzitonin hat den Vorteil, dass es schneller wirkt als Bisphosphonate.

Monoklonale Antikörper: Zielgerichtet gegen Umbauprozesse in den Knochen

Zum Weiterlesen

Eine weitere Gruppe von Medikamenten zur Behandlung von Knochenmetastasen sind sogenannte "targeted therapies". In Deutschland ist bisher der Antikörper Denosumab zugelassen. Der Wirkstoff wird unter dem Markennamen Xgeva® zur Behandlung von Knochenmetastasen eingesetzt. Weitere vergleichbare Mittel werden in klinischen Studien getestet.

Denosumab bindet an eine bestimmte Struktur im Körper, ein als RANKL bezeichnetes Antigen. RANKL aktiviert normalerweise knochenabbauende Zellen. Denosumab vermindert die Bildung und Aktivität dieser Zellen. Letztlich führt das dazu, dass weniger Knochenmasse abgebaut wird. Knochenbrüche und andere schwerwiegende Folgen von Knochenmetastasen werden seltener.

Bei der Behandlung von Knochenmetastasen erhalten Patienten den Antikörper alle vier Wochen unter die Haut gespritzt. Sehr häufige Nebenwirkungen sind eine erschwere Atmung (Dyspnoe) und Durchfall. Sie treten bei mehr als zehn von 100 Patienten auf. Häufige unerwünschte Wirkungen können zudem Veränderungen im Mineralhaushalt des Körpers sein: Ein bis neun von 100 Behandelten weisen einen verringerten Kalzium- und Phosphatspiegel im Blut auf. Wie bei Bisphosphonaten wurden auch bei Patienten unter Behandlung mit Denosumab Gewebezerstörungen im Bereich des Kieferknochens (Kiefernekrosen) beobachtet.

Medikamentöse Schmerztherapie: Blockade der Schmerz-Signale

Knochenmetastasen können starke Schmerzen verursachen. Dagegen stehen wirksame Medikamente zur Verfügung. Diese Arzneimittel verschaffen vielen Patienten eine deutliche Linderung. Ziel ist eine vollständige Schmerzfreiheit. Das wird allerdings nicht bei jedem Betroffenen erreicht. Besonders wichtig sind Schmerzmedikamente, solange andere Behandlungsansätze ihre volle Wirkung noch nicht entfaltet haben.

Die verschiedenen Arzneimittel wirken, indem sie die Ausschüttung schmerzauslösender Stoffe blockieren und die Wahrnehmung der Schmerzen verändern. Fachleute teilen die verfügbaren Arzneimittel in zwei Gruppen ein: Nicht-Opioid-Analgetika und Opioide. Zu den Nicht-Opioid-Analgetika gehören zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS oder "Aspirin"), Paracetamol, Ibuprofen und Diclofenac. Bei starken Schmerzen oft wirksamere Schmerzmedikamente sind die Opioide. Der bekannteste Wirkstoff aus dieser Gruppe ist Morphium.
Welche Arzneimittel Patienten erhalten, hängt von ihrer Belastung ab. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ein Stufenschema entwickelt, das für jede Schmerzstärke die geeigneten Medikamente vorsieht. Wie Schmerzmittel angewendet und kombiniert werden können, erläutert der Krebsinformationsdienst in seinen Texten zu "Schmerzen bei Krebs und ihre Behandlung".

Chirurgische Therapie: Hilfe bei Bruchgefahr und Lähmungserscheinungen

Bei Patienten mit Knochenmetastasen werden Operationen in Erwägung gezogen, wenn die Umbauprozesse des Skeletts zu einer erkennbaren Bruchgefahr geführt haben, oder wenn Brüche bereits aufgetreten sind. Ein chirurgischer Eingriff kann auch gegen Schmerzen und Lähmungen helfen. Üben beispielsweise die Metastasen Druck auf Nerven aus, so ist es möglich, diesen Zustand zu lindern. Ein Beispiel: Sind Nerven des Wirbelkanals durch die Metastasen eingeengt, kann durch eine Entfernung des einengenden Gewebes eine schnelle Entlastung der Rückenmarksnerven erreicht werden. Ist die Nervenschädigung noch nicht sehr ausgeprägt, bilden sich Schmerzen und auch Lähmungen schnell zurück.

Ob eine Operation möglich und sinnvoll ist, müssen Betroffene im Einzelfall mit ihren Ärzten klären. Gegen einen Eingriff können verschiedene Gründe sprechen. Bei einer zu großen Zahl an Metastasen wären zu viele belastende Eingriffe nötig. Bei manchen Patienten befürchten Chirurgen zudem Komplikationen. Sind Umbauprozesse im Skelett schon sehr fortgeschritten, erschwert das die Wund- und Knochenheilung. Die verringerte Stabilität der Knochen kann auch Probleme bereiten, wenn sie das Fixieren der Bruchstelle mit Schrauben oder Nägeln erschwert. Lässt sich ein Knochenbruch nicht mehr fixieren - und reicht es bei größeren Defekten nicht aus, sie entstandene Lücken mit Knochenzement zu verfüllen - muss eventuell auch an den Einsatz einer Prothese gedacht werden, beispielsweise eines künstlichen Gelenks.

Wie sinnvoll ein chirurgischer Eingriff ist, hängt zudem nicht nur von der chirurgischen Machbarkeit ab. Sehr schwer kranke Patienten sehen sich auch mit dem Problem konfrontiert, dass die Wundheilung lange dauert und es Zeit braucht, bis die Eingriffe am Knochen wieder zu mehr Stabilität führen. In dieser Zeit ist ihre Lebensqualität unter Umständen durch die Folgen eines Eingriffs stärker eingeschränkt, als es durch den Nutzen des Eingriffs zu rechtfertigen ist. Geht es Betroffenen sehr schlecht, muss auch geklärt werden, ob ihr Zustand einen Eingriff überhaupt zulässt.

Fällt aber die Entscheidung zur Operation, gilt: Welches Verfahren Chirurgen anwenden, hängt von der konkreten Situation ab. Allgemein gilt: Die Ärzte versuchen, die Metastasen so vollständig wie möglich zu entfernen und dabei möglichst schonend vorzugehen. Zusätzlich wird die entsprechende Stelle je nach Situation noch bestrahlt, um den Behandlungserfolg zu festigen, mehr dazu hier.

Eine systemische Therapie, also Bisphosphonate, eine Chemotherapie oder eine Antihormontherapie, richtet sich gegen unsichtbar zurückgebliebene Krebszellen und kann eine Operation ebenfalls ergänzen.

Orthesen, Schienen, Korsetts

Ob instabile Knochen vorübergehend oder auf Dauer durch eine Schienung gestützt werden können, hängt sehr stark von der individuellen Situation ab. Es gibt die Möglichkeit, zum Beispiel die Wirbelsäule durch Spezial-Korsetts zu entlasten, die von Orthopädietechnikern individuell angepasst werden. Allerdings ist die äußerliche Stabilisierung durch Schienen oder individuell angepasste "Orthesen" im Alltag manchmal unbequem und belastend für Betroffene. Nach einer Operation kann die zeitweilige Schienung aber die Zeit überbrücken, bis die Wund- und Knochenheilung abgeschlossen ist. Wurde ein Knochen durch Nagelung oder Metallplatten stabilisiert, ist oft auch dies nicht notwendig.

Weitere Informationen für Interessierte und Fachkreise (Auswahl)

Allgemeine Angaben hat der Krebsinformationsdienst Lehrbüchern zur Tumorbehandlung entnommen. Darüber hinaus wurden für diesen Text folgende Leitlinien sowie in Fachzeitschriften veröffentlichte Beiträge herangezogen.

Leitlinie Lungenkrebs: Goeckenjan et al. (2010). Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. Interdisziplinäre S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und der Deutschen Krebsgesellschaft. Die Leitlinie ist im Internet vollständig zugänglich, www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-007_S3_Praevention__Diagnostik__Therapie_und_Nachsorge_des_Lungenkarzinoms_lang_02-2010_02-2015.pdf.

Leitlinie Prostatakrebs: Wirth M, Weißbach L et al. (2011). Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Die Leitlinie ist im Internet vollständig zugänglich, www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-022OLl_S3_Prostatakarzinom_2011.pdf.

Leitlinie Brustkrebs: Kreienberg R, Kopp I et al. (2012). Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Die Leitlinie ist im Internet vollständig zugänglich, www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OL_l_S3__Brustkrebs_Mammakarzinom_Diagnostik_Therapie_Nachsorge_2012-07.pdf

Leitlinie Radionuklidtherapie: Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (2007). Radionuklidtherapie bei schmerzhaften Knochenmetastasen. Die Leitlinie ist im Internet vollständig zugänglich, www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/031-029_S1_Radionuklidtherapie_bei_schmerzhaften_Knochenmetastasen_11-2007_11-2012.pdf.

Informationen zum Medikament Xgeva ® (Denosumab): Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (2011). Neue Arzneimittel: Xgeva ® (Denosumab). Die Hinweise der AkdÄ sind im Internet frei zugänglich, www.akdae.de/Arzneimitteltherapie/NA/Archiv/2011032-Xgeva.pdf

Suva LJ, Washam C, Nicholas RW, Griffin RJ (2011). Bone metastasis: mechanisms and therapeutic opportunities. Nature Reviews Endocrinology 7: 208-218, doi: 10.1038/nrendo.2010.227. Das Manuskript ist frei online zugänglich, www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3134309.

Lutz S et al. (2011). Palliative radiotherapy for bone metastases: an ASTRO evidence-based guideline. International Journal of Radiation Oncology, Biology, Physics 79: 965-76, doi: 10.1016/j.ijrobp.2010.11.026. Der Text und weitere Informationen finden sich auf der Seite der amerikanischen Fachgesellschaft für Radiologie und Onkologie (American Society for Therapeutic Radiology and Oncology, ASTRO), www.astro.org/Clinical-Practice/Guidelines/Bone-Metastases.aspx

Sze WM, Shelley M, Held I, Mason M (2002). Palliation of metastatic bone pain: single fraction versus multifraction radiotherapy. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 1. doi: 10.1002/14651858.CD004721.

Roqué I Figuls M, Martinez-Zapata MJ, Scott-Brown M, Alonso-Coello P (2011). Radioisotopes for metastatic bone pain. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 7. doi: 10.1002/14651858.CD003347.pub2.

Shelley M, Harrison C, Coles B, Stafforth J, Wilt T, Mason M (2006). Chemotherapy for hormone-refractory prostate cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 4. doi: 10.1002/14651858.CD005247.pub2.

Wong MHF, Stockler MR, Pavlakis N (2012). Bisphosphonates and other bone agents for breast cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 2. doi: 10.1002/14651858.CD003474.pub3.