Bauchspeicheldrüsenkrebs
Symptome, Untersuchungen, Behandlung
Dieser Text ist Teil ausführlicher Informationen zum Thema Pankreaskarzinom. Er richtet sich an Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, ihre Angehörigen und Freunde sowie an Interessierte, die sich über die Erkrankung informieren möchten. Er bietet einen kurzen Überblick über Symptome, Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten des Pankreaskarzinoms. Hinweise auf weitere Informationen sowie die genutzten Quellen sind am Ende dieser Seite aufgeführt.
Für weitere Fragen steht der Krebsinformationsdienst am Telefon oder per E-Mail zur Verfügung. Informationen aus dem Internet, einer E-Mail oder einem Telefongespräch können eine persönliche ärztliche Beratung jedoch nicht ersetzen.
Letzte Aktualisierung: 04.11.2010
Inhaltsübersicht
Welche Symptome verursacht das Pankreaskarzinom?
Pankreaskrebs macht sich erst spät bemerkbar. Die Beschwerden sind vieldeutig. Zum Arzt sollte man gehen bei anhaltender Übelkeit, Beschwerden mit der Verdauung
andauerndem Druckgefühl/Schmerzen im Oberbauch oder auffälligem Gewichtsverlust.
In frühen Erkrankungsstadien haben Patienten mit einem Pankreaskarzinom nur selten Beschwerden. Deshalb wird der Tumor oft erst spät entdeckt, wenn er benachbarte Organe, wie zum Beispiel Magen, Zwölffingerdarm, Bauchfell oder Milz, verdrängt oder in sie hineinwächst und so ihre Funktion stört.
Erste Symptome, die Patienten bemerken, können Appetitmangel, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall bis hin zu einem Druckgefühl im Oberbauch oder Schmerzen im Rücken sein. Diese Symptome weisen jedoch nicht eindeutig auf Bauchspeicheldrüsenkrebs hin und können auch bei anderen Erkrankungen des Verdauungssystems auftreten, zum Beispiel bei Magen-Darm-Infektionen. Wenn jemand unbeabsichtigt innerhalb weniger Monate deutlich an Gewicht verliert, kann immer auch eine bösartige Erkrankung der Grund dafür sein, zum Beispiel ein Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Patienten sollten die Ursache des Gewichtsverlusts unbedingt durch eine ärztliche Untersuchung klären lassen.
Durch den Pankreaskopf verläuft der Gallengang, der von der Leber durch den Pankreaskopf zum Zwölffingerdarm führt. Engt ein Tumor diesen Gallengang ein, kann die in der Leber produzierte Galle nicht ablaufen. Bei betroffenen Patienten entwickeln sich entsprechende Symptome: Aufgrund der fehlenden Gallenflüssigkeit im Darm kann die Fettverdauung gestört sein. Unverdautes Fett wird in Form sogenannter "Fettstühle" ausgeschieden: Der Stuhlgang hat eine hellere Farbe als gewohnt und ist schmierig, klebrig oder glänzend und unangenehm riechend.
Staut sich die Galle, gelangt der in der Gallenflüssigkeit enthaltene Farbstoff vermehrt ins Blut und lagert sich im Körper ein. Eine Gelbfärbung der weißen Augenhaut, eine Braunfärbung des Urins und Gelbfärbung und Juckreiz der Haut sind die Folge. Diese Symptome bezeichnet man als "Gelbsucht", fachsprachlich: "Ikterus". Sie können aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten, zum Beispiel, wennGallensteine den Gallengang verlegen. Gallensteine verursachen allerdings meist heftige Schmerzen, die beim Bauchspeicheldrüsenkrebs nicht unbedingt auftreten müssen.
Bei Patienten mit fortgeschrittenen Bauchspeicheldrüsentumoren kommt es mitunter zu Störungen der Insulinproduktion. Betroffene entwickeln daher Anzeichen eines Diabetes, also der Zuckerkrankheit.
Bei einigen Patienten führt ein Pankreaskarzinom zu einer veränderten Blutgerinnung. Dadurch bilden sich Blutgerinnsel in den Gefäßen, sogenannte Thrombosen.
Untersuchungen bei Krebsverdacht
Ansprechpartner für die Abklärung von Symptomen ist zunächst der Hausarzt (meist ein Facharzt für Allgemeinmedizin oder Innere Medizin). Er kann für weitere Untersuchungen zu einem Facharzt für Innere Medizin überweisen, der sich auf Gastroenterologie spezialisiert hat, also auf Erkrankungen des Verdauungstraktes. Auch die Überweisung an die Ambulanz eines spezialisierten Krankenhauses ist möglich.
Geht ein Patient mit Symptomen zum Arzt, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs denken lassen, befragt ihn dieser nach möglichen Risikofaktoren und einem veränderten Allgemeinbefinden. Außerdem untersucht der Arzt den Patienten gründlich. Zu der körperlichen Untersuchung gehören zum Beispiel das Abtasten und Abhorchen des Bauches. Darüber hinaus setzen Ärzte verschiedene bildgebende Verfahren ein, um den Verdacht zu bestätigen oder nach Möglichkeit auszuschließen.
Eine Ultraschalluntersuchung des Bauches ist nicht aufwendig und belastet Patienten kaum. Da die Bauchspeicheldrüse bei einer Ultraschalluntersuchung durch die Bauchdecke jedoch nicht immer gut zu erkennen ist, machen Ärzte oft eine Ultraschalluntersuchung von innen, eine sogenannte Endosonographie.
Patienten müssen dazu einen dünnen Schlauch schlucken. Ein Betäubungsspray in Mund und Rachen kann helfen, einen möglicherweise auftretenden Würgereiz zu unterdrücken. Die Ärzte schieben den Schlauch durch Speiseröhre und Magen bis in den Zwölffingerdarm vor. Mithilfe einer Ultraschallsonde am Ende des Schlauches lassen sich Bilder aus dem Innern des Körpers machen.Tumoren des Pankreas sind unter Umständen auf diesen Bildern ebenfalls zu erkennen.
Patienten, die Angst vor dieser Untersuchung haben oder sie als sehr unangenehm erleben, können eine leichte Betäubung erhalten. Danach sollte man allerdings nicht alleine nach Hause gehen oder gar Auto fahren, sondern sich abholen lassen.
Weitere Möglichkeiten, die Bauchspeicheldrüse darzustellen, sind die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT). Dabei werden sogenannte Schnittbilder angefertigt, die den Körper Schicht für Schicht darstellen. Die Bilder können auf einem Computer oder anderen Datenträgern gespeichert, auf Filmfolien entwickelt oder ausgedruckt werden. Die MRT wird oft kombiniert mit der sogenannten Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP). Die MRCP verwendet dieselbe Technik wie die Magnetresonanztomographie. Mit ihrer Hilfe können der flüssigkeitsgefüllte Gallengang und der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse auf Bildern sichtbar gemacht werden.
Manchmal können Ärzte auf den Bildern eine Veränderung der Bauchspeicheldrüse erkennen, ohne dass eindeutig ist, ob es sich um einen Tumor handelt oder nicht. In diesen Fällen hilft die Bestimmung des Tumormarkers CA 19-9 weiter. Auch der Nachweis von CA 19-9 ist jedoch kein "Pankreaskrebstest": Der Wert kann auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein.
Gewebeuntersuchung: Was für ein Tumor liegt vor?
Um nachzuweisen, dass es sich bei einer Veränderung im Pankreas tatsächlich um Krebs handelt, müssen die Ärzte eine Gewebeprobe aus dem Organ entnehmen. Nach Möglichkeit wird der Tumor herausoperiert und dann untersucht. Wenn der Patient nicht operiert werden kann, entnehmen die Ärzte eine Gewebeprobe (Biopsie) mit einer feinen Nadel durch die Bauchdecke aus der Bauchspeicheldrüse.
Aus dem Aussehen und der Anordnung der Zellen unter dem Mikroskop können die Ärzte schließen, ob es sich um einen Tumor handelt, von welchen Teilen der Bauchspeicheldrüse er ausgeht und möglicherweise auch, wie gut- oder bösartig er ist.
Fast alle Pankreastumoren gehen von den Ausführungsgängen des "Speichel" bildenden Drüsenanteils aus. Man nennt sie duktale exokrine Tumoren. Unter ihnen sind sogenannte Adenokarzinome am häufigsten. Von 100 Patienten mit einem Pankreaskarzinom haben 85 bis 90 ein Adenokarzinom.
Ausbreitungsdiagnostik: Wie fortgeschritten ist der Tumor?
Um die jeweils richtige Behandlung planen zu können, müssen Patienten und Ärzte wissen, ob Lymphknoten befallen sind oder der Tumor bereits Metastasen in anderen Organen gebildet hat. Eine Ultraschalluntersuchung des Bauches und eventuell eine Computertomographie helfen bei der Suche nach Metastasen. Diese treten beim Bauchspeicheldrüsenkrebs am häufigsten in der Leber auf. Bei weiteren Untersuchungen steht daher die Suche nach Lebermetastasen im Vordergrund.
Metastasen können sich aber auch in der Lunge und in den Knochen bilden. Weist ein Patient entsprechende Symptome auf, können weitere Untersuchungen notwendig sein: Um Lungenmetastasen auszuschließen, fertigen Ärzte eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs an. Eventuell führen sie auch eine Magnetresonanztomographie durch, um festzustellen, wie weit der Tumor sich insgesamt im Körper ausgebreitet hat.
- Bei manchen Patienten wird allerdings erst während einer Operation das Ausmaß der Erkrankung deutlich.
Um das Krankheitsstadium möglichst genau und einheitlich beschreiben zu können, verwenden Ärzte das international einheitliche TNM-System. Die Werte T (für Tumor), N (für Nodus = Lymphknoten) und M (für Metastasen) geben an, wie groß der Tumor ist, wie viele Lymphknoten betroffen sind und ob Absiedlungen in anderen Organen gefunden wurden.
Welche Behandlung sinnvoll ist, orientiert sich zum einen an dieser Einstufung. Zum anderen spielen der Allgemeinzustand, eventuelle Vorerkrankungen und auch die persönlichen Wünsche von Patienten eine Rolle bei der Behandlungswahl.
Patienten, die an der Entscheidung über ihrer Behandlung aktiv mitbeteiligt sein wollen, benötigen daher ausreichende Informationen über alles, was auf sie zukommen kann. Eine Liste wichtiger Fragen an die Ärzte hat der Krebsinformationsdienst in seinem Informationsblatt "Behandlungswahl - was muss ich wissen?" zusammengestellt. Das Recht auf Wissen bedeutet jedoch nicht automatisch auch die Pflicht, alles selbst abwägen und bestimmen zu müssen: Betroffene können die Entscheidung über ihre Therapie auch ganz oder zeitweilig ihren Ärzten anvertrauen.
Operation und Chemotherapie: Behandlungsmöglichkeiten
Frühe Stadien: Operation kann heilen
Wenn sich der Tumor vollständig entfernen lässt, können Patienten Hoffnung auf eine langfristige Heilung schöpfen. Voraussetzung für eine Operation ist, dass der Tumor noch keine Absiedlungen in anderen Organen gebildet hat und der Patient keine schweren Begleiterkrankungen aufweist, die eine Operation zu riskant werden ließen. Ein chirurgischer Eingriff mit dem Ziel der Heilung ist etwa bei jedem fünften Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs möglich.
Bei der Operation schneiden die Ärzte den eigentlichen Tumor und einen ausreichenden Rand des angrenzenden gesunden Bauchspeicheldrüsengewebes heraus. Außerdem entfernen sie Lymphknoten in der Nähe der Bauchspeicheldrüse und untersuchen sie auf abgewanderte Tumorzellen. Art und Umfang des Eingriffs hängen davon ab, wo sich der Tumor innerhalb der Bauchspeicheldrüse befindet.
Je nach Sitz des Tumors müssen die Ärzte unter Umständen benachbarte Organe oder Teile von diesen mitentfernen. Es gibt verschiedene Operationsverfahren. Ein Beispiel ist die nach dem US-amerikanischen Chirurgen Whipple benannte Operation, bei der neben dem Pankreaskopf und dem Zwölffingerdarm auch die Gallenblase, ein Gallengang und Teile des Magens entfernt werden. In anderen Fällen kann auch die Entfernung der Milz oder der gesamten Bauchspeicheldrüse notwendig sein.
Stellt sich bei der Operation jedoch heraus, dass der Tumor schon sichtbare Metastasen in anderen Organen gebildet hat, wird der Eingriff abgebrochen: Andere Behandlungsformen ermöglichen betroffenen Patienten dann eine bessere Lebensqualität, ohne die Folgen einer sehr großen und belastenden Operation, die ihre Heilungsaussichten nicht verbessern würde.
Chemotherapie: Ergänzende Behandlung nach der Operation
Nach der Operation folgt eine Chemotherapie. Diese zusätzliche (adjuvante) Behandlung soll die Heilungschancen verbessern und einen Rückfall hinauszögern.
Auch Betroffene, die zunächst erfolgreich operiert wurden, müssen mit einem hohen Rückfallrisiko rechnen. Nach vollständiger Entfernung des Tumors wird deshalb eine ergänzende (adjuvante) Chemotherapie durchgeführt, sofern der Patient für diese Behandlung körperlich genügend belastbar ist, und keine Fernmetastasen vorliegen. Die zusätzliche Chemotherapie soll die Heilungschancen verbessern und einen Rückfall (ein Rezidiv) verhindern oder so lang wie möglich hinauszögern.
Für die meisten Patienten beginnt die Chemotherapie nach Möglichkeit spätestens sechs Wochen nach der Operation. Am häufigsten wird das Zytostatikum Gemcitabin als Medikament bei einer Chemotherapie des Pankreaskarzinoms eingesetzt. Gemcitabin ist ein sogenannter Antimetabolit, der die Erbinformation von Krebszellen zerstört. Patienten bekommen Gemcitabin meist einmal die Woche als Infusion in eine Armvene. Es dauert etwa eine halbe Stunde, bis eine einzelne Infusion durchgelaufen ist. Normalerweise wird die Therapie wöchentlich über sechs Monate wiederholt.
Das Medikament ist im Vergleich zu anderen sogenannten Zytostatika meist recht gut verträglich. Wie jede Chemotherapie, kann jedoch auch die Behandlung mit Gemcitabin Nebenwirkungen haben. Diese lassen sich jedoch meist besser behandeln, als viele Patienten es zunächst erwarten. Mehr hierzu bietet der Text "Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Chemotherapie: Kann man sie vermeiden?"
In großen Studien konnte gezeigt werden, dass mit Gemcitabin ein Rückfall hinausgezögert und die durchschnittliche Überlebenszeit geringfügig verlängert werden kann. Zwar lassen sich für einzelne Betroffene solche statistischen Angaben nur bedingt auf die eigene Situation "umrechnen". Auch ist die Dauer der Behandlung von etwa einem halben Jahr belastend. In Studien konnte jedoch gezeigt werden, dass auf längere Sicht der Gewinn an Lebensqualität durch die Vermeidung oder das Herauszögern eines Rückfalls für die meisten Patienten überwiegt.
Fortgeschrittene Stadien: Möglichkeiten beim metastasierten Bauchspeicheldrüsenkrebs
Patienten mit einer fortgeschrittenen Erkrankung müssen mit ihrem Arzt besprechen, welche Therapie für sie die richtige ist. Wichtig ist die Behandlung von Schmerzen und anderen Beschwerden.
Ist eine operative Entfernung nicht möglich oder hat der Tumor Metastasen gebildet, müssen Patienten sich darauf einstellen, dass ihre Erkrankung nicht mehr heilbar ist. Vordringlichstes Ziel der Behandlung ist es dann, die Erkrankung aufzuhalten, Schmerzen zu lindern, Komplikationen vorzubeugen und Betroffenen noch möglichst lange ein weitgehend beschwerdefreies Leben zu verschaffen. Entsprechende Therapien werden als palliativ bezeichnet.
Auch wenn sich das Tumorwachstum nur bremsen und nicht vollständig aufhalten lässt, können Patienten von einer Chemotherapie profitieren. Sie ist einer reinen Symptomlinderung überlegen, etwa einer alleinigen Schmerztherapie, sowohl, was die Lebensqualität als auch was die Überlebenszeit angeht.
Gemcitabin bleibt auch für Patienten mit einem Rückfall oder Metastasen das wichtigste Medikament zur Chemotherapie. Die Behandlung kann mit anderen Zytostatika ergänzt werden, zum Beispiel mit den Mitteln Oxaliplatin oder Capecitabin. Diese Kombinationstherapien verlängerten in klinischen Studien die Überlebenszeiten der teilnehmenden Patienten, wenn auch nicht bei allen Betroffenen und auch nicht über längere Zeiten hinweg.
Eine Kombination von Gemcitabin mit Erlotinib kann ebenfalls eingesetzt werden. Dieses Medikament gehört zu den sogenannten zielgerichteten Krebsmedikamenten: Sie richten sich gegen besondere Eigenschaften von Tumorzellen, mehr dazu auf der Seite "Moderne Krebstherapien: Wie funktionieren sie?" Trotzdem können auch solche zielgerichteten Mittel Nebenwirkungen haben. Man weiß heute allerdings, dass dies oft ein Zeichen für eine gute Wirksamkeit ist: Besonders Patienten, die unter der Behandlung einen Hautausschlag entwickeln, scheinen von der Kombinationstherapie zu profitieren.
Eine Strahlentherapie kommt für Patienten mit Pankreaskarzinom zur Behandlung nur dann in Betracht, wenn sie schmerzhafte Knochenmetastasen haben. Diese sprechen auf die Bestrahlung an, gegen Metastasen in anderen Organen wirkt die oben aufgeführte Chemotherapie besser.
Viele Krebsforscher in Laboren und Kliniken arbeiten daran, neuere und wirksamere Behandlungsformen für Pankreaskrebspatienten zu entwickeln. Solche neuen Verfahren werden im Rahmen von klinischen Studien getestet. Mehr zur klinischen Forschung hat der Krebsinformationsdienst im Text "Krebsforschung" zusammengestellt. Das Wichtigste in Kürze finden Patienten im Informationsblatt "Was sind klinische Studien?" (PDF).
Leben mit der Erkrankung: Unterstützende Behandlung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
Viele Patienten leiden im Laufe der Erkrankung unter Schmerzen, Gewichtsverlust oder Erschöpfung, ein fortgeschrittener Tumor kann zudem zu starken Verdauungsstörungen führen und etwa Übelkeit und Durchfall hervorrufen. Auch die Therapie hat Nebenwirkungen. Wichtig für Patienten mit einem Pankreaskarzinom ist eine unterstützende Behandlung (fachsprachlich: Supportivtherapie): Sie soll Beschwerden lindern und die Lebensqualität Betroffener so weit wie möglich erhalten.
Schmerzen
Patienten mit einem fortgeschrittenen Tumor haben häufig starke Schmerzen. Diese entstehen durch den Tumor selbst oder durch Metastasen, zum Beispiel in den Knochen. In einigen Fällen können auch Lebermetastasen Schmerzen verursachen, wenn sie die Kapsel dehnen, die die Leber umgibt. Die Möglichkeiten der Schmerztherapie sind heute gut. Die Behandlung richtet sich nach dem sogenannten Stufenschema der World Health Organization (WHO). Sie orientiert sich an der Ursache und der Stärke der Schmerzen. Mehr zu diesem Thema hat der Krebsinformationsdienst in dem Text "Behandlung: Schmerzen bei Krebs müssen nicht ertragen werden" zusammengestellt.
Eingeschränkte Funktion der Bauchspeicheldrüse
Die Bauchspeicheldrüse produziert beim Gesunden für die Verdauung wichtige Enzyme. Aufgrund des Tumors oder als Folge einer Operation können diese Enzyme eventuell nicht mehr ausreichend hergestellt werden. Betroffene Patienten müssen die Enzyme dann mit den Mahlzeiten einnehmen, meist als Tabletten. Auch die Gabe von Insulin kann notwendig werden, wenn das Pankreas das Hormon nicht mehr ausreichend herstellen kann und Patienten Symptome von Diabetes aufweisen, der Zuckerkrankheit.
In der Betreuung nach der Diagnose und der ersten Behandlung werden Patienten daher mit entsprechenden Medikamenten "eingestellt": Sie erhalten Rezepte für die Enzyme und werden von Ärzten und Ernährungsberatern im Umgang mit den Symptomen und der Behandlung eines Diabetes geschult. Es kann einige Zeit dauern, bis die jeweils richtige Medikamentendosis gefunden und der Stoffwechsel optimal angepasst ist.
Appetitlosigkeit, Übelkeit und Maßnahmen bei Gewichtsverlust
Oft leiden Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs unter Verdauungsproblemen, zum Beispiel durch die eingeschränkte Funktion der Bauchspeicheldrüse oder wenn der Tumor in Magen oder Darm einwächst. Übelkeit und Appetitlosigkeit gehören zu häufigen Begleiterscheinungen beim Bauchspeicheldrüsenkrebs. Für betroffene Patienten sind Arzneimittel, die die Übelkeit unterdrücken und die vom Arzt verschrieben werden müssen, daher Teil der Behandlung. Welche Möglichkeiten Patienten haben, der Übelkeit selbst vorzubeugen oder sie zu lindern und welche Medikamente helfen können, hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text zusammengestellt: "Übelkeit und Erbrechen bei Krebs: Belastung reduzieren, Folgen vermeiden".
Manchmal müssen die Ärzte im Rahmen der Behandlung einen Teil des Magens entfernen. Betroffene Patienten können dann oft nur kleine Nahrungsmengen zu sich nehmen. Zusammen mit der relativ häufig auftretenden Appetitlosigkeit (fachsprachlich: "Anorexie") verlieren Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs deshalb häufig an Gewicht. Der Text "Ernährung für Krebspatienten" bietet allgemeine Informationen zu Möglichkeiten bei Gewichtsverlust oder Mangelernährung. Patienten sollten darüber hinaus mit den behandelnden Ärzten besprechen, welche Ernährung für sie am besten geeignet ist und bei Bedarf auch eine Ernährungsberatung in Anspruch nehmen. Kontakte vermitteln die behandelnden Ärzte, Rehabilitationskliniken und die Krankenkassen.
Verlieren Patienten sehr viel Gewicht, ohne dass sie den Verlust durch die Ernährung ausgleichen können, sprechen die Ärzte von "Tumorkachexie" (von gr.: kakos = "schlecht", hexis = "Zustand"). Diese starke Auszehrung des Körpers lässt sich auf Dauer nur bessern, wenn es gelingt, das Tumorwachstum selbst aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen. Auch wenn dies nicht möglich ist, nutzt es betroffenen Patienten sehr, wenn sie auf eine ausreichende Nährstoffzufuhr achten.
Patienten, die schnell an Gewicht verlieren und sich nicht mehr ausreichend über normale Lebensmittel ernähren, können eine ergänzende hochkalorische Nahrung erhalten, bei Bedarf auch über eine Magensonde. Entsprechende Beratung sowie die Unterstützung und Versorgung durch Ernährungs- und Pflegefachleute vermitteln die behandelnden Ärzte.
Abflussstörungen der Galle
Ist durch den Pankreastumor der Abfluss der Galle in den Darm behindert, führen Ärzte ein Röhrchen (Stent) in den Gallengang ein, um diesen offenzuhalten. Die Patienten bekommen dazu eine leichte Betäubung und müssen einen Schlauch schlucken, ein sogenanntes Endoskop, über den der Stent in den Gallengang vorgeschoben wird. Eine andere Möglichkeit, den Gallenfluss wiederherzustellen, ist eine Operation. Bei dieser überbrücken die Ärzte die Engstelle in den Gallenwegen oder leiten den Galleabfluss um.
Bauchwassersucht
In späteren Erkrankungsstadien kann es beim Bauchspeicheldrüsenkrebs zu einer Wasseransammlung in der Bauchhöhle kommen. Fachleute sprechen vom "malignen Aszites". Meist sind Lebermetastasen oder ein Befall des Bauchfells mit Tumorzellen die Ursache. Diese Wasseransammlung kann für Patienten sehr belastend sein. Die Unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten der Bauchwassersucht hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text zusammengestellt: "Aszites bei Krebspatienten".
Krankheitsbewältigung: Was tun bei schlechter Prognose?
Leben mit Krebs: Vom Umgang mit der Erkrankung
Die Diagnose "Krebs" ist für viele Menschenein Schock. An einer schweren Erkrankung mit ungewissem Ausgang zu leiden, stellt für viele Patienten und auch ihre Angehörigen eine große Belastung dar. Wie können Patienten mit Angst oder Unsicherheit umgehen? Und an wen können sie sich wenden, um Hilfe und Unterstützung bei der Bewältigung dieser psychischen Belastung zu bekommen? Links zu Artikeln und Adresslisten zum Thema bietet der Krebsinformationsdienst auf der Übersichtsseite "Krankheitsverarbeitung: Umgang mit einer Krebserkrankung". Kurzgefasste Hinweise enthält das Informationsblatt "Diagnose Krebs: Wie geht mein Leben jetzt weiter? (PDF)".
Welche Folgen eine Krebserkrankung für den Alltag haben kann, hängt von der individuellen Lebenssituation ab: Für jüngere Patienten, die noch im Beruf stehen oder eine Familie versorgen, stellen sich andere Herausforderungen als für ältere Betroffene, die aufgrund der Erkrankung unter Umständen zu Hause nicht ohne Unterstützung zurecht kommen. Über Hilfsangebote, von der Rehabilitation bis hin zur Klärung von finanziellen Fragen, informieren unter anderem die Kliniksozialdienste. Diese und weitere Ansprechpartner sind im Informationsblatt "Sozialrechtliche Fragen bei Krebs" (PDF) aufgelistet.
Wer hilft, wenn die Krankheit nicht mehr heilbar ist?
Wenn die Krankheit nicht mehr heilbar ist, dürfen Patienten immer noch hoffen, dass sich ihre Symptome lindern lassen und sie dadurch noch so lange wie möglich ein beschwerdearmes Leben führen können. Diese "lindernde" Medizin nennt man Palliativmedizin. In der Palliativmedizin ausgebildete Ärzte und Pflegefachkräfte sind nicht nur erfahren in der Schmerztherapie und im Behandeln belastender Symptome, sondern kümmern sich auch darum, dass Patienten und ihre Angehörigen in der letzten Lebensphase entlastet werden.
Viele Patienten wünschen sich zum Beispiel, nach Möglichkeit nicht ins Krankenhaus zu müssen, sondern zu Hause behandelt zu werden. Wer bei der häuslichen Pflege nach einer Operation, während einer Chemotherapie oder bei einer fortschreitenden Erkrankung weiterhelfen kann, hat der Krebsinformationsdienst im Text "Häusliche Pflege: Ansprechpartner" zusammengestellt.
Auch Schwerkranke, bei denen der Tumor sich weiter ausbreitet und deren Symptome sich verschlimmern, können bei entsprechender Organisation und Unterstützung zu Hause versorgt werden. Hinweise bietet ein Informationsblatt "Fortgeschrittene Krebserkrankung - Pflege und Betreuung in der letzten Lebensphase" (PDF).
Broschüren
Über Bestellmöglichkeiten für kostenlose Broschüren zum Thema Bauchspeicheldrüsenkrebs informiert der Krebsinformationsdienst hier. Broschüren zum Thema Krebs allgemein, zur Krebstherapie und zum Leben mit der Erkrankung finden sich in der Rubrik "Wegweiser" unter dem Punkt "Broschürenverzeichnis".
Selbsthilfe und Patientenverbände: Anlaufstellen
Selbsthilfegruppen verfügen über praktische Erfahrung im Umgang mit der Erkrankung und ermöglichen Patienten den Austausch mit anderen Betroffenen. Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs finden nicht nur Ansprechpartner, die unter der gleichen Erkrankung leiden oder gelitten haben und mit denen sie ganz praktische Alltagserfahrungen, aber auch individuelle Sichtweisen austauschen können. Selbsthilfeverbände spielen heute auch eine wichtige Rolle in der Gesundheitspolitik: Ihre Vertreter setzen sich für die Rechte und Belange von Patienten ein, immer dann, wenn es um die Rahmenbedingungen der Forschung, der Therapie und der Versorgung geht.
Eine Übersicht über die Dachverbände von Patientenorganisationen findet sich in der Rubrik "Wegweiser" unter "Adressen und Links" und dort unter dem Stichwort "Selbsthilfe-Organisationen". Aufgeführt sind sowohl Gruppen, die sich ganz besonders um das Thema Pankreaskarzinom kümmern, wie auch Gruppen, die ganz allgemein für Krebspatienten offen stehen. Ergänzt sind Hinweise auf Internet-Portale, Foren und Chats.
Die S3-Leitlinie "Exokrines Pankreaskarzinom" von 2007 für Fachkreise wurde als Quelle für diesen Text genutzt. Sie ist derzeit allerdings zurückgezogen und in Überarbeit, eine Neuerscheinung ist nicht vor 2013 zu erwarten, mehr dazu im Internet unter www.dgvs.de/media/LL_Exokrines_Pankreaskarzinom_2007.pdf. Eine Patientenleitlinie "Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse - Exokrines Pankreaskarzinom - Ein Ratgeber für Patientinnen und Patienten" ist ebenfalls offiziell zurückgezogen.
Die Broschüre "Krebs in Deutschland 2007/2008" ist eine gemeinsame Veröffentlichung des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID). Diese Broschüre ist erhältlich über die regionalen Krebsregister. Im Internet steht sie sowohl beim RKI unter www.krebsdaten.de wie auch bei der GEKID unter www.gekid.de zur Verfügung.
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an