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Welche Nahrungsmittel oder ihre einzelnen Bestandteile einen günstigen oder ungünstigen Einfluss haben, wird nicht nur im Labor untersucht. Eine wesentliche Rolle spielt die so genannte epidemiologische Forschung. Sie beruht auf der Befragung großer Gruppen von Menschen nach ihren Ernährungsgewohnheiten. Diese Angaben setzen die Krebsforscher mit der Krebshäufigkeit der Befragten in Beziehung.
Solche Studien können "retrospektiv" durchgeführt werden: Dann interviewt man Krebspatienten, wie sie sich vor dem Auftreten ihrer Erkrankung ernährt oder welches Gewicht sie hatten. Als aussagekräftiger sehen viele Experten jedoch so genannte "prospektive" Studien: Hier wird zu Beginn der jeweiligen Untersuchung der Gesundheitszustand und der Lebensstil der Studienteilnehmer erfasst. Im Verlauf der Studie prüft man dann in regelmäßigen Abständen, wie sich die gesundheitlichen Daten der Teilnehmer verändern. Dabei muss berücksichtigt werden, dass sich Ernährungsgewohnheiten auch verändern können.
Epidemiologische Studien laufen daher über Jahre oder sogar Jahrzehnte, bis aussagekräftige Ergebnisse vorliegen, und sie bauen auf großen Teilnehmerzahlen auf, um zufällige Einflüsse möglichst gering zu halten.
Eine der weltweit größten Ernährungsstudien läuft seit Anfang der 90er
Jahre in sieben europäischen Ländern, darunter auch in Deutschland. Im
Rahmen der GEK/EPIC-Studie wurden europaweit insgesamt mehr als 520.000
Menschen befragt und bis heute nachuntersucht. GEK steht dabei für
"Gesundheit, Ernährung und Krebs", EPIC ist die Abkürzung für das
englische "European Prospective Investigation into Cancer and
Nutrition". Die Untersuchung wird von der Internationalen
Krebsforschungsagentur IARC koordiniert (in englischer Sprache epic.iarc.fr/).
In Deutschland waren als Studienorte Heidelberg und Potsdam
ausgewählt worden: Jeweils rund 25.000 Erwachsene wurden hier nach
Zufallskriterien aus den Einwohnermelderegistern ausgewählt und auf
freiwilliger Basis mehrmals zu ihren Ernährungsgewohnheiten und ihrem
Gesundheitszustand befragt. Blutproben, Angaben zu den Körpermaßen und
einige weitere Angaben zu den Lebens- und Arbeitsgewohnheiten
vervollständigten die Daten.
Schon früh zeigte die Studie, wie groß die Unterschiede innerhalb Europas zum Beispiel beim Obst- und Gemüseverzehr- oder in der Ballaststoffaufnahme sind. Seit 2004 werden regelmäßig Daten veröffentlicht; bis die EPIC-Untersuchung komplett ausgewertet ist, werden noch Jahrzehnte vergehen. Von über 500.000 Studienteilnehmer sind inzwischen rund 26.000 Menschen an Krebs erkrankt.
Die Ergebnisse der GEK/EPIC-Studie bestätigen viele Aussagen der Weltgesundheitsorganisation WHO, zum Beispiel zur Rolle des Gewichts und der Bewegung. Unterschiede zur Bewertung durch die WHO gibt es bei den Ballaststoffen: Hier finden die europäischen Forscher eine Senkung des Dickdarmkrebsrisikos bei hohem Ballaststoffkonsum, während frühere Studien etwa in den USA keinen schützenden Effekt aufzeigen konnten.