
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deLediglich darauf zu achten, w a s man isst, macht möglicherweise keinen Sinn. Auch das "Wieviel" spielt vermutlich eine Rolle. Eine Vielzahl von Untersuchungen hat in den letzten Jahren belegt, dass der Einfluss des Körpergewichts auf das Krebsrisiko ebenso wichtig ist, wie die Zusammensetzung des täglichen Speiseplans. Da nicht nur die aufgenommenen Kalorien das Gewicht beeinflussen, wird außerdem heute der Faktor Bewegung gemeinsam mit dem Thema Ernährung diskutiert, wenn es um das Krebsrisiko geht.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht heute davon aus, dass in den westlichen Ländern rund 30 Prozent aller Krebsfälle auf ungünstige Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten zurückzuführen sind. In den Entwicklungsländern wird immerhin noch ein Fünftel der Tumorerkrankungen damit in Verbindung gebracht. Beeinflussbar durch Gewicht, Bewegung und Ernährung ist das Risiko für Krebsarten, die in Deutschland mit an der Spitze der Tumorstatistiken stehen, zum Beispiel Dick- und Enddarmkrebs oder Brustkrebs.
Neue Studien deuten an, dass möglicherweise das Risiko noch für weit mehr Tumorformen von Übergewicht beeinflusst wird, darunter Nierenzellkrebs, Gallenwegserkrankungen, Krebs des Gebärmutterkörpers oder der Eierstöcke, Speiseröhrenkrebs und Schilddrüsentumoren. Selbst für Non-Hodgkin-Lymphome und manche Leukämieformen schließen Experten einen Zusammenhang nicht mehr aus.
Als dahinter stehenden Mechanismus deuten viele Studien auf das so genannte metabolische Syndrom hin: Bei Menschen, die sich wenig bewegen und übergewichtig sind, kommt es oft zu einer dauerhaften Schieflage des Stoffwechsels. Viele Werte, zum Beispiel der Blutfette oder des Blutzuckers, sind chronisch mehr oder weniger erhöht. Dies führt auf zellulärer Ebene zu einer Art Entzündungsprozess. Bekannt ist, dass dieses metabolische Syndrom das Risiko für Zuckerkrankheit (Diabetes) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigert. Inzwischen gibt es viele Hinweise, dass auch Tumoren eine Folge dieser chronische Stoffwechsel-Schieflage sein könnten.
In einem Faktenblatt stellen die Experten der WHO zusammen, was ihnen
an gesicherten Zusammenhängen vorliegt und was als weniger gesichert,
aber möglich erscheint. Sie grenzen davon Studienergebnisse ab, die
zwar interessante Hinweise bieten, aber noch nicht gut genug belegt
sind, um Empfehlungen auszusprechen (in englischer Sprache unter www.who.int/dietphysicalactivity/publications/en/). Demnach gilt als gesichert,
Nicht ganz so sicher, aber wahrscheinlich ist es,
Bei weiteren Tumorarten, zum Beispiel den Leukämien oder den Krebserkrankungen bei Kindern, sehen die meisten Experten anhand der momentanen Datenlage keinen Zusammenhang mit der Ernährung. Es gibt jedoch einzelne Studien, die zum Beispiel eine Senkung des Leukämie- und Lymphomrisikos durch kalorienarme vegetarische Ernährung andeuten, auch wenn hier nicht auszuschließen ist, dass die insgesamt oft gesündere Lebensweise von Vegetariern eine Rolle spielt und nicht oder nicht nur die Lebensmittelauswahl an sich. Selbst beim Prostatakarzinom, in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Männern, scheint es zurzeit keine handfesten Beweise für einen Einfluss der täglich konsumierten Speisen auf die Krebsentstehung zu geben, weitere Studien laufen.
Auch eine noch so gesunde Lebensweise kann allerdings keinen hundertprozentigen Schutz vor Krebs bieten. Jeder kennt die Einzelbeispiele von stark übergewichtigen Rauchern, die trotz ihrer ungesunden Lebensweise sehr alt geworden sind; ebenso gibt es junge sportliche Menschen, die scheinbar aus heiterem Himmel an Krebs erkranken. Statistische Angaben beziehen sich immer auf größere Bevölkerungsgruppen und zeigen Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten auf. Für den individuellen Fall haben sie daher nur bedingt Aussagekraft. Es macht Sinn, gesund zu essen, Übergewicht zu vermeiden und sich viel zu bewegen. Sollte trotzdem eine Krebserkrankung auftreten, so bedeutet dies nicht, dass man sich falsch ernährt oder wichtige Faktoren übersehen hat, niemand ist "schuld" an seiner Erkrankung.
Noch ist in der Krebsvorbeugung das letzte Wort nicht gesprochen: Aus
der momentan laufenden Forschung zeichnet sich ab, dass sich
möglicherweise langfristig ein differenzierteres Bild zum Thema Krebs,
Ernährung und Bewegung ergeben könnte. Zwei Beispiele:
Die Weltgesundheitsorganisation geht durchaus kritisch mit der voreiligen Übertragung von frühen Studienergebnissen in praktische Empfehlungen um, so ihr Faktenblatt. Sie hinterfragt zum Beispiel die Annahme, die krebsschützende Wirkung von Obst und Gemüse könne durch Vitamine, Selen oder andere pflanzliche Schutzstoffe ersetzt werden. Eine solche vorbeugende Wirkung ist anhand der momentanen Datenlage zwar noch nicht völlig auszuschließen. Zumindest für Selen gibt es Hinweise, dass eine ausreichende Versorgung eine Rolle spielt. Große Studien zeigen allerdings, dass nicht wenige Vitamine in Tablettenform das Krebsrisiko sogar steigern. Möglich, aber nicht gesichert und bisher vor allem nicht ausreichend durch eindeutige Studien belegt ist laut WHO
Der Einfluss der Erzeugungsweise von Lebensmitteln oder der Zubereitung ist weniger gut gesichert als häufig angenommen wird: Dies gilt etwa für den Zusammenhang zwischen Krebs und Nitrosaminen, die aus Pökelfleisch oder über stark gedüngtes Gemüse entstehen können. Auch zum schädlichen Einfluss von Zubereitungsarten wie dem Grillen und scharfen Braten gibt es bisher hauptsächlich indirekte Nachweise, obwohl hierbei eindeutig Krebs erzeugende Stoffe wie etwa heterozyklische Amine und polyzyklische Kohlenwasserstoffe entstehen.
Die Klärung dieser offenen Fragen durch Studien ist nicht zuletzt deshalb schwierig, weil große Gruppen von Probanden oft über sehr lange Zeiträume begleitet werden müssen, um aus den vielen hundert Faktoren, die die Ernährung mit sich bringt, den Einfluss des ein oder anderen Einzelfaktors herauszufiltern.