Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Beispiele: Szintigraphische Untersuchungen in der Krebsmedizin

Bei der Szintigraphie bekommt der Patient eine radioaktiv markierte Substanz gespritzt, ein sogenanntes Radiopharmakon, das sich im Körper ausbreitet und dessen Verteilungsmuster gemessen werden kann. Dies macht man sich auch in der Krebsmedizin zunutze, um Tumoren und Metastasen darzustellen oder Organfunktionen zu prüfen. Da Tumorzellen oft ein anderes Stoffwechselverhalten haben als gesunde Körperzellen, reichern sie mehr (seltener: weniger) Radiopharmaka an als diese. So lassen sich Tumoren und Metastasen im Szintigramm nachweisen.

Szintigraphische Methoden können zur Untersuchung vieler Organsysteme eingesetzt werden. Häufige Anwendungen betreffen das Skelett, die Schilddrüse, die Lunge, die Nieren, das Gehirn oder das Herz. Einige in der Krebsmedizin wichtige Szintigraphie-Verfahren werden im Folgenden kurz vorgestellt. Für Patienten bietet der Krebsinformationsdienst weitere Informationen zur Krebsdiagnostik auch in der Rubrik "Krebsarten" oder steht am Telefon unter 0800 - 420 30 40 bei Fragen zur Verfügung. Für Patienten wie für Mediziner oder andere Beschäftigte in der Onkologie kann die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V. weitere Informationen bieten, im Internet unter www.nuklearmedizin.de; die Leitlinien der Gesellschaft sind unter www.nuklearmedizin.de/leistungen/leitlinien/leitlinien.php abrufbar, richten sich allerdings vorwiegend an Fachleute. 

Knochen- oder Skelettszintigraphie

Skelettszintigraphie
Mithilfe der Knochenszintigraphie können Knochentumoren oder Metastasen in den Knochen nachgewiesen werden.

Die Skelettszintigraphie ist eine der am häufigsten angewendeten szintigraphischen Untersuchungen. Sie eignet sich sehr gut, um Veränderungen im Knochenstoffwechsel aufzuspüren. Diese können ein Hinweis auf Knochentumoren oder Absiedelungen anderer Krebserkrankungen in die Knochen sein. Knochenmetastasen kommen besonders häufig bei Brustkrebs, Prostatakrebs und Lungenkrebs vor, aber auch bei Tumoren der Niere, der Schilddrüse oder des Darmes. Bei Lymphomen lässt sich die Beteiligung des Knochens ebenfalls mit einer Szintigraphie abklären. Im Szintigramm sind Tumorabsiedelungen oft wesentlich früher zu entdecken als auf einem Röntgenbild oder einem Computertomogramm.

Welches Radiopharmakon wird verwendet?

Knochen bestehen zu einem großen Teil aus Hydroxylapatit, einer Verbindung aus Kalzium und Phosphat. Der gesunde Knochen wird ständig auf- und abgebaut. Kranke Knochenanteile, zum Beispiel Entzündungen, Tumoren oder Metastasen, haben oft eine veränderte Zellteilungsrate. Bei ihnen ist der Stoffwechsel meist beschleunigt, sie speichern mehr Kalzium und Phosphat - in manchen Fällen allerdings auch weniger. Die veränderten Bedingungen macht man sich bei der Szintigraphie zunutze, indem man dem Körper eine Phosphatverbindung zuführt, die in den Knochenstoffwechsel einbezogen wird. Diese Phosphatverbindung wird mit einem radioaktiven Stoff (Technecium, genaugenommen Tc-99-m) markiert. Das so entstandene Radiopharmakon kann mithilfe der Szintigraphie nachgewiesen werden. Da es sich in den kranken Knochenanteilen verstärkt anreichert, können diese auf den Bildern als dunkle Flecken erkannt werden. Die Anreicherung ist außerdem von der Dicke und der Durchblutung des Knochens abhängig, die bei Tumoren ebenfalls verändert sein können.

Wie läuft die Knochenszintigraphie ab?

Wenn bei einem Patienten eine Knochenszintigraphie vorgesehen ist, führt der untersuchende Arzt ein Aufklärungsgespräch mit ihm, in dem mögliche Risiken der Untersuchung besprochen werden und der Patient Gelegenheit hat, Fragen zu stellen.

Anschließend bekommt der Patient das Radiopharmakon in eine Armvene gespritzt. Danach sollte er viel trinken und häufig die Blase entleeren, damit er den Anteil der radioaktiven Substanz, der nicht im Knochen angereichert wird, rasch wieder ausscheidet.

Etwa zwei bis drei Stunden nach der Verabreichung des Medikaments werden Aufnahmen mit der Gammakamera gemacht. Die Bilderstellung selbst dauert - je nach Fragestellung - fünfzehn bis vierzig Minuten. In einigen Fällen werden mehrere Aufnahmen gemacht, davon eine bis zwei bereits direkt nach der Injektion des Radiopharmakons. Dieses Verfahren nennt man Mehrphasen-Skelettszintigraphie. Es kann helfen, die Ausprägung eines Tumorgeschehens festzustellen oder zwischen bösartigen Tumoren und gutartigen Entzündungsreaktionen im Knochen zu unterscheiden.

Schilddrüsenszintigraphie

Die Schilddrüse spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel des Menschen. Wird bei einem Patienten im Ultraschallbild oder durch Tasten des Halses eine Veränderung der Schilddrüse festgestellt, ein sogenannter Schilddrüsenknoten, oder liegen veränderte Laborwerte vor, kann der Verdacht auf einen Tumor bestehen. Eine Szintigraphie kann Hinweise liefern, um zwischen Schilddrüsenkrebs und Schilddrüsenknoten anderer Ursachen zu unterscheiden - die wesentlich häufiger sind. Anders als bei vielen anderen szintigraphischen Untersuchungen sind bei der Schilddrüse besonders solche Gebiete im Szintigramm verdächtig, in denen wenig Strahlung zu erkennen ist, also das Radiopharmakon schlecht verstoffwechselt wird. Diese Gebiete nennt man "kalte Knoten". "Heiße Knoten" sind Gebiete, in denen das Radiopharmakon vermehrt angereichert wird. Hinter kalten Knoten können sich Tumoren verbergen. Ob und was für ein Tumor vorliegt, lässt sich aber oft erst durch eine Gewebeentnahme (Biopsie) oder eine Operation feststellen.

Lungenszintigraphie

Mit der Lungenszintigraphie können Ärzte die Durchblutung (Perfusion) und die Belüftung (Ventilation) der Lunge untersuchen. Die Beurteilung der Lungenfunktion ist insbesondere dann wichtig, wenn aufgrund eines Tumors oder Metastasen größere Teile der Lunge entfernt werden müssen. Schließlich muss sichergestellt werden, dass die verbleibenden Lungenanteile nach der Operation ihre Aufgabe noch in ausreichender Weise erfüllen können. Die Ärzte entscheiden im Einzelfall, ob zur Beurteilung der Lungenfunktion eine Szintigraphie notwendig ist oder die Bilder von Computertomographie oder Magnetresonanztomographie ausreichen.

Lymphszintigraphie

Die Lymphgefäße transportieren Gewebeflüssigkeit zurück ins Blut. In den Lymphknoten, die viele Zellen des Immunsystems enthalten, wird die Lymphe gefiltert und gereinigt. Bei vielen Krebsarten wandern Tumorzellen durch die Lymphbahnen in benachbarte Lymphknoten. Lymphknoten in der Nähe eines Tumors sind daher oft als erstes betroffen, wenn der Tumor Zellen absiedelt. Diese Lymphknoten werden als Wächterlymphknoten oder Sentinel-Lymphknoten (von engl.: sentinel = "Wächter") bezeichnet. Mithilfe der Szintigraphie lässt sich der Lymphabfluss in der Umgebung von Tumoren darstellen. So können die Wächterlymphknoten ausfindig gemacht und anschließend operativ entfernt werden, was die Heilungschance verbessern kann. Wächterlymphknoten spielen besonders beim Mammakarzinom und dem malignen Melanom eine Rolle, aber auch bei anderen Tumoren. Die Wächterlymphknoten lassen sich entweder durch die Szintigraphie nachweisen oder mithilfe blauer Farbe ("Patentblau"), die dem Patienten oder der Patientin während der Operation gespritzt wird. Szintigraphie und Patentblau lassen sich auch kombinieren.

Weitere szintigraphische Verfahren zur Tumordarstellung

Es gibt verschiedene szintigraphische Untersuchungen, die speziell zur Tumor- und Metastasensuche eingesetzt werden können. Diese Verfahren beruhen darauf, dass Tumorzellen sich von gesunden Zellen unterscheiden.

Die Zellen mancher Tumorarten tragen besondere Eiweiße auf der Oberfläche, an die bestimmte Botenstoffe (Hormone) binden. Solche Bindungsstellen nennt man Rezeptoren. Man kann diese Bindungsstellen und somit die Tumorzellen nachweisen, indem der Patient ein Radiopharmakon verabreicht bekommt, das an diese Rezeptoren auf der Tumorzelloberfläche  bindet.

Ähnlich funktioniert die Immunszintigraphie: Hier werden radioaktiv markierte Antikörper eingesetzt, die an bestimmte Tumormarker oder Bestandteile der Tumorzelle binden.

Im Rahmen klinischer Forschung werden auch die verschiedenen Verfahren der Szintigraphie weiterentwickelt. Ziel ist es, die Aussagekraft der Untersuchung zu verbessern und die Belastung für Patienten zu verringern.



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 24.03.2010