Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte zum Beispiel zum Nachdruck, zur Kopie oder zur Speicherung und Weitergabe in elektronischer Form bedarf der schriftlichen Genehmigung des Krebsinformationsdienstes KID, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de


HPV-Impfung:
Schutz vor Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV)

Aktuelles
Über aktuelle Diskussionen um Nutzen, Risiken und mögliche Folgen der HPV-Impfung informiert der Krebsinformationsdienst

Eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) ist der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, dem Zervixkarzinom und seinen Vorstufen.
In Deutschland stehen zwei Impfstoffe zum Schutz vor einer HPV-Infektion zur Verfügung: Gardasil® und Cervarix®.
Die Impfstoffe sollen die Ansteckung mit den beiden Virustypen 16 und 18 verhindern. Diese HPV-Hochrisikotypen sind für die Mehrzahl von Zervixkarzinomen und deren Frühformen verantwortlich und vermutlich auch an der Entstehung weiterer, seltenerer Tumorerkrankungen beteiligt. Gardasil® ist darüber hinaus zum Schutz vor einer Infektion mit den Virustypen HPV 6 und 11 gedacht, die gutartige Genitalwarzen auslösen.
Ziel der Impfung ist die Verhinderung von Veränderungen am Gebärmutterhals, die als Krebsvorstufen gelten. Langfristig soll, so die Erwartung, auch die Entstehung von Zervixkarzinomen selbst verhindert werden. 

Im März 2007 veröffentlichte die in Deutschland zuständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) eine erste Impfempfehlung: Sie riet allen Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren zur Impfung.  Fachleute äußerten in der Folge daran Kritik und forderten zur Klärung noch offener Fragen die weitere Begleitung der Impfung durch Forschung. Im August 2009 reagiert die STIKO mit einer Bestätigung ihrer Impfempfehlung, als deren Grundlage sie auch seit der Zulassung der Impfstoffe neu erschienene Publikationen herangezogen hat.

So genannte therapeutische Impfstoffe, die zur Behandlung einer bereits bestehenden Infektion eingesetzt werden könnten oder gegen Gebärmutterhalskrebs wirken, stehen noch nicht zur Verfügung. Die beiden derzeit zugelassenen Impfstoffe sind nur zur Vorbeugung und nicht zur Behandlung bereits bestehender Zellveränderungen oder gar Krebs geeignet.

- In diesem Text bietet der Krebsinformationsdienst zunächst Hintergrundinformationen.
- Ein zweiter Textabschnitt gibt Antworten auf häufig gestellte Fragen zur HPV-Impfung.
- Weitere Ansprechpartner und Links sind am Textende zusammengestellt.
- Eine kurze Zusammenfassung zur Impfung bietet der Dienst  auch als Informationsblatt zum Laden und Ausdrucken in der Rubrik "Wegweiser". Hintergründe zur Forschung und zur Biologie der Infektion bietet der Text "Humane Papillomviren (HPV)".

Diese Informationen richten sich an alle an der Impfung interessierte Personen und können die Entscheidung für oder gegen die Impfung erleichtern. Sie ersetzen aber keinesfalls das persönliche Gespräch mit einem Arzt!

Wovor schützen die HPV-Impfstoffe?

Beide sind zum Schutz vor Infektionen mit den Virustypen HPV 16 und 18 entwickelt worden. 

Diese Infektionen kommen bei sexuell aktiven Menschen sehr häufig vor. Eine Infektion mit den beteiligten Papillomviren heilt zwar meist von alleine aus. Bei manchen Menschen nistet sich der Virus jedoch auf längere Zeit im betroffenen Gewebe ein - Fachleute sprechen von chronischer oder persistierender Infektion. Dann führen die Erreger unter Umständen zu mehr oder weniger stark ausgeprägten Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals.

Unbehandelt kann sich diese Veränderungen in manchen Fällen zu Krebs entwickeln: Bei sieben von zehn Patientinnen mit Gebärmutterhalskrebs (70 Prozent) ist eine Infektion mit HPV 16 und/oder 18 im Tumorgewebe nachweisbar. Sie spielt zudem eine Rolle bei noch seltener auftretenden Karzinomen und deren Vorstufen an Vulva (weibliche Scham), Scheide, Penis, After sowie im Hals- und Rachenbereich.

Ziel der Impfung: Verhinderung von Gewebeveränderungen

LEXIKON
CIN= engl.: Cervical Intraepithelial Neoplasia.
Der Begriff steht für Zellveränderungen am Gebärmutterhals. Diese werden in drei Gruppen eingeteilt.
CIN 1: leichte Dysplasie
CIN 2: mittelschwere Dysplasie
CIN 3 gilt als unmittelbare Vorstufe des Zervixkarzinoms.

Diese beiden Virustypen lassen sich auch in ausgeprägten Gewebeveränderungen der Zervix häufig finden: Diese durch Viren und eventuell begleitende Risikofaktoren ausgelösten Veränderungen am Gebärmutterhals bezeichnen Mediziner als zervikale intraepitheliale Neoplasien oder kurz CIN, abgekürzt aus dem Englischen für "Cervical Intraepithelial Neoplasia". Auch der Begriff Dysplasie wird in diesem Zusammenhang häufig verwendet. Unter CIN 1 und CIN 2 versteht man geringgradige (leichte) oder mäßiggradige (mittelschwere) Dysplasien, die sich in vielen Fällen von alleine wieder zurückbilden.
Hochgradige (schwere) Gewebeveränderungen (CIN 3) gelten dagegen als direkte Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs.
Aufgrund der nachweislichen Beteiligung der Viren an diesen Gewebeveränderungen kann die Impfung schon vor Krebsvorstufen und den Folgen ihrer Behandlung schützen.

Weiß man, ob die Impfung auch vor Krebs schützt?

Studien, die auf eine schützende Wirkung der Impfstoffe vor den beschriebenen Veränderungen am Gebärmutterhals hinweisen, liegen schon seit längerem vor. Im Durchschnitt vergehen allerdings 15 Jahre, bis aus HPV-infizierten Schleimhautzellen der Zervix ein Karzinom entsteht. Der zweifelsfreie Nachweis einer krebsverhütenden Wirkung hätte also Jahre und Jahrzehnte der Prüfung vorausgesetzt, bevor die Impfstoffe hätten zugelassen werden können.

Daher wurden zur Zulassung international Studien herangezogen, die auf eine Verhinderung der schneller entstehenden Krebsvorstufen zielen und die hier einen schützenden Effekt belegen.
Die Wirkung der Impfstoffe wird zudem auch nach der Zulassung weiter überprüft. Im Juli 2009 erschien beispielsweise in der Fachzeitschrift "Lancet" eine Auswertung der Daten von rund 17.000 Frauen zwischen 15 und 25 Jahren. Die Hälfte erhielt in der so genannten PATRICIA-Studie eine dreifache Impfung mit Cervarix®. Eine Kontrollgruppe wurde gegen Hepatitis geimpft, wobei keine der Teilnehmerinnen und der direkt behandelnden Ärzte wusste, zu welcher Gruppe sie jeweils gehörte. Obwohl der Impfstoff nur gegen die beiden häufigsten Hochrisikoviren und nicht gegen alle krebsauslösenden Papillomvirustypen schützt, traten bei der gegen HPV geimpften Gruppe weniger Krebsvorstufen auf als bei Frauen in der Kontrollgruppe. Innerhalb des Beobachtungszeitraums fanden sich Gewebeveränderungen an der Zervix bei neun von 1.000 geimpften Frauen, unter den nicht HPV-geimpften Teilnehmerinnen dagegen bei 13 von 1.000. Auch die Zahl der Eingriffe, mit denen Krebsvorstufen entfernt werden mussten, lag unter den HPV-Geimpften niedriger.
Bei Frauen, die vor der ersten Impfung noch nicht sexuell aktiv gewesen und damit auch mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht mit den Papilomviren in Kontakt gekommen waren, fiel die Schutzwirkung noch deutlich höher aus.

Fachleute leiten aus solchen Studien ab, dass die Impfung auch Gebärmutterhalskrebs vorbeugen kann und es sinnvoll ist, junge Mädchen möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr zu schützen. Dies wird sich aber erst in einigen Jahren bestätigen lassen, wenn unter Geimpften die Krebsrate tatsächlich sinkt.

Weil es Jahrzehnte bis zum vollständigen Nachweis auch eines Schutzes vor Krebs gedauert hätte, entschlossen sich viele nationale Gesundheitsbehörden weltweit, auch die Verantwortlichen in Deutschland, vor dem Vorliegen dieser abschließenden Ergebnisse zur Empfehlung der Impfung.

Positive wie negative Einschätzung des Impfnutzens

Diese schnelle Entscheidung ist mehrfach kritisiert worden, auch von deutschen Wissenschaftlern (ein Beispiel für einen Fachartikel: Dt. Ärzteblatt 2009, 106(8): A-330, www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=63448). Die Behörden haben auf diese Kritik mit Stellungnahmen reagiert.
So erläutert das deutsche Paul-Ehrlich-Institut (PEI), dass auch ethische Gesichtspunkte bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben: Es wäre, so das PEI unter anderem, unverantwortlich gewesen, in Studien bei einer ungeimpften Kontrollgruppe über Jahre und Jahrzehnte auf das Auftreten von Krebserkrankungen zu warten.

Fachleute fordern aufgrund der noch offenen Fragen, dass die Anwendung der Impfung weiter durch wissenschaftliche Studien begleitet und der Nutzen evaluiert wird. Dazu gehörten zum Beispiel im Winter 2008/2009 Vertreter des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin und weiterer Fachgesellschaften, mehr unter www.ebm-netzwerk.de/netzwerkarbeit/images/stellungnahme_hpv.pdf
Nach wie vor positiv bewertete im Sommer 2009 dagegen die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) die Impfung: Sie empfiehlt gemeinsam mit dem Berufsverband der Frauenärzte (BVF), eine möglichst hohe Durchimpfungsrate anzustreben www.dggg.de/_download/unprotected/dggg_hpv_stm.pdf).

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Beteiligung der Herstellerfirmen an der Mehrzahl der Studien. Dies ist zwar üblich, da vor der Zulassung eines Medikaments oder Impfstoffes die Prüfsubstanzen in der Regel nur so kostenlos zur Verfügung gestellt werden können. Kritiker fordern jedoch, in Zukunft auch mehr Studien ohne Firmenbeteiligung durchzuführen.

STIKO bleibt bei Impfempfehlung

Im August 2009 wurde schließlich eine Überarbeitung der offiziellen Stellungnahme der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut zur HPV-Impfung veröffentlicht: Sie geht auf die in letzter Zeit an der Impfung geäußerte Kritik ein  und greift nach der Zulassung der Impfstoffe erschienene Publikationen zum Nutzen der Impfungauf. Die STIKO bleibt auch nach der gründlichen Prüfung aller vorliegenden Daten bei ihrer Impfempfehlung. Der Text ist auf den Internetseiten des Robert-Koch-Instituts abrufbar unter www.rki.de/cln_100/nn_1378492/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/
2009/32__09,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/32_09.pdf
.

Impfungen schützen vermutlich auch vor weiteren HPV-Typen

Untersuchungen ergaben, dass eine Impfung mit Gardasil® oder Cervarix® auch vor weiteren, wenn auch selteneren krebsauslösenden HPV-Typen schützen könnte. Hierzu zählen unter anderem die beiden HPV-Typen 31 und 45. Diese Nicht-Impfstofftypen gehören zur gleichen Familie wie HPV 16 und 18, vermutlich kommt es deshalb zur beobachteten Wirkung. Die Impfung schützt vor diesen nahen Verwandten allerdings weniger wirksam als vor den Impfstoff-HPV-Typen 6, 11, 16 und 18, so die Ergebnisse der bisherigen Studien.

FAQ: Häufige Fragen, wichtige Antworten zur Impfung

Die folgenden Abschnitte führen Fragen auf, die seit der Zulassung der Impfung häufig an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums gerichtet wurden. Für individuelle Fragen steht der Dienst unter der Telefonnummer 0800 - 420 30 40 täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr zur Verfügung, oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Klinische Erprobung: In welchem Umfang wurden die Impfstoffe getestet?   
Geimpft werden sollen Kinder und Jugendliche - warum wurden die meisten Studien mit älteren Teilnehmern durchgeführt?   
Gibt es Studien zur Impfung älterer Frauen?    
Zulassung: Für wen sind die Impfstoffe in Deutschland verfügbar?   
Empfehlung: Wer soll vorrangig geimpft werden?   
Ist die Impfung auch nach dem ersten Geschlechtsverkehr noch sinnvoll?    
Ist Geschlechtsverkehr während der Impfzeit möglich?   
Ist die Impfung sinnvoll, wenn man bereits infiziert ist oder es einmal war?      
Führt eine Impfung zum Abklingen einer Infektion?  
Kann man sich nach einer Infektion überhaupt noch einmal anstecken oder wird man von alleine immun?
Muss vor der Impfung ein HPV-Test durchgeführt werden? 
Kann die Impfung selbst zu einer HPV-Infektion führen?  
Wie lange hält der Impfschutz an?    
Welche Nebenwirkungen können durch die Impfung auftreten?    
Wer sollte nicht geimpft werden?     
Wie werden die Impfstoffe verabreicht?  
Was kostet die Impfung? 
Kann man trotz Impfung Gebärmutterhalskrebs bekommen? 
Ersetzt die Impfung die Früherkennungsuntersuchungen? 
Sollten sich auch Männer impfen lassen? 

Klinische Erprobung: In welchem Umfang wurden die Impfstoffe getestet?

Tests zur Wirksamkeit vor der Zulassung

Um zu untersuchen, ob die Impfung wirksam vor HPV-Infektionen und damit verbundenen Folgeerkrankungen schützt, wurde Cervarix® an fast 19.000 Frauen im Alter von 15 bis 25 Jahren erprobt. Die Studien zu Gardasil® erfolgten an über 20.000 Frauen im Alter zwischen 16 und 26 Jahren. Die Impfstoffe wurden jeweils mit einem Scheinmedikament (Plazebo) verglichen: Während ein Teil der Probandinnen den HPV-Impfstoff erhielt, wurde einer zweiten Gruppe eine Substanz verabreicht, die nicht gegen HPV-Infektionen wirksam ist.

Ziel der Studien war zu untersuchen, wie viele der geimpften Frauen im Vergleich zu den ungeimpften eine chronische HPV-Infektion und/oder damit verbundene Gewebeveränderungen, wie Genitalwarzen (Gardasil®) oder abnormes Zellwachstum am Gebärmutterhals (Gardasil®, Cervarix®), entwickeln.

Weitere, meist sehr viel kleinere Studien wurden mit dem Ziel durchgeführt, Detailfragen zur Impfung zu klären, zum Teil auch mit anderen Zielgruppen.

Auch nach der Zulassung der Impfstoffe wird ihre Wirkung in Studien weiter verfolgt, und weitere Daten werden zur Verfügung stehen.

Ergebnisse der Studien, die zur Zulassung der Impfung führten:

Beide Impfstoffe erwiesen sich in den Studien als sehr wirksam gegen die Infektion: So waren nahezu alle geimpften Frauen vor länger anhaltenden (persistierenden) Infektionen mit HPV 16 und/oder 18 geschützt, sofern sie vor der Impfung noch nicht mit HPV in Kontakt gekommen waren. Als persistierende Infektion galt eine Infektion, die über einen Zeitraum von zwölf Monaten oder länger anhielt. Geimpfte Studienteilnehmerinnen wiesen deutlich seltener mittelschwere oder schwere CINs auf, also stärker ausgeprägte Zellveränderungen am Gebärmutterhals.
Die Untersuchungen zu Gardasil® bestätigten zudem, dass eine Immunisierung auch vor Zellveränderungen der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane, der Vulva, und der Scheide (Vagina) schützt. Diese werden als vulväre intraepitheliale Neoplasien (VIN 2 und  3) beziehungsweise als vaginale intraepitheliale Neoplasien (VaIN 2 und 3) bezeichnet und gelten als Krebsvorstufen. Zusätzlich bewahrte Gardasil® vor gutartigen Genitalwarzen, die fast immer auf Infektionen mit HPV 6 und 11 zurückzuführen sind.

Weshalb wurde die Wirksamkeit der Impfung nicht an Kindern und Jugendlichen untersucht?

Um zu untersuchen, ob die HPV-Impfung chronische Infektionen mit humanen Papillomviren und/oder virusbedingte Gewebeveränderungen verhindert, müssen Impfstudien durchgeführt werden. Bei Kindern und Jugendlichen würden solche Studien zum Nachweis des tatsächlichen Impfschutzes der HPV-Impfung eine sehr lange Studienlaufzeit - bis ins fortgeschrittene Erwachsenenalter - erfordern, auch gibt es ethische Probleme, neue Wirkstoffe überhaupt an Kindern zu testen.

Aus diesem Grund beschränkten sich die Wissenschaftler zur Testung der Impfstoffe bei Kindern und Jugendlichen auf sogenannte Immunogenitätsstudien, nachdem die ersten Studien bei älteren Probandinnen eine gute Verträglichkeit gezeigt hatten: In solchen Studien wird getestet, ob eine Impfung zu einer ähnlich starken Immunantwort gegen HPV führt wie bei älteren Personen.

Gardasil® bewirkte bei Mädchen und Jungen zwischen 9 bis 15 Jahren eine mindestens so starke Immunreaktion gegen die Infektion mit den vier HPV-Typen, wie bei 16 bis 26 -jährigen Frauen. Die Ergebnisse für Cervarix® bei Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren  fielen ähnlich positiv aus: Auch hier bildeten die Kinder deutlich höhere Antikörpermengen als geimpfte Frauen im Alter von 15 bis 25 Jahren. Beide Impfstoffe erwiesen sich bei diesem jungen Personenkreis als gut verträglich und unbedenklich.

Aus den Ergebnissen leiten die Wissenschaftler ab, dass die HPV-Impfung auch bei Jungen und Mädchen vor der Pubertät wirksam ist und Folgeerkrankungen der Virusinfektionen verhindert.

Zu den noch offenen Fragen, vor allem zum tatsächlichen Nutzen in der Krebsvorbeugung, fordern Fachleute weitere Forschung und eine begleitende Evaluation der Impfung in der Praxis.

Zulassung: Für wen sind die Impfstoffe in Deutschland verfügbar?

Auf Basis der Studienergebnisse erfolgte die Zulassung von Gardasil® in Deutschland für Jungen und Mädchen ab dem Alter von neun Jahren. Cervarix® kann Mädchen und Frauen ab zehn Jahren verabreicht werden.

Empfehlung: Wer soll vorrangig geimpft werden?

Ständige Impfkommission Stiko
Aufgabe der STIKO ist es, Risiken und Nutzen von Impfstoffen abzuwägen und je nach Sachlage bundesweite Empfehlungen zu erteilen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) im Robert-Koch-Institut (www.rki.de) empfiehlt die Impfung gegen humane Papillomviren für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren. Da der Nutzen nach dem Start in ein sexuell aktives Leben erheblich sinke, soll, so die STIKO, die Impfung möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen. Die Empfung und Begründung zur HPV-Impfung hat die STIKO im Epidemiologischen Bulletin 12/2007 vom März 2007 erstmals veröffentlicht und im Epidemiologischen Bulletin 32/2009 bestätigt (www.rki.de/cln_100/nn_1378492/DE/Content/Infekt/
EpidBull/Archiv/2009/32__09,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/32_09.pdf
). 

Warum der Hinweis, dass der Nutzen vor dem Start in ein sexuell aktives Leben am höchsten sei? Das Risiko, sich mit HPV bei einer infizierten Person durch Geschlechtsverkehr anzustecken, ist sehr hoch  - auch schon beim "ersten Mal". Zwar bieten Kondome einen gewissen Schutz, dennoch garantiert ihre Verwendung keine absolute Sicherheit vor der Ansteckung. Gleichwohl sollte gerade in neuen Partnerschaften oder bei häufigem Partnerwechsel niemals auf Kondome verzichtet werden: Sie schützen auch vor anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen, wie etwa HIV.

Im April 2009 erneuerte auch die Weltgesundheitsorganisation WHO ihre Empfehlung, die HPV-Impfung für junge Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr in nationale Impfprogramme zu integrieren, sofern die Voraussetzungen dafür im jeweiligen Land geschaffen werden können. Die WHO listet hierfür die Finanzierbarkeit und organisatorische Durchführbarkeit eines nationalen Impfprogramms auf sowie die Frage, ob die Verhinderung von HPV-bedingten Erkrankungen als nationales Gesundheitsziel anerkannt und Teil der Gesundheitspolitik ist.
Eine Übersicht über die WHO-Veröffentlichungen zum Thema findet sich unter www.who.int/immunization/topics/hpv/en/index.html.

Gibt es Studien zur Impfung älterer Frauen?

Seit Juni 2009 liegen Ergebnisse einer internationalen Studie zur Impfung von Frauen zwischen 24 und 45 Jahren mit Gardasil® vor. 90 von 100 der geimpften Probandinnen waren wirksam vor der Infektion mit den Viren und möglichen Folgen geschützt. An der Studie teilgenommen hatten Frauen, die in den fünf Jahren zuvor keine Veränderungen am Gebärmutterhals oder Genitalwarzen aufwiesen.

Im März 2010 zeigt eine neuere Studie aus Costa Rica allerdings, dass sich Frauen mit zunehmendem Alter immer seltener mit HPV neu anstecken. Die Wissenschaftler der Studie stellten außerdem fest: Bei allen Frauen, egal welchen Alters, entwickelt sich nur selten eine chronische Erkrankung aus einer zum ersten Mal festgestellten HPV-Infektion. Fast immer verschwinden die Erreger nach kurzer Zeit wieder von alleine. Etwas anders sah es bei Studienteilnehmerinnen aus, die bereits zu Studienbeginn mit HPV infiziert waren: Bei den über 42-jährigen verlief die Infektion häufiger chronisch als bei jüngeren Frauen. Für die Autoren der im März 2010 veröffentlichten Studie ist ein Nutzen der Impfung für ältere Frauen nicht deutlich erkennbar.

Andere Fachleute betonen allerdings die Tatsache, dass sich alle Frauen mit krebsauslösenden HPV-Typen infizieren können. Eine Impfung käme daher prinzipiell doch für jede sexuell aktive Frau infrage, die aktuell noch mit keinem oder zumindest nicht mit allen Impfstofftypen infiziert ist. Sie wäre dann vor einer Infektion mit jenen HPV-Typen geschützt, mit denen sie noch nicht in Kontakt kam.

Fazit: Ob die Impfung für Frauen ab Mitte 20 tatsächlich sinnvoll ist, darüber sind sich die Experten bislang nicht einig.

Impfstudien zur Impfung von Frauen über 26 Jahre dauern noch an

Gardasil® wird derzeit noch an Frauen bis 45 Jahre, Cervarix® an weiblichen Probanden bis 55 Jahren erprobt. Vorab veröffentliche Studienergebnisse sind vielversprechend: Beide Impfstoffe erwiesen sich bei den jeweiligen Probandinnen als sehr wirksam. Da die Studien zur Schutzwirkung und Sicherheit der Impfung bei Frauen über 26 Jahre aber noch nicht abgeschlossen sind, liegt eine Impfempfehlung für diese Altersgruppe nicht vor. Auch übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland die Kosten nicht.

Ist die Impfung auch nach dem ersten Geschlechtsverkehr noch sinnvoll?

Die STIKO betont, dass der Nutzen der Impfung nach Aufnahme eines sexuell aktiven Lebens drastisch sinke. Von der Impfempfehlung ausgeschlossen sind junge Mädchen bis 17 Jahre, die bereits sexuelle Kontakte hatten, deshalb aber nicht.

Gerade bei jungen Menschen ist eine HPV-Infektion meistens nach wenigen Monaten nicht mehr nachzuweisen  – das Immunsystem hat die Viren erfolgreich beseitigt. Eine Impfung könnte dann einer erneuten Ansteckung mit einem oder mehreren der im Impfstoff enthaltenen Papillomvirustypen vorbeugen.

Ist Geschlechtsverkehr während der Impfzeit möglich?

Die vollständige Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) umfasst drei Einzeldosen. Ob Geschlechtsverkehr zwischen den Impfintervallen vermieden werden sollte, wurde nicht untersucht. Die Wirkung der Impfung scheint aber schwächer zu sein, wenn noch nicht alle drei Impfdosen verabreicht wurden. Der volle Impfschutz ist daher vermutlich erst nach allen drei Spritzen sicher erreicht. Darüber hinaus wirkt die Impfung nicht, wenn bereits eine Infektion mit demjenigen Virustyp vorliegt, vor dem sie schützen soll.

Geschlechtsverkehr mit einem HPV-infizierten Partner birgt immer das Risiko einer Ansteckung. Personen, die nicht bis zum Abschluss der Impfserie auf Geschlechtsverkehr verzichten möchten, könnten zwischenzeitlich Kondome verwenden, wenn sie sich nicht sicher sind, ob ihr Partner mit HPV infiziert ist. Zwar bieten Kondome keinen absolut sicheren Schutz vor der Ansteckung mit HPV. Sie verringern aber deutlich das Infektionsrisiko. Zudem schützen Kondome auch vor anderen sexuell übertragbaren Erregern.

Ist die Impfung sinnvoll, wenn man bereits infiziert ist oder es einmal war?

Da die HPV-Impfung nur vorbeugend wirkt, kann der Impfstoff keine bestehende HPV-Infektion beseitigen. Wissenschaftliche Beweise zur Wirkung der Impfung nach überstandener HPV-Infektion und/oder nach der Therapie von Zellveränderungen liegen noch nicht vor. Eine Impfempfehlung gibt es für betroffene Frauen nicht.

Was weiß man aus Studien? HPV-infizierte Frauen könnten, so einige Experten, dennoch von der Impfung profitieren: Sie wären geschützt vor der Infektion mit denjenigen HPV-Typen, mit denen sie momentan nicht infiziert sind, die aber durch den Impfstoff abgedeckt sind: Ist eine Frau zum Beispiel mit HPV 16 infiziert, könnte eine Impfung sie noch vor der Infektion mit HPV 6, 11 und 18 schützen. Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Impfung bei bestehender HPV-Infektion den Krankheitsverlauf der vorhandenen Virusinfektion fördert.

Wissenschafter vermuten, dass die Impfung auch Frauen nützt, die schon in der Vergangenheit mit HPV infiziert waren, die Infektion aber erfolgreich überwunden haben. Dies schließt auch Frauen mit ein, die aufgrund von HPV-bedingten Zellveränderungen am Gebärmutterhals bereits behandelt wurden, zum Beispiel Frauen nach einer Konisation. Untersuchungen deuten darauf hin, dass nach erfolgreicher Konisation, bei der alles veränderte Gewebe entfernt werden konnte, in den meisten Fällen auch die Viren nach etwa rund sechs Monaten nicht mehr nachzuweisen sind. Eine Impfung könnte dann möglicherweise vor einer erneuten Infektion schützen. So ist die Immunabwehr nicht in der Lage, eine lang anhaltende Immunität nach einer natürlichen HPV-Infektion aufbauen, wie man es etwa bei anderen Viruserkrankungen kennt. Allerdings scheint die Impfung weniger wirksam, wenn eine HPV-Infektion bereits durchlebt wurde.

Führt die Impfung zu einem Abklingen der HPV-Infektion?

Nein. Beide Impfstoffe wirken nur vorbeugend; eine bereits bestehende Infektion kann nicht beeinflusst und nicht beseitigt werden. Ebenso wenig können die Folgen einer HPV-Infektion wie auffällige Veränderungen am Gebärmutterhals, die als erhöhter Pap-Wert durch eine Zellabstrichuntersuchung erfasst werden, oder gar ein Zervixkarzinom mit der Impfung behandelt werden. Wissenschaftlich ungeklärt ist bislang, ob eine Impfung bei bereits infizierten Frauen die Virusmenge reduziert und so das Risiko einer wiederholten gegenseitigen Ansteckung in einer Partnerschaft ("Ping-pong-Effekt") senkt.

Therapeutische Impfstoffe sind noch in der Entwicklung

So genannte therapeutische Impfstoffe, die eine bereits bestehende HPV-Infektion heilen können, befinden sich derzeit noch in der Entwicklung.

Kann man sich nach einer abgeklungenen Infektion erneut mit HPV anstecken?

Ja. Die Infektion mit humanen Papillomviren führt in der Regel zu keiner lang anhaltenden Immunität gegen das Virus. Das Immunsystem kann sich eine HPV-Infektion nur schlecht "merken", wie etwa andere Virusinfektionen, zum Beispiel eine Infektion mit Masernviren. Die Impfung führt dagegen zu einer deutlich höheren Immunantwort als eine natürliche Infektion, wodurch sie einer wiederholten Infektion besser vorbeugen kann.

Muss vor der Impfung ein HPV-Test durchgeführt werden?

Experten halten einen HPV-Test vor der Impfung für nicht sinnvoll. So könne der einzige derzeit in der Routine angewandte HPV-Test zwar eine Infektion als solche aufspüren und zwischen den Gruppen der krebsauslösenden ("High risk") und der harmlosen HPV-Typen ("Low risk") unterscheiden. Eine genaue Bestimmung einzelner Virustypen ist mit dieser Methode aber nicht möglich. Hinzu kommt, dass auch bei einem positiven Testergebnis in nur sehr seltenen Fällen eine Infektion mit allen im Impfstoff enthaltenen Virustypen vorliegt. Die Impfung könnte daher immer noch vor denjenigen HPV-Typen schützen, mit denen man aktuell nicht infiziert ist, die aber durch den Impfstoff abgedeckt sind.

Kann die Impfung eine HPV-Infektion hervorrufen?

Nein. Die Impfung gegen humane Papillomviren kann keine Infektion hervorrufen. So erhält der Impfstoff kein Erbmaterial des Virus – was eine Voraussetzung für eine Vermehrung der Erreger wäre: Sowohl Gardasil® als auch Cervarix™  bestehen hauptsächlich aus leeren Virus-ähnlichen Hüllen, die der körpereigenen Abwehr ein "echtes" Virus nur vortäuschen.

Wie lange hält der Impfschutz an?

In der bisherigen Nachbeobachtungszeit von etwa fünf Jahren hielt der Impfschutz komplett an. Neuere Studienergebnisse deuten daraufhin, dass die Impfung vermutlich wesentlich länger anhält. Wann und ob überhaupt eine spätere Auffrischimpfung für einen lebenslang andauernden Impfschutz erforderlich ist, müssen weitere Studien zeigen.

Welche Nebenwirkungen können durch die Impfung auftreten?

Aktuelles
Aktuelle Fragen zur Diskussion um mögliche Risiken beantwortet der Krebsinformationsdienst am Telefon unter 0800 - 420 30 40.
Eine Stellungnahme zu möglichen Risiken bietet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI,www.pei.de) auf seinen Internetseiten unter diesem Link.
In den USA haben CDC und FDA als zuständige Behörden ebenfalls eine Sicherheitsinformation veröffentlicht, in englischer Sprache unter www.cdc.gov.

Generell gilt der Impfstoff Gardasil® als sehr gut verträglich. Die häufigsten  beobachteten Nebenwirkungen, die bei mehr als einer von zehn geimpften Patientinnen auftraten, sind Hautreaktionen an der Einstichstelle (Rötung, Schmerzen, Schwellung) und eine vorübergehende Temperaturerhöhung. Nicht auszuschließen sind darüber hinaus Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Überempfindlichkeitsreaktionen, wie Atembeschwerden, Nesselsucht oder Ausschlag. In seltenen Fällen wurde auch von Ohnmachtsanfällen nach der Impfung berichtet. Obwohl diese sehr selten sind, sollten geimpfte Personen über einen Zeitraum von 15 Minuten nach Verabreichung des Impfstoffs beobachtet werden.

Bei breiter Anwendung von Gardasil nach der Markteinführung wurde zudem in Einzelfällen von folgenden Nebenwirkungen berichtet: geschwollene Lymphdrüsen (Halsbereich, Achselhöhle oder Leiste), Guillain-Barré-Syndrom (Muskelschwäche, Missempfindungen, Kribbeln in Armen, Beinen und Oberkörper) und Kopfschmerzen. Da die Angaben zu diesen Nebenwirkungen auf spontanen Meldungen nach der Impfung basieren, aber nicht im Rahmen der Studien auftraten, wo alle Impfkomplikationen systematisch erfasst wurden, ist es nicht möglich, die genaue Häufigkeit ihres Auftretens verlässlich abzuschätzen.

Auch Cervarix® ist nach bisherigen Erkenntnissen sicher und gut verträglich. Hier waren die häufigsten Nebenwirkungen, die bei mehr als einer von zehn Impfdosen auftreten können: Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Müdigkeit. Seltener wurden Magen-Darm-Beschwerden, Juckreiz und Hautausschlag, Gelenkschmerzen und Fieber beobachtet. Gelegentlich kann auch Schwindel auftreten.

Beide Impfstoffe bestehen nur aus leeren Virushüllen (Eiweiß) und enthalten kein Erbmaterial der Viren. Sie können daher keine HPV-Infektion auslösen oder zu Gewebeveränderungen oder gar Krebs führen.

Wer sollte nicht geimpft werden?

Personen, die gegen den Impfstoff überempfindlich (allergisch) reagieren oder bei denen bereits im Vorfeld eine Allergie gegen die Hilfsstoffe bekannt ist, sollten nicht geimpft werden. Bei Personen mit einer Blutgerinnungsstörung ist ebenfalls Vorsicht geboten, da es an der Einstichstelle zu einer Blutung kommen kann. Darüber hinaus sollte die Impfung verschoben werden, wenn die zu impfende Person an einer schweren und fieberhaften Erkrankung leidet.

Bisher gibt es kaum Untersuchungen, ob Patienten mit einem geschwächten Immunsystem, zum Beispiel aufgrund eines genetischen Defekts oder einer HIV-Infektion, eine ausreichende Immunantwort auf die HPV-Impfung entwickeln. Die derzeit vorliegenden spärlichen Daten aus Studien mit HIV-infizierten Jugendlichen deuten jedoch darauf hin, dass die HPV-Impfung zu einer ausreichenden Immunantwort führen kann.

Ebenso wenig gibt es derzeit ausreichende Daten zur Sicherheit der Impfung während einer Schwangerschaft. Zwar konnte bei Frauen, die während der Impfserien schwanger wurden, kein erhöhter Anteil an Gesundheitsproblemen der Mutter oder des Babys im Vergleich zu nicht geimpften Schwangeren beobachtet werden. Dennoch wird zum jetzigen Zeitpunkt empfohlen, mit einer Impfung bis nach Ende der Schwangerschaft zu warten. Wird eine Frau schwanger, nachdem sie bereits eine Teildosis der HPV-Impfung erhalten hat, sollte mit dem Fortsetzen der Impfung bis nach der Entbindung gewartet werden.

Wie werden die Impfstoffe verabreicht?

Die HPV-Impfungen bestehen aus jeweils drei Einzelspritzen, die innerhalb sechs Monate verabreicht werden. Bei Gardasil® gilt das Impfschema 0-2-6 Monate: Die zweite Impfdosis wird also zwei Monate nach der ersten, die dritte sechs Monate nach der ersten Impfung gespritzt. Sollte hiervon ein abweichendes Impfschema erforderlich sein, ist die zweite Dosis frühestens einen Monat nach der ersten und die dritte frühestens drei Monate nach der zweiten Dosis zu verabreichen. Alle drei Dosen sind innerhalb von 12 Monaten zu impfen.

Bei Cervarix gilt das Impfschema 0-1-6 Monate: Nach der ersten Dosis folgt einen Monat später die zweite Dosis und fünf Monate nach der zweiten die dritte Dosis.

Beide Impfstoffe werden in die Muskulatur des Oberarms gespritzt. Die Herstellerfirmen empfehlen, die komplette Impfserie mit demselben Impfstoff durchzuführen und nicht auf einen anderen HPV-Impfstoff zu wechseln.

Was kostet die Impfung?

Kostenlos für Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren

Seit November 2007 ist die HPV-Impfung eine generelle Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung im Rahmen der Stiko-Empfehlung. Dies bedeutet, für gesetzlich versicherte Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren ist die Impfung kostenlos. Dies gilt auch für die dabei anfallenden Arztkosten. Bei privat Versicherten gilt der jeweilige abgeschlossene Vertrag.

Kostenpflichtig für alle anderen Personen

Personen, die nicht zu der offiziellen Zielgruppe der Impfung gehören, müssen in der Regel die Kosten für die Impfung selbst tragen. Im Einzelfall lohnt es sich aber immer, eine mögliche Kostenübernahme individuell bei der jeweiligen Kasse abzuklären.
In Deutschland kostet eine Impfdosis Gardasil® oder Cervarix® rund 160 Euro; die komplette HPV-Impfung bestehend aus drei Einzeldosen beläuft sich demnach auf etwa 480 Euro. Hinzu kommen Kosten für die ärztliche Beratung und die Durchführung der Impfung. Als Berechnungsgrundlage für das Arzthonorar dient die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), nach der sich Ärzte bei privat abgerechneten Leistungen richten müssen. Diese können je nach Umfang der Beratung unterschiedlich hoch ausfallen. Patienten sollten ihren Arzt daher vor der Impfung fragen, mit welchen Gesamtkosten sie zu rechnen haben.

Der Impfstoff ist in allen Apotheken erhältlich.

Gibt es trotz Impfung ein Restrisiko für Gebärmutterhalskrebs?

Ja. Zwar sind HPV 16 und HPV 18 für über 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich. Bei etwa 30 Prozent der betroffenen Frauen sind jedoch andere, seltenere HPV-Typen an der Krebsentstehung beteiligt, gegen die sich der Impfstoff nicht richtet. Aus diesem Grund bleiben die frauenärztlichen Früherkennungsuntersuchungen weiterhin eine wichtige Maßnahme, um Zellveränderungen rechtzeitig zu erkennen und effektiv zu behandeln, bevor Krebs entsteht.

Ersetzt die Impfung die Früherkennungsuntersuchungen?

Verwandte Themen

Nein. Auch wenn der Impfstoff wirksam vor der Entstehung von Veränderungen am Gebärmutterhals schützt - die jährliche Krebsfrüherkennung kann er nicht ersetzen.

Zwar richtet sich die Impfung an die häufigsten Papillomvirustypen, die in 70 Prozent an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt sind. Ein Drittel der Patientinnen ist aber nach heutigem Kenntnisstand durch eine Infektion mit anderen HPV-Typen erkrankt, gegen die die Impfung nichts ausrichten kann. Aus diesem Grund bleiben trotz der Impfung weiterhin regelmäßige Kontrolluntersuchungen die wichtigste Maßnahme zur rechtzeitigen Früherkennung von verdächtigen Zellveränderungen.

Sollten auch Männer geimpft werden?

Eine Impfempfehlung für Männer gibt es derzeit nicht. Wissenschaftler überprüfen noch in Studien, ob eine Impfung gegen die Typen HPV 6, 11, 16 und 18 auch Männer vor HPV-Infektionen und den damit verbundenen Folgeerkrankungen schützt und wie effektiv bei ihnen die Impfung ist. So können diese Papillomvirustypen auch bei Männern Erkrankungen im Genitalbereich hervorrufen, wie etwa gutartige Warzen und seltener Krebsvorstufen oder Karzinome an Penis und After.
Erste Ergebnisse einer Studie mit 4.000 Männern zwischen 16 und 26 Jahren wurden im November 2008 auf einer internationalen Konferenz (www.eurogin.com) vorgestellt: Während unter ungeimpften Männern nach 29 Monaten 31 Fälle von Erkrankungen im Genitalbereich auftraten, wie Warzen und Krebsvorstufen an Penis, im Dammbereich und am After, wiesen nur drei der geimpften Studienteilnehmer entsprechende Symptome einer HPV-Infektion auf. Die Verantwortlichen der Studie weisen aber auch darauf hin, dass die geplante Laufzeit der Studie noch nicht beendet ist.

Fachleute ziehen die Ausweitung des Impfprogramms auf Jungen und Männer auch in Erwägung, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und/oder eine erneute Infektion der Partnerin zu verhindern. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht im April 2009 aber davon aus, dass - als gesundheitspolitisches Ziel - zunächst hohe Durchimpfungsraten unter jungen Frauen erreicht werden sollten, um die Verbreitung der Viren einzudämmen.
Das Risiko einer Ansteckung mit humanen Papillomviren kann bei Männern über die Impfung hinaus auch durch konsequenten Kondomgebrauch und/oder Beschneidung verringert, wenn auch nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden.

Bis die endgültigen Studienergebnisse zur Wirksamkeit der Impfung bei Männern vorliegen, behalten in Deutschland die derzeitigen Zulassungsbedingungen und nationalen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission STIKO am Robert-Koch-Institut (www.rki.de) zur HPV-Impfung ihre Gültigkeit.

Wo gibt es weitere Informationen?

Einen kurz gefassten Überblick zum Thema Impfung gegen Papillomviren bietet ein Informationsblatt des Krebsinformationsdienstes, zum Laden und Ausdrucken als PDF-Datei.

Ansprechpartner für individuelle Auskünfte zur HPV-Impfung sind neben dem Krebsinformationsdienst die Hausärzte, Kinder- und Jugendärzte, Frauenärzte sowie Apotheker.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) bietet einen Text an, der sich insbesondere an junge Mädchen richtet, unter www.gesundheitsinformation.de.

ZERVITA, eine im Jahr 2006 gegründete Projektgruppe, informiert umfassend und ausführlich über den Nutzen von Früherkennungsuntersuchungen und möglichen Vorbeugungsmaßnahmen von Gebärmutterhalskrebs im Internet unter www.zervita.de.

Weitere Hintergrundinformationen zu den beiden Impfstoffen bieten die Internetseiten der Europäischen Arzneimittelagentur EMA (European Medicines Agency, www.ema.europa.eu). Über folgende Links sind die Beurteilungsberichte sowie die detaillierten Produktinformationen der Impfstoffe mit möglichen Nebenwirkungen und Gegenanzeigen im pdf-Format abrufbar:

Gardasil(R): www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/000703/WC500021142.pdf

Cervarix(R): www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/000721/WC500024632.pdf.


Wir beantworten Ihre Fragen: Rufen Sie uns an  |  Schreiben Sie uns eine E-Mail

Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 13.08.2009