Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Schutz vor Krebs: Die Präventionsregeln

REGEL 1: Rauchen Sie nicht!

  • Rauchen Sie nicht! Raucher sollten so schnell wie möglich aufhören. Wenn das nicht gelingen sollte, dann rauchen Sie wenigstens nicht in Anwesenheit von Nichtrauchern.

Das Krebsrisiko steigt
mit der Anzahl der gerauchten Zigaretten und mit der Dauer der „Raucherkarriere“, die in der Regel um so länger ist, je früher man mit dem Rauchen beginnt.

Dass regelmäßiger Tabakkonsum das Risiko erhöht, an Krebs zu erkranken, wurde bereits Anfang der 50er Jahre wissenschaftlich nachgewiesen und seither immer wieder bestätigt. Schätzungen zufolge ist rund ein Drittel aller Krebserkrankungen in den Industrieländern auf den Konsum von Tabak zurückzuführen. Besonders auffallend ist die Beziehung zwischen Rauchen und Lungenkrebs: Bei rund 90 Prozent der Männer und knapp 60 bis über 80 Prozent der Frauen, die an einem Tumor der Lunge leiden, ist die Krankheit auf das Rauchen von Zigaretten zurückzuführen.

In Deutschland erkranken nach Angaben der  Krebsregister jährlich etwa 33.000 Männer und 13.200 Frauen an Lungenkrebs (www.gekid.de, "Krebs in Deutschland"). Dieser Tumor steht damit bei Männern und mittlerweile auch bei Frauen auf Rang drei der Häufigkeitsstatistik von jährlichen Krebsneuerkrankungen – bei Männern nach Prostatakrebs und Darmkrebs, bei Frauen nach Brustkrebs und Darmkrebs. Als Krebstodesursache nimmt Lungenkrebs bei Männern mit weitem Abstand den traurigen ersten, bei Frauen den dritten Platz ein.
Doch nicht nur am Lungenkrebs, auch an der Entstehung anderer Krebsarten ist das Rauchen beteiligt: 40 bis 60 Prozent der Krebserkrankungen von Kehlkopf, Mundhöhle und Speiseröhre werden mit dem Rauchen allein oder in der Kombination von Tabak mit Alkohol in Verbindung gebracht. Außerdem bestehen Zusammenhänge zwischen dem Rauchen und dem Auftreten von Blasen-, Bauchspeicheldrüsen-, Nieren-, Magen- und Gebärmutterhalskrebs. Wissenschaftler haben Hinweise darauf gefunden, dass auch das Risiko für bestimmte Leukämien vom myeloischen Typ unter anderem mit dem Rauchen in Zusammenhang stehen könnte. Der Nasen-Rachen-Raum wird ebenfalls geschädigt. Rauchen verursacht darüber hinaus chronische Bronchitis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle sowie eine ganze Reihe von weiteren schweren Erkrankungen.

Daher ist es kein Wunder, dass die Lebenserwartung von langjährigen Rauchern drastisch eingeschränkt ist. Etwa die Hälfte der Raucher, die schon in jungen Jahren damit angefangen haben, stirbt an den Folgen des Rauchens. Im mittleren Lebensalter ist ihre Sterblichkeit dreimal so hoch wie die von Nichtrauchern. Der Verlust an Lebenserwartung beträgt im Durchschnitt dann 20 bis 25 Jahre. Auch Raucher, die ein höheres Alter  erreichen, müssen immer noch damit rechnen, dass sie sieben bis acht Jahre früher sterben als der Durchschnitt ihrer nicht rauchenden Altersgenossen.

Besonders die Entwicklung des Rauchverhaltens von Kindern und Jugendlichen bereitet Experten deshalb wachsende Sorgen: Es wird die Gesundheitssituation der Bevölkerung in der Europäischen Union in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts maßgeblich bestimmen. Die Zahlen von Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden weiter steigen. Daher sind alle Maßnahmen wichtig, die Kinder und Jugendliche von vornherein vom Rauchen abhalten und ihren Zugang zu Zigaretten beschränken – zum Beispiel über den Preis oder über Einschränkungen der Tabakwerbung.

  • Wie viele erwachsene Raucher es schaffen werden aufzuhören, wird sich schon in den entsprechenden Erkrankungszahlen der nächsten Jahre widerspiegeln.

Nikotin, Teer und Co.: Schadstoffe im Zigarettenrauch

Nikotin und Teer sind nur zwei von Tausenden Inhaltsstoffen des Tabakrauchs. Nikotin ist mit seiner anregenden und zugleich beruhigenden Wirkung auf das Nervensystem verantwortlich für die suchterzeugende Wirkung. In höherer Dosis ist Nikotin giftig – so giftig, dass für ein Kleinkind schon eine einzige zerkaute Zigarette tödlich sein kann. Trotzdem ging man lange davon aus, dass Nikotin selbst nicht krebserregend ist. Mittlerweile ist aber wissenschaftlich belegt, dass dieser Stoff auch bei der Veränderung von gesunden Zellen zu Krebszellen eine Rolle spielen kann.
Eine weit größere Rolle spielen jedoch andere chemische Verbindungen im Rauch, etwa die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe. Sie entstehen bei jeder unvollständigen Verbrennung organischen Materials, also auch bei der Verbrennung von Tabak und seinen Inhaltsstoffen. Insgesamt wurden bislang im Tabakrauch mehrere Dutzend krebserzeugende Substanzen nachgewiesen, darunter auch Nitrosamine, Benzol, Formaldehyd, Arsen, Nickel und Cadmium. Sogar radioaktive Moleküle wurden gefunden.

Besonders krebsgefährdet sind Gewebe und Organe, die unmittelbar mit dem Rauch in Berührung kommen: Lippen, Mund, Zunge, Rachen und Speiseröhre,  Kehlkopf und Lunge. Krebsauslösende Inhaltsstoffe werden auch mit dem Speichel verschluckt und schädigen die Verdauungsorgane. Inhaltsstoffe des Tabakrauchs gehen darüber hinaus ins Blut über und werden schließlich über die Harnwege ausgeschieden. Auf ihrem Weg durch den Körper schädigen sie Bauchspeicheldrüse, Nieren, Blase und die Schleimhaut des Gebärmutterhalses.

Gefahr gebannt durch Filter- oder Light-Zigaretten

Filterzigaretten verringern die Aufnahme von Schadstoffen um rund 20 Prozent. Das Krebsrisiko und das Risiko, an einem Herz-Kreislauf-Leiden zu erkranken, werden jedoch weder durch die Verwendung von Filtern noch durch die Reduzierung einiger Inhaltsstoffe, darunter Nikotin und Teer, in so genannten Light-Zigaretten wesentlich gesenkt. Die Ursachen sehen Wissenschaftler im Rauchverhalten: Die meisten Raucher, die auf leichtere Zigaretten umsteigen, inhalieren einfach tiefer oder ziehen häufiger an einer Zigarette, um die gewohnte Menge Nikotin zu bekommen. Damit nehmen sie auch mehr krebserzeugende Substanzen auf. Weder die Verwendung von Filtern noch die Senkung des Teergehaltes ändern wirklich etwas an der Schädlichkeit des Zigarettenrauchens. Die einzig wirksame Maßnahme ist es, damit aufzuhören.

Pfeifen und Zigarren, Schnupf- und Kautabak: harmlose Formen des Tabakkonsums?

Wer Pfeife oder Zigarre raucht und nicht inhaliert, hat im Vergleich zum Zigarettenraucher ein niedrigeres Bronchial- und Lungenkrebsrisiko. Das Risiko, an Mundhöhlenkrebs, Krebs der Atemwege und der Speiseröhre zu erkranken, ist jedoch höher. Über die Krebsgefahr durch Kau- und Schnupftabak sind sich die Experten nicht einig. In Tierversuchen erwiesen sie sich als gefährlich. Ob sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, ist allerdings unklar.

Wenn Nichtraucher unfreiwillig mitrauchen

Auch das Passivrauchen schadet der Gesundheit. Beim Verbrennen einer Zigarette, Zigarre oder Pfeife entsteht so genannter Hauptstromrauch, den im Wesentlichen der Raucher inhaliert, aber auch Nebenstromrauch. Der Nebenstromrauch ist derjenige Rauch, der von glimmenden Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen während der Zugpausen abgegeben wird. Diesem Nebenstromrauch ist jeder in der Umgebung eines Rauchers ausgesetzt. Er enthält zwar nicht so viel Teer und Nikotin wie der Hauptstromrauch, dafür aber mehr Nitrosamine und Aldehyde, die die Atemwege schädigen können. Die Konzentration an krebserregenden Nitrosaminen ist im Nebenstromrauch mehr als 100mal höher als im Hauptstromrauch.

Tabakrauch ist damit der gefährlichste Innenraumschadstoff, so das Deutsche Krebsforschungszentrum in einer Pressemitteilung, Nr 24,  August 2003. Passivrauch trägt nachweislich zur Entstehung von Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen einschließlich Herzinfarkt, Schlaganfällen und Atemwegserkrankungen bei Erwachsenen und bei Kindern bei. Dass Passivraucher tatsächlich mitrauchen, lässt sich an Abbauprodukten von Tabak und Rauch in ihrem Körper nachweisen. Bei neugeborenen Kindern von Raucherinnen finden sich entsprechende Substanzen schon im ersten Urin, der noch vor der Geburt gebildet wird. Hat das Ungeborene mitgeraucht, steigt das Risiko von Tot- oder Frühgeburten, das Geburtsgewicht ist niedriger. Kinder rauchender Eltern sind häufiger krank als andere Kinder. Sie haben zum Beispiel ein höheres Risiko für schweres Asthma, für Infektionen der oberen und unteren Atemwege und für Mittelohrentzündungen.

Trotzdem lebt jedes zweite Kind in Deutschland in einem Haushalt, in dem mindestens eine Person raucht. Über acht Millionen Kinder und Jugendliche sind täglich den Gefahren des Passivrauchens ausgesetzt, so das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle im Deutschen Krebsforschungszentrum (www.tabakkontrolle.de).

Erwachsene, die zu Hause oder am Arbeitsplatz Zigarettenrauch ausgesetzt sind, unterliegen ähnlichen Gefahren. Die Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat Passivrauchen am Arbeitsplatz in die Liste der Risikofaktoren aufgenommen, die als eindeutig krebserzeugend gelten und für die keine tolerierbare untere Belastungsgrenze festgelegt werden kann: Die "MAK-Liste", für maximale Arbeitsplatz-Konzentration.

Aufhören lohnt sich: Je früher desto besser!

Auch wenn Sie schon jahrelang rauchen – es lohnt sich in jedem Alter, damit aufzuhören. Bereits vier bis fünf Jahre, nachdem Sie das Rauchen eingestellt haben, ist Ihr Risiko, an Krebs oder einem anderen schweren Leiden zu erkranken, deutlich vermindert. Nach 15 Jahren ohne Zigarette entspricht Ihr Lungenkrebsrisiko dem eines Nichtrauchers.

Viele Methoden der Raucherentwöhnung sind heute wissenschaftlich untersucht. Manche sind erfolgreicher, manche bringen auf lange Sicht betrachtet weniger, und nicht jedes Verfahren ist für alle Raucher passend. Lassen Sie sich daher beraten und nutzen Sie Angebote der Information und Unterstützung zum Nichtrauchen. Setzen Sie einen Schlusspunkt und treffen Sie mit sich selbst oder auch mit anderen eine Vereinbarung über den Zeitpunkt, zu dem Sie definitiv aufhören möchten. Die körperlichen Beschwerden, die besonders bei starken Rauchern beim Aufhören auftreten, lassen sich durch Nikotingaben mildern, zum Beispiel in Form von Nikotinpflastern oder -kaugummis. Die Beschwerden sind vorübergehend und können auch durch eine gesunde Ernährung und Bewegung positiv beeinflusst werden.

Um Rückfälle zu vermeiden, helfen auch die vier "A":

  • Ausweichen: Situationen, die Sie in Versuchung führen, voraussehen und vermeiden
  • Abhauen: sich Risikosituationen entziehen
  • Ablenken: Rauchen durch andere Tätigkeiten ersetzen
  • Aufschieben: Entspannungsübungen durchführen, um den Drang zum Rauchen aufzuschieben und Erleichterung zu verschaffen

Weitere Informationen und Unterstützung

Mehr Informationen über das Rauchen, Passivrauchen und Unterstützung beim Aufhören bietet das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle im Deutschen Krebsforschungszentrum, online unter www.tabakkontrolle.de, am Telefon unter:

Rauchertelefon: Montag bis Freitag 14 - 18 Uhr, Telefon: 06221 - 42 42 00

Unter der gleichen Telefonnummer ist auch die Hotline "Rauchfrei am Arbeitsplatz" zu erreichen, sie ist Anlaufstelle für Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Betriebsräte und Betriebsärzte.

Rauchertelefon für Krebspatienten: Montag bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Telefon: 06221 - 42 42 24

Zur Präventionsregel 2:



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 15.02.2007