
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deDieser Text bietet einen Überblick über die Entstehung der unterschiedlichen Formen maligner Lymphome, ihre Häufigkeit und die heute bekannten Auslöser. Er richtet sich an Patienten, ihre Angehörigen und an Interessierte, die sich allgemein über maligne Lymphome informieren möchten. Weitere Informationsmöglichkeiten und Ansprechpartner sowie bei der Erarbeitung genutzte Quellen sind im Text "Mehr wissen über maligne Lymphome" aufgeführt. Für individuelle Fragen steht der Krebsinformationsdienst außerdem am Telefon oder per E-Mail zur Verfügung. Informationen aus dem Internet, einer E-Mail oder einem Telefongespräch können Patienten die persönliche Beratung durch Ärzte und weitere Fachleute jedoch nicht ersetzen.
Auf dieser Seite:
Kurzüberblick: Was sind maligne Lymphome?
Tumorbiologie: Welche Zellen und Organe sind beteiligt?
Lymphome und Lymphknotenmetastasen: Wo ist der Unterschied?
Übersicht: Welche Lymphomarten unterscheidet man?
Statistik: Wie häufig sind Lymphome?
Auslöser: Welche Risikofaktoren für Lymphome gibt es?
Weitere Informationen:
Mehr wissen: Adressen, Links, Broschüren, Quellen für Fachkreise
Zurück zur Inhaltsübersicht "Maligne Lymphome"
Maligne Lymphome sind bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems. Sie werden auch als Lymphdrüsenkrebs bezeichnet.
Zum lymphatischen System zählen die Lymphknoten und Lymphbahnen, die Mandeln und die Milz, bei Kindern auch der Thymus. Lymphatisches Gewebe findet sich jedoch an vielen anderen Stellen im Körper, etwa in den Schleimhäuten des Verdauungstraktes.
Erste Anzeichen eines malignen Lymphoms sind bei vielen Patienten meist schmerzlose Schwellungen der Lymphknoten, zum Beispiel am Hals oder in der Achselhöhle. Lymphome können jedoch im gesamten Körper auftreten.
Man unterscheidet verschiedene Gruppen von malignen Lymphomen, je nachdem, von welchen Zellen sie ausgehen und welche molekularbiologischen Eigenschaften diese Krebszellen aufweisen. Auch der Krankheitsverlauf hängt vom jeweiligen Lymphomtyp ab. Die Einteilung der malignen Lymphome und die genaue Zuordnung der vorliegenden Erkrankung zu einem Lymphomtyp sind deshalb wichtig für die Behandlung und die Prognose.
Heute weiß man, dass die verschiedenen malignen Lymphome von den Lymphozyten und verwandten Zellformen ausgehen.
Diese weißen Blutkörperchen werden im Knochenmark gebildet, aus Stammzellen, die in der Lage sind, sich zu jeder Form von Blutzellen zu entwickeln. Gesunde Lymphozyten durchlaufen verschiedene Schritte der Reifung. Sie verlassen das Knochenmark und wandern in die lymphatischen Gewebe ein. Als Teil des Immunsystems erkennen Lymphozyten Fremdstoffe und Krankheitserreger im Körper, sie bilden Antikörper oder lösen eine Immunreaktion aus. Sie sind in der Lage, sich über das Blut- und das Lymphsystem im ganzen Körper zu verbreiten und können auch in andere Gewebe vordringen.
Lymphdrüsenkrebs gilt deshalb wie Leukämie als eine "systemische" Erkrankung, als eine Erkrankung des ganzen Körpers. Anders als bei Betroffenen mit Leukämien finden sich bei Lymphompatienten jedoch häufig Krankheitszeichen nur an wenigen, lokalisierten Stellen im Körper, zum Beispiel nur einzelne geschwollene Lymphknoten.
An der Entstehung von Lymphomen sind unterschiedliche Typen von Lymphozyten beteiligt: sogenannte B-Zellen und die ihnen ähnlichen Plasmazellen, die T-Lymphozyten sowie unreife Vorläufer dieser Zelltypen.
Die gestörte Lymphozytenbildung kann sich bei einigen Lymphomformen auf das gesamte Blutbild auswirken:
Ist das Knochenmark betroffen, findet man bei Patienten eventuell auch veränderte Zahlen der anderen Blutzellen, also roter Blutkörperchen (Erythrozyten) für den Sauerstofftransport, anderer weißer Blutkörperchen (Leukozyten) als Zellen des Immunsystems und von Blutplättchen (Thrombozyten) zur Blutgerinnung.
Alle diese Zellen entstehen aus gemeinsamen Vorläuferzellen im Knochenmark. Einen Überblick bietet das nebenstehende Schaubild "Blutbildung". Mehr zu den verschiedenen Blut- und Immunzellen und ihren Aufgaben hat der Krebsinformationsdienst im Text "Immunsystem" zusammengestellt.
Anders als maligne Lymphome gehen Lymphknotenmetastasen nicht von Lymphozyten aus. Sie sind Absiedelungen eines anderen Tumors in die Lymphknoten. Die Zellen stammen also beispielsweise aus einem Brusttumor und sind anhand ihres Aussehens und ihrer biologischen Eigenschaften immer noch als Brustkrebszellen zu erkennen.
Solche Lymphknotenmetastasen können bei vielen Tumorarten vorkommen. Ihre Behandlung richtet sich nach dem Ursprung der Krebszellen. Patienten mit Lymphknotenmetastasen eines anderen Tumors finden dazu mehr dazu in der Rubrik "Krebsarten".
Zu den malignen Lymphomen gehören vergleichsweise unterschiedliche Erkrankungen. Je nachdem, welche Zellen betroffen sind, welche Eigenschaften die veränderten Zellen aufweisen und wie die Krankheit verläuft, werden die einzelnen Lymphome verschiedenen Gruppen zugeordnet. Diese Einteilung oder Klassifikation wurde im Laufe der Jahre mehrmals aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse aktualisiert.
In Deutschland bis vor wenigen Jahren üblich war die sogenannte Kiel-Klassifikation, die ab 1969 an der Kieler Universität entwickelt wurde. In anderen Ländern, beispielsweise in den USA, nutzten Fachleute jedoch andere Einteilungen. Das machte es Ärzten schwer, in der internationalen Fachliteratur beschriebene Erkrankungen und neue Behandlungsmethoden miteinander zu vergleichen.
1994 wurde daher erstmals eine von europäischen und amerikanischen Wissenschaftlern gemeinsam entwickelte Einteilung veröffentlicht, die sogenannte R.E.A.L.-Klassifikation (englisch: Revised European-American Classification of Lymphoid Neoplasms). Im Jahr 2001 wurde diese Einteilung noch einmal von einer internationalen Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überarbeitet.
Die "WHO-Klassifikation der Malignen Lymphome" wird seither weltweit für die Beschreibung der verschiedenen Lymphomarten herangezogen und regelmäßig auf den neuesten wissenschaftlichen Stand gebracht. Sie berücksichtigt das Aussehen der veränderten Zellen unter dem Mikroskop, typische Genveränderungen und weitere molekularbiologische Eigenschaften.
Allerdings haben sich durch die geänderten Klassifikationen auch einige der lange in Deutschland üblichen Krankheitsbezeichnungen verändert. Wichtige Oberbegriffe zur Bezeichnung und Beschreibung maligner Lymphome sind jedoch gleich geblieben:
Die Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) werden zunächst grob in zwei Klassen eingeteilt, je nach Zelltyp, auf den die Krebszellen zurückgehen. Man unterscheidet B-Zell-Lymphome und T- oder NK-Zell-Lymphome.
Alle Blutzellen gehen auf gemeinsame Stammzellen zurück [[Abschnittslink nach oben]]. Aus diesen entwickeln sich über verschieden Vorstufen die reifen Blutzellen. Je nachdem, ob die Krebszellen eines NHL-Patienten aus eher unreifen Vorstufen oder reifen Lymphozyten und Killerzellen hervorgehen, spricht man von "Precursor-Lymphomen" (englisch: precursor = "Vorläufer") oder "reifzelligen Lymphomen".
Indolent bedeutet eigentlich "schmerzlos". Bei den malignen Lymphomen werden die Formen als "indolent" bezeichnet, die in der Regel langsam wachsen. Etwa sieben von zehn Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen leiden an einer indolenten Form. Man grenzt sie von den schnell wachsenden "aggressiven" und den "sehr aggressiven" Lymphomen ab. Drei von zehn NHL-Patienten haben ein aggressives Lymphom.
Über Details der Klassifikation der malignen Lymphome informiert das Kompetenznetz Maligne Lymphome, im Internet unter www.lymphome.de/InfoLymphome/PathologieUndKlassifikation/index.jsp. Dort findet sich auch eine Gegenüberstellung von Kiel- und WHO-Klassifikation, unter www.lymphome.de/InfoLymphome/PathologieUndKlassifikation/
KielKlassifikation/TabKielWHOKlass.jsp.
Außer der Klassifikation des Lymphomtyps ist für betroffene Patienten und Ärzte wichtig, wie weit sich die Erkrankung im Körper ausgebreitet hat: Die Klassifikation ist nicht zu verwechseln mit dieser Ausbreitungsbeurteilung und dem Krankheitsstadium, mehr dazu im Textteil "Symptome, Früherkennung, Diagnostik".
Maligne Lymphome sind im Vergleich zu Tumorerkrankungen wie Brustkrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs oder Prostatakrebs eher selten. Bei Männern standen in Deutschland die Non-Hodgkin-Lymphome 2006 an neunter Stelle der Krebsneuerkrankungen, bei Frauen an elfter Stelle. Hodgkin-Lymphome sind noch seltener.
Im Jahr 2006 erkrankten insgesamt 6.410 Männer und 6.350 Frauen an einem Non-Hodkin-Lymphom sowie 1.130 Männer und 890 Frauen an einem Hodgkin-Lymphom. Für das Jahr 2010 rechneten die Krebsregister mit 6.820 neu an einem NHL erkrankten Männern und 6.580 neu erkrankten Frauen. Für 2010 gehen die Krebsregister von 970 Männern und 870 Frauen aus, die neu an einem Hodgkin-Lymphom erkrankten.
Non-Hodgkin-Lymphome können alle Altersgruppen betreffen, die meisten Patienten sind jedoch schon älter. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 67 Jahren, für Frauen bei 70 Jahren. Hodgkin-Lymphome können im Gegensatz dazu in jedem Lebensalter auftreten. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 46 Jahren, für Frauen bei 41 Jahren. Diese Durchschnittswerte täuschen jedoch: Insbesondere Frauen erkranken oft bereits im Jugend- und jungen Erwachsenenalter, ein zweiter Erkrankungsgipfel liegt dann erst wieder im höheren Lebensalter.
Einen Überblick über die Erkrankungsrate und weitere statistische Daten bietet die Broschüren „Krebs in Deutschland“, die vom Robert-Koch-Institut und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister zur Verfügung gestellt wird - im Internet unter www.gekid.de. Wie die Häufigkeit von Tumorerkrankungen in Deutschland erfasst wird, erläutert der Krebsinformationsdienst im Text "Krebsregister: Warum Zählen so wichtig ist".
Krebs entsteht, wenn einzelne geschädigte Zellen sich unkontrolliert teilen und vermehren. Im Fall der malignen Lymphome sind mit den B- und T-Lymphozyten Zellen des Immunsystems betroffen. Was dazu führt, dass sich Vorläuferzellen oder reifende Lymphozyten verändern und die Zellteilung außer Kontrolle gerät, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.
Heute geht man davon aus, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen können. Sie bewirken, dass das Erbmaterial in den Zellen geschädigt wird und die Fehler durch die zelleigenen Reparatursysteme nicht mehr behoben werden. Einige dieser Risikofaktoren sind heute zwar bekannt, sie spielen aber bei sehr vielen Lymphompatienten keine nachweisbare Rolle.
- Bei den meisten Patienten läßt sich im Nachhinein nicht feststellen, was die Krankheit ausgelöst hat. Experten gehen heute davon aus, dass maligne Lymphome bei den meisten Patienten als eine Art zufälliger Fehler bei der Zellteilung entstehen, ohne dass sich ein konkreter Auslöser feststellen ließe.
Dies ist eventuell auch eine Erklärung dafür, dass das Risiko für die Non-Hodgkin-Lymphome mit zunehmendem Alter immer höher wird. Für Hodgkin-Lymphome gilt der Zusammenhang allerdings nicht, sie können in jedem Lebensalter auftreten.
Bekannte Risikofaktoren, die sich jedoch nicht bei allen Betroffenen in der Vorgeschichte finden, sind:
Damit sind schwerwiegende Probleme zum Beispiel bei einer HIV-Infektion oder durch Medikamente gemeint, die das Immunsystem unterdrücken, vor allem nach einer Organtransplantation.
Einige der selteneren aggressiven Non-Hodgkin-Lymphome treten gehäuft bei Patienten auf, die mit dem Humanen Immunschwäche-Virus (HIV) infiziert sind. Eine Lymphomerkrankung bei HIV-Infizierten ist meist ein Zeichen dafür, dass die Infektion zu einer AIDS-Erkrankung geführt hat.
Patienten, die starke immunsuppressive Medikamente erhalten, die das eigene Abwehrsystem unterdrücken, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, Non-Hodgkin-Lymphome zu entwickeln. Dies ist zum Beispiel nach Organtransplantationen der Fall. Innerhalb des Kompetenznetzes Maligne Lymphome befasst sich eine Studiengruppe insbesondere mit Lymphomen nach Transplantationen, mehr unter www.lymphome.de/Gruppen/DPTLDSG/index.jsp.
Als Auslöser für Non-Hodgkin-Lymphome diskutieren Experten auch generelle Zusammenhänge zum Beispiel mit Autoimmunerkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen Strukturen des eigenen Körpers richtet.
Bestimmte Viren spielen eine Rolle bei der Entstehung von malignen Lymphomen. Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist nicht nur verantwortlich für das Pfeiffersche Drüsenfieber, auch als "Kusskrankheit" bekannt. Heute gilt es als sicher, dass eine Infektion mit EBV auch an der Entstehung von B-Zell-Lymphomen beteiligt sein kann. Wissenschaftler wiesen Erbmaterial des Virus in Gewebe von Hodgkin-Lymphomen nach. Die tatsächliche Rolle bei der Entstehung dieser Erkrankung ist derzeit jedoch noch nicht einschätzbar. Eine EBV-Infektion kann auch die Entstehung des Burkitt-Lymphoms begünstigen. Dieses Non-Hodgkin-Lymphom tritt vorwiegend in Zentral- und Ostafrika auf. In T-Zell-Lymphomen konnte das Epstein-Barr-Virus ebenfalls nachgewiesen werden, außerdem das Humane T-Zell-Leukämie-Virus.
Weitere Viren werden mit Lymphomen ebenfalls in Zusammenhang gebracht.
Für die meisten Lymphompatienten in Europa bleibt derzeit allerdings unklar, ob und in welchem Umfang Viren an der Entstehung ihrer Erkrankung beteiligt waren. Mehr zur Rolle dieser Krankheitserreger bei der Entstehung von Lymphomen erläutert der Krebsinformationsdienst im Text "Viren und Krebs".
Helicobacter-pylori: Eine Infektion mit dem Bakterium erhöht das Risiko für MALT-Lymphome der Magenschleimhaut.
Geschwister und Kinder von Patienten mit Hodgkin-Lymphom haben ein leicht erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Auch bei den NHL besteht der Verdacht, dass angeborene Genvarianten das Erkrankungsrisiko erhöhen. Bisher konnten jedoch noch keine Erbanlagen identifiziert werden, die eindeutig innerhalb einer Familie zu einer Häufung von Lymphomerkrankungen geführt hätten.
Radioaktive Strahlung kann manche Non-Hodgkin-Lymphome fördern. Die meisten Untersuchungen zu diesem Risikofaktor beziehen sich jedoch auf höhere Strahlendosen, wie sie heute normalerweise nur bei Unfällen freiwerden.
Weitere Risikofaktoren, deren Einfluss diskutiert wird, aber nicht eindeutig gesichert ist, sind verschiedene Chemikalien, darunter Schwermetalle, sowie das Tabakrauchen.
Wie mehr oder weniger zufällige Abweichungen und kleinen Ungenauigkeiten im Erbmaterial von Blutstammzellen zu einer Blutkrebserkrankung führen können, erläutert der Text "Tumorentstehung und Metastasenbildung".