
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deDie Operation ist die wichtigste Behandlungsform. Bei ihr sollten alle Gewebeanteile entfernt werden, in denen Brustkrebszellen nachgewiesen wurden. Deshalb ist es wichtig, dass bei der nachfolgenden Untersuchung auf jeden Fall ein Saum von gesundem Brustgewebe um das entnommene Stück festgestellt wird. Auch die brustnahen Lymphknoten werden entsprechend entnommen und untersucht, je nach Einschätzung der Situation nur ein bis drei Lymphknoten, unter Umständen aber auch mehrere bis hin zur Achselhöhle.
Sollen die Ränder der OP-Wunde sicher "im Gesunden" liegen, ist bei Männern mit ihrem dünnen Fett- und Drüsenanteil in der Brust eine brusterhaltende Operation oft nicht möglich. Auch die Brustwarze liegt bei vielen Betroffenen zu dicht an der Geschwulst, um erhalten bleiben zu können. Die häufigste Operationsform bei Männern ist daher die so genannte modifiziert radikale Mastektomie. Dabei wird das gesamte Drüsengewebe entfernt, die Brustwarze und die den Brustmuskel abgrenzende Gewebeschicht. Der Brustmuskel selbst kann dabei aber geschont werden.
Das kosmetische Ergebnis ist daher für normalgewichtige Männer meist zufriedenstellend. Ob nach dem Abschluss der Wundheilung mit einer medizinischen Tätowierung eine Brustwarze nachgebildet werden soll, lässt sich auch noch einige Zeit nach einer Operation entscheiden. Die Beweglichkeit von Arm und Schulter sind einige Zeit nach der Operation meist wieder ganz normal. Achten müssen Männer nach einer Brustkrebsoperation allerdings auf ungewohnte Schwellungen der Finger oder Hände: Durch die Entfernung mehrerer Lymphknoten kann der Abfluss der Gewebsflüssigkeit gestört sein. Woran man ein solches Lymphödem erkennt, wie es behandelt wird und vor allem, wie man es vermeidet, lesen Betroffene in der Rubrik "Belastende Symptome".
Ist die Erkrankung bereits tiefer vorgedrungen, muss unter Umständen auch der Brustmuskel entfernt werden, in der so genannten radikalen Mastektomie. Dann ist die Beweglichkeit des Armes etwas eingeschränkt. Krankengymnastik hilft, die Funktion so weit wie möglich wieder herzustellen. Ein kosmetisches Brustimplantat anstelle des Brustmuskels ist zwar möglich, wird Männern aber in der Regel nur dann vorgeschlagen, wenn sich das Aussehen sehr verändert hat. Im Zweifelsfall kann der behandelnde Arzt zu einem Facharzt für plastische und Wiederherstellungschirurgie überweisen, der in dieser Frage berät.
Konnten ein Teil des Brustgewebes oder die Brustwarze bei der Operation erhalten bleiben, empfehlen Fachleute wie bei Frauen eine Nachbestrahlung: Sie senkt das Risiko, dass sich in der Restbrust eventuell verstreute Zellen erneut zu einem Tumor auswachsen. Da das betroffene Gebiet bei Männern aber insgesamt eher klein ist, diskutieren Fachleute mit Patienten meist auch nach einer Mastektomie, ob eine Bestrahlung ihnen einen größeren Schutz vor einem lokalen Rückfall bieten könnte. Eine Rolle bei der Entscheidung spielt dabei auch die Zahl eventuell befallener Lymphknoten. Die Nachbestrahlung der Brust wird von Frauen in der Regel gut vertragen – für Männer fehlen hier alllerdings vergleichbare Daten. Große Unterschiede sind jedoch zumindest von der Theorie her nicht zu erwarten. Möglich sind vorübergehende Hautreaktionen, wie etwa bei einem Sonnenbrand. Ärzte und Pflegepersonal informieren über eine geeignete Hautpflege, während der Bestrahlung können ausgiebiges Waschen, Cremes, Deos etc. direkt im Strahlenfeld auch zeitweilig verboten sein.
Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung, wenn sich Tumorzellen in den Knochen angesiedelt haben, hat die Strahlentherapie einen große Nutzen. Dann lindert sie nicht nur die häufig auftretenden Knochenschmerzen. Sie bewirkt auch eine Stabilisierung des angegriffenen Knochens, was zusammen mit Medikamenten, den so genannten Bisphosphonaten, die Gefahr von Brüchen senkt.
Da bei Männern die Krebszellen fast immer auf Hormone mit Wachstum reagieren, insbesondere auf den Anteil des "weiblichen" Östrogens, spielt eine Unterdrückung dieses Signalweges eine große Rolle in der Therapie. Die antihormonelle Therapie ist bei Frauen sehr erfolgreich und gilt als Standardverfahren. Da die biologischen Verhältnisse sich nach bisherigem Kenntnisstand kaum unterscheiden, liegt es nahe, diese Behandlungsform auch bei Männern anzuwenden. Voraussetzung ist der Nachweis so genannter Hormonrezeptoren für Östrogen und gegebenenfalls das Hormon Progesteron auf den Tumorzellen.
In den bisher vorliegenden Studien erhielten männliche Patienten für ein bis zwei Jahre nach der Operation das Mittel Tamoxifen. Es konkurriert mit Östrogen um die "Andockstellen" auf der Zelloberfläche und verdrängt es sozusagen. Rein theoretisch wäre auch eine längere Einnahme über bis zu fünf Jahre sinnvoll. Ausreichende Erfahrungen hierzu liegen jedoch noch nicht vor. Tamoxifen, das es unter verschiedenen Markennamen gibt, kann nach bisherigen Daten die Gefahr eines Rückfalls um bis zur Hälfte senken. Auch andere Mittel, die die Östrogenproduktion stoppen oder als Gegenspieler wirken, sind in der Therapie möglich, wenn auch bisher wenige Erfahrungen damit veröffentlicht wurden. Der Hormonentzug nützt aber auch Patienten, bei denen die Erkrankung fortgeschritten ist. Gerade weil die Krebszellen bei Männer fast immer von Hormonen abhängig wachsen, hält diese Therapie die Krankheit oft auch noch dann in Schach, wenn sich Tumorzellen in anderen Organen oder den Knochen nachweisen lassen. Vollständig zum Verschwinden bringt eine Antihormontherapie die fortgeschrittene Brustkrebserkrankung allerdings nicht.
Je nach Form und Methode der antihormonellen Therapie sind Nebenwirkungen zu erwarten. Beschrieben sind Symptome, wie sie auch Männer mit Prostatakrebs erleben, gegen den ebenfalls eine Antihormontherapie eingesetzt wird. Dazu gehören Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, unter Umständen aber auch Potenzprobleme und ein nachlassendes Interesse an Sexualität insgesamt. Auch steigt das Risiko für Thrombosen, Blutgerinnsel, die unter ungünstigen Bedingungen Adern vor allem in den Beinen verlegen können. Ob diese Nebenwirkungen auftreten werden und wie stark sie die Lebensqualität beeinträchtigen, lässt sich vor Behandlungsbeginn kaum abschätzen. Wichtig ist hier die Rückmeldung an die behandelnden Ärzte, um, wo möglich, rechtzeitig Abhilfe zu schaffen. Gegen einige der belastenden Symptome helfen schon regelmäßige Bewegung, Sport, gesunde Ernährung (aber keine Krebsdiät!) und eine angepaßte Körperpflege.
Bei Frauen wird eine Chemotherapie auch nach der vollständigen
Entfernung eines Tumors eingesetzt, wenn ein sehr hohes Rückfallrisiko
zu erwarten ist. Für Männer fehlen entsprechende Daten; erste Studien
liegen allerdings vor.
Die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie treffen die behandelnden Ärzte aber auf jeden Fall gemeinsam mit ihren Patienten erst dann, wenn sie auch persönliche Gesichtspunkte miteinbezogen haben. Dazu gehört zum Beispiel bei älteren Patienten der allgemeine Gesundheitszustand.
Ist die Brustkrebserkrankung fortgeschritten, kann eine Chemotherapie vor allem dann helfen, wenn die Möglichkeiten einer Antihormontherapie ausgeschöpft sind. Sprechen die Tumorzellen auf die Zytostatika an, können sich Metastasen zurückbilden. Die Erkrankung lässt sich so zurückdrängen, allerdings nicht heilen. Wichtig für die Therapieplanung ist die Beachtung der Lebensqualität: Jede Maßnahme sollte nur so lange wie nötig durchgeführt werden und nur so lange, wie der Nutzen deutlich die Nebenwirkungen übersteigt.
Die Nebenwirkungen einer Chemotherapie hängen vom persönlichen Gesundheitszustand ab, von der Art der Substanz, die gegeben wird, und von der Dauer der Anwendung. Übelkeit und Erbrechen müssen Brustkrebspatienten heute kaum noch fürchten: Vorbeugende Medikamente sind heute fester Standard. Da sich Zytostatika hauptsächlich gegen Zellen richten, die sich schnell teilen, sind allerdings auch Schleimhautzellen in Mund und Verdauungstrakt, Haarwurzeln und das blutbildende Knochenmark mehr oder weniger stark betroffen. Die Folgen können sein mehr oder weniger umfangreicher, aber vorübergehender Haarausfall, Entzündungen im Mund sowie eine erhöhte Neigung zu Infektionen und Fieber.
Brustkrebs ist auch bei Männern keine Erkrankung, bei der innerhalb ganz weniger Tage nach der Diagnosestellung sofort operiert werden müßte. Betroffene Männer haben durchaus eine gewisse Zeitspanne zur Verfügung, in der sie sich informieren und beraten lassen können; auch dauert es in der Regel, bis alle Befunde vorliegen. Allzu lange sollten sie eine Behandlung allerdings nicht aufschieben.