
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deBis heute gibt es keine Tests, die eine Vorhersage des allgemeinen Krebsrisikos erlauben. Fast über 90 bis 95 Prozent aller Krebserkrankungen entstehen rein zufällig und beruhen fast immer auf somatischen, also nicht vererbbaren Mutationen. Ein gemeinsames, vererbbares Profil, das auf die Wahrscheinlichkeit im Leben an Krebs zu erkranken schließen lässt, existiert daher für die überwiegende Mehrheit der Krebsarten nicht. Ausnahmen bilden nur einige seltene, familiär gehäuft auftretende Krebsarten, wie zum Beispiel bestimmte Formen von Darm- und Brustkrebs. So genannte "Gentests" erlauben daher keine Aussage darüber, ob eine Person an Krebs erkranken wird oder nicht.
Tritt eine Tumorerkrankung auffällig häufig in einer Familie auf, so kann mit Hilfe einer genetischen Untersuchung abgeklärt werden, ob eine erbliche Veranlagung, also eine Keimbahnmutation, vorliegt. Allerdings sind nur einzelne Krebsarten auf Keimbahnmutationen zurückzuführen: Hierzu gehören zum Beispiel seltene Formen von Darmkrebs, wie die so genannte Familiäre adenomatöse Polyposis und die Gruppe der hereditären (erblichen) Nicht-Polyposis-Kolonkarzinome, (HNPCC, englisch: Hereditary Non Polyposis Colon Cancer). Ebenso treten einige seltene Brustkrebsvarianten familiär gehäuft auf. Die in diesem Zusammenhang bereits identifizierten Risikogene BRCA1 und BRCA2 scheinen zudem das Eierstockkrebsrisiko der betroffenen Patientinnen zu erhöhen.
Wird bei einem Patienten eine Keimbahnmutation diagnostiziert, so
können gesunde Familienangehörige des Betroffenen einen Gentest
durchführen lassen, um eine erbliche Veranlagung (genetische
Prädisposition) nachzuweisen. Fällt der Nachweis negativ aus, trägt die
Person kein höheres Risiko an Krebs zu erkranken, als die
Allgemeinbevölkerung.
Liegt jedoch eine genetische Veranlagung für
eine bestimmte Krebsart vor, können betroffene Personen an einem
intensivierten Früherkennungsprogramm für die Krebsart teilnehmen. Da
Gendefekte selbst bislang noch nicht heilbar sind, können regelmäßige
Kontrolluntersuchungen dazu dienen, verdächtige Gewebeveränderungen
rechtzeitig aufzufinden und so das Krebsrisiko zu senken. Bei der
familiär auftretenden erblichen Form des medullären
Schilddrüsenkarzinoms raten Ärzte sogar allein auf Basis eines
positiven Gentests zur Entfernung der Schilddrüse: Träger des defekten
Gens entwickeln unweigerlich im Laufe ihres Lebens ein medulläres
Schilddrüsenkarzinom, nicht selten schon im Kindesalter.
Die Bundesärztekammer hat 1998 Richtlinien (www.bundesaerztekammer.de/downloads/Krebs_pdf.pdf)
verabschiedet, die genaue und bindende Vorgaben für die Untersuchung
auf eine genetische Veranlagung für eine Krebserkrankung beinhalten.
Die Verdachtsdiagnose einer erblichen Krebserkrankung kann schon durch
den Hausarzt oder die bisher behandelnden Ärzte und auf Humangenetik
spezialisierte Ärzte gestellt werden. Für die eigentliche Testung ist
jedoch ein Team aus Fachleuten verantwortlich, darunter Humangenetiker,
Ärzte, Psychologen. Zum Schutz der möglicherweise betroffenen Familien
muss eine ausführliche Beratung und Begleitung während des gesamten
Untersuchungszeitraums erfolgen.
Die Vertraulichkeit und
Datensicherheit haben oberste Priorität, aber auch das Recht auf
Nichtwissen legt die Bundesärztekammer ausdrücklich fest: Jedes
Familienmitglied kann jederzeit aus dem Untersuchungsprozess
ausscheiden. Erst wenn wirklich alle Voraussetzungen geklärt sind und
viele Informationen, zum Beispiel Familienstammbäume und
Krankengeschichten verglichen sind, wird getestet. Da die vermutete
Veränderung im Erbmaterial in allen Körperzellen der Betroffenen zu
finden ist, reicht dann eine Blutprobe aus. Die Suche nach den Genen
gleicht allerdings unter Umständen der nach der Stecknadel im
Heuhaufen: Vom Beginn der genetischen Beratung bis zum Vorliegen eines
Ergebnis können Monate vergehen.