
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deWeltweit sind nach Schätzungen etwa 15 Prozent aller Krebserkrankungen auf chronische Infektionen mit Viren, Bakterien oder Parasiten zurückzuführen. In Europa sind es bis zu acht Prozent, und hier hauptsächlich Zervixkarzinom, Leberzellkrebs, Magenkrebs und einige bösartige Erkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Systems. Die Verfügbarkeit breiter Impfprogramme gegen die ursächlichen Erreger könnte allen Erwartungen nach die Häufigkeit dieser Krebserkrankungen reduzieren. Für Leberzellkrebs, eine sehr häufige Krebserkrankung in Afrika und Asien, ist dies durch derartige Impfprogramme auch schon in einigen Regionen gelungen. Auch zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs ist mittlerweile eine Impfung verfügbar.
Leberzellkrebs entsteht in den meisten Fällen auf dem Boden einer
chronischen Infektion mit dem Hepatitis B- oder Hepatitis C-Virus. Ein
wirksamer Impfstoff gegen den B-Typ ist bereits seit 20 Jahren
verfügbar. Allerdings werden in den meisten Ländern Europas überwiegend
nur erwachsene Risikopersonen geimpft, etwa medizinisches Personal,
obwohl eine Infektion bei der Geburt und in der Kindheit ein weit
größeres Risiko birgt, dass sich als Folge später Leberkrebs
entwickelt. In Europa werden jährlich rund 30.000 Neuerkrankungen an Leberkrebs festgestellt, in Deutschland sind es rund 4.500.
Ein wirksamer Impfstoff gegen die Infektion mit dem Hepatitis
B-Virus ist bereits seit 20 Jahren verfügbar. Allerdings werden in den
meisten Ländern Europas überwiegend nur erwachsene Risikopersonen
geimpft, z.B. medizinisches Personal, obwohl eine Infektion bei der
Geburt und in der Kindheit ein weit größeres Risiko birgt, dass sich
als Folge später Leberkrebs entwickelt.
Intensiv arbeiten Forscher an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Hepatitis C-Virus (HCV), das wie das Hepatitis B-Virus (HBV) als Verursacher von Leberzellkrebs im Verdacht steht.
Auch eine Impfung gegen die für die Entstehung des Zervixkarzinoms wichtigen Typen der humanen Papillomviren (HPV) ist der beste Weg zur Vorbeugung dieser Krebserkrankung, die in einigen Ländern der Welt die häufigste bei Frauen ist.
Mittlerweile wurden Impfstoffe gegen die Hochrisikotypen 16 und 18, die für rund 70 Prozent aller Zervixkarzinome verantwortlich sind, entwickelt und in großen Studien erfolgreich getestet: Durch diese Virustypen verursachte Krebsvorstufen ließen sich zu fast 100 Prozent vermeiden. Allerdings liegen Ergebnisse zur Dauer des Impfschutzes bisher nur für einen Zeitraum von maximal fünf Jahren vor. Der erste Impfstoff, der vor der Infektion mit den Virustypen HPV 6, 11, 16 und 18 schützt, also den "Krebsviren" wie auch zwei der Hauptverursacher von gutartigen Genitalwarzen, ist seit Oktober 2006 auch in Deutschland zugelassen. Ein zweiter Impfstoff gegen HPV-16 und -18 folgte 2007. Beide können eingesetzt werden bei Mädchen und Jungen von 9 bis 15 Jahren und bei Frauen zwischen 16 und 26 Jahren. Bis zu diesem Alter liegen Studienergebnisse zur Wirksamkeit vor. Aber auch Frauen über 26 könnten geimpft werden, wobei für diese Altersgruppe jedoch noch keine abschließenden Daten zum Nutzen und zur Sicherheit der Impfung vorliegen.
Am sinnvollsten ist die Impfung vor dem ersten Sexualkontakt, der bereits die Gefahr einer HPV-Infektion birgt. Für den optimalen Schutz sind drei Impfungen im Laufe von sechs Monaten erforderlich. Gegen eine bereits bestehende Infektion und gegen bereits bestehende virusbedingte Zellveränderungen oder Krebsvorstufen wirkt die Impfung nicht.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) im Robert-Koch-Institut (www.rki.de) empfiehlt die Impfung gegen humane Papillomviren für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Für diese Altersgruppe übernehmen die Krankenversicherungen dementsprechend die Kosten der Impfung.
Frauen, die nicht zu dieser Altersgruppe gehören, könnten ebenfalls von einer Impfung profitieren. Hier läge es allerdings in der Verantwortung des Arztes, die Patientinnen über Nutzen und Risiken der Impfung auf Basis der Impfstoffzulassung hinzuweisen. Die Kosten müssen erwachsene Frauen in der Regel selbst tragen, Auskünfte erteilt die Krankenversicherung. Die Impfung von Jungen ist theoretisch ebenfalls möglich, noch liegen hierzu allerdings keine abschließenden Daten vor.