
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deBei Verdacht auf ein Lymphom müssen sich Patienten auf relativ umfangreiche Untersuchungen einstellen - um die Diagnose zu sichern, aber auch um festzustellen, welche Form der Erkrankung genau vorliegt und wie weit sie sich im Körper ausgebreitet hat.
Für die meisten notwendigen Untersuchungen müssen Betroffene nicht in die Klinik: Diese können praktisch alle ambulant durchgeführt werden. Patienten mit aggressiven Lymphomen geht es jedoch unter Umständen sehr schnell schlechter. Dann wird meistens eine stationäre Aufnahme in die Klinik notwendig; auch lassen sich notwendige Untersuchungen unter Umständen zügiger durchführen, sodass so bald wie möglich mit der Therapie begonnen werden kann.
Zunächst wird der Arzt die Anamnese erheben, also den Patienten über die bisherige Krankengeschichte, die Beschwerden und andere Veränderungen befragen. Wichtig sind dabei die B-Symptome und die Frage, wie rasch sich Lymphknotenvergrößerung oder andere Beschwerden entwickelt haben. Bei den körperlichen Untersuchungen wird besonders auf Lymphknoten und lymphatische Gewebe im Nasen-Rachen-Raum (Gaumenmandeln, Rachenmandeln) geachtet. Das Abtasten von Milz und Leber ergänzt der Arzt meist mit einer Ultraschallaufnahme, um die Größe dieser Organe beurteilen zu können.
Maligne Lymphome fallen gelegentlich schon bei relativ einfachen Blutuntersuchungen und Zählungen der Blutzellen auf: Veränderungen im Blutbild sind zwar an sich unspezifisch, aber ein Anlass für weitere Untersuchungen. Das Verhältnis von roten und weißen Blutkörperchen und Blutplättchen verschiebt sich, und bei einigen Lymphomtypen finden sich auch im Blut Lymphomzellen. Für die Untersuchungen des Blutes reicht eine kleine Menge aus, die aus der Armvene entnommen wird.
Aus dem Blut werden aber auch andere Aussagen gewonnen, zum Beispiel zum allgemeinen Gesundheitszustand. Der Ausschluss von bestimmten Infektionen ist Routine, so auch ein AIDS-Test, ebenso die Suche nach anderen Bluterkrankungen, die die Beschwerden an Stelle eines Lymphoms erklären könnten.
Um bei der Diagnose ganz sicher zu gehen, entnehmen die untersuchenden Ärzte einen Lymphknoten, zum Nachweis von Krebszellen unter dem Mikroskop und zur Aufarbeitung mit immunologischen und molekularbiologischen Methoden. Sie schicken das Material dazu in der Regel an hochspezialisierte Labors. Ist die Diagnose nicht ganz eindeutig, wird auch ein zweites Referenzlabor um eine Beurteilung gebeten. Deshalb müssen Patienten auf diese Befunde unter Umständen einige Zeit warten.
Eine Biopsie
zur Entnahme nur einer Probe aus einem Lymphknoten reicht zum Nachweis
von Lymphomzellen nicht aus. Meist wird unter örtlicher Betäubung mit
einem kleinen Hautschnitt ein verdächtiger Knoten ganz entfernt, zum
Beispiel am Hals. Nur wenn kein vergrößerter Lymphknoten unter der Haut
tastbar ist, entscheiden sich die Ärzte für die Entfernung eines
Knotens im Körperinneren; dann kann auch eine kurze Vollnarkose nötig
sein.
Auch die Entnahme und Untersuchung von Knochenmarkproben aus
einer Beckenschaufel gehört zum Untersuchungsprogramm
(Beckenkammpunktion). Besteht der Verdacht auf einen Lymphombefall
eines inneren Organs, werden auch hier Gewebeproben entnommen, zum
Beispiel aus dem Magen.
Eine wachsende Rolle bei der Lymphomdiagnostik spielt die Gendiagnostik, neben den mikroskopischen Untersuchungen an aufbereitetem Tumormaterial sowie den Nachweisen von Tumormerkmalen mit immunologischen Methoden.
Untersucht wird das Erbmaterial der Lymphomzellen, was nur an frischem oder tiefgefrorenem Gewebe gelingt. Von manchen Genveränderungen kennt man die Bedeutung für den Krankheitsverlauf und das Wachstumsverhalten des Lymphoms.
Viele dieser Analysen sind allerdings noch Gegenstand der Forschung, die Bedeutung im klinischen Alltag ist noch begrenzt. Rein technisch versprechen sich Krebsexperten viele Fortschritte von sogenannten Genchips: Sie funktionieren wie winzige Reagenzgläser, sodass mit kleinsten Mengen Material viel mehr Untersuchungen gleichzeitig durchgeführt werden können, als dies mit klassischen Methoden machbar war. Ob sich die Vielzahl von neuen Informationen aus solchen Tests dazu eignet, die Behandlung besser auf die persönlichen Gegebenheiten des jeweiligen Patienten anzupassen, muss erst noch belegt werden.
Nach den ersten Untersuchungen grenzt sich der Verdacht in der Regel auf eine oder einige wenige Lymphomformen ein. Um zu einem aussagekräftigen Ergebnis zu kommen, schließen sich an die Standarddiagnostik dann weitere Untersuchungsverfahren zur genaueren Abklärung ein. Sie sind kein Teil der Routine, sondern werden zugeschnitten auf die individuelle Situation ausgewählt.
Auch wenn der Lymphomtyp feststeht, setzt die Planung der Behandlung weitere Diagnostik voraus: das eigentliche Ausmaß der Erkrankung muss nun erfasst werden. Einige der notwendigen Untersuchungen kann der behandelnde Arzt meist direkt in der Praxis durchführen. Für andere muss er Patienten zu Fachärzten überweisen, zum Beispiel zum Radiologen. Nur in Ausnahmefällen ist ein kurzer Aufenthalt im Krankenhaus notwendig - wenn es der allgemeine Gesundheitszustand nicht von vornherein notwendig gemacht hat. Ein Teil dieser Untersuchungen wird Lymphompatienten auch im Verlauf ihrer Erkrankung begleiten, da sie auch Aufschluss über das Ansprechen auf eine Behandlung geben können.
Wie viele Lymphknoten im Bauch- und Brustraum sind befallen? Haben die Lymphomzellen natürliche Grenzen wie das Zwerchfell überschritten und auf beide Seiten ausgebreitet? Die Beantwortung dieser Fragen liefert wichtige Hinweise für das sogenannte Staging, die Beurteilung der Krankheitsausdehnung: Ultraschall, Computertomographie oder Kernspintomographie liefern entsprechende Bilder. Der Stellenwert der Positronenemissionstomographie (PET) in der Lymphomdiagnostik ist noch nicht vollständig geklärt, sodass die PET bisher vor allem im Rahmen von klinischen Studien eingesetzt wird. Zur Zeit übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Untersuchung deshalb nicht automatisch.
Erst wenn die bildgebenden Verfahren keine aussagekräftigen Ergebnisse liefern, ist zur Beurteilung von Lymphknoten und Organen eine Spiegelung der Bauchhöhle mit einem Endoskop nötig (Laparoskopie). Bei der Untersuchung wird in einer leichten Vollnarkose ein dünner Schlauch mit einer Art "Sehrohr" in die Bauchhöhle eingeführt. Gleichzeitig können Gewebeproben und Lymphknoten entnommen werden. Für diese Untersuchung müssen Patienten mit einem kurzen Aufenthalt im Krankenhaus rechnen. Ein großer Bauchschnitt, die so genannte Laparotomie, mit Entfernung der Milz allein aus diagnostischen Gründen, muss heute nicht mehr gemacht werden: Er war früher üblich bei Patienten mit Morbus Hodgkin.
Haben Patienten möglicherweise Lymphomherde im Skelett, wird eine Skelettszintigraphie mit schwach radioaktiven Substanzen durchgeführt. Sie reichern sich Gewebe mit sehr aktivem Stoffwechsel vermehrt an. Da ein Tumorbefall im Skelett zu verstärktem Knochenab- und -umbau führt, lassen sich Lymphomherde von normalem Knochengewebe mit seinem relativ langsamen Stoffwechsel abgrenzen.
Bis diese Untersuchungen alle abgeschlossen sind, können einige Tage vergehen. Die Ergebnisse sind dann Grundlage der Behandlungsplanung und des Gesprächs über das weitere Vorgehen. Mediziner und Lymphomspezialisten haben sich auf eine Klassifikation geeinigt, die die Ausbreitung der Erkrankung eindeutig beschreibt und international verständlich ist. So kann zum Beispiel schon ein erster Blick auf den Arztbrief für den Fachmann genügen, um sich ein recht eindeutiges Bild zu machen.
Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome werden nach der sogenannten Ann-Arbor-Stadienklassifikation, (www.lymphome.de/InfoLymphome/Einfuehrung/
Stadium.jsp). in die Stadien I bis IV unterteilt
Liegen Allgemeinsymptome wie Fieber, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust vor, erhält das Stadium den Zusatz B, fehlen diese Symptome, erhält es den Zusatz A. Wenn das Lymphom über einen Lymphknoten hinaus in anderes Gewebe einwächst oder nur nicht lymphatisches Gewebe befallen hat (etwa in Lunge, Knochen oder Muskeln), wird dies durch Hinzufügen eines E (extranodal, lat.: "extra" = außerhalb; "nodus" = Knoten) kenntlich gemacht.
Für die Behandlungsplanung bei Non-Hodgkin-Lymphomen ist auch der Malignitätsgrad, der Grad der Bösartigkeit, von Bedeutung. Nach Krankheitsverlauf und Prognose werden die NHL in indolente (niedrig maligne) und aggressive (hoch maligne) Formen unterteilt. Innerhalb dieser beiden Gruppen unterscheiden Fachleute verschiedene Unterformen, je nachdem, aus welchem der zahlreichen Lymphozytentypen das Lymphom hervorgegangen ist.
Niedrig maligne Lymphome können sich außerdem im Erscheinungsbild verändern:
Die Einteilung der verschiedenen Lymphome nach dem sogenannten WHO-Schema der Weltgesundheitsorganisation hat in Deutschland ältere Klassifikationen für Lymphome abgelöst und wird im folgenden Text benutzt. Patienten, die die ihnen geläufige Beschreibung ihrer Erkrankung darin nicht finden, können sich anhand einer Fachinformation in Tabellenform informieren, die das Kompetenznetz Maligne Lymphome unter www.lymphome.de/InfoLymphome/
PathologieUndKlassifikation/index.jsp bereitstellt. Dort wird zum Beispiel auch ein Abgleich mit der früher üblichen Kiel-Klassifikation aufgelistet.