Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Umweltgifte: Beeinflussen Umweltfaktoren die Krebsentstehung?

Die Belastung der Umwelt mit Giften, Schadstoffen oder anderen Substanzen kann die menschliche Gesundheit beeinträchtigen. Der Einfluss ist nach Einschätzung der meisten Experten aber im Vergleich zu "hausgemachten" und lebensstilabhängigen Risiken sehr gering. Da man möglichen Umweltrisiken jedoch nur bedingt durch eigenes Verhalten aus dem Weg gehen kann, ist die Politik gefragt: Zum Schutz der menschlichen Gesundheit existiert eine Vielzahl von Regelungen, in jüngerer Zeit meist sogar auf EU-Ebene. Insgesamt ist die Umweltbelastung seit den 80er Jahren in Deutschland kontinuierlich gesunken.

Führen Schadstoffe aus der Umwelt zu einem erhöhten Krebsrisiko?

Insgesamt schätzen Experten den Anteil als gering ein, den Umweltgifte und Umweltbelastungen an der Krebsentstehung haben. Bei vielen Tumoren wird die Ursache heute eher in einer Mischung aus Lebensstil oder persönlichen Risiken und kaum vermeidbaren genetischen "Unfällen" und kleinen Schäden gesehen, die mit steigendem Lebensalter einfach wahrscheinlicher werden.

Krebs und Umwelt

Geht es um Schadstoffe im engeren Sinn, so sehen die Autoren des Europäischen Kodex gegen den Krebs die Krebsrisiken eher am Arbeitsplatz: Durch fehlende Sicherheitsvorkehrungen, oder, heute eher der Fall, durch Missachtung vorhandener Schutzvorschriften sind Arbeitnehmer gefährdet (in englischer Sprache: www.cancercode.org). Bei den Umweltbelastungen, denen man als Einzelner nicht aus dem Weg gehen kann, unterscheiden die Experten zwischen Schadstoffen, die so weit verbreitet sind, dass sie jeden treffen, und Schadstoffen, die nur in bestimmten Regionen auftreten, zum Beispiel in der Nähe von Industrieanlagen. Sie listen einzelne Umweltgifte auf, für die es Studien gibt, und berichten über Untersuchungen, die für verschiedene Krebsarten vorliegen.

Schätzungen für Europa

  • Insgesamt gehen die Autoren des Europäischen Kodex gegen den Krebs von mehreren Tausend Krebstodesfällen pro Jahr in Europa aus, die durch Schadstoffe in der Umwelt bedingt sind, ohne die Zahl genauer anzugeben. Hier sind sogar auch Todesfälle miteingerechnet, die durch Passivrauchen verursacht werden – für die Experten eindeutig ein Umweltgift (in englischer Sprache: www.cancercode.org/code_07.htm).
  • Zum Vergleich: Nach der letzten Statistik der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC, einer der Weltgesundheitsorganisation WHO zugeordneten Einrichtung, starben in ganz Europa im vergangenen Jahr insgesamt 1,7 Millionen Menschen an Krebs. Innerhalb der EU schätzen die Verantwortlichen die Zahl auf 1,2 Millionen. Die weit überwiegende Zahl der Krebstodesfälle wird von Experten also nicht mit der Umweltbelastung in Verbindung gebracht (in englischer Sprache eine Pressemeldung der IARC vom Februar 2005: www.iarc.fr/en/media-centre/pr/2005/pr159.html).

Andere umweltbedingte Erkrankungen

Nach derzeitiger Auffassung ist eine Umweltbelastung eher mit anderen Erkrankungen verknüpft und nicht mit Krebs: So verstärkt zum Beispiel eine stark mit Schadstoffen belastete Luft die Neigung zu Allergien und wird gefährlich für Menschen, die sowieso schon eine Lungenerkrankung haben oder Herz-Kreislauf-Probleme.

Krebs und Umwelt - historische Entwicklung

Umweltgifte sind keineswegs etwas Neues: Bereits für das Altertum gibt es aus archäologischen Grabungen Nachweise für ernst zu nehmende Umweltbelastungen mit Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit: zum Beispiel in Gegenden, in denen in großem Umfang Erze verhüttet und Metall bearbeitet wurden. Die ersten aus heutiger Sicht noch aktuellen Beschreibungen von Krebsrisikofaktoren beziehen sich auf die Folgen der Industrialisierung im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Einen Höhepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung erreichte die Umweltbelastung mit ihren Folgen für den Menschen und die Natur in den Industrieländern in den 70er und 80er Jahren. Auslöser waren in Deutschland zum Beispiel das Waldsterben, die Belastung von Gewässern mit ihren Folgen für das Trinkwasser und die Luftverschmutzung durch den zunehmenden Autoverkehr.

Seitdem ist der Eintrag von Giften und Schadstoffen in die Umwelt durch entsprechende Schutzmaßnahmen nachweislich in vielen Bereichen deutlich zurückgegangen. Neue Risiken werden heute zudem schneller erkannt. 

Rahmenbedingungen für den Umweltschutz

Der Schutz der Umwelt und damit auch der Gesundheit ist jedoch immer abhängig von seiner technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit. So sieht die Situation heute in Deutschland beispielsweise ganz anders aus als in Ländern der Dritten Welt, in denen der Schutz der Bevölkerung vor Umweltgiften häufig als nicht bezahlbar angesehen wird. Auch Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur müssen berücksichtigt werden: Probleme bereiten weltweit alle Ballungsräume, weil immer mehr Menschen in Städten leben und arbeiten. Viele Schutzmaßnahmen werden allein durch das Bevölkerungswachstum in den Metropolen regelrecht "aufgefressen".

Wie werden Umweltrisiken erfasst?

Heute gibt es kaum noch einen Vorgang auf Bundes- oder Landesebene, auf der Ebene der Städte und Gemeinden, bei dem mögliche Belastungen für Umwelt und Gesundheit nicht mit berücksichtigt würden. Für viele Vorgaben ist eine Gesetzgebung auf EU-Ebene die Grundlage.

Ein Beispiel dafür ist das bundesweite Mess- und Erfassungssystem für Umweltdaten. Die Ergebnisse sind heute für jedermann offen einsehbar, an zentralen Stellen in Städten und Gemeinden über entsprechende Informationsaushänge – heute allerdings meist als elektronische Anzeigetafel. Das Umweltportal Deutschland (PortalU), das von Bund und Ländern betrieben wird, hält im Internet Messwerte bereit, beispielsweise in den Rubriken "Strahlung", "Luft" und "Wasser": www.portalu.de/ingrid-portal/portal/main-measures.psml. Einen weiteren Einstieg in das Thema der zentralen Erfassung bietet das Umweltbundesamt unter www.env-it.de/luftdaten/ für aktuelle Luftmesswerte und www.env-it.de/umweltdaten/ zum Beispiel für Boden- oder Gewässerdaten. Hier sind auch Feinstäube und andere Substanzen aufgeführt, die im Zusammenhang mit einer Krebsbelastung diskutiert werden.

Können Fachleute Gesundheitsgefahren genau berechnen?

Kontakt allein kein Beweis

Studien und Untersuchungen geben meist nur Aufschluss über die Kombination von Risiken, denen Menschen ausgesetzt sein können. Krebsrisikofaktoren, die vom persönlichen Lebensstil abhängen, addieren sich in ihrer Auswirkung zu Risiken aus der Umwelt: Herauszufinden, was wovon abhängig ist und wie sehr, ist statistisch sehr aufwändig und bedarf der Beobachtung großer Personengruppen.

Dass krebserregende Substanzen in die Umwelt gelangen können, ist allein Beweis für eine Gesundheitsgefährdung: Bekannt muss außerdem sein, wer damit in welchem Umfang wirklich in Kontakt kommt und wie lange, und wie der Mensch solche Substanzen in seinem Stoffwechsel verarbeitet.

Berechnung schwierig: Beispiel Lungenkrebs

Ein recht typisches Beispiel ist das Thema Lungenkrebs: Viele Menschen befürchten, dass Luftverschmutzung durch Abgase oder Feinstaub ihr Lungenkrebsrisiko stark erhöht. Für Allergien, Asthma und andere Lungenbeschwerden ist nachgewiesen, dass Luftverschmutzung bestehende Beschwerden verschlimmern und neue auslösen kann.

Doch wie sieht es mit dem Krebsrisiko aus?
Experten schätzen, dass von 100 Lungenkrebsfällen rund 80 durch Rauchen verursacht werden. Bei weiteren Patienten scheint die Ursache das Passivrauchen zu sein: Eine Studie des italienischen Krebsforschungsinstituts gemeinsam mit der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC zeigte 2004, dass schon drei Zigaretten 60 Kubikmeter Luft, also eine durchschnittliche Garage, innerhalb einer halben Stunde mit bis zu zehnmal so viel Feinstaub füllen wie ein laufender Dieselmotor.

Radon, ein natürlich vorkommendes radioaktives Gas, ist mit großer Wahrscheinlichkeit für fünf bis sieben Lungenkrebsfälle  verantwortlich, so aktuelle Studien (hier eine Pressemitteilung des Bundesamtes für Strahlenschutz: www.bfs.de/bfs/presse/pr05/pr0501.html).

Wegen des Umwelteinflusses müssen sich Krebsexperten auf die wenigen verbleibenden Krebspatienten konzentrieren, deren Erkrankung nicht mit den anderen Risikofaktoren in Verbindung steht: Nur bei ihnen lässt sich statistisch sauber ein Einfluss der Luftverschmutzung nachweisen. Schon Anfang der 90er Jahre hatte eine entsprechende Studie in Polen unter Beteiligung des Deutschen Krebsforschungszentrums eine erhöhte Sterblichkeitsrate an Lungenkrebs in Gegenden mit hoher allgemeiner Luftverschmutzung belegt. Eine eindeutige Antwort auf die Frage, wie groß der  Einfluss heute ist, können Experten derzeit nicht geben. Die Autoren des Harvard Cancer Reports, eines 1996 erschienenen Berichts über Krebsrisikofaktoren, schätzten anhand der deutsch-polnischen und ähnlicher Studien, dass rund ein Prozent der Lungenkrebsfälle in den USA mit der Luftverschmutzung in Zusammenhang stand.

Studien werden fortgeführt

Entsprechende Studien laufen jedochwerden auch heute in relativ großem Umfang weiter geführt. Für Kehlkopfkrebs, eine Krebsart, bei der bereits entsprechende Ergebnisse vorliegen, ließ sich beispielsweise  die Rolle berufsbedingter Risiken durch die Konzentration auf Nichtraucher herausfiltern, die Rolle von Umweltfaktoren ist allerdings auch hier weiter unklar.

Hat sich am Ausmaß der Luftverschmutzung etwas geändert?

Zur Berechnung der Luftverschmutzung werden heute im Rahmen der bundesweiten Messung bestimmte Leitsubstanzen regelmässig geprüft. Dazu gehören Staub und Feinstäube, Ozon, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Stickstoffdioxid. Quellen dieser Belastung, deren Anteil an der Krebsentstehung derzeit unklar ist, sind der Straßenverkehr und die Abgase aus privaten Heizungen, der Industrie und der Energie- und Stromerzeuger. Als natürliche Quelle für Stäube gelten aber auch die Landwirtschaft und sogar mit dem Wind transportierter Saharasand.

Die Belastung der Luft mit diesen Stoffen soll wegen der nachgewiesenen Beeinflussung von Allergien, Asthma und anderen Lungenerkrankungen durch strenge Grenzwerte gesenkt werden: Zuletzt sorgte beispielsweise die seit 1. Januar 2005 gültige Feinstaub-Richtlinie der EU für viel Diskussionsstoff. Die bundesweiten Messdaten sind unter www.env-it.de/luftdaten/start.fwd abrufbar (neues Bildschirmfenster).

Weitere Luftschadstoffe werden ebenfalls regelmäßig oder auch im Zusammenhang mit konkreten Fragestellungen erfasst. Dazu gehören beispielsweise Schwermetalle wie Blei oder Benzol und andere Stoffe, für die ebenfalls ein Krebsrisiko diskutiert wird. Selbst auffallende störende Gerüche, die nicht krank machen, sind heute als Umweltbelastung eingestuft und werden von den zuständigen Behörden nach Möglichkeit unterbunden.

Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten hat sich die Luftqualität trotz der derzeit diskutierten Überschreitungen gesetzlicher Grenzwerte insgesamt sehr verbessert: So ging laut Umweltbundesamt beispielsweise die Belastung mit Feinstäuben, die tief in die Lunge eindringen können, von knapp 1.900 Kilotonnen im Jahr 1990 auf 209 Kilotonnen im Jahr 2002 zurück (eine Veröffentlichung des Umweltbundesamtes im PDF-Format unter www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3565.pdf).

Radon

Eine eigentlich altbekannte Risikoquelle in der Luft rückt erst in jüngerer Zeit ins Blickfeld: das natürliche Edelgas Radon. Es kann Lungenkrebs verursachen: Fünf bis sieben von hundert Betroffenen scheinen längere Zeit Radon ausgesetzt gewesen zu sein.
Das Bundesamt für Strahlenschutz geht von einer durchschnittlichen natürlichen Belastung in Deutschland von 50 Becquerel pro Kubikmeter Innenraumluft aus. In besonders belasteten Gebieten – auch dies in der Regel eine Folge des natürlichen Vorkommens von Radon im Boden oder von uranschlackenhaltigen Baumaterialien aus Bergbauabraum – wurden dagegen auch mehrere tausend Becquerel pro Kubikmeter als Jahresmittel gemessen. Betroffen sind vor allem ältere und nicht unterkellerte Häuser, die größten natürlichen Vorkommen liegen in Sachsen und Bayern. Abhilfe schaffen vergleichsweise einfache Maßnahmen: Abdichtungen von Kellern oder Erdgeschossen sowie eine entsprechende Belüftung.

Viele Informationen rund um das Thema Radon, auch einen Radonatlas für Deutschland mit den höher belasteten Regionen, bietet unter anderen das Bundesamt für Strahlenschutz im Internet unter www.bfs.de, Reiter "Ionisierende Strahlung". Eine Pressemitteilung zum Thema aus dem Jahr 2005  ist ebenfalls beim BfS zu finden, unter www.bfs.de/bfs/presse/pr05/pr0505.html. Wie hoch die Belastung in ihrem Wohnort sein kann, ob Keller und Erdgeschoss des eigenen Hauses betroffen sind und wie man Abhilfe schaffen kann, erfahren Interessierte auch über die Bau-, Umwelt- oder Gesundheitsbehörden in ihrer Gemeinde.

Wie sieht es mit dem Trinkwasser und den Böden aus?

Wasser

Was durch Landwirtschaft, Industrie, private Haushalte oder aus anderen Quellen in die Umwelt gelangt, findet sich häufig irgendwann auch im Oberflächen- oder Grundwasser wieder. Da dies auch die Quellen für die Trinkwassergewinnung sind, setzen Umweltschützer wie Behörden den Gewässerschutz ganz oben auf die Tagesordnung. Die Trinkwasserqualität in Deutschland ist auch im internationalen Vergleich sehr gut – viele Verbraucherschützer meinen sogar, dass sie besser sei als die manches handelsüblichen Wassers in Flaschen. Trotzdem wird regelmäßig getestet, zum Beispiel auf den Nitratgehalt hin, der mit dem Risiko für Magenkrebs in Verbindung gebracht wird, oder auch auf Kupfer hin, das ebenfalls Magenkrebs auslösen könnte. Probleme mit den Trinkwasser entstehen jedoch häufig erst im eigenen Haus oder der Wohnung: Wo alte Bleirohre vorhanden sind oder Kupferleitungen zu viele Moleküle abgeben, sollte nachgebessert werden. Über Details informieren die Wasserversorger in den Städten und Gemeinden sowie die Verbraucherzentralen und andere Angebote der Verbraucherberatung.

Böden

Reste von Chemikalien sind oft auf die derzeitige oder frühere Nutzung von Flächen als Industriestandort zurückzuführen. Auch mit Müll- und Sondermülldeponien oder dem Bergbau können sie in Zusammenhang stehen. Vor allem in den neuen Bundesländern ist hier zum Teil noch mit erheblichen Belastungen zu rechnen. Allerdings dürfte inzwischen die Mehrzahl der kontaminierten Standorte saniert oder zumindest erfasst worden sein, so dass sich auch hier die Umweltbelastung und damit auch eine vielleicht vorhandene Gefahr deutlich reduziert hat, dass krebserzeugende Substanzen über Obst oder Gemüse oder das Wasser in die Nahrungskette kommen.

Tschernobyl

Eine Gefährdung durch den Kernkraftwerksunfall von Tschernobyl würde sich heute nur noch auf Cäsium 138 beziehen. Die meisten anderen radioaktiven Substanzen, die eine Zeitlang in Pflanzen und im Boden nachweisbar waren und von dort auch in die menschliche Nahrungskette gelangten, sind inzwischen weitgehend zerfallen.

Mit Cäsium waren 1986 fast ausschließlich Böden in Bayern und entlang der Elbe kontaminiert worden. Die Substanz ist inzwischen zwar kaum noch an der Oberfläche zu finden, aber trotzdem noch vorhanden. Eine relevante Rolle als Strahlungsquelle im Alltag spielen nur noch gesammelte wilde Pilze und Wildfleisch aus damals belasteten Gebieten. Bei den normalerweise nur saisonal und vergleichsweise geringen Mengen, die Menschen in Deutschland zu sich nehmen, besteht jedoch keine messbare Gefährdung und auch kein Krebsrisiko mehr, so das Informationsportal "Was Wir Essen" unter www.waswiressen.de, Stichwort: "Schadstoffe von A-Z", und weiter zu "R wie Radionuklide".

Sind in Deutschland Nahrungsmittel mit Schadstoffen belastet?

Bundesinsitut für Risikobewertung

Insgesamt ist durch die verringerte Belastung von Böden und Wasser auch die Belastung von Lebensmitteln zurückgegangen. Die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sind messbar: So wurden beispielsweise schon im Herbst 1996 von der Vorgängerinstitution des Bundesinstituts für Risikobewertung eine Empfehlung zur Schadstoffuntersuchung der Muttermilch nach dem sechsten Lebensmonat des Kindes aufgehoben: Stillen ist kein Problem mehr; Mütter müssen nicht mehr wie noch bis in die 80er Jahre damit rechnen, zu viel der in ihrem Körper angesammelte Giftstoffe an ihr Kind weiter zu geben. Insgesamt gehen Krebsforscher heute davon aus, dass das Risiko durch eine Fehlernährung – zu fett, zu süß, zu viel – weit höher ist als durch Schadstoffe in der Nahrung.

Bundesweites Lebensmittelmonitoring

Aus dem Einsatz von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln können sich jedoch auch heute noch (Krebs-)Risiken für den Menschen ergeben: Strenge Grenzwerte dienen zwar dem Schutz, und im Großen und Ganzen werden sie heute bei den in Deutschland verkauften Lebensmitteln auch eingehalten.
In Stichproben finden sich aber gelegentlich Überschreitungen beim Nitratgehalt oder bei Pestiziden, so die Ergebnisse des bundesweiten Lebensmittelmonitorings. Dieses Programm des Bundes und der Länder dient der Überwachung. Es erfasst Rückstände, die bei der Erzeugung entstanden sein können, aber auch die Belastung mit Schwermetallen oder organischen Substanzen, die aus der Umwelt in die Nahrungskette gelangen, sowie Schimmelpilzgifte, die nachweislich Krebs mitverursachen können, und radioaktiven Nuklide, die immer noch aus Tschernobyl stammen.

Untersucht werden regelmäßig so genannte Warenkörbe, also eine typische Auswahl von Lebensmitteln, die Verbraucher in Deutschland je nach Jahreszeit üblicherweise einkaufen. Die Ergebnisse werden in der Presse veröffentlicht, über das Internet sind sie beim Bundesamt für  Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit abrufbar, unter www.bvl.bund.de, Stichwort "Lebensmittel". Auf aktuelle Informationen weist das Verbraucherministerium unter www.bmelv.de, Stichwort: "Ernährung & Sichere Lebensmittel" hin.

Wie man sich vor Schadstoffen in Lebensmitteln schützen kann, lässt sich aus den Befunden ebenfalls ableiten: Zu viele Schadstoffe finden sich meist bei Obst oder Gemüse, das nicht saisongerecht erzeugt wurde, also zu einer eigentlich ungünstigen Jahreszeit und unter großem Aufwand von Energie, Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Wer saisongerecht einkauft oder im Winter auf Tiefkühlkost ausweicht, minimiert das Risiko.

Ein großes Problem stellen außerdem häufig gar nicht chemische Schadstoffe dar, sondern zum Beispiel die Verunreinigung mit Schimmelpilzgiften, häufig in Gewürzen oder in Pistazien. Wie das Krebsrisiko durch Süßstoffe und Lebensmittelzusatzstoffe derzeit eingeschätzt wird, lesen Sie hier in dem Text "Lebensmittelzusatzstoffe".

Risiken aus Lagerung und Zubereitung

Einige Umweltgifte in der Nahrung sind hausgemacht: Wer die schöne bunte Keramikschmuckschale aus dem Urlaub mit säurehaltigem Rhabarberkompott füllt, muss unter Umständen mit einer Schwermetallanreicherung rechnen. Materialien, die mit Lebensmitteln bei der Produktion, Zubereitung oder Lagerung in Kontakt kommen können, unterliegen heute in Deutschland strengen Regelungen. Probleme treten meist bei unerlaubten Importwaren oder bei nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch auf. Über Risiken und deren Vermeidung informiert das Bundesinstitut für Risikobewertung unter www.bfr.bund.de/cd/227 und in seinen Pressediensten.

Gibt es besonders empfindliche Menschen?

Während noch vor wenigen Jahren viele Studiendaten überwiegend an männlichen Erwachsenen gewonnen wurden, rücken heute Kinder, bei denen Atemwegserkrankungen wie Asthma häufig auftreten, mit ihrem noch nicht so belastbaren Stoffwechsel sehr stark in den Vordergrund. Auf die Krebsrate bei Kindern wirkt sich die Umweltverschmutzung jedoch nicht nachweislich aus. Auch Menschen mit Grunderkrankungen, zum Beispiel mit Lungenproblemen, werden bei aktuellen Untersuchungen immmer stärker berücksichtigt.

Zwar gibt es Anhaltspunkte aus der Forschung, dass Menschen bei der Verstoffwechselung auch von Krebsrisikofaktoren Krebs fördernden Substanzen unterschiedlich reagieren können. Praktische Konsequenzen lassen sich daraus jedoch derzeit nicht ableiten, auch gibt es wenige besonders ausformulierte Empfehlungen für Kinder, ältere Menschen oder Kranke. Diese beziehen sich dann auch nicht auf das Krebsrisiko, sondern zum Beispiel auf den Schutz vor Atemwegserkrankungen oder besonderen Kreislauferkrankungen.

Was bringen Wohnraumuntersuchungen?

Wenn der konkrete Verdacht auf eine Schadstoffbelastung gegeben ist, gibt es die Möglichkeit einer gezielten Untersuchung. So kann man beispielsweise Raumluft auf Holzschutzmittel untersuchen. Eine ungezielte Untersuchung ist dagegen meist teurer als die komplette Sanierung einer möglicherweise schadstoffbelasteten Wohnung.

Kritisiert werden von Fachleuten allerdings immer wieder die Untersuchungsmethoden einiger Anbieter: So gibt es beispielsweise den strittigen Punkt, ob Schimmelpilze, Schadstoffe oder Faserstäube (Asbest), die dicht verschlossen hinter einer Wandverkleidung zu finden sind, überhaupt eine Gesundheitsgefahr darstellen, oder ob diese nur dann gegeben ist, wenn die Stoffe in die Raumluft gelangen und tatsächlich eingeatmet werden. Die kommunalen Bau- oder Umweltämter nennen auf Anfrage meist geeignete Ansprechpartner und informieren über günstige Maßnahmen des Tests oder der Sanierung.

Lassen sich im Körper gespeicherte Schadstoffe ausschwemmen?

Einige Schulen der Alternativmedizin messen der Ausschwemmung von Schadstoffen einen großen Stellenwert bei. Häufig empfohlene Möglichkeiten, auch für Krebspatienten, seien demnach

  • Diäten und Fastenkuren
  • Einläufe, Darmspülungen oder Darmsanierungen
  • das "Ausleiten" mit Medikamenten.

Was ist wirklich dran an diesen Ratschlägen?

Diäten, Fasten

Diäten oder Fastenkuren zur Entschlackung und Entgiftung spielen zwar in der Naturheilkunde eine gewisse Rolle. Die Mehrzahl der Experten ist sich heute aber darüber einig, dass es "Schlacken" im Stoffwechsel so gar nicht gibt, auch bei den derzeitigen Vorstellungen zur Krebsentstehung spielen solche Konzepte keine Rolle mehr. Eine Diät oder Fasten tragen eher, wenn sie überhaupt als wirksam empfunden werden, zum allgemeinen Wohlbefinden bei als tatsächlich zu entgiften oder zu entschlacken, darauf weist zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihrer "Beratungspraxis" vom Februar 2005 hin: www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=468

Vor zehn bis zwanzig Jahren, als die Umweltbelastung noch höher war als heute, wurde sogar von Fachleuten darauf hingewiesen, dass Fasten schädlich sein konnte: Im Fettgewebe eingelagerte Schadstoffe wurden kurzfristig für den Stoffwechsel mobilisiert und dann wieder eingebaut. Fasten, Einläufe oder Darmsanierungen werden wegen der möglichen Nebenwirkungen auf den Kreislauf und die Herzfunktion insgesamt eher kritisch gesehen, so zum Beispiel von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in ihrer "Beratungspraxis" vom Februar 2005. Menschen, die bereits an Krebs erkrankt sind, sollten davon absehen, außer ihr Arzt ist ausdrücklich damit einverstanden – ihr Energiehaushalt ist selten so ausbalanciert, dass sie sich eine solche "Entgiftung" leisten könnten.

Abführen, Ausleiten

Die meisten ausleitenden Mittel wirken, auch wenn dies häufig nicht so gesagt wird, entweder abführend oder entwässernd, und werden von Fachleuten aus den oben genannten Gründen durchaus kritisch gesehen. Weitere können vielleicht desinfizieren, so etwa Essigtrinkkuren, eine entgiftende Wirkung ist jedoch nicht zu erwarten.

Andere wurden ursprünglich entwickelt, um bei schweren Vergiftungen, etwa mit Schwermetallen, chemische Substanzen wenigstens ansatzweise aus dem Körper zu entfernen. Zu diesen Methoden gehören beispielsweise die Chelatbildner, die vor allem bei der so genannten Amalgamsanierung (Amalgam) eingesetzt werden.

Alle Verfahren haben jedoch schwere Nebenwirkungen oder sind bei geringer Belastung sogar gefährlicher als die Schadstoffe. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte weist in seiner im Januar 2005 aktualisierten Amalgam-Broschüre (www.bfr.bund.de) ausdrücklich darauf hin, dass die Mittel selbst zum Test auf eine Quecksilberbelastung nicht geeignet ist. Die Kassen zahlen entsprechende Verfahren zur Schadstoffausleitung meist nicht, auch nicht für Krebspatienten.

Wer ist bei weiteren Fragen zuständig?

Lokale und regionale Ansprechpartner

  • Die meisten Gemeinden und Städte, die Kreise und die Länder bieten Umweltinformationen an. Ansprechpartner und Beratungsstellen können in der Regel bei der Verwaltung am Wohnort erfragt werden.
  • Auch Umwelt-und Naturschutzvereine und -verbände bieten regionale Beratungsstellen an und informieren über ihre Internet-Seiten, in Broschüren und bei Veranstaltungen.

Informationen des Bundes

Das gemeinsame Internetportal www.portalu.de des Bundes und der Länder bietet Links zu Umweltthemen aller Behörden, Ämter und anderer öffentlicher und vernetzt so eine Vielzahl von Informationen. Zum Schnellzugriff auf Tausende von Dokumenten kommen aktuelle Nachrichten, Umweltmesswerte und Hinweise auf Veranstaltungen. Gezielt suchen kann man auch bei den einzelnen Resorts direkt:

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit informiert unter www.bmu.de (neues Bildschirmfenster) über viele Themen, ebenso das nachgeordnete Umweltbundesamt unter www.umweltbundesamt.de – eine Stichwortsuche erleichtert das Auffinden einzelner Themen bei beiden Seiten.

Das Verbraucherministerium informiert unter www.bmelv.de das Bundesinstitut für Risikobewertung als nachgeordnete Behörde unter www.bfr.bund.de. Auch Portale wie zum Beispiel www.waswiressen.de werden vom Verbraucherministerium gefördert.

Das Gesundheitsministerium kooperiert im Programm "Umwelt und Gesundheit" sowohl mit dem Bundesumweltministerium wie auch mit dem Verbraucherministerium, mehr dazu im Internet unter www.apug.de.

Informationen der Länder

Die Länder informieren je nach Zuständigkeit und Verantwortungsbereich ihrer Ministerien und Behörden mit unterschiedlichen Angeboten. Hier ein Einstieg in die weitere Informationssuche zum Thema Umwelt über die Umweltbehörden oder -ministerien:

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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 09.04.2005