
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deDen meisten Frauen mit Brustkrebs, denen eine Brust entfernt werden musste, sieht man auf den ersten Blick später kaum noch etwas an: Erste Prothesen, die im Büstenhalter getragen werden, können schon kurz nach der Operation verwendet werden. Die Möglichkeiten des endgültigen operativen Brustaufbaus reichen heute von der Einlage von Silikonprothesen bis hin zu verschiedenen Varianten der Brustrekonstruktion mit Eigengewebe.
Welche Methode die beste ist, welcher Zeitpunkt sich für einen Wiederaufbau anbietet, richtet sich nach den Bedürfnissen der Frau und nach den medizinischen Möglichkeiten im individuellen Fall. Schon vor der Operation des Tumors sollte sich jede Patientin in einem Beratungsgespräch mit einem erfahrenen Arzt ausführlich über die verschiedenen Möglichkeiten des Brustwiederaufbaus und über Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Methoden informieren lassen. Dann kann sie zusammen mit dem Arzt ihre Entscheidung treffen. Ein Brustaufbau ist prinzipiell jederzeit möglich. Er kann gleichzeitig mit der Tumoroperation begonnen werden, oder aber erst nach drei bis sechs Monaten erfolgen, wenn die Operationswunden vollständig verheilt sind. Auch ein späterer Zeitpunkt ist möglich. Überlegungen zur Brustrekonstruktion sind heute fester Bestandteil des Behandlungskonzepts. Dabei bestimmt, abgesehen von der Machbarkeit, allein die persönliche Entscheidung, was das jeweils angemessene Vorgehen ist: Wenn sich eine Frau gegen einen Aufbau entscheidet und für eine Büstenhalterprothese, ist dies medizinisch genauso in Ordnung wie die verschiedenen Varianten der Brustrekonstruktion.
Sie können schon kurz nach der Operation getragen werden, zuerst als eine sehr leichte Watteprothese, die das BH-Körbchen ausfüllt. Äußerliche Dauerprothesen, die nach der Wundheilung und gegebenenfalls der Bestrahlung angepasst werden können, bestehen aus Silikon, einem gut verträglichen Kunststoff. In ihrem Gewicht und in ihrer Beweglichkeit sind die äußerlichen Silikon-Dauerprothesen dem natürlichen Brustgewebe ähnlich. Sie können in der Form der verbliebenen Brust angeglichen werden. Selbst unter einem Badeanzug oder dünner Wäsche und Sportkleidung bleiben sie dadurch unauffällig.
Innere Prothesen bestehen aus einer Kunststoffhülle, die heute meist mit Silikon-Gel gefüllt ist. Seltener werden Implantate mit einer so genannten Hydrogel-Füllung verwendet. Verbleibt nach Abnahme der Brust ein genügend großer Hautmantel, kann die innere Prothese direkt eingelegt werden. Ist dies nicht der Fall, wird zunächst ein Kunststoffbeutel, ein so genannter Expander, unter den Brustmuskel gelegt. Innerhalb weniger Wochen wird der Beutel allmählich mit Flüssigkeit, meist Kochsalzlösung, aufgefüllt und danach etwa zwei bis drei Monate belassen. Sobald die Haut auf diese Weise ausreichend gedehnt ist, wird der Expander während eines kurzen Eingriffs gegen die endgültige Prothese ausgetauscht. Bei diesem Verfahren muss für die Zeitplanung die Belastbarkeit der Haut während und nach einer Bestrahlung berücksichtigt werden. Die Brustwarze kann durch eine Hautverpflanzung nachgeahmt werden. beispielsweise, indem ein Teil der anderen Brustwarze oder ein kleines Stück Bauchhaut übertragen wird. Durch eine Tätowierung wird der Warzenhof nachgezeichnet. Diese Rekonstruktion und/oder die Tätowierung sollten erst erfolgen, wenn die neue Brust sich etwas gesenkt und ihre endgültige Form erlangt hat.
Das größte Problem bei Silikonprothesen ist die Gefahr, dass sich Bindegewebe um den „Fremdkörper“ bildet, was zu einer Verhärtung und Verformung der Brust führen kann. Bei 10 bis 20 von 100 Implantaten entwickelt sich eine so genannte Kapselfibrose. Dann muss die Prothese fast immer ausgetauscht werden, schon aus kosmetischen Gründen. Mit den heute verwendeten Hüllmaterialien soll dieses Risiko nach Auskunft der Hersteller und plastischen Chirurgen allerdings geringer sein. Die Gefahr eines Austretens von Silikon im Fall einer Verletzung der Prothesenhülle besteht bei den modernen Implantaten nicht mehr: Die heute verwendeten Silikongele sind nicht mehr flüssig, sondern der Dichte von normalem Brustgewebe sehr ähnlich. Eine Gesundheitsgefahr, die vor einigen Jahren diskutiert wurde, gilt heute aus wissenschaftlicher Sicht als widerlegt. Die Prothesen sind außerdem so stabil, dass sie beispielsweise bei einem Auffahrunfall durch den Sicherheitsgurt nicht beschädigt werden können.
Beim Brustaufbau mit Eigengewebe werden Haut- und Muskelgewebe aus anderen Körperpartien verschoben oder verpflanzt. Wird Gewebe verschoben, bleibt die Blutversorgung für das Gewebe ständig erhalten (so genannte gestielte Lappentransplantation). Bei der Verpflanzung, der so genannten freien Transplantation, wird die Blutzufuhr kurzfristig unterbrochen; die Blutgefäße müssen mikrochirurgisch wieder vernetzt werden, um eine gute Blutversorgung zu gewährleisten. Die Operationen zum Brustaufbau mit Eigengewebe sind insgesamt aufwändiger und belastender als die Einlage einer Prothese aus Kunststoff. Die größeren Eingriffe behindern zunächst häufig auch die Beweglichkeit, was sich mit krankengymnastischen Übungen beheben lässt.
Für die Gestaltung einer kleineren Brust kann Gewebe aus Haut, Fett und Muskulatur vom Rücken durch die Achselhöhle zur Brustwand hin verschoben werden (zum Beispiel "Latissimus-dorsi-Plastik"). Soll eine größere Brust wieder aufgebaut werden, setzt man häufig Gewebe aus dem Unterbauch ein, das entweder gestielt oder frei transplantiert werden kann (zum Beispiel "TRAM-FLAP"). Auch bei schlanken Frauen lässt sich dort in der Regel ein ausreichend großer Lappen aus Haut, Muskel und Fettgewebe entnehmen. Eine neuere, nach bisher vorliegenden Erfahrungen weniger belastende Methode des Brustaufbaus ist die Verwendung von Bauchfettgewebe ohne zusätzliche Muskulatur. Ein ellipsenförmiges Stück wird aus dem Unterbauch entnommen und als Gewebeersatz in die Brust verpflanzt ("DIEP-FLAP"). Ebenfalls möglich, aber wie die anderen Verfahren von der körperlichen Konstitution abhängig, ist die Entnahme von Gewebe aus dem Gesäß ("S-GAP"). Um zu erreichen, dass beide Brüste ähnlich aussehen, kann es erforderlich sein, die gesunde operativ in Form und Größe anzugleichen. Ist die gesunde Brust beispielsweise zu groß oder hängend, kann sie verkleinert oder angehoben werden, um den Unterschied zur neuen Brust zu verringern.