
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deDas Wort Krebs steht für eine Reihe unterschiedlicher Erkrankungen. Sie haben nur eins gemeinsam: die unkontrollierte Teilung von Zellen. Was daraus entsteht, ist bei vielen Krebsarten ein solider Tumor, zu Deutsch Geschwulst. Die malignen Lymphome können dagegen aufgrund der Struktur des lymphatischen Systems mit einzelnen Zellen über den ganzen Körper verteilt sein. Teilweise haben sie dann das Erscheinungsbild einer Leukämie, mit vielen weißen Blutzellen im Blutbild. Sie können aber auch als große Lymphknotenschwellungen und als einzelne Tumoren in Erscheinung treten, vor allem in einigen Organen wie etwa dem Magen, den Knochen oder der Haut.
Heute weiß man, dass die Ursache für die Entstehung von Krebs in einer Veränderung des Erbmaterials einzelner Körperzellen liegt. In der Regel müssen viele Faktoren, äußere und innere, zusammenwirken, um eine Zelle in eine Krebszelle umzuwandeln. So wenig es den einen Krebs gibt, so wenig kann man auch von der einen Krebsursache sprechen. Die gemeinsame Endstrecke dieser Störungen ist jedoch immer ein Kontrollverlust des Zellwachstums. Dies führt zu ungeregelter Zellteilung und dem Verlust der für die jeweilige Zellart eigentlich typischen Eigenschaften.
Äußere Einflüsse wie beispielsweise Tabakrauch, die ultravioletten Strahlen der Sonne, radioaktive Strahlung, bestimmte Schimmelpilze auf Lebensmitteln, Fehlernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht, einige Virusinfektionen oder manche Chemikalien spielen bei der Entstehung von Krebserkrankungen eine mehr oder weniger große Rolle. Sie können jedoch nicht generell und allein für jeden Krebs verantwortlich gemacht werden. Dafür sind gerade die malignen Lymphome ein wichtiges Beispiel: Zwar werden einige mögliche Ursachen diskutiert; eindeutige Zusammenhänge benennen aber selbst Experten für die Lymphome aufgrund des bisherigen Kenntnisstandes ungern. Auch lassen sich allgemeine statistische Aussagen zu Krankheitsauslösern meist nur schwer auf das individuelle Schicksal übertragen. Für die meisten Betroffenen bleibt es daher unklar, weshalb sie an einem malignen Lymphom erkrankt sind.
Das lymphatische System ist mit seinen Geweben und Zellen über den ganzen Körper verteilt. Es bildet einen Teil des Immunsystems. Auch mit dem Blut bildenden Knochenmark steht das Lymphsystem in engem Zusammenhang. Seine Aufgaben sind die Abwehr von Krankheitserregern und anderen in den Körper eingedrungenen Fremdstoffen, außerdem die Reinigung und Entgiftung von körpereigenen Abbauprodukten, zum Beispiel von Zelltrümmern.
Zum Lymphsystem gehören
Zum "Organ" Lymphsystem gehört außerdem
Bei Lymphomen sind die Zellen des lymphatischen Systems betroffen. Sie nennt man Lymphozyten. Wie die Leukozyten gehören sie zu den weißen Blutkörperchen und haben in gesundem Zustand zentrale Aufgaben in der Immunabwehr.
Lymphozyten durchwandern in Blut und Lymphbahnen den ganzen Körper. Nach ihrer Funktion und Entwicklung lassen sich zwei Hauptklassen unterscheiden, die B-Lymphozyten und die T-Lymphozyten:
Die Stammzellen aller Lymphozyten – wie auch die der anderen Blutzellen - entstehen und wachsen zunächst im Knochenmark. Das B der B-Lymphozyten steht für die englische Bezeichnung Bone marrow = Knochenmark: Dieser Lymphozytentyp reift dort zu funktionstüchtigen Abwehrzellen heran.
Bei T-Lymphozyten erfolgt die Ausreifung dagegen außerhalb des Knochenmarks erst im Thymus. B- und T-Zellen wirken in ihren Abwehraufgaben zusammen und kommunizieren über Zellhormone, die so genannten Zytokine. Mit diesen Signalsubstanzen können sich die Zellen verständigen und gegenseitig aktivieren. Einen Überblick über das Immunsystem und seine Aufgaben hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.
Der Begriff „maligne Lymphome“ bedeutet „bösartige Lymphknotengeschwülste“. Unter dieser Bezeichnung wird eine große Zahl unterschiedlicher Erkrankungen zusammengefasst. Man unterscheidet das Hodgkin-Lymphom (auch Lymphogranulomatose oder Morbus Hodgkin) von der großen Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) - das sind alle bösartigen Lymphome, die kein Hodkin-Lymphom sind, unterteilt in die aggressiven und die niedrig malignen oder indolenten Formen.
Zu den Non-Hodgkin-Lymphomen gehören auch – trotz des Namens –
Die verschiedenen Lymphomtypen zeigen wesentliche Unterschiede im Krankheitsverlauf und benötigen ganz unterschiedliche Behandlungsstrategien: Diese reichen vom abwartenden Beobachten ohne eigentliche Therapie bis hin zu den aggressivsten Chemotherapie-Formen, die sogar eine Stammzelltransplantation notwendig machen. Fortschritte erhoffen sich Lymphomspezialisten auch von neuen Medikamenten aus der molekularbiologischen Forschung.
Damit sich Ärzte und Fachleute beim Austausch von Informationen über die verschiedenen Lymphomtypen immer sicher und eindeutig verständigen können, werden Erkrankung und Stadium heute nach dem so genannten WHO-Schema der Weltgesundheitsorganisation klassifiziert. Es hat die früher in Deutschland übliche Kiel-Klassifikation abgelöst. Für Patienten, die schon vor längerer Zeit erkrankt sind, ist unter Umständen ein Abgleich der alten und der neuen Bezeichnungen in Tabellenform nützlich. Das Kompetenznetz Maligne Lymphome hat unter www.lymphome.de/InfoLymphome/
PathologieUndKlassifikation/index.jsp diese Tabelle bereitgestellt
Maligne Lymphome sind im Vergleich zu soliden Tumoren wie Brustkrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs und Prostatakrebs eher selten. Im Jahr erkranken in Deutschland etwa 6.400 Männer und 6.300 Frauen an den verschiedenen Non-Hodgkin-Lymphomen. Die Non-Hodgkin-Lymphome sind Erkrankungen des höheren Alters - bei Frauen wird die Erkrankung im Schnitt mit 70 und Männer mit etwa 67 Jahren festgestellt. In den letzten Jahrzehnten hat die Häufigkeit dieser Erkrankungen zugenommen; die Ursachen hierfür sind nicht bekannt. Allerdings werden Lymphome heute viel besser erkannt und erfasst als früher, so dass der statistische Anstieg eventuell dadurch erklärbar wird. An Morbus Hodgkin erkranken in Deutschland jährlich etwas über 2.000 Menschen. Die Altersverteilung sieht bei der Hodgkin´schen Krankheit anders aus als bei Non-Hodgkin-Lymphomen: Gehäuft erkranken Patienten zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr, eine weitere Gruppe erst zwischen dem 60. und 75. Lebensjahr. Entsprechend niedrig und eher wenig aussagekräftig ist das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Diagnosestellung, es liegt für Männer bei 46 und für Frauen bei 41 Jahren. Mehr zur Häufigkeit und Altersverteilung der Lymphome haben die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister und das Robert-Koch-Institut in der Broschüre "Krebs in Deutschland" veröffentlicht. Sie ist online abrufbar unter www.gekid.de.